Die Aktion Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig stieß im Jahr 2008 in Aachen auf reges Interesse. Der Rat der Stadt Aachen beschloss, die Erinnerung an ehemalige Bürger, die im nationalsozialistischen Deutschland deportiert, ermordet oder zur Flucht aus Deutschland gezwungen wurden, mit solchen Gedenksteinen zu ehren. Diese kleinen Messingquader mit der Gravur des Namens, der Lebensdaten und des Schicksals befinden sich vor dem aus freiem Willen zuletzt bewohnten Haus der betreffenden Person und sind vom Künstler persönlich in den Bürgersteig eingesetzt worden. Mittlerweile wurden seit 1992 in über 1.860 Kommunen und 31 europäischen Ländern, vorwiegend in Deutschland, rund 116.000 Stolpersteine verlegt. Damit zählt dieses Projekt als größtes dezentrales Mahnmal der Welt.Wissenswertes zu Stolpersteinverlegungen, Fakten und Zahlen auf stolpersteine.eu
An dieser Aktion haben sich in Aachen unter der organisatorischen Gesamtleitung der Volkshochschule Aachen neben einigen Privatpersonen und dem Verein Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen e. V.Gedenkbuchprojekt Aachen vor allem viele Aachener Schulen maßgeblich beteiligt. Im Rahmen ihres Unterrichtsplanes recherchierten sie die Lebensgeschichte der betroffenen Personen, knüpften Kontakte zu Überlebenden und spendeten nicht zuletzt die Kosten von derzeit 120 Euro je Stein aus dem Erlös der so genannten „Friedensläufe“. Darüber hinaus übernahmen einige Schulen sowie Vereine Patenschaften für ausgewählte Stolpersteine.
Seit 2008 sind an folgenden Terminen bisher 184 Stolpersteine an 92 Adressen verlegt sowie vereinzelt vorhandene Steine ausgetauscht worden: 16. Januar 2008: neun Steine an fünf Adressen 15. Juni 2009: vierzehn Steine an fünf Adressen 3. Dezember 2010: ein Stein an eine Adresse 18. Oktober 2011: zwei Steine an eine Adresse 17. Dezember 2012: sieben Steine an fünf Adressen 15. Juni 2016: dreiundzwanzig Steine an neun AdressenRatsbeschluss-Vorlage – E 42/0021/WP17 vom 26. August 2015 zu den Stolpersteinverlegungen 2015 mit Anlagen und Belegen für Sibylla Levy sowie Emma und Hugo Hartog auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 16. November 2020.Ratsbeschluss-Vorlage – E 42/0028/WP17 vom 23. Januar 2016 zu den Stolpersteinverlegungen 2016 mit Anlagen und Belegen für Julius Berg, Gustav Hartog, Wally Hirtz sowie die Familien Walbaum und Cahn auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 21. Mai 2022. 1. Februar 2018: acht Steine an zwei AdressenRatsbeschluss-Vorlage – E 42/0109/WP17 vom 12. Dezember 2018 zu den Stolpersteinverlegungen 2019 mit Anlagen und Belegen für Robert und Max Salomon, Hans Max Silberberg, Fritz Moses, Siegfried Randerath, Arthur May und Erich Daniel André auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 21. Mai 2022. Anmerkung: Der Stein für Eduard Levy, Friedenstraße 8 in Haaren, wurde nicht verlegt, da sein letzter Wohnsitz noch umstritten ist. 6. Februar 2019: sieben Steine an sieben Adressen 2. November 2020: zehn Steine an fünf AdressenRatsbeschluss-Vorlage – E 42/0135/WP17 vom 18. März 2020 zu den Stolpersteinverlegungen 2020 mit Anlagen und Belegen für Marie Ahn, Gertrud und Adolf Rosenthal, Ida und Paul Maas, Emmy und Karl Leopold Brach, sowie Familie Albert Salmang auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 20. Mai 2022. 