Dennis B. McGuire (* 10. Februar 1960 im Warren County, Ohio; † 16. Januar 2014 in Lucasville, Ohio) war ein US-amerikanischer Gelegenheitsarbeiter und rechtskräftig zum Tod verurteilter Mörder, dessen Hinrichtung eine breite Diskussion über die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten auslöste.
Verbrechen und Verurteilung Dennis McGuire wurde wegen der am 11. Februar 1989 verübten Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der 22-jährigen, im achten Monat schwangeren Joy Stewart von einem Gericht im US-Bundesstaat Ohio am 23. Dezember 1994 zum Tod verurteilt. Er hatte zuvor die Tat bereits gestanden. Da seine Anwälte in der Folge immer wieder Einsprüche und Anträge gegen das Verfahren und die Verurteilung einlegten, verzögerte sich die Vollstreckung des Urteils.
Zuletzt hatten sie per Eilantrag Widerspruch gegen die Verwendung einer bis dahin unerprobten Mischung von Betäubungsmitteln bei der Hinrichtung durch die Giftspritze erhoben. Ohio war der erste US-Bundesstaat, in dem anstelle des seit 2011 üblichen Pentobarbitals eine Kombination von Hydromorphon und Midazolam zur Anwendung kommen sollte. Hintergrund dieser Änderung war das von der Europäischen Kommission verhängte Exportverbot entsprechender Präparate europäischer Hersteller für Hinrichtungen in den USA und die hierdurch beschränkte Verfügbarkeit.Frank Patalong: EU-Kommission stoppt Export von Exekutionsgift an USA. In: Spiegel Online vom 11. Dezember 2011 (abgerufen am 4. Mai 2014). Das zuständige Bundesgericht mochte zwar den von McGuire und seinen Verteidigern befürchteten Folgen eines minutenlangen Todeskampfes nicht widersprechen, hielt jedoch das „Risiko von der Verfassung gedeckt“.Michael Remke: Ohio experimentiert mit neuem tödlichen Cocktail. In: Die Welt vom 15. Januar 2014 (abgerufen am 21. Januar 2014). Ohios Vize-Justizminister Thomas Madden ergänzte: .Marc Pitzke: Brutale Hinrichtungen: Immer mehr US-Bundesstaaten wollen Todesstrafe abschaffen. In: Spiegel Online vom 26. Januar 2014 (abgerufen am 6. Februar 2014).
Hinrichtung Am 16. Januar 2014 wurde McGuire im Staatsgefängnis Southern Ohio Correctional Facility in Lucasville hingerichtet. Er war der erste Delinquent, bei dem das neue Verfahren angewendet wurde. Augenzeugen, darunter seine erwachsenen Kinder, berichteten von einem qualvollen Sterbevorgang. McGuire habe einige Minuten nach Verabreichung der Injektion laut geröchelt, versucht den Oberkörper aufzurichten, Würgegeräusche von sich gegeben, die Hände verkrampft und nach Luft gerungen.Alexander Demling/AFP/AP/dpa: Neue Giftspritze ließ Todeskandidaten zehn Minuten leiden. In: Spiegel Online vom 16. Januar 2014 (abgerufen am 21. Januar 2014). Sein Tod konnte erst 24 Minuten (laut anderer Darstellung 26 Minuten)George Szpiro: Verpfuschte Hinrichtung in Ohio. In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. Januar 2014 (abgerufen am 8. Februar 2014). nach Beginn der Prozedur festgestellt werden, womit seine Hinrichtung zu den bis dahin langwierigsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten zählte.Michael Remke: US-Politiker fordern Erschießung statt Giftspritze. In: Die Welt vom 21. Januar 2014 (abgerufen am 21. Januar 2014). Sowohl im offiziellen Protokoll der HinrichtungSOFC Message Report vom 15. bis 16. Januar 2014 (englisch, abgerufen auf documentcloud.org am 10. Februar 2014). als auch im Abschlussbericht an die Gefängnisleitung war dagegen von einem ordnungsgemäßen Ablauf die Rede.Joseph L. Andrews: Review of the Execution Process for the Execution Inmate McGuire A305-382 vom 27. Januar 2014 (englisch, abgerufen auf documentcloud.org am 10. Februar 2014). McGuire war in Ohio der 53. und insgesamt der in den Vereinigten Staaten 1362. hingerichtete Häftling seit Aufhebung des landesweiten Hinrichtungsmoratoriums 1976.Dennis B. McGuire in der Datenbank von clarkprosecutor.org (englisch, abgerufen am 28. Januar 2015).
