Die Präfektur Kyōto (jap. , Kyōto-fu, im Deutschen meist Kyoto oder Kioto) ist eine der Präfekturen Japans und liegt im Kansai-Gebiet auf der Insel Honshū. Sitz der Präfekturverwaltung von Kyōto ist die gleichnamige Stadt Kyōto (Kyōto-shi), in der auch mehr als die Hälfte der Einwohner der Präfektur Kyōto lebt.
Geographie Die Präfektur Kyōto liegt im Zentrum des japanischen Archipels und nimmt flächenmäßig Platz 31 unter allen japanischen Präfekturen ein. Ihre Nordküste liegt am Japanischen Meer. Im Nordosten liegt die Präfektur Fukui, im Osten die Präfekturen Shiga und Mie, im Süden die Präfekturen Osaka und Nara, und im Westen Hyōgo.
Politik Gouverneur von Kyōto ist seit 2018 der ehemalige beamtete Wiederaufbaustaatssekretär Takatoshi Nishiwaki. Bei der Gouverneurswahl im April 2026 wurde er mit breiter antikommunistischer Unterstützung (LDP, Chūdō, KDP, DVP, Kōmeitō) gegen den ehemaligen Oberhausabgeordneten Satoshi Hamada und den KPJ-gestützten Kandidaten Nobuo Fujii mit absoluter Mehrheit für eine dritte Amtszeit bestätigt.
Im regulär 60-köpfigen Präfekturparlament Kyōto blieb bei den Wahlen 2023 die Liberaldemokratische Partei stärkste Partei, die Kommunistische Partei Japans fiel auf neun Sitze zurück, die Nippon Ishin no Kai legte deutlich zu und gewann ebenfalls neun Sitze. Ihre anschließend formierte Gemeinschaftsfraktion mit der DVP löste die KPJ als zweitstärkste Kraft ab.
Im nationalen Parlament ist Kyōto durch sechs Abgeordnete im Unterhaus und vier Abgeordnete im Oberhaus vertreten. Nach den Parlamentswahlen 2022, 2025, 2026 und seitherigen Parteiumbildungen besteht die direkt gewählte Delegation Kyōtos derzeit aus (Stand: Juli 2026): im Unterhaus für den Wahlkreis Kyōto 1, der zentrale Teile der Stadt Kyōto umfasst: Yasushi Katsume (LDP, 3. Amtszeit), ein ehemaliger Nationalbeamter, der sich 2021 als Nachfolger des langjährigen LDP-Abgeordneten Bunmei Ibuki durchsetzte, für den Wahlkreis 2 mit dem Nordosten der Stadt Kyōto: Seiji Maehara (Ishin, 12. Amtszeit), für den Wahlkreis 3 mit dem Süden der Stadt Kyōto und südwestlichen Vororten inklusive der Stadt Nagaoka-kyō: Kenta Izumi (Chūdō, 10. Amtszeit) für den Wahlkreis 4 mit dem zentralen Teil Kyōtos inklusive des Nordwestens der Stadt Kyōto und der Stadt Kameoka: Keirō Kitagami (LDP, 6. Amtszeit), einst Demokrat, zur Wahl 2026 der LDP beigetreten, für den Wahlkreis 5 mit dem ländlicheren Nordwesten am Japanischen Meer und den Städten Maizuru und Fukuchiyama: Tarō Honda (LDP, 3. Amtszeit), der 2017 die Tanigaki-Familie ablöste, die Kyōto seit 1960 im Parlament vertreten hatte, für den Wahlkreis 6 mit den Gemeinden im Süden von Kyōto einschließlich der Stadt Uji: Hiromichi Sonosaki (LDP, 1. Amtszeit), ehemaliger Präfekturparlamentsabgeordneter, der sich 2026 im zweiten Anlauf gegen Kazunori Yamanoi durchsetzte, im Oberhaus bis 2031 Shōhei Niimi (Ishin, 1. Amtszeit), ehemaliger Fernsehmoderator, der 2025 mit Abstand den höchsten Stimmenanteil erzielte und die KPJ-Amtsinhaberin Akiko Kurabayashi auf Platz 3 verdrängte, Shōji Nishida (LDP, 4. Amtszeit), bis 2028 Akira Yoshii (LDP, 1. Amtszeit), vorher Abgeordneter im Stadtparlament Kyōto, und Tetsurō Fukuyama (KDP, 5. Amtszeit), von 2017 bis 2021 Generalsekretär von „alter“ und „neuer“ KDP.
mini|Das 1904 erbaute ehemalige Hauptgebäude der Präfekturverwaltung wurde 2002 zum „wichtigen Kulturgut“ Japans designiert.