24. Juni 2021: acht Steine an vier Adressen und ein Austausch mit geänderter Gravur 20. Juli 2021: sechs Stolpersteine an zwei AdressenRatsbeschluss-Vorlage - E 42/0012/WP18 vom 19. Mai 2021 zu den Stolpersteinverlegungen 2021 mit Anlagen und Belegen für Hans Rosenberg, Meta Rosenberg, Philipp und Berta Moses, sowie Familie Weinhausen, Familie Salmang und Familie Mali Blumenthal auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 20. Mai 2022. 9. Juni 2022: achtzehn Stolpersteine an zehn AdressenRatsbeschluss-Vorlage – E42/0043/WP18 vom 11.Juni 2022 zu den Stolpersteinverlegungen 2022 mit Anlagen und Belegen für Maria May, Jean Horegard, Pauline Klein, Else Clahsen, Herbert Kaufmann, Oscar Heumann, Emmy Lippmann und Kurt Meyer sowie Familie Josef Herz und Familie Weinhausen auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 15. Juni 2024. 8. September 2023: acht Stolpersteine an drei Adressen 21. Februar 2024/1. März 2024: dreizehn Stolpersteine an sieben Adressen, davon ein Stolperstein als Ergänzung zu einer vorhandenen AdresseRatsbeschluss-Vorlage - E42/0106/WP18 vom 31. Januar 2024 (PDF) zu den Stolpersteinverlegungen 2024 mit Anlagen und Belegen auf den Seiten der Stadt Aachen, abgerufen am 5. Februar 2024. 1. Juli 2025: 6 Stolpersteine an vier Adressen, dazu zwei korrigierte Stolpersteine als Austausch 3. November 2025: 12 Stolpersteine an fünf Adressen Laut Ratsbeschluss vom 19. November 2025 sind für 2026 vier Stolpersteine an drei Adressen genehmigt worden. Laut Ratsbeschluss vom 11. Februar 2026 wurden für 2026 weitere 18 Stolpersteine an acht Adressen genehmigt, davon zunächst sechs Steine am 18. Juni 2026 verlegt.Entscheidungsvorlage – E 42/0236/WP18 der Stadt Aachen vom 11. Februar 2026 24. September 2026: 10 Stolpersteine an drei Adressen in Kornelimünster 1. Oktober 2026: 6 Stolpersteine an vier Adressen
Zu den bisher mit Stolpersteinen geehrten Personen gehören Juden bzw. Personen jüdischer Abstammung sowie zwei politisch Verfolgte und zwei behinderte Kinder. Die Angaben sind größtenteils den Ratsbeschluss-Vorlagen der Stadt Aachen und den dortigen Anlagen der Angehörigen zu den Stolpersteinverlegungen entnommen. Weiteren biografischen Angaben sind durch die Einträge im „Gedenkbuchprojekt“, im Orts- und Personenverzeichnis der Projektseite „Wege gegen das Vergessen“ sowie durch gesonderte Einzelnachweise in den entsprechenden Tabellenzeilen referenziert.
Übersicht Die Ortsbilder zeigen das Wohnumfeld um 2025 an. Mehrere Häuser sind im Krieg zerstört und neue errichtet worden. AdresseName und DetailsVerlegedatum und PatenschaftBild Adalbertstraße 33,Aachener Altstadt()120px|zentriert(Nachkriegszustand) Lina Levano, geb. Bauer (geb. am 12. November 1887 in Weilburg an der Lahn), war das zehnte von zwölf Kindern des Viehhändlers Jonas Bauer und seiner Ehefrau Fanny, geborene Marcus. Sie arbeitete als Schuhverkäuferin und übernahm nach ihrer Heirat mit Eduard Levano (1883–1933) im Jahr 1912 zusammen mit ihm und ihrer Schwester Clementine Katzenstein, geb. Bauer (geb. 1875; siehe Adalbertstraße 43), das Schuhgeschäft Louis Berg in Aachen, welches sie bis 1928 führten. Danach eröffnete die Familie Levano unter der Firmierung Bauer Schuh & Co. ein neues Schuhgeschäft. 1942 wurde Lina Levano nach Riga deportiert und dort ermordet.