Nachwirkungen Die nach McGuires Tod entfachte Diskussion um eine „humane Hinrichtung“ führte in Wyoming und Missouri zu Gesetzesinitiativen, verurteilte Verbrecher künftig wieder durch ein Erschießungskommando hinzurichten. Die Senatoren des US-Bundesstaates Tennessee stimmten im April 2014 mit einer Mehrheit von 23 zu 3 Stimmen für die Wiedereinführung der Hinrichtung per elektrischem Stuhl.Michael Remke: Häftlinge sollen wieder auf den elektrischen Stuhl. In: Die Welt vom 13. April 2014 (abgerufen am 13. April 2014). Die Anwälte eines Delinquenten in Louisiana, der nach der bei McGuire angewendeten Methode hingerichtet werden sollte, erwirkten am 5. Februar 2014 aufgrund der ungeklärten Sachlage über deren Rechtmäßigkeit einen zunächst 90-tägigen Hinrichtungsaufschub,UPI: Louisiana: 90 Tage Aufschub für Sepulvado. Meldung auf der Internetpräsenz der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. vom 5. Februar 2014 (abgerufen am 7. Februar 2014). der später auf unbefristete Zeit verlängert wurde.Della Hassele: Executions in Louisiana on hold until at least June. In: The Lens vom 17. November 2014 (englisch, abgerufen am 28. Januar 2015).
Ungeachtet der laufenden Diskussionen um McGuires Hinrichtung wurde am 29. April 2014 in Oklahoma der 38-jährige Clayton Lockett mit einer gleichfalls unerprobten Kombination aus Midazolam, Vecuronium und Kaliumchlorid hingerichtet. Bei der Verabreichung platzte eine Vene und Lockett zeigte heftige Reaktionen, die auf einen qualvollen Sterbevorgang schließen ließen. 43 Minuten nach Beginn der Exekution, die infolge der Zwischenfälle abgebrochen worden war, starb Lockett an einem Herzinfarkt. Oklahomas Gouverneurin Mary Fallin ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an und verhängte ein zweiwöchiges Moratorium über alle weiteren Hinrichtungen,Benjamin Schulz/dpa/AP/Reuters: Verpfuschte Hinrichtung – Mörder stirbt nach langem Todeskampf. In: Spiegel Online vom 30. April 2014 (abgerufen am 30. April 2014). das vom höchsten Berufungsgericht Oklahomas am 8. Mai 2014 auf ein halbes Jahr verlängert wurde.AFP: Hinrichtungen in Oklahoma werden ausgesetzt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Mai 2014 (abgerufen am 9. Mai 2014). Das Hohe Kommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte forderte nach den Hinrichtungen McGuires und Locketts die Abschaffung der „grausamen und unmenschlichen Praxis“.Benjamin Knaack/AP/AFP: Uno verurteilt qualvolle Hinrichtung von Clayton Lockett. In: Spiegel Online vom 2. Mai 2014 (abgerufen am 3. Mai 2014). Oklahoma nahm die bei Lockett verwendete Hinrichtungsmethode mit der Exekution Charles Warners (1967–2015) am 15. Januar 2015 wieder auf.Marc Pitzke: Nach Skandal-Exekution: Oklahoma richtet wieder Mörder hin. In: Spiegel Online vom 16. Januar 2015 (abgerufen am 31. Januar 2015). Am 23. Juli 2014 wurde in Arizona der zweifache Mörder Joseph Rudolph Wood III mit dem gleichen Giftcocktail hingerichtet wie McGuire. Woods Tod konnte erst rund zwei Stunden nach Beginn der Verabreichung festgestellt werden.dpa: Zweifacher Mörder in den USA qualvoll hingerichtet. In: Rheinische Post vom 24. Juli 2014 (abgerufen am 26. Juli 2014). Der republikanische Senator John McCain bezeichnete die Hinrichtung Woods wörtlich als „Folter“.Birger Menke, AP: Senator McCain nennt Exekution von Joseph Wood Folter. In: Spiegel Online vom 26. Juli 2014 (abgerufen am 26. Juli 2014). Arizona verhängte ein Moratorium über alle weiteren Hinrichtungen bis zur vollständigen Prüfung des Falls.AFP/AP: Arizona setzt Hinrichtungen vorerst aus. In: Spiegel Online vom 25. Juli 2014 (abgerufen am 26. Juli 2014).
Die „verpfuschte“ Hinrichtung McGuires hatte insbesondere im US-Bundesstaat Ohio erhebliche Konsequenzen. Zunächst verschob Ohios Gouverneur John Kasich eine für den 19. März 2014 terminierte Hinrichtung um acht Monate.Alan Johnson: Next Ohio execution postponed by Kasich. In: The Columbus Dispatch vom 8. Februar 2014 (englisch, abgerufen am 1. Mai 2014). Die Strafvollzugsbehörde von Ohio kündigte am 28. April 2014 an, die Dosierung des bei McGuire verwendeten Giftcocktails bei weiteren Hinrichtungen erhöhen zu wollen, erkannte jedoch nicht an, mit der ursprünglichen Vorgehensweise Fehler begangen zu haben.AP: In: Daily Journal vom 28. April 2014 (englisch, abgerufen am 30. Mai 2014).