Die Bahnstrecke Probstzella–Neuhaus am Rennweg ist eine eingleisige Nebenbahn in Thüringen. Die ursprünglich rund 26 Kilometer lange Strecke zweigte in Probstzella von der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella ab und führte durch das Thüringer Schiefergebirge nach Neuhaus am Rennweg. Heute ist noch der Abschnitt von Ernstthal am Rennsteig bis Neuhaus am Rennweg in Betrieb, der durch die Thüringer Eisenbahn (ThE) betrieben wird.

Der stillgelegte Teilabschnitt von Schmiedefeld nach Probstzella wurde im Volksmund auch als Zoptetalbahn bzw. wegen der Anbindung der Porzellanfabrik Carl Moritz in Taubenbach (1848 bis 1939) und der Erzgruben der Maxhütte Unterwellenborn in Schmiedefeld Max-und-Moritz-Bahn bezeichnet.

Geschichte Entstehung Der ältere Teil der Bahnstrecke wurde im Kreis Saalfeld des 1826 neu geordneten Herzogtums Sachsen-Meiningen errichtet, der jüngere Abschnitt im Kammbereich tangierte stellenweise auch das Gebiet des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Streckenabschnitt Probstzella–Lichte-Ost Der Bau des 14,6 Kilometer langen nördlichen Abschnittes von Probstzella nach Taubenbach wurde im November 1896 durch die Königliche Eisenbahndirektion Erfurt der Preußischen Staatsbahn, die 1895 die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft übernommen hatte, in Angriff genommen. Am 15. Oktober 1898 wurde der Streckenabschnitt bis Taubenbach in Betrieb genommen, die anschließenden 1,6 km bis Bock-Wallendorf am 18. Januar 1899. Hier waren es neben der Porzellanindustrie vor allem die Schmiedefelder Eisenerzgruben, von der Maximilianhütte Unterwellenborn 1888 erworben, die Transportbedarf mit der Eisenbahn hatten. Bis zur Schließung der Eisenerzgrube im Dezember 1972 wurden rund 8,5 Millionen Tonnen Chamositerz auf der Strecke abtransportiert.

Streckenabschnitt Lichte-Ost–Neuhaus am Rennweg Zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der auf dem Kamm des Thüringer Schiefergebirges liegenden sachsen-meiningischen Gemeinden Bock und Teich, Piesau, Wallendorf, Ernstthal, Igelshieb und des Anwesens Bernhardsthal und der fürstlich-schwarzburgischen Orte Lichte, Geiersthal, Schmalenbuche und Neuhaus bewilligte das preußische Abgeordnetenhaus 1909 für das Projekt „Bock-Wallendorf – Neuhaus-Igelshieb mit Abzweig von Ernstthal nach Lauscha“ 5,8 Millionen Mark. Die Unternehmer der Porzellanindustrie in Lichte und in Wallendorf hatten den Lückenschluss zur Strecke nach Coburg vehement gefordert, schwierige Eigentumsverhältnisse in der Gemeinde Wallendorf die Planungen jedoch verzögert. In den Glasbläsergemeinden auf dem Gebirgskamm wurde das Projekt vorbehaltlos begrüßt. Am 2. August 1911 begann unter der Leitung des Regierungsbaumeisters der Königlichen Eisenbahndirektion Erfurt Walter Kasten der Bau des 13,4 km langen Streckenabschnittes zwischen Bock-Wallendorf (später Lichte (Thür) Ost) über Ernstthal nach Lauscha sowie einer 3 km langen Strecke von Ernstthal nach Neuhaus. Die Bauarbeiten wurden größtenteils durch Wanderarbeiter aus Italien und der Schweiz ausgeführt. Die feierliche Eröffnung der Strecke fand nach über zweijähriger Bauzeit am 31. Oktober 1913 statt.

Der Verkehr auf der Strecke Von 1913 bis 1993 mini|links|Bahnhof Ernstthal am Rennsteig 1991 Nach der kompletten Streckeneröffnung gab es durchgehende Zugverbindungen von Probstzella über Ernstthal nach Neuhaus. In Ernstthal bestand eine Umsteigemöglichkeit zur Verbindung über Sonneberg nach Coburg. Durch Fotos ist belegt, dass in den 1920er Jahren auf der Strecke mehrmals Bremsversuche durchgeführt wurden.

Aufgrund der nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Zonengrenze unterbrochenen Eisenbahnverbindungen änderten sich die Verkehrsströme. Die Bahnstrecke von Sonneberg nach Probstzella und weiter nach Saalfeld (Saale) wurde neben der Strecke aus Eisfeld die zweite Verkehrsader der Kreisstadt Sonneberg. Daher waren ab 1945 Durchgangsverbindungen üblich.