Verwaltungsgliederung 1868 in der Meiji-Restauration wurden die ersten -fu und -ken hauptsächlich auf dem Gebiet der ehemaligen Shogunats-/nun Krondomäne inklusive der ehemaligen Shogunats-/Reichsstädte eingeführt. Dabei ersetzte die Präfektur Kyōto die vorherigen Shogunatsverwalter für die Stadt Kyōto und die umliegende Krondomäne (, ).
1871 wurde Kyōto durch den Zusammenschluss mit weiteren Präfekturen (ehemaligen -han) und die Bereinigung von Ex-/Enklaven auf den Großteil der Provinzen Yamashiro und Tamba ausgedehnt. In Verbindung mit der Reform des Familienregisters wurden ab 1871 alle Präfekturen in nummerierte Arrondissements (, wörtl. „Großbezirke“) eingeteilt. 1876 wurde die Präfektur Toyooka in den Provinzen Tajima und Tango (+ein kleiner Teil von Tamba) geteilt: Tajima ging an Hyōgo, Tango an Kyōto, das damit im Wesentlichen seine heutigen Grenzen erreichte. 1878 wurde es in 18 (aus der chinesisch-geprägten, antiken Verwaltung reaktivierte) Landkreise (, -gun) und drei neue Stadtkreise (-ku) unterteilt, von letzteren waren Kamigyō-ku und Shimogyō-ku die Vorläufer der Kyōto-shi, der Fushimi-ku wurde wenige Jahre später wieder aufgelöst.Präfekturverwaltung Kyōto: Zeittafeln zur Geschichte, Meiji (japanisch), abgerufen am 30. Mai 2019.Ishida Satoshi: Entwicklung der Präfekturen in Kinki 1871–1900, Karten der Präfekturen in Kinki 1871 & 1876 (japanisch), abgerufen am 30. Mai 2019. (1931 wurde die Stadt Fushimi nach Kyōto eingemeindet, und heute gibt es dort als Stadtbezirk wieder einen Fushimi-ku, aber nicht in den gleichen Grenzen.)
Mit Einführung der modernen Gemeinden nach preußischem Vorbild 1889 bestand die Präfektur Kyōto aus der kreisfreien Stadt (, -shi) Kyōto (mit den zwei bisherigen Stadtkreisen als Stadtbezirke), sowie 14 Städten (, -chō) und 265 Dörfern (, -mura) in den 18 Landkreisen. Durch Eingliederungen und Fusionen sank die Zahl der Gemeinden von 270 (1920) über 188 (1950) und 63 (1955) auf 44 im Jahr 1960. Seit 2007 besteht die Präfektur aus 15 kreisfreien Städten (-shi), zehn [kreisangehörigen] Städten (chō) und einem Dorf (mura), letztere zusammengefasst in sechs Landkreisen. Drei dieser Landkreise bestehen aus jeweils nur noch einer Gemeinde. Die Stadt Kyōto, der Sitz der Präfekturverwaltung, gehörte 1922 zu den sechs Großstädten (roku daitoshi) mit ausgeweiteter Selbstverwaltung und ist seit 1956 eine designierte Großstadt.
