Der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base ereignete sich am 21. Januar 1968.Revealed: How U.S. left nuclear warhead lying at bottom of ocean after B52 crash in 1968. Daily Mail (11. November 2008) (archiviert). Bei diesem Unfall stürzte eine B-52 Stratofortress der United States Air Force (USAF) in der Nähe der Thule Air Base in Grönland ab. An Bord des Flugzeuges, das auf einer sogenannten „Chrome-Dome“-Mission unterwegs war, befanden sich vier Wasserstoffbomben des Typs B28. Über der Baffin Bay, westlich von Grönland, brach an Bord des Bombers ein Feuer aus, das die Besatzung dazu zwang, das Flugzeug zu verlassen. Von den sieben Besatzungsmitgliedern konnten sich sechs retten, eines wurde beim Ausstieg aus dem Flugzeug tödlich verletzt.Nathan Vanderklippe: The Crash, The Inuit, And The Bomb. uphere.ca (20. Oktober 2012). Beim Aufprall des Flugzeugs wurden die konventionellen Sprengladungen der Atomwaffen ausgelöst, sodass die Umgebung u. a. mit hochradioaktivem Plutonium kontaminiert wurde.chs: US-Militär vermisst seit 40 Jahren Atombombe. Spiegel Online (12. November 2008).
Dänemark (zu dem Grönland als autonomer Bestandteil gehört) und die Vereinigten Staaten von Amerika starteten eine großangelegte Such- und Dekontaminationsaktion, trotzdem konnten nicht alle Komponenten der vier Kernwaffen geborgen werden. Dies führte zu Medienberichten über den angeblichen Verlust einer kompletten Waffe. Dies wurde aber durch eine dänische Untersuchung widerlegt. Die als Vorbereitung für einen atomaren Zweitschlag durchgeführten „Chrome-Dome“-Flüge wurden nach dem Unfall vom USAF Strategic Air Command ausgesetzt und führten zur Erneuerung diverser Sicherheitsvorschriften und Änderungen an den Sprengköpfen der mitgeführten Waffen.Hans M. Kristensen: nukestrat.com.
Historischer Zusammenhang 1960 nahm das USAF Strategic Air Command (SAC) Flüge im Rahmen der Operation Chrome Dome auf. Diese von General Thomas S. Power ins Leben gerufenen Missionen bedeuteten, dass mit nuklearen Waffen bestückte B-52 Stratofortress von ihren Stützpunkten in den USA aus bis an die sowjetische Grenze fliegen und sich ständig zwölf Maschinen in der Luft befinden sollten. Im Falle eines eskalierenden Kalten Krieges sollten so sowohl ein offensiver Erstschlag als auch ein Zweitschlag – trotz bereits getroffener Basen in den USA – gegen die Sowjetunion durchgeführt werden können.
1961 wurde der Auftrag um Hard-Head-Missionen ergänzt (auch als Thule Monitor Missions bezeichnet), die zur Thule Air Base geflogen wurden, um sicherzugehen, dass das auf Grönland stationierte Ballistic Missile Early Warning System (BMEWS) funktionsfähig war. Das BMEWS sollte anfliegende sowjetische Langstreckenraketen erkennen und rechtzeitige Gegenmaßnahmen ermöglichen und war über ein Unterseekabel mit dem North American Aerospace Defense Command (NORAD) verbunden. Da dieses Kabel häufig gestört war, sollten die B-52-Besatzungen visuell sicherstellen, dass die Station normal arbeitete und ansonsten offensiv zum Gegenschlag übergehen.
US-Verteidigungsminister Robert McNamara erwog 1966, das Chrome-Dome-Programm wegen jährlicher Kosten von 123 Millionen US-Dollar einzustellen, zumal die Überwachungsflüge durch modernere Technik im BMEWS überflüssig geworden waren. Gegen diese Einsparungen regte sich von Seiten des SAC und der Joint Chiefs of Staff Widerstand, so dass die Flüge zunächst nicht ausgesetzt wurden, allerdings nur mehr vier Flugzeuge ständig in der Luft waren, davon eines auf Thule Monitor Mission. Zivile Behörden in den USA hatten über die Fortsetzung des Programms keine Informationen, da das SAC diese unter Verschluss hielt. Die Gefährlichkeit der Chrome-Dome-Flüge wegen der Bestückung mit Nuklearwaffen war zu diesem Zeitpunkt bereits bei einem Absturz im spanischen Palomares 1966 zu Tage getreten.
Hobo 28 Flug Am 21. Januar 1968 fiel die Aufgabe der Thule Monitor Mission einer Besatzung des 380th Strategic Bomb Wing zu, die auf der Plattsburgh Air Force Base im Bundesstaat New York stationiert war. Die Boeing B-52G Stratofortress mit der Seriennummer 58-0188 und dem Rufzeichen HOBO 28 hatte eine Minimumbesatzung von fünf Mann sowie einen zusätzlichen Navigator und einen dritten Piloten, die für Thule-Flüge obligatorisch waren. Kommandant der Maschine war Captain John Haug.
Der zusätzliche Pilot, Major Alfred D’Mario, polsterte seinen Sitz vor dem Start mit drei Kissen, die direkt über einer der Belüftungsdüsen an seinem Sitz platziert wurden. Der erste Abschnitt des Fluges, der Weg nach Thule, war unspektakulär, lediglich die automatische Luftbetankung an einer KC-135 Stratotanker musste von Hand durchgeführt werden, da der Autopilot nicht voll funktionsfähig war.
Etwa eine Stunde nach der Luftbetankung – das Flugzeug hatte die Baffin Bay bereits erreicht – wechselten die beiden Copiloten ihren Platz. D’Mario nahm nun den rechten Sitz ein. Da die Besatzung trotz voll aufgedrehter Heizung immer noch fror, öffnete D’Mario ein Bleed Valve eines Triebwerks, sodass diesem aus dem Kompressor heiße Luft entnommen und in die Kabine geleitet wurde. Durch einen Fehler in der Heizung wurde die Luft dabei aber nicht gekühlt und strömte so direkt auf die vor dem Start angebrachten Kissen. Etwa eine halbe Stunde später bemerkte eines der Besatzungsmitglieder Brandgeruch und begann, die Feuerquelle zu suchen. Nachdem der Navigator die Quelle ausgemacht hatte, begann er, das Feuer mit zwei Feuerlöschern zu bekämpfen, was ihm allerdings misslang.
Absturz mini|Blick auf die Thule Air Base; die Bucht im Hintergrund war zum Zeitpunkt des Unfalls mit Eis bedeckt Um 15:22 Uhr EST erklärte Haug schließlich Luftnotlage und bat bei der Luftraumkontrolle von Thule darum, eine Notlandung auf dem Militärstützpunkt durchführen zu dürfen. Nach fünf Minuten waren alle fünf Feuerlöscher an Bord verbraucht, gleichzeitig fiel der Strom aus und das Cockpit füllte sich immer weiter mit Rauch. Nachdem die Besatzung die Instrumente nicht mehr ablesen konnte, befahl Haug der Besatzung, sich auf einen Absprung vorzubereiten. Sobald das Flugzeug sich über dem Festland befand, retteten sich sechs der sieben Besatzungsmitglieder; Copilot Leonard Svitenko wurde bei dem Versuch, aus einer Luke das Flugzeug zu verlassen, tödlich am Kopf verletzt.
Das nun unbemannte Flugzeug flog zunächst kurz in nördlicher Richtung weiter, drehte dann