Ihr Sohn Günter Levano (geb. am 2. Mai 1927 in Aachen), wurde 1942 zunächst ebenfalls nach Riga deportiert, anschließend ins KZ Stutthof überführt und 1944 im Außenlager Magda des KZ Buchenwalds in Magdeburg ermordet.Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen e. V.200px|zentriertweitere Bilder Adalbertstraße 43,Aachener Altstadt()120px|zentriert(Nachkriegszustand) Clementine Katzenstein, geb. Bauer (geb. am 25. Mai 1875 Weilburg an der Lahn), war die Tochter des Viehhändlers Jonas Bauer und seiner Ehefrau Fanny, geborene Marcus, sowie die Schwester von Lina Levano (siehe Adalbertstraße 33). Zusammen mit ihrer Schwester und deren Mann Eduard Levano übernahm sie als Schuhverkäuferin das Schuhgeschäft Louis Berg in Aachen, welches sie bis 1928 führten. Danach eröffnete die Familie Levano/Katzenstein unter der Firmierung Bauer Schuh & Co. ein neues Schuhgeschäft. 1939 flüchtete Clementine Katzenstein nach Belgien, wo sie verhaftet und in das SS-Sammellager Mecheln interniert wurde. Am 10. Oktober 1942 wurde sie in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen e. V.200px|zentriertweitere Bilder Alexianergraben 8,Aachener Altstadt()130px|zentriert(Nachkriegszustand) Maria May, (geb. am 27. Mai 1902 in Aachen) stammte aus einer katholischen Familie und war die Tochter von Johann Joseph Matthias May und der Catharina May, geb. Gerkens († 1936). Sie besuchte die Marienschule in Aachen und galt als gute Schülerin. Mit dem frühen Tod der Mutter schien die zu jener Zeit 14-jährige Maria nicht klargekommen zu sein, denn wenige Monate später wurde sie als „widerstrebend, frech und unfolgsam“ in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt verwiesen. Mit dem Vorwand, der Großvater sei Alkoholiker gewesen, was gemäß der Rassenlehre angeblich zu Erbkrankheiten führte, und zudem bei ihr selbst angeborener Schwachsinn diagnostiziert wurde, wurde Maria May gemäß dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses trotz anfänglichen Widerspruchs des Vaters, aber später mit dessen Einverständnis, zur Zwangssterilisation gezwungen. Im April 1938 erfolgte im Luisenhospital Aachen der Eingriff. Wenige Wochen später wurde Maria am 30. Juni 1938 wegen ihres „unheilbaren Verhaltens“ erneut nach Düren verlegt, von wo aus sie am 11. Juli 1941 zunächst in die Zwischenanstalt Andernach und am 15. August 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert wurde. Dort erfolgte noch am gleichen Tag im Rahmen der Aktion T4 ihre Ermordung.200px|zentriertAlfonsstraße 4,Steffensviertel()120px|zentriert(Nachkriegszustand) Erich Salmang (geb. am 2. August 1904 in Eilendorf) war der Sohn des Fleischergroßhändlers Albert Salmang (siehe Templergraben 22) und dessen Ehefrau Julie, geborene Billig. Er war als Kaufmann tätig und seit 1928 mit Betty, geborene Hartoch, verheiratet, mit der er die Tochter Marion Salmang bekam. Erich Salmang war Leichtathlet und Wanderführer im „Jüdischen Turnclub 1906“, in dem auch seine beiden Brüder Joseph und Leo sowie seine Frau aktiv waren. Bis 1939 wohnte die Familie im Haus Alfonsstraße 4, in dem Erichs Schwiegereltern Hartoch eine Textilwaren-Großhandlung betrieben. Ab 1939 ist die Familie in den Aachener Adressbüchern nicht mehr eingetragen und stattdessen finden sich Hinweise darauf, dass sie nach Belgien geflohen waren und in der Gemeinde Schaarbeek wohnhaft wurden. Dort wurde Erich Salmang verhaftet und nach einem Zwischenaufenthalt im Sammellager Drancy zwischen dem 10. und 15. Mai 1940 in das Camp de Concentration de Saint-Cyprien überstellt. Von dort erfolgte später die Verlegung in das Arbeitslager Blechhammer, einem Außenlager des KZs Auschwitz, wo er Anfang 1944 für tot erklärt wurde.
Betty Salmang (geborene Hartoch, geb. am 9. August 1906 in Aachen) war die Tochter des kaufmännischen Angestellten Oskar Hartoch (geb. 1880) und der Emma, geborene Hartoch. Nach der gemeinsamen Flucht mit ihrem Ehemann nach Brüssel konnte sie mit Hilfe von Freunden einer Verhaftung entgehen und untertauchen. Noch in Belgien heiratete die zwischenzeitlich zum katholischen Glauben konvertierte Betty Salmang einen belgischen Soldaten und kehrte nach dem Krieg am 23. Juni 1952 wieder nach Aachen zurück, wo sie am 8. März 1990 im Stadtteil Laurensberg gestorben ist.
Marion Salmang (verheiratete Moxhon-Labrousse, geb. am 4. April 1931 in Aachen) war die gemeinsame Tochter von Erich und Betty Salmang und konnte mit ihren Eltern nach Brüssel fliehen, und dort ebenso wie ihre Mutter untertauchen und den Holocaust überleben. Nach dem Krieg blieb sie in Belgien wo sie geheiratet hat und am 21. November 2011 in Lüttich gestorben ist.