mini|Stammwappen der Überacker mini|Wappen des Virgil Überacker von 1456, in der Margaretenkapelle von St. Peter, heute Kapitelsaal

Die Überacker (auch Uiberacker oder Ueberacker(n) geschrieben) waren ein seit dem 11. Jahrhundert nachweisbares bayerisches Adelsgeschlecht,Nach Neweklowsky (1973, S. 155) gibt es nur sieben uradelige Familien in Oberösterreich, die im Mannesstamm und mit ihrem Namen vom 11. Jahrhundert bis heute nachweisbar sind. Zurzeit sind davon nur mehr fünf vorhanden, nämlich die Starhemberger, die von Abensperg und Traun, die Hardegger, die Lasberger und die Schallenberger; die Familien der Überacker sowie die der Hayden von Dorff können als erledigt gelten. das ursprünglich Dienstmannen für die Grafen von Burghausen stellte. Die Familie blühte auf, als ihre Mitglieder über Jahrhunderte hinweg im Erzbistum Salzburg hohe Ämter als Verwaltungsbeamte oder im Militär innehatten und ausgedehnte Besitzungen erwerben konnten. Die Überacker wurden im 17. Jahrhundert in den Freiherrenstand und letztendlich in den Reichsgrafenstand erhoben. Die Familie gilt heute in Salzburg als „ausgestorben“; eventuell gab oder gibt es noch eine Linie der Familie in Niederösterreich, als deren vermutlich letzter Vertreter können der Schriftsteller Ernst Josef Uiberacker (* 28. Mai 1885 in Groß-Enzersdorf, † 14. Juli 1958 in Felixdorf) und dessen Sohn und zwei Enkel angesehen werden.Uiberacker, E.J., Halali…, Salzburg 1953, S. 2

Herkunft Die Überacker hatten ihren Stammsitz ursprünglich im Ort Überackern, nahe der früher bayerischen und nun österreichischen Gemeinde Hochburg-Ach im Bezirk Braunau von Oberösterreich. Der Ortsname (abgeleitet von Über der (Salz-)Ache) selbst hat zahlreiche Veränderungen hinter sich gebracht (Iparach, Uparachen, Ibrache, Uiberaggern, Überacha, Ibberachen); seit 1850 heißt der Ort Überackern. mini|Planskizze des Johann Ev. Lamprecht von der viereckigen Wallburg Burgstall bei Überackern Die Lagestelle des mittelalterlichen Sitzes in Überackern ist nicht sicher bekannt, obwohl in der Gegend von Hochburg-Ach eine Reihe mittelalterlicher Burgställe und Wehranlagen vorhanden ist (z. B. die Ratzlburg, ein Stammsitz der Rohrer). Eine Vermutung ist, dass der Stammsitz des Geschlechtes der Überacker mit dem „Hochhaus“ gleichzusetzen ist, von dem nur mehr Erdwerk in einer sumpfigen Wiese (ein ehemaliger Teich) beim Bauernhof Braunlechner im Ortsteil Aufhausen von Überackern erhalten ist.Grabherr, 1975, S. 15. Aber auch eine zweite Fundstelle in dieser Gegend, nämlich eine viereckige Wallanlage namens „Burgstall“, bietet sich als früher Sitz der Überacker an.Das gleichnamige Schloss Überackern in Braunau am Inn ist hingegen ein im Biedermeierstil errichteter Neubau aus dem Jahr 1952, veranlasst durch die Familie von Castell-Castell, und steht in keiner Verbindung zur Familie Uiberacker; das Haus wird heute von der Familie Schönburg-Waldenburg bewohnt.Schloss Überackern auf Austria-Forum In der Schlacht von Mühldorf von 1322 kämpften die Überacker auf Seiten des Salzburger Erzbischofs Friedrich III. von Leibnitz gegen Ludwig IV. der Bayer; da letzterer diese Schlacht gewann, wurde in der Folge der Ansitz der Überacker zerstört.

Geschichte der Familie Als erster dieses Geschlechts wird ein Heinrich I. von Uiberacker genannt, auch ein „liber homo nomine Otto do Uberachin“ († 1137) wird bereits um 1100 erwähnt. Die Überacker sind dann ab dem 13. Jahrhundert in Salzburg nachweisbar.Heinrich (Hrsg.) Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Leipzig 1859-70.Google E-book, Band 9, S. 330. 1281 werden Wichard und Otto, genannt Vberekcher, mit Lehen der Salzburger Kirche belehnt.

Der erste Überacker in Diensten des Erzbistums Salzburg war ein Erhard, der 1385–1593 Burggraf auf Friesach war. Erhard und sein Bruder Mattheus erhalten 1370 von Heinrich Krapff, Bischof von Lavant die Erbhausung und Burghut auf der Feste Pirchenstein. Heinrich Krapff wird als „Schwager“ eines Otto Überacker bezeichnet.