mini|Die Gliederung der Präfektur Kyoto
+ Liste der Gemeinden in der Präfektur Kyōto Code Name Kreis (-gun) Fläche (in km²) Bevölkerung Bevölkerungs- dichte (Ew./km²)Ergebnisse der Volkszählung 2015 nach e-stat (englisch), abgerufen am 8. März 2019 lateinisch japanisch 1. Oktober 2015 26100 Kyōto-shi – 1.475.183 1781,99 26201 Fukuchiyama-shi – 78.935 142,86 26202 Maizuru-shi – 83.990 245,49 26203 Ayabe-shi – 33.821 97,44 26204 Uji-shi – 184.678 2734,35 26205 Miyazu-shi – 18.426 106,67 26206 Kameoka-shi – 89.479 398,04 26207 Jōyō-shi – 76.869 2350,02 26208 Mukō-shi – 53.380 6914,51 26209 Nagaokakyō-shi – 80.090 4177,88 26210 Yawata-shi – 72.664 2984,15 26211 Kyōtanabe-shi – 70.835 1650,4 26212 Kyōtango-shi – 55.054 109,79 26213 Nantan-shi – 33.145 53,77 26214 Kizugawa-shi – 72.840 855,63 26303 Ōyamazaki-chō Otokuni 15.181 2542,88 26322 Kumiyama-chō Kuse 15.805 1140,33 26343 Ide-chō Tsuzuki 7910 438,47 26344 Uji-Tawara-chō 9319 160,23 26364 Kasagi-chō Sōraku 1368 58,16 26365 Wazuka-chō 3956 60,93 26366 Seika-chō 36.376 1416,51 26367 Minami-Yamashiro-mura 2652 41,37 26407 Kyōtamba-chō Funai 14.453 47,69 26463 Ine-chō Yosa 2110 34,06 26465 Yosano-chō 21.834 201,46 Zwischensumme kreisfreie Städte/-shi 15 shi 2.479.389 641,58 Zwischensumme Landkreise/-gun 6 gun 130.964 175,16 26000(ISO: JP-26) Kyōto-fu 26 Gemeinden 2.610.353 565,97
Anmerkung: Es gibt ein Gebiet mit ungeklärter Gemeindezugehörigkeit zwischen den kreisfreien Städten Miyazu, Kyōtango und der Stadt Ine.
Bevölkerungsentwicklung der Präfektur + Census-Bevölkerunge-Stat Datenbank, abgerufen am 8. März 2019 (englisch)Census-JahrGesamt-BevölkerungmännlicheBevölkerungweiblicheBevölkerungGeschlechter-verhältnisMänner auf 1000 FrauenFlächein km²Bevölkerungs-dichteEinw. je km² 1920 1.287.147 650.780 636.367 1023 4558,62 282,4 1925 1.406.382 717.464 688.918 1041 4558,62 308,5 1930 1.552.832 792.420 760.412 1042 4623,20 335,9 1935 1.702.508 862.998 839.510 1028 4621,20 368,4 1940 1.729.993 863.494 866.499 997 4621,20 374,4 1945 1.603.796 752.494 851.302 884 4621,20 347,1 1950 1.832.934 891.616 941.318 947 4632,42 395,7 1955 1.935.161 944.278 990.883 953 4633,61 417,6 1960 1.993.403 973.040 1.020.363 954 4612,07 432,2 1965 2.102.808 1.028.073 1.074.735 957 4612,20 455,9 1970 2.250.087 1.102.011 1.148.076 960 4612,26 487,9 1975 2.424.856 1.190.854 1.234.002 965 4612,79 525,7 1980 2.527.330 1.238.365 1.288.965 961 4612,84 547,9 1985 2.586.574 1.264.035 1.322.539 956 4612,90 560,7 1990 2.602.460 1.267.620 1.334.840 950 4612,19 564,3 1995 2.629.592 1.276.838 1.352.754 944 4612,39 570,1 2000 2.644.391 1.278.142 1.366.249 936 4612,94 573,3 2005 2.647.660 1.272.993 1.374.667 926 4613,00 574,0 2010 2.636.092 1.265.387 1.370.705 923 4613,21 571,4 2015 2.610.353 1.248.972 1.361.381 917 4612,19 566,0
