Der Forggensee bei Füssen im Allgäu ist ein Stausee und bildet die zweite Staustufe im Verlauf des Lechs, der seit Ende des 19. Jahrhunderts zur Stromerzeugung stark ausgebaut worden ist (siehe Liste). Durch den Staudamm bei Roßhaupten entstand 1954 aus dem ehemaligen Füssener See der Speicher Roßhaupten. Mit einer Fläche von 15,2 km² ist er der größte Stausee in Deutschland und der fünftgrößte See in Bayern, aber bezüglich seiner Herkunft nicht vergleichbar mit den anderen Voralpenseen, die aus Gletscherrandseen entstanden sind. Zum Hochwasserschutz am Lech wird der Wasserspiegel des Forggensees im Winter deutlich abgesenkt.
Lage Der Stausee liegt auf rund am Rand der Alpen im schwäbischen Teil von Bayern, der touristisch als Königswinkel vermarktet wird. Aus Österreich kommend passiert der Lech unterhalb des künstlich angelegten Lechfalls die Stadt Füssen, um dahinter in den See zu fließen. Bei einer Breite von ein bis zwei Kilometern erstreckt sich der See im Alpenvorland rund zehn Kilometer in Richtung Norden bis zum Staudamm bei Roßhaupten.
Verwaltungsmäßig liegt er im Landkreis Ostallgäu, dabei zu zwei Dritteln auf dem Gemeindegebiet von Schwangau. Weitere Anliegergemeinden sind Füssen, Halblech, Rieden am Forggensee und Roßhaupten. Seinen Namen erhielt der See von dem ehemaligen Weiler Forggen, der beim Einstau überflutet worden ist und dessen abgebrochene Reste beim Ablassen des Sees im Winter sichtbar werden.
Entstehung Nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit schmolz der das ganze Ostallgäu bedeckende Lech-Wertach-Vorlandgletscher allmählich wieder von seinem Maximalstand bei Kaufbeuren zurück, wobei sich, wie im gesamten Voralpenbereich, am Rand der Gletscherzunge bei zwischenzeitlichen Stockungen oder erneutem Wachsen des Gletschers aus den vom Eis aus dem Gebirge mitgeführten Geröllmassen immer neue Moränenwälle auftürmten, die in der heutigen Landschaft noch gut ablesbar sind.
Füssener See Auch wenn der Forggensee, wie er sich heute darstellt, kein natürlicher See ist, liegt er doch in einem Becken, das nach der letzten Eiszeit noch von einem weitaus größeren See ausgefüllt war: Als nach der Würmeiszeit der Lechgletscher immer weiter abschmolz, bildeten sich zunächst große Toteismassen, nach deren Abschmelzen in den Aushöhlungen Seen entstanden.
Nördlich des Lechfalls bildete sich so, aufgestaut durch den Höhenrücken des Südflügels der Murnauer Mulde (tektonisch aufgestellte Sedimente der Molasse, die eine größere Erosionsbeständigkeit als die Gesteine der südlich anschließenden kreidezeitlichen Flyschzone aufweisen) am Nordende des heutigen Forggensees, ein bis zu 60 km² großer, auf über gelegener Füssener See, der als Vorläufer des heutigen Forggensees und der meisten heute noch bestehenden kleineren Voralpenseen in diesem Bereich gesehen werden kann. Etwa vor 14.500 Jahren war das Voralpenland schließlich eisfrei. Verlandung des Füssener Sees Die so entstandenen Seebecken wurden durch Ton-Schluff-Ablagerungen aus dem Gletscherschmelzwasser in verhältnismäßig kurzer Zeit angefüllt. Auch der Füssener See verlandete so zusehends, wobei er jedoch auch durch die Illasbergschlucht ausfloss, die der Lech allmählich durch den Südflügel der Murnauer Mulde in der Nähe der heutigen Staustufe 1 bei Roßhaupten grub. In dieser Schlucht durchschneidet der Lech die steilstehenden Schichten der tertiären Unteren Meeresmolasse und die der Unteren Süßwassermolasse (Tertiär), von Süden nach Norden sind dies die Schichten der Deutenhausen-Formation, die Tonmergel-Schichten, die Baustein-Schichten und insbesondere die Weißach-Schichten der Unteren Süßwassermolasse (Illasberg, Zwieselberg, Senkele).
Erhalten blieben nur kleinere Seen an Vertiefungen im einstigen Seegrund: Bannwald-, Hopfen-, Schwansee und Weißensee. Der Alpsee z. B. war dagegen immer ein eigenständiger See. Im Lechtal entwickelte sich eine großartige Wildflusslandschaft, die Lechauen, deren Flussarme, Kiesbänke und weite Überschwemmungsgebiete Lebensraum für eine reichhaltige Fauna und Flora waren; so überwinterte darin das Rotwild, das aus den Bergen herunterzog.
