mini|Heeresgeschichtliches Museum mini|Vordergrund Heeresgeschichtliches Museum, Hintergrund ehemaliges Kommandanturgebäude mini|Eingangsbereich der Ruhmeshalle
Das Heeresgeschichtliche Museum – Militärhistorische Institut in Wien ist das militärhistorische Museum des Österreichischen Bundesheeres und vorangegangener österreichischer Armeen. Es dokumentiert die Geschichte des österreichischen Militärwesens vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, insbesondere anhand von Militärtechnik, wie Waffen, Fahrzeuge und militärische Ausrüstung, aber auch in Fotografien, Gemälden und Dokumenten. Ein Teil des Museums widmet sich auch der Geschichte der Österreichischen Marine. Das sich im Bundesbesitz befindliche Museum ist nicht den österreichischen Bundesmuseen angegliedert, sondern untersteht als unmittelbar nachgeordnete Dienststelle dem Bundesministerium für Landesverteidigung.Weißbuch 2012. Amtliche Publikation der Republik Österreich/Bundesminister für Landesverteidigung und Sport, Wien 2013, S. 58 f. Seit Herbst 2019 gibt es eine Kontroverse über das Ausstellungskonzept wegen Vorwürfen des Geschichtsrevisionismus. Über die Zukunft des Museums und eine Neuausrichtung wird öffentlich diskutiert.
Das Museumsgebäude Der Museumsbau (Objekt 18) ist das Herzstück des Wiener Arsenals, eines aus vormals 72 Objekten bestehenden riesigen militärischen Gebäudekomplexes, der aus Anlass der Revolution 1848/49 errichtet wurde. Das Arsenal war das größte Bauvorhaben der ersten Regierungsjahre von Kaiser Franz Joseph I. und diente der Festigung seiner neoabsolutistisch ausgerichteten Machtposition z. B. gegenüber dem 1848 revolutionär gesinnt gewesenen Wien.
Das Projekt des seinerzeitigen „Waffenmuseums“ wurde vom dänischen Architekten Theophil von Hansen ausgeführt. Bereits sechs Jahre nach dem Baubeginn (15. April 1850) erfolgte am 8. Mai 1856 die Schlusssteinlegung. Das Gebäude ist somit der älteste – als solcher geplante und ausgeführte – Museumsbau Österreichs.
Zum Zeitpunkt seiner Errichtung befand sich das Arsenal außerhalb des Linienwalls; das Gebiet war aber 1850 mit dem ursprünglichen Favoriten nach Wien eingemeindet worden (4. Bezirk, seit 1874 10. Bezirk; seit 1938 zählt das Arsenal zum 3. Bezirk). Südwestlich verlief neben dem Arsenal die Wien-Raaber Bahn, deren Wiener Bahnhof 1845 eröffnet wurde.
Das Gebäude wurde durch einen Fliegerangriff am 10. September 1944 schwer beschädigt. Besonders der Nordostflügel des Museumsgebäudes wurde zerstört. Am 11. Dezember 1944 sowie am 15. Jänner und am 23. März 1945 wurde das Gebäude von weiteren Bomben getroffen. Am 24. Juni 1955 wurde das Museum wiedereröffnet.
Fassade Hansens Plan sah ein 235 Meter langes Gebäude mit vorspringenden Quertrakten und Ecktürmen sowie einen turmartigen Mittelteil von quadratischem Grundriss vor, überragt von einer 43 Meter hohen Kuppel. So wie viele Bauten des Historismus meist Vorbilder aus der Architekturgeschichte haben, zog auch Theophil Hansen jenes des ab dem Jahr 1104 errichteten Arsenal in Venedig heran. Er übernahm byzantinische Stilelemente und setzte gotisierende Bauelemente hinzu. Das aus zweifarbigen Ziegeln bestehende Mauerwerk ist mit Terrakottaornamenten und schmiedeeisernen Schließen geschmückt, die axiale Gliederung ist durch farblich strukturierte Backsteine hervorgehoben, der Mittelrisalit zeichnet sich durch ein reiches Fassadendekor, wie etwa den drei großen Rundfenstern über dem Portal-Fenster-Motiv, aus. Die reich geschmückte Attikazone wird von einem mächtigen Bogenfries getragen, der an florentinische Palastbauten erinnert. Der Schwalbenschwanzzinnenkranz wird an den Achsen der Seitenflügel und an den Ecken des Mittelbaus durch Türmchen unterbrochen, in deren Nischen Trophäenplastiken aus Terrakotta aufgestellt sind. An und vor der Fassade wurden von Hanns Gasser aus Sandstein allegorische Figurendarstellungen der militärischen Tugenden ausgeführt. Unter den Rundfenstern sind dies die weiblichen Figuren (v. l. n. r.) der Stärke, Wachsamkeit, Frömmigkeit und Weisheit; neben den drei zur Vorhalle führenden Öffnungen sind, in männlichen Figuren, die Tapferkeit, Fahnentreue, Aufopferung und die kriegerische Intelligenz dargestellt.