Größte kreisfreie Städte + Ehemalige und bestehende kreisfreie Städte (-shi)Census-Jahre-Stat Datenbank, abgerufen am 8. März 2019 (englisch)Einwohner201520102005200019951990 Kyōto 1.475.183 1.474.015 1.474.811 1.467.785 1.463.822 1.461.103 Fukuchiyama 78.935 79.652 67.858 68.098 66.761 66.506 Maizuru 83.990 88.669 91.733 94.050 94.784 96.333 Ayabe 33.821 35.836 37.755 38.881 39.981 40.595 Uji 184.678 189.609 189.591 189.112 184.830 177.010 Miyazu 18.426 19.948 21.512 23.276 24.937 26.450 Kameoka 89.479 92.399 93.996 94.555 92.398 85.283 Jōyō 76.869 80.037 81.636 84.346 85.398 84.770 Mukō 53.380 54.328 55.041 53.425 53.290 52.928 Nagaokakyō 80.090 79.844 78.335 77.846 78.697 77.191 Yawata 72.664 74.227 74.252 73.682 75.779 75.758 Kyōtanabe 70.835 67.910 64.008 59.577 —— —— Kyōtango 55.054 59.038 62.723 —— —— —— Nantan 33.145 35.214 —— —— —— —— Kizugawa 72.840 69.761 —— —— —— ——
1. April 1997 – Die Kleinstadt Tanabe wird zur kreisfreien Stadt Kyōtanabe erhoben. 1. April 2004 – Die kreisfreie Stadt Kyōtango wird aus sechs Gemeinden gebildet. 1. Januar 2006 – Die kreisfreie Stadt Nantan wird aus vier Gemeinden gebildet. 12. März 2007 – Die kreisfreie Stadt Kizugawa wird aus drei Gemeinden gebildet.
Partnerschaften Die Präfektur Kyōto unterhält sieben Regional- und Städtepartnerschaften: mit der chinesischen Provinz Shaanxi, mit der indonesischen Sonderregion Yogyakarta, mit dem US-Bundesstaat Oklahoma, mit dem russischen Oblast Leningrad sowie mit der schottischen Stadt Edinburgh und der deutschen Stadt Köln. Außerdem besteht eine Wirtschafts- und Umweltkooperation mit der italienischen Region Toskana.
Polizei mini|Das Hauptquartier der Präfekturpolizei von Kyōto im Bezirk Kamigyō der Stadt Kyōto mini|Ein Streifenwagen der Präfekturpolizei beim Jidai-Matsuri mini|Ein Einsatzwagen der Palastpolizei in Kyōto Die Präfekturpolizei von Kyōto (Kyōto-fukeisatsu, , kurz Kyōto-fukei, , oder bei eindeutigem Kontext nur fukei, ) besteht in heutiger Form seit 1954, als das neue Polizeigesetz die vorher während der Besatzungszeit stark dezentralisierte, teilweise auf Gemeindeebene angesiedelte Polizeiorganisation in Präfekturpolizeien bündelte. Wie in allen Präfekturen operiert sie unter der Aufsicht der Präfekturkommission für öffentliche Sicherheit (Kyōto-fu kōan iinkai, ). Ihre fünf Mitglieder werden prinzipiell vom Gouverneur mit Zustimmung des Parlaments ernannt, zwei werden auf Nominierung von Bürgermeister und Parlament der Stadt Kyōto ernannt, die als designierte Großstadt besondere Mitspracherechte hat. Für die nationale Koordination, Ausbildung und Ausstattung ist die Polizei von Kyōto dem regionalen Polizeiamt Kinki (Kinki kanku keisatsukyoku, ) der nationalen Polizeibehörde zugeordnet. Mit über 6.000 Polizisten ist die Polizei von Kyōto zwar bereits deutlich kleiner als die größten Präfekturpolizeien, gehört aber im landesweiten Vergleich immer noch zu den größeren und ist überproportional groß im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Es gibt in Kyōto 25 Polizeireviere, davon liegen zwölf in der Stadt Kyōto, und über 180 städtische und über 100 ländliche Polizeihäuschen (kōban, , und chūzaisho, ).Präfektur Kyōto: Polizei (japanisch, Teile englisch)Präfektur Kyōto: Kommission für öffentliche Sicherheit (japanisch)Polizeibehörde: Polizeiamt für den Bezirk Kinki (japanisch)