Am 20. September 1961 verfügte die Reichsbahndirektion Erfurt den Bau einer 347 Meter langen Verbindungskurve zur Strecke Probstzella–Leipzig in Richtung Saalfeld. Diese war schon 1936 geplant worden, um einen Fahrtrichtungswechsel in Probstzella zu vermeiden. Am 2. Oktober 1961 begannen nördlich des Bahnhofs die Bauarbeiten, um insbesondere im Rahmen der Grenzsicherung den Binnenverkehr nicht mehr über den Grenzbahnhof führen zu müssen. Am 9. Dezember 1961 wurde die Verbindung in Betrieb genommen.Wolfgang Beyer: Eisenbahn im Sonneberger Land. S. 113. Über die neue Verbindung wurde Zugläufe von und nach Saalfeld vereinfacht, wo Anschluss über die Saalbahn nach Berlin oder über Gera nach Leipzig bestand. Die Personenzüge fuhren den grenznahen Bahnhof Probstzella nicht an, sondern bedienten nunmehr ausschließlich den neu eingerichteten Haltepunkt Probstzella. Seit den 1970er Jahren gab es eine Eilzugverbindung Leipzig–Sonneberg.

Die Bahnverbindung Saalfeld–Sonneberg wurde Mitte der 1970er Jahre zunehmend durch viele Urlauber der Ferienorte im Thüringer Wald touristisch genutzt, da ab 1971 der Streckenabschnitt um Sonneberg und nach einer Revision der Abmessungen des Sperrstreifens entlang des unübersichtlichen Grenzverlaufes in Folge des Grundlagenvertrages von 1973 ein Großteil der Strecke nicht mehr im Grenzsperrgebiet lag und der verbleibende Abschnitt von Probstzella bis hinter dem Ortsausgang von Gräfenthal (Drahtfabrik) planmäßig durchfahren werden durfte. Dieser passierte weiterhin die 5-km-Sperrzone, die zu betreten nur Anwohnern und Inhabern eines Passierscheines gestattet war.

Eine Einstellung des Personenverkehrs stand in der DDR nicht zur Debatte, wurde doch der Personenverkehr auf grenznahen Strecken bewusst aufrechterhalten, weil sich Personenströme in den Zügen besser kanalisieren und überwachen ließen als auf der Straße. Zudem hatte die Strecke eine gewisse militärstrategische Bedeutung. Vor diesem Hintergrund ist auch die umfassende Oberbau-Sanierung in den 1980er Jahren zu betrachten.

Der Reisezugverkehr zum Bahnhof Neuhaus am Rennweg wurde 1968 eingestellt. Für den Güterverkehr des VEB Mikroelektronik „Anna Seghers“ Neuhaus wurde die Stichstrecke nach Neuhaus am Rennweg 1973 in einen Streckenrangierbezirk des Bahnhofs Ernstthal am Rennsteig umgewandelt. Von dem aus dem Eisenwerk der Erzgrube der Maxhütte in Schmiedefeld 1974 hervorgegangenen VEB ISOKO Schmiedefeld wurden bis zur Wende die hier produzierten Wohnwagen QEK Junior auf dem Schienenweg ausgeliefert. Daneben gab es Gütertransporte im nennenswerten Umfang durch den VEB Hartsteinwerk Hüttengrund, die VEB Trisola-Glasfaserwerke in Oberlauscha und in Steinach und das VEB Trisola Schaumglaswerk Taubenbach, den VEB Thüringer Glasschmuck Lauscha in Ernstthal am Rennsteig und die Porzellanindustrie, wie die VEB Zierporzellan Lichte und Wallendorfer Porzellan, die Spielzeug- und Elektroindustrie (u. a. VEB EIO, Piko und Sonni Sonneberg und Plaho Steinach) und den VEB Stern-Radio Sonneberg, die alle eigene Gleisanschlüsse oder kurze Zuwegungen zu den nächstgelegenen Güterbahnhöfen hatten.

Bis zum Stilllegungsverfahren Ab 1990 geriet die Strecke aufgrund der langen Fahrzeiten und zunehmender Motorisierung wie viele Nebenbahnen mit stark rückläufigem Personen- und Güterverkehr ins Abseits. Die Verbindungskurve in Probstzella nach Saalfeld wurde 1993 stillgelegt. Am 31. Dezember 1994 wurde der Güterverkehr auf der ganzen Strecke eingestellt. Schließlich führte unterlassener Streckenunterhalt am 22. Januar 1997 nach einer Fahrt des Gleismesszuges zunächst zur als befristet verfügten Einstellung des Gesamtverkehrs.

