Die Bezeichnung Kammerschauspieler (Abkürzung Ksch. oder KS. Österr. Bundeskanzleramt, Kunst und Kultur, Aussendung vom 16. Februar 2016) ist in der Republik Österreich ein Berufstitel, der vom Bundespräsidenten an hervorragende Schauspieler verliehen wird. In Deutschland existiert der Ehrentitel ebenfalls und ist „nach genauester juristischer Prüfung“ anlässlich der Verleihung des Titels an Heimo Scheurer ein Titel, mit dem verdiente Ensemblemitglieder von Bühnen durch Landesministerz. B. Erlass des hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst vom 21. Mai 2014, staatlich-gesellschaftlichez. B. „Bayerischer Kammerschauspieler“ oder städtischez. B. „Kammerschauspielerin der Landeshauptstadt Kiel“ Institutionen oder durch das Theater selbstz. B. „Kammerschauspieler des Oldenburgischen Staatstheaters“ ausgezeichnet werden können.
Vergleichbare Bezeichnungen sind Kammersänger, Kammertänzer, Kammermusiker, Kammervirtuose und Staatsschauspieler.
Geschichte Zur fürstlichen Kammer zählte ursprünglich jedes Personal, das aus der Privatschatulle des Herrschers besoldet wurde und/oder in seinem unmittelbaren Dienst stand, vom Kämmerer über den Kammerdiener bis hin zu Kammerjungfer und Kammermohr. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bezeichnung Kammer auch zum Synonym für „weltlich“, „säkulär“, „nicht-kirchlich“; dies kam etwa in den Dichotomien zwischen weltlicher Musik und Kirchenmusik oder (fürstlichem) Kammertheater und geistlichem Theater (Heiligenspiel) zum Ausdruck.
Die große Bedeutung der fürstlichen Höfe für private Aufführungen in kleinem Kreis, besonders im 17. Jahrhundert im Unterschied zu öffentlichen Veranstaltungen in Kirchen und Theatern, klang im 19. Jahrhundert nach in den von den Fürsten ihren Künstlern verliehenen Titeln wie Kammersänger und -sängerin, Kammervirtuos, Kammermusikus u. a. Die Donaumonarchie stellte den so geehrten Musikanten die Wiener „Hofschauspielerin“ und den „Hofschauspieler“ des k.k. Hofburgtheaters an die Seite. Während das Verschwinden des Kaiserhofes jedoch vom „Hofrat“ problemlos überlebt wurde, schlug der Direktor des Wiener Burgtheaters Franz Herterich als Ersatz für den „Hofschauspieler“ den „Kammerschauspieler“ vor. Bundespräsident Michael Hainisch folgte dieser Anregung und schuf 1926 die neuen österreichischen „Kammer“-Titel für Künstler auf dem Gebiet der Musik und der darstellenden Kunst. In der Folge wurde der Kammerschauspielertitel lange an Mitglieder des Burgtheaters vergeben, doch wurde er 1971 auch formell in das österreichische System der „berufsspezifischen Ehrentitel“ eingegliedert. Folglich war der Titel nun nicht mehr auf Mitglieder des Burgtheaters beschränkt, sondern wurde auch an Mitglieder der anderen österreichischen Bundestheater und schließlich auch an Künstler anderer österreichischer Bühnen vergeben. Vilma Degischer war die erste Schauspielerin, die mit dem Titel ausgezeichnet wurde, aber nicht am Burgtheater engagiert war.
Bekannte Träger des österreichischen Berufstitels (Auswahl) 1926: Maria Mayen 1926: Raoul Aslan 1926: Willi Thaller 1950: Attila Hörbiger 1955: Josef Meinrad 1960: Boy Gobert 1961: Hans Moser 1962: Ernst Deutsch 1963: Annemarie Düringer 1967: Johanna („Hannerl“) Matz 1968: Michael Janisch 1969: Paul Hörbiger 1970: Sonja Sutter 1974: Heinz Reincke 1980: Vilma Degischer 1983: Angelika Hauff 1985: Fritz Muliar 1986: Karlheinz Hackl 1986: Michael Heltau 1986: Gertraud Jesserer 1986: Erika Pluhar 1986: Sylvia Lukan 1988: Kurt Heintel 1989: Fritz Hakl 1989: Heinz Petters 1990: Peter Weck 1992: Helmuth Lohner 1997: Robert Meyer 1998: Gert Voss 1998: Bibiana Zeller 2000: Wolfgang Hübsch 2000: Erni Mangold 2003: Ossy Kolmann 2004: Gerti Pall 2004: Christiane Hörbiger 2005: Kirsten Dene 2005: Maresa Hörbiger 2005: Martin Schwab 2006: Peter Matić 2007: Ernst Prassel 2008: Ignaz Kirchner 2009: Detlev Eckstein 2009: Branko Samarovski 2010: Wolfgang Hübsch 2010: Andrea Eckert 2010: Florian Liewehr 2011: Silvia Glogner 2011: Herbert FöttingerVerleihungs- und Überreichungsjahr differieren (nicht nur hier) 2011: Heribert Sasse 2012: Gerhard Balluch 2013: Walter Langer 2013: Sona MacDonald 2014: Maria Bill 2015: Regina FritschBundesminister Ostermayer ehrt Burgschauspielerin Regina Fritsch. APA-Meldung vom 17. Jänner 2015, abgerufen am 17. Jänner 2015. 2015: Joseph Lorenz. Pressemeldung vom 15. September 2015, abgerufen am 16. September 2015. 2016: Peter Simonischek 2016: Johann Adam OestBundespressedienst APA OTS0041, 30. Juni 2016, 2016: Maria Happelorf.at – Maria Happel wird Kammerschauspielerin. Artikel vom 9. September 2016, abgerufen am 9. September 2016. 2017: Sandra CervikNÖN: Turrinis „Sieben Sekunden Ewigkeit“ in Wien bejubelt. Artikel vom 13. Jänner 2017, abgerufen am 14. Jänner 2017. 2017: Michael Maertens 2017: Nicholas Ofczarek 2017: Felix DvorakBundesminister Drozda ehrt Schauspieler und Intendant Felix Dvorak. OTS-Meldung vom 14. Juni 2017, abgerufen am 15. Juni 2017. 2017: Erwin Steinhauerorf.at: Erwin Steinhauer ist Kammerschauspieler. Artikel vom 22. Juni 2017, abgerufen am 22. Juni 2017. 2017: Johannes KrischKleine Zeitung: Große Ehre für Charakterdarsteller Johannes Krisch. Artikel vom 12. Dezember 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017. 2019: Lotte Ledlorf.at: Lotte Ledl ist nun Kammerschauspielerin. Artikel vom 22. März 2019, abgerufen am 22. März 2019. 2019: Toni Slama 2022: Elisabeth Augustin 2022: Barbara Petritsch 2022: Hans Dieter KnebelWien: Hans Dieter Knebel wird Kammerschauspieler, nachtkritik.de vom 9. September 2022, abgerufen am 14. September 2022 2022: Mechthild Scrobanita 2023: Michael Dangl 2023: Maria Köstlinger 2024: Britta Bayer 2024: Wolfgang Böck 2025: Bernhard Schir 2025: Ulli Maier 2025: Heinz Marecek ohne Jahresangabe: Otto Schenk
Weblinks
Parlamentarische Anfrage betreffend der Vergabe des österreichischen Berufstitels Kammerschauspieler (Entschließungsdatum 25. November 2009 bis 24. November 2014)
Einzelnachweise
Kategorie:Ehrentitel Kategorie:Theaterpreis (Österreich)