Innenraum Feldherrenhalle mini|Feldherrenhalle
Im Inneren des Heeresgeschichtlichen Museums manifestiert sich die Absicht Kaiser Franz Josephs, nicht bloß ein Gebäude für die kaiserlichen Waffensammlungen zu errichten, sondern auch eine Ruhmes- und Gedenkstätte für die kaiserliche Armee zu schaffen. So sind in der Feldherrenhalle 56 ganzfigurige Porträtstatuen der „berühmtesten, immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“, wie es in der kaiserlichen Entschließung vom 28. Februar 1863 heißt, aufgestellt.Alice Strobl: Das k. k. Waffenmuseum im Arsenal. Der Bau und seine künstlerische Ausschmückung. In: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien. Herausgegeben von der Direktion. Graz/Köln 1961, S. 72 f. Die Statuen sind in Carraramarmor ausgeführt und mit 186 cm alle einheitlich hoch. Namen und Lebensdaten der Dargestellten sind oberhalb der Figuren auf Tafeln angebracht, auf den Sockeln sind die 32 verschiedenen Namen der ausführenden Künstler, der Zeitpunkt der Aufstellung und der Mäzen genannt, der die Herstellung der jeweiligen Skulptur finanziert hatte. Die Kosten für die Hälfte der Statuen trug Kaiser Franz Joseph, der Rest wurde von privaten Gönnern gestiftet, oftmals handelte es sich dabei um Nachkommen des jeweils porträtierten Feldherren.
Liste der Personen, die durch Marmorstatuen in der Feldherrenhalle symbolisiert werden Markgraf Leopold I. (um 940–994) Herzog Heinrich II. (1107–1177) Herzog Leopold V. (1157–1194) Herzog Friedrich II. (1211–1246) König Rudolf I. (1218–1291) König Albrecht I. (1255–1308) Herzog Leopold I. (1290–1326) Johann Hunyadi (1387–1456) Andreas Baumkircher (1420–1471) Johann Giskra von Brandeis (um 1400–1469/70) Kaiser Maximilian I. (1459–1519) Niklas Graf Salm (1459–1530) Georg von Frundsberg (1473–1528) Wilhelm von Rogendorf (1481–1541) Kaiser Karl V. (1500–1558) Niklas Graf Zriny (1508–1566) Herbard VIII. von Auersperg (1528–1575) Lazarus von Schwendi (1522–1583) Adolf von Schwarzenberg (1551–1600) Johann ’t Serclaes Graf von Tilly (1559–1632) Heinrich Duval, Graf von Dampierre (1580–1620) Charles Bonaventure de Longueval, Comte de Bucquoy (1571–1621) Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein (1583–1634) Matthias Graf von Gallas (1588–1647) Johann Graf von Aldringen (1588–1634) Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (1594–1632) Johann Graf von Sporck (1600–1679) Johann Graf von Werth (1591–1652) Kaiser Ferdinand III. (1608–1657) Raimondo Graf Montecuccoli (1609–1680) Erzherzog Leopold Wilhelm (1614–1662) Friedrich Graf Veterani (1650–1695) Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg (1638–1701) Herzog Karl V. von Lothringen (1643–1690) Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707) Graf Guido von Starhemberg (1657–1737) Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) Johann Graf Pálffy von Erdöd (1664–1751) Otto Ferdinand Graf von Abensperg und Traun (1677–1748) Ludwig Andreas Graf von Khevenhüller (1683–1744) Josef Wenzel Fürst Liechtenstein (1696–1772) Maximilian Ulysses Reichsgraf Browne (1705–1757) Leopold Joseph Graf von Daun (1705–1766) Franz Leopold von Nádasdy (1708–1783) Dagobert Sigmund Graf von Wurmser (1724–1797) Gideon Ernst Freiherr von Laudon (1717–1790) Franz Moritz Graf von Lacy (1725–1801) Karl Graf Clerfayt (1733–1798) Paul Freiherr Kray von Krajowa (1735–1804) Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1737–1815) Hieronymus von Colloredo-Mansfeld (1775–1822) Johann Joseph Fürst von Liechtenstein (1760–1836) Andreas Hofer (1767–1810) Vinzenz Ferrerius Friedrich Freiherr von Bianchi (1768–1855) Erzherzog Karl von Österreich-Teschen (1771–1847) Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg (1771–1820) Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz (1766–1858) Julius Freiherr von Haynau (1786–1853) Alfred Fürst zu Windisch-Grätz (1787–1862) Joseph Graf Jelačić von Bužim (1801–1859)
