mini|Oscar Murillo (2013) Oscar Murillo (* Februar 1986 im Valle del Cauca in Kolumbien) ist ein kolumbianischer Künstler mit Wohnsitz in London.
Leben Oscar Murillo wuchs in der kleinen kolumbianischen Stadt La Paila, etwa 120 km nordöstlich von Cali gelegen, auf. Dort arbeiteten Murillos Eltern in einer Süßwarenfabrik und in einer Zuckerrohrmühle. Als er elf Jahre alt war, verließ die Familie Kolumbien und zog, wie bereits einige Verwandte vor ihnen, nach London.Nick Paumgarten: Dealer's Hand, Newyorker.com, abgerufen am 17. Januar 2014. Um sein Kunststudium zu finanzieren, arbeitete Murillo in London als Reinigungskraft.Katya Kazakina: Oscar Murillo Mints Money With Scribbles, Dirt, Food, Bloomberg.com, abgerufen am 17. Januar 2014. Im Jahr 2007 schloss er seinen Bachelor an der University of Westminster ab, 2012 folgte der Master am Royal College of Art.David Zwirner: Oscar Murillo, Davidzwirner.com, abgerufen am 17. Januar 2014.
Werk Murillos Werk umfasst Malerei, Bildhauerei, Installation und Performance. Viele seiner Bilder sind großformatig und beinhalten Textfragmente. Oft finden Elemente südamerikanischer Kultur (Essen, Musik, Sprache etc.) Einzug in das Werk Murillos.
Frequencies Zusammen mit einer Stiftung betreibt Murillo seit einigen Jahren sein weltumfassendes Projekt Frequencies mit Schülern und Schulen aus knapp zwei Dutzend Ländern, darunter Kolumbien, Israel und Äthiopien. Dort werden Schulbänke mit Leinwand bezogen, auf denen die 10- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler ihre Alltagsspuren hinterlassen – in Form von Kritzeleien, Notizen oder Schmutz. Die Beteiligten wissen, dass sie damit Teil eines langfristigen Kunstprojektes sind und können jedes beliebige Kennzeichen hinterlassen. Mit diesem Projekt bzw. den Leinenbezügen der Tische war Murillo 2015 auf der Biennale in Venedig vertreten.http://frequenciesproject.net/#/
Social Mapping und Collective Painting Social Mapping (dt.: Kartografieren der Gesellschaft) ist ein wiederkehrendes Format von Murillo. Hierbei stellt er auf großen Tischen eine große Leinwand und Stifte zur Verfügung und lädt Menschen jeden Alters ein, zu zeichnen, kritzeln und zu schreiben. Kunstproduktion im öffentlichen Raum wird so zu einem Mittel der Gemeinschaftsbildung. Das Projekt fand 2025 in 20 Städten auf verschiedenen Kontinenten statt sowie 2026 in sechs deutschen Bundesländern.
Ein weiteres partizipatives Projekt sind die Collective Paintings (dt.: kollektives Malen). In Museen wird eine großformatige Leinwand aufgestellt und ausgewählte Farben bereitgestellt. Besucher mischen die Farben und arbeiten an einem gemeinsamen Bild. Die Aktionskunst fand bereits in der Tate Modern, London, statt; im MARCO, Monterrey, Mexiko; im Museo de Arte Contemporáneo Internacional Rufino Tamayo, Mexiko-Stadt, sowie auf der 36. Biennale von São Paulo.
Effigies 2019 wurde Murillo für den Turner Prize nominiert und galt als Mitfavorit auf den britischen Kunstpreis. Das nominierte Werk bestand aus lebensgroßen Figuren aus Pappmaché, die er als Effigies betitelte. Diese installierte er auf Kirchenbänken mit Blick auf das herrliche Meer, das von einem schwarzen Vorhang verdeckt wurde.Mark Brown: Turner prize awarded four ways after artists' plea to judges. In: theguardian.com, 3. Dezember 2019 (abgerufen am 4. Dezember 2019). Die Effigies sollen Arbeitsmigranten repräsentieren, die Murillo als „Motor dieser Welt“ sieht. Der Künstler identifiziert sich selbst auch mit der Arbeiterklasse. Er platzierte seine Figuren im Zug von London zum Ausstellungsort nach Margate neben echten Reisenden. Am Bahnhof von Margate wurden die Pappmaché-Passagiere dann abgeholt und in Rollstühlen über die Promenade ins Museum Turner Contemporary geschoben.Sensation in der britischen Kunstwelt. In: tagesschau.de, 4. Dezember 2019 (abgerufen am 4. Dezember 2019). Die Entscheidung der Turner-Prize-Jury, die Auszeichnung erstmals zu gleichen Teilen an alle vier nominierten Künstler zu verleihen, galt als Überraschung. Murillo, Lawrence Abu Hamdan, Helen Cammock und Tai Shani hatten diesen Plan bei ihrem ersten gemeinsamen Zusammentreffen in der Turner Contemporary beschlossen und die Jury aufgefordert,Mark Brown: Turner prize awarded four ways after artists' plea to judges. In: theguardian.com, 3. Dezember 2019 (abgerufen am 4. Dezember 2019). sie als „heterogenes Künstlergespann mit viel Migrationshintergrund“ gemeinsam auszuzeichnen, „das das Verbindende und die Gemeinschaft betonen“ wollte. Die Jury kam dieser Aufforderung schließlich nach und das Preisgeld von 40.000 £ wurde gerecht auf die Künstlerinnen und Künstler aufgeteilt.
Ausstellungen (Auswahl) 2010: Nothing gold can stay, part II , Galerie Meinblau, BerlinSaatchi Gallery: Oscar Murillo, Saatchigallery.com, abgerufen am 17. Januar 2014. 2011: Insurgencies, Angus-Huges Gallery, London 2012: Into the surface, Brand New Gallery, Mailand 2013: If I was to draw a line, this journey started approximately 400km north of the equator, South London Gallery, London 2015: All the World's Futures, 56. Biennale di Venezia, Arsenale Venedig 2018: through patches of wheat, corn and mud, 10. Berlin Biennale 2026: Kollektive Osmose, Das Minsk, Potsdam
Weblinks Oscar Murillo bei David Zwirner Oscar Murillo bei artnet
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Kolumbien) Kategorie:Turner-Preisträger Kategorie:Kolumbianer Kategorie:Geboren 1986 Kategorie:Mann