Bis heute Den Streckenteil von Ernstthal nach Neuhaus am Rennweg pachtete die Thüringer Eisenbahn (ThE) zusammen mit dem Abschnitt Sonneberg–Ernstthal der Strecke von Coburg zunächst bis zum 31. Dezember 2017 von der DB Netz AG. Ab dem 1. August 2001 erfolgte mit Baukostenzuschüssen des Freistaates Thüringen die restliche Streckensanierung bis Neuhaus am Rennweg. Dazu wurden unter anderem die Brückenbögen des Viadukts Nasse-Telle wegen unzureichender Standsicherheit gesprengtGeorg Schmidt, Rudolf Heym: Viadukt gesprengt. In: Lok Magazin. 3/2002, S. 84–87. und durch einen Stahlbetonüberbau ersetzt. Zusätzlich wurde die Strecke sicherungstechnisch modernisiert. Der gesamte Verkehr zwischen Sonneberg und Neuhaus am Rennweg wird heute zentral vom elektronischen Stellwerk der Firma Alcatel im Hauptbahnhof Sonneberg gesteuert, das durch die ThE neu geschaffen wurde. Am 14. Dezember 2002 wurde die Strecke nach Neuhaus am Rennweg wieder eröffnet. Nach 35 Jahren gab es dort wieder Personenzugverkehr.

Die Strecke zwischen Probstzella und Ernstthal am Rennsteig wurde am 1. Juli 2006 stillgelegt und ist seit dem 30. April 2007 an die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) verpachtet. Die Anliegergemeinden streben nach einer Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke. Dazu wurde im Januar 2008 der DBV-Förderverein Max- und Moritz-Bahn e. V. gegründet. Am 20. August 2008 erhielt der Verein die Genehmigung zum Draisinenbetrieb. Dieser findet auf dem Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen Gräfenthal und Lichte statt. Anfang November 2016 schloss der Förderverein Max- und Moritz-Bahn einen Kooperationsvertrag mit der DRE mit dem Ziel ab, die Strecke soweit instand zu setzen, dass touristischer Verkehr als Bürgerbahn-Projekt ermöglicht werden kann. Im Jahr 2021 reichte der befahrbare Abschnitt bereits vom Bahnhof Gräfenthal bis kurz vor den Bahnhof Ernstthal am Rennsteig.

Für den Streckenabschnitt Probstzella–Ernstthal läuft 2024 das Rückgabeverfahren von der Deutschen Regionaleisenbahn an DB InfraGO.https://regionaleisenbahn.de/wp-content/uploads/2024-03-14_StreckenverzLaend.pdf

Betrieb Der Zugverkehr bis 31. August 2000 Auf dem südlichen Streckenabschnitt wurden die preußischen Tenderlokomotiven T 13 und T 15, später auch die T 16 eingesetzt.

1923 wurden im Bahnbetriebswerk Probstzella die ersten Dampflokomotiven der DR-Baureihe 95 eingestellt. Nach 1945 waren auf der Strecke von Sonneberg bis zum Bahnhof Saalfeld (Saale) vor allem diese Maschinen anzutreffen. Die BR 95 bewältigte die anspruchsvolle Strecke sehr zuverlässig und blieb trotz ihres vergleichsweise hohen Wartungsaufwandes für Jahrzehnte alternativlos. Während die Flachstrecken in den 1960er Jahren auf Dieseltraktion umgestellt wurden und auf den Fernstrecken die Elektrifizierung voranschritt, wurden die dampfgetriebenen Nebenbahnzüge auf dieser Gebirgsstrecke zum beliebten Fotomotiv.

Ab 1980 wurde die DR-Baureihe 119 der Deutschen Reichsbahn die neue Standardlokomotive. Wegen anfänglicher technischer Probleme auf den steilen Rampen mussten im schneereichen Winter 1980/81 noch einmal kurzzeitig die verfügbaren Maschinen der BR 95 reaktiviert werden. Mit einer Sonderfahrt der 95 0027 von Saalfeld nach Sonneberg wurde am 28. Februar 1981 die Baureihe schließlich offiziell aus dem Plandienst verabschiedet und endgültig durch die Diesellokomotiven abgelöst, die, obwohl ihre größten Probleme mit den Steilstrecken nach und nach abgestellt werden konnten, immer etwas störanfällig blieben. Die Lokomotiven waren in den Bahnbetriebswerken Saalfeld und Probstzella und im kleinen Umfang in der Einsatzstelle Sonneberg stationiert.

Mit dem Eilzug dauerte 1990 die Fahrt von Sonneberg nach Ernstthal am Rennsteig 56 Minuten und nach Probstzella 96 Minuten. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit betrug 50 km/h.

Der Streckenbetrieb heute mini|Regio-Shuttle RS1 der STB mini|Schneepflüge Bauart Meiningen W 855 im Einsatz bei Ernstthal am Rennsteig