Stausee alt=Imposanter Blick auf die Berge mit einer tollen Färbung des Forggensees|links|mini|Forggensee Die ersten Planungen für eine Nutzung der Wasserkraft bei Roßhaupten erfolgten Ende des 19. Jahrhunderts. 1898 kaufte die Firma Siemens & Halske erste Grundstücke im Bereich des Lechdurchbruchs bei Roßhaupten und erhielt eine Konzession zum Bau einer Wasserkraftanlage, die allerdings 1907 wieder erlosch.
Im Jahr 1910 veröffentlichte die Königliche Oberste Baubehörde eine Denkschrift über die Ausnutzung der Wasserkräfte am Lech, nach der schon damals bei Roßhaupten eine Staumauer mit 34 m Höhe, 140 m Kronenlänge und einem Speicher mit 65 Mio. m³ Gesamtinhalt errichtet werden sollte. Der Erste Weltkrieg und wirtschaftlich schwierige Nachkriegsjahre verhinderten die Realisierung dieses Projektes.
Der steigende Strombedarf in der Zwischenkriegszeit erweckte erneutes Interesse am Bau eines Lechspeichers. Ein Entwurf von 1936/37 sah ein Stauziel von , also drei Meter höher als später ausgeführt, und eine Betonmauer mit eingebautem Kraftwerk vor.
1940 wurden die Bayerischen Wasserkraftwerke AG (BAWAG) gegründet, um den Lech, die Untere Isar und die Obere Donau mit Kraftwerken auszubauen. Wegen der langen Bauzeit im Krieg wurde der geplante Baubeginn des Speichers Roßhaupten zurückgestellt. Lediglich die Lechstufen 7 bis 15 zwischen Landsberg und Schongau konnten in den Jahren 1940 bis 1950 errichtet werden – die kleineren Kraftwerke konnten schneller realisiert werden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Projekt Lechspeicher wieder aufgenommen. Nach zähen Verhandlungen wurde das Stauziel auf festgelegt – die ursprünglich geplante Stauhöhe von hätte größere Umsiedlungen von 1500 bis 2000 Menschen und besonders im Bereich um Schwangau erhebliche Flächenverluste für die Landwirtschaft bedeutet. Einen Eindruck dieser Ausmaße lieferte das Pfingsthochwasser 1999, als der Seepegel am 22. Mai 1999 mit nur gut einen Meter niedriger lag als das ursprünglich vorgesehene Stauziel.
Die Bawag, inzwischen nur noch für Ausbau der Lechstaustufen zuständig, begann 1950 mit dem Bau des Lechspeichers. Dabei kam es zu starken Protesten der Anlieger, die eine Schutzgemeinschaft gründeten und mit dem Schwangauer Vertrag 1952 eine weitgehend zufriedenstellende Einigung mit der Bawag erreichten. Für die Betroffenen konnten entweder ortsnah neue Höfe gefunden werden oder es wurden neue Häuser gebaut. So sind vor allem viele der Bauern und ihre Nachkommen, die im heutigen Forggenseegebiet lebten, in den Umlandgemeinden bis heute zu finden. 220x220px|mini|links|Darstellung der Seefläche auf einer historischen Karte von 1818 Der Bau der Talsperre begann Anfang 1951, nachdem neue Zufahrtsstraßen und ein Wohnlager für die bis zu 1000 beteiligten Arbeitskräfte – fertig gebaut waren. Um die Dichtigkeit des Dammbauwerkes zu gewährleisten, wurden der gesamte Damm und die zugehörigen Bauwerke direkt auf Fels gegründet; dies geschah aus geologischen Gründen nicht wie ursprünglich vorgesehen direkt am Durchbruch des Lech durch die Illasschlucht, sondern noch etwa einen Kilometer flussabwärts, so dass die ökologisch wertvolle Schlucht dabei verloren ging. Seeseitig wurde eine fünf Meter dicke Betonschürze bis zu 20 Meter tief in den Fels eingebaut. An dieser konnte im Frühjahr 1952 der Lech aufgestaut und durch einen zwischenzeitlich errichteten Stollen umgeleitet werden. In den restlichen zwei Jahren bis zur Fertigstellung Ende 1954 wurden die übrigen Bauwerke errichtet und der Damm aufgeschüttet. Dabei wurden die Baustoffe größtenteils aus dem Staubecken selbst gewonnen. 220x220px|mini|links|Lech-Füssen-Raum in römischer Zeit.