mini|Stiegenhaus mit der „Austria“ von Johannes Benk mini|Ruhmeshalle
Stiegenhaus Im Halbstock sind weitere 4 Standbilder von Feldherren aufgestellt, im Gegensatz zu den Figuren in der eigentlichen Feldherrenhalle sind diese in Wandnischen stark überhöht angebracht. Es handelt sich um Akteure des Revolutionsjahres 1848, die im Auftrag des Hauses Habsburg die revolutionären Bestrebungen in allen Teilen der Monarchie niederschlugen: Julius von Haynau, Josef Wenzel Radetzky, Alfred I. zu Windisch-Graetz und Joseph Jelačić von Bužim. Die bildliche Ausgestaltung des Stiegenhauses wurde Carl Rahl übertragen, der sie gemeinsam mit seinen Schülern Christian Griepenkerl und Eduard Bitterlich im Jahre 1864 ausführte. Im Zentrum der mit Gold ornamentierten Decke befinden sich Fresken mit allegorischen Darstellungen von Macht und Einigkeit (Mitte), Ruhm und Ehre (rechts) und Klugheit und Mut (links). Bekrönt wird das Stiegenhaus durch die allegorische Marmorskulpturengruppe „Austria“ von Johannes Benk, die dieser 1869 ausführte.
Ruhmeshalle Die in der ersten Etage befindliche Ruhmeshalle ist mit Fresken von Karl von Blaas verziert. Sie entstanden in den Jahren von 1858 bis 1872 und zeigen die wichtigsten militärischen Ereignisse aus der Geschichte Österreichs seit den Babenbergern.Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Salzburg 1981, S. 12 f. In den vier großen Wandbögen sind die Schlacht bei Nördlingen (1634), der Kriegsrat in der Schlacht bei St. Gotthard (1664), die Schlacht bei Zenta (1697) und der Entsatz von Turin (1706) dargestellt; im linken Nebensaal die Ereignisse aus der Regierungszeit Maria Theresias und Josephs II. bis zur Einnahme Belgrads 1789; im rechten Nebensaal die Napoleonischen Kriege von der Schlacht bei Würzburg 1796 über den Tiroler Volksaufstand von 1809 bis zu den Waffenstillstandsverhandlungen von Feldmarschall Radetzky mit König Vittorio Emanuele II. von Sardinien nach der Schlacht bei Novara 1849.
Die Ruhmeshalle ist zugleich eine Gedenkstätte: An ihren Wänden und in den Nebensälen sind Marmortafeln angebracht, auf denen die Namen von über 500 Offizieren (vom Oberst bis zum General der kaiserlichen Armee, in weiterer Folge der k.u.k. Armee, vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918) mit Ort und Jahr ihres Todes vermerkt sind.
Geschichte Monarchie mini|Rudolf von Alt: Ansicht des k.k. Hofwaffenmuseums. Aquarell, 1857
Das Museumsgebäude wurde zwar 1856 fertiggestellt, jedoch dauerte die innere Ausgestaltung bis zum Jahr 1872. Die Sammlung ergänzte sich aus der ehemaligen Hof-Waffensammlung des kaiserlichen Zeughauses, der kaiserlichen Privatsammlung im Schloss Laxenburg sowie der Wiener Schatzkammer. Die Sammlung war zunächst eine reine Waffen- und Trophäensammlung, deren Schwerpunkt die Harnische und Waffen der kaiserlichen Leibrüstkammer darstellten. Nach Ordnung und repräsentativer Aufstellung im neuen Gebäude wurde diese Sammlung im Jahre 1869 als k.k. Hofwaffenmuseum dem öffentlichen Besuch freigegeben. Es war dies die erste Museumseröffnung in Wien.Heeresgeschichtliches Museum / Militärhistorisches Institut (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum im Wiener Arsenal. Verlag Militaria, Wien 2016, ISBN 978-3-902551-69-6, S. 6
Der 1871 begonnene Bau des 1891 eröffneten Kunsthistorischen Museums an der Wiener Ringstraße ließ Anfang der 1880er-Jahre erwarten, dass wesentliche Teile der bisher im Museum vertretenen Sammlungen dorthin verlagert werden könnten. Ausrichtung und Zukunft des k.k. Hofwaffenmuseums wurden durch diese Überlegungen sehr unsicher.
mini|Büste (von Johannes Benk) mit Widmung des Bauherren im Stiegenhaus: „Kaiser Franz Joseph I. seinem treuen Heere MDCCCLXIII“