Im Land Salzburg wird 1394 Wolfhart Überacker, Sohn des Johann, erstmals genannt. Er wird von Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim mit der Pflege von Lichtentann betraut. 1410 werden Wolfhart und sein Sohn Virgil auf Lebenszeit zudem mit der Feste und Burghut auf Altentann belehnt. Erzbischof Bernhard von Rohr hat 1468 dem Wolfhart Uiberacker und den Söhnen des verstorbenen Ernst Uiberacker auch die freigewordene Pflege Lichtentann als Absentpflege (d. h., dass sie hier nicht persönlich als Pfleger agieren mussten, sondern Vertreter einsetzen konnten) verliehen. Altentann war den Uiberackern als erbliche Pflege bereits 1418 zugefallen, Lichtentann musste hingegen jeweils neu vergeben werden. 1607 wurden beide Bereiche zu einer Pflege zusammengefasst. Nach der Säkularisation gingen Gebäude und Grundbesitz aus beiden Herrschaften an den Henndorfer Bierbrauer Kaspar Moser über.

Mitte des 15. Jahrhunderts hatten die Überacker im Tausch gegen Besitzungen hinter dem Pass Lueg Sieghartstein erworben. 1444 wurden die Uiberacker unter dem Titel Herren von Sieghartstein siegelfähig. Virgil Uiberacker ließ hier vor 1450 eine Burg (Veste) erbauen (dy Veste gen dem Sigharczstain in dem Grunt des Hofs zu Sigharting von new gepawet). Abraham Überacker erhielt 1616 für Sieghartstein eine Brau- und Taferngerechtigkeit (die Taverne, gegründet 1444, steht heute noch). 1610 wurde von Abraham Uiberacker auch die Herrschaft Pfongau erworben, die bis 1873 im Besitz der Familie blieb. Die Hofmarksrechte von Sieghartstein wurden unter Wolf Josef Graf Uiberacker 1820 aufgegeben und nach Neumarkt übertragen.

Am 9. April 1669 wurden die Vettern Wolf Abraham und Wolf Ernst von Kaiser Leopold I. in den Reichsfreiherrenstand erhoben und konnten sich in der Folge Wohlgeboren und auf Sighartstein und Pfangau nennen. Am 27. Oktober 1688 werden Wolf Abraham und seine Kinder in den Reichsgrafenstand erhoben und werden nun mit Hoch- und Wohlgeboren angesprochen.Überacker auf Salzburgwiki.at Auch Wolf Dominikus wird am 8. Februar 1694 in den Reichsfreiherrenstand erhoben und kann sich hinfort ebenfalls Wohlgeboren nennen. Schließlich erhebt Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz als Reichsvikar die Brüder Wolf Dominikus und Wolf Sigmund und deren Vetter Wolf Max Anton in den erblichen Reichsgrafenstand.

Besitzungen in Salzburg In Salzburg hatte die Familie Überacker den Gurkerhof 1424 durch den Salzburger Hauptmann Virgil Uiberacker erworben und konnten diesen Besitz bis 1747 halten. Seit diesem Virgil Ueberacker besaßen sie ab 1442 und bis vor kurzem auch das Schloss Sighartstein. mini|Schloss Sighartstein mini|Schloss Pfongau mini|Palais Überacker, Dreifaltigkeitsgasse Ecke Makartplatz in Salzburg Das Schloss Pfongau war 1610 von Abraham Graf von Uiberackern erworben und blieb bis 1873 im Besitz dieser Familie. In Sam im Salzburger Stadtteil Langwied gehörte der Familie der Bauernhof Weingarten. In Anif besaß Wolf Franz Graf Überacker den Überackerhof. In der Stadt Salzburg kaufte Wolf Maximilian Graf Überacker 1723 das heute Graf-Überacker-Palais genannte Gebäude und baute es zu einem Adelspalast und Wohnhaus für die Familie um.

Unter den Nachfolgern des Abraham Uiberacker († 1607) kam es zu einer Teilung der Familie in eine Siegharsteiner Linie (beginnend mit Wolf Kaspar, † 1666) und eine Pfongauer Linie (beginnend mit Wolf Erenreich, † 1646). Der letzte Überacker der Siegharter Linie im Mannesstamm war Wolfgang Christoph Graf von Uiberacker,Wolfgang Christoph Graf von Uiberacker von Kaiser Josef II. zum Reichshofrathspräsident in Wien ernannt. Dieser war nicht verheiratet und das letzte männliche Mitglied der Sieghartsteiner Linie. Ihm gelang es aber, seine beiden Schwestern mit einer hohen Summe auszuzahlen und Pfongau und Sieghartstein in einen Fideikommiss umzuwandeln, sodass der ganze Besitz der Familie (bis zum Verkauf von Pfongau 1873) erhalten blieb. Der letzte der Salzburger Uiberacker war offensichtlich Wolf Arnulf Graf von Uibeacker (* 1911, † 1979), der kinderlos starb. Bereits 1964 übernahm Gabrielle Pálffy, eine geborene Uiberacker, den Besitz von Sieghartstein für ihren Sohn Martin Pállfy. Dieser konnte die Besitzungen aber nicht halten und so wurde Sieghartstein 1992 an den Messemanager Arnold Henhapl verkauft. Nachdem dieser 2009 in die Insolvenz geschlittert war, wurde der Besitz versteigert und kam dann nach mehreren Verkaufsversuchen 2012 an Baron Ernst von Gecmen-Waldeck. mini|Grabplatte der Überacker in Kloster Raitenhaslach von ca. 1500

Begräbnisstätten der Überacker Die älteste Begräbnisstätte der Uiberacker ist das Kloster Raitenhaslach; weitere Begräbnisstätten finden sich im Kloster Au am Inn in Aschau am Inn, im Stift St.Peter, im Salzburger Dom und in Köstendorf.

Berühmte Familienmitglieder Georg Überacker, Bischof Georg II. von Seckau Wolfgang Christoph Graf von Uiberacker, Reichshofratspräsident unter Kaiser Josef II.

Wappen Stammwappen von 1403 in Rot mittig ein gelber Ort, auf hohem Helm roter Hut mit Stulpe und ein gelber Knopf mit Feder Wappen des Virgil Überacker von 1456 Schild geviertet, Feld 1 und 4 in Schwarz zwei gegeneinandergestellte halbe goldene (gelbe) Räder, Feld 2 und 3 das Stammwappen; Helmdecken rot-gelb Gräfliches Wappen von 1688 Schild geviertet mit Herzschild, Feld 1 und 4 in Schwarz zwei gegeneinandergestellte halbe goldene (gelbe) Räder, Feld 2 und 3 in Rot ein leibfarbener Arm, einen Stein in der Hand, Herzschild: das Stammwappen; drei gekrönte Helme: 1. geschlossener schwarzer Flug mit den halben Rädern, Decken schwarz-weiß, 2. roter Hut mit goldener Stulpe, gelber Knopf und schwarzer Federbusch, Decken weiß-rot, 3. der Arm, Decken schwarz-goldenen. Schildhalter zu beiden Seiten: auf einem Tigerpferd sitzender, zum Turnier geschickter und bewaffneter Ritter mit offenem Helm, in der Hand einen Speer haltend, links mit schwarz-weiß, rechts mit schwarz-goldenen Helmfedern.

Stammliste der Uiberacker NNStammliste auf Basis von F. Martin, 1932, ergänzt durch Genealogie-Netz.de, letzteres enthält allerdings etliche Unwägbarkeiten. mini|Margarethenkapelle auf dem Petersfriedhof, eine Begräbnisstätte der Überacker

Wolfhart (I. in Salzburg), 1410 Pfleger von Liechtentann, 1418 auch von Altentann, † 1430, begraben in Köstendorf, ⚭ Katharina, Tochter des Ernst von Stockhern Virgil, Pfleger von Altentann, seit 1429 auf Lebenszeit, nach 1442 nennt er sich von Sieghartstein, † 30. März 1459, begraben in Salzburg (Margaretenkapelle im Petersfriedhof), ⚭ Kunigund Aichpergerin von Rab, † 9. September 1454 (?) Rupert, Pfarrer von Köstendorf und Laufen, Domherr zu Passau Wolfhart II., 1461 salzburgischer Rat, Erzbischof Burkhart übergibt ihm und seinen Nachfolgern die Pflege von Altentann, 1468 Pfleger von Lichtentann, † 1481, begraben in Salzburg (Margaretenkapelle), ⚭ Barbara, Tochter des Joachim Seinerstorfer von Mitterkirchen, † 31. März 1458 Matthäus Ursula, 1468 erbittet sie um Belehnung mit den von ihrer Mutter geerbten Besitzungen Ernst, † 9. November 1468, begraben in Köstendorf, ⚭ Anna von Wirsberg, Tochter des Bernhard von Wirsberg und der Elisabeth Groß von Trockau Georg, Dr. decret, Pfarrer von Pöls, 1452 Bischof von Seckau, † 30. Januar 1477, begraben in Seckau Sabina, † 17. Oktober 1523, begraben in Wels, ⚭ Christoph Jörger zu Reit und Neidharting, Pfleger von Ort, † 9. Januar 1518 zu Jörgen Ernst, seit 1468 Pfleger von Lichtentann, † 27. September 1469, begraben in Salzburg (Margaretenkapelle) Walburga, ⚭ ca. 1498 mit Bernhard, Sohn des Wilhelm Ramseider, Pfleger zu Kaprun († Saalfelden) Virgil, Hauptmann in Salzburg, ab 1463 Pfleger von Lichtentann, Fehde mit Bernhard von Dachsberg zu Seeburg, † 20. November 1532, begraben in Salzburg (Margaretenkapelle), ⚭ Rosina, Tochter des Thomas von Preising zu Kopfsberg und Kronwinkel, ⚭ Brigitta Schmieher zu Wakenstein, † 26. August 1521, begraben in Köstendorf