2018 wurde die Staustufe Roßhaupten saniert, deshalb wurde der See 2018 nicht (wie sonst in jedem Frühjahr) gefüllt. 2019 wurde der See wieder aufgestaut.
Denkmalpflege und Archäologie Insgesamt 32 bewohnte Gebäude mit 256 Einwohnern (1950)Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950, München, 1952, Spalte 1288 aus den Schwangauer Ortschaften Brunnen, Deutenhausen und Forggen, darunter 16 Bauernhöfe mit 800 Hektar Nutzfläche waren östlich des Lechs von der Flutung des Forggensees 1954 betroffen. Am Westufer wurden das untere Osterreinen an der alten Straße sowie einzelne Gebäude bei Dürracker und Füssen abgebrochen; die Untere Weidachsiedlung beim heutigen Füssener Stadtteil Weidach wurde komplett verlegt, 32 Familien mussten ihre Häuser verlassen. Von den betroffenen Gebäuden haben nur 14 Häuser aus Deutenhausen „überlebt“: Sie wurden von Theodor Momm, dem Inhaber der gleichnamigen Spinnerei in Kaufbeuren, 1952 der Bawag abgekauft, im Herbst 1954 abgebrochen und von Heimatvertriebenen in der Umgebung wieder aufgebaut. Heiligenfiguren aus der Deutenhausener Kapelle dagegen stehen heute in St. Coloman bei Schwangau.
Die ehemalige bischöfliche Mühle, die 1644 von Waltenhofen nach Forggen verlegt worden war, stellte das wohl wichtigste Gebäude unter den stattlichen Einzelhöfen dar, deren Grundmauern auf dem Seegrund zerfallen.
Am nördlichen Ende des Sees entdeckte der Dösinger Heimatforscher Sigulf Guggenmos (1941–2018) verschiedene bedeutende archäologische Fundplätze, darunter Spuren mesolithischer Jagdstationen sowie einen spätkeltischen bzw. römerzeitlichen Brandopferplatz.
Wenige hundert Meter vom heutigen Ufer entfernt, am ehemaligen Weg von Brunnen nach Forggen trifft man auf 1974 freigespülte Grundmauern und Ziegelreste einer römischen Villa rustica. Solche Gutshöfe versorgten Reisende auf den römischen Straßen. Bei einem dort noch gut erkennbaren, festen Straßendamm mit Ausrichtung auf die Landmarken Auerberg im Norden und Säuling im Süden könnte es sich nach Ansicht des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege um eine in Vergessenheit geratene Römerstraße handeln, die vielleicht eine Verbindung von der Römersiedlung Tegelberg zur Via Claudia Augusta und deren Handelsstation bei Osterreinen darstellt. Möglich ist demnach der Verlauf einer jahreszeitlich bedingt genutzten zusätzlichen Römerstraße von Pinswang durch den Alpsee-Sattel und über die Römersiedlung am Tegelberg.
Nutzung Der Forggensee dient zum einen direkt der Stromerzeugung und auch als sogenannter Kopfspeicher der Niedrigwasseraufhöhung für die lechabwärts gelegenen Wasserkraftwerke, zum anderen ist der See für die Hochwasserregulierung (Hochwasserschutz) am Lech nach Einsetzen der Schneeschmelze wichtig. Hauptsächlich im Sommer dient er auch der Naherholung.
Energiegewinnung mini|Kraftwerk Rosshaupten Die zwei Kaplanturbinen des Speicherkraftwerks haben mit ihren 30-MVA-Schirmgeneratoren zusammen eine Nennleistung von 45,5 MW bei einer Fallhöhe von 35,4 m und einem Durchfluss von je 75 m³/s. Das mittlere Jahresarbeitsvermögen beträgt 152,6 GWh.
Die Uniper Kraftwerke GmbH (UKW) ist inzwischen der Betreiber der Kraftwerksanlagen. Das Kraftwerk selbst ist normalerweise unbesetzt; die Steuerung erfolgt über die zentrale Schaltwarte in Landshut.
Das dem Kraftwerk zugeleitete Wasser, bis zu 150 m³/s, wird dem Forggensee kurz oberhalb des Dammfußes durch ein am Nordhang gelegenes Einlaufbauwerk mit drei Öffnungen von je 8,25 Meter Höhe und drei Meter Breite entnommen und fließt auf 325 Metern Länge durch einen 8,35 Meter breiten kreisförmigen Triebwasserstollen durch ein Hosenrohr in zwei Rohre mit je 4,5 Metern Durchmesser. Von dort wird es in die beiden Einlaufspiralen der Turbinen und zurück in den Lech geführt.
mini|Infozentrum im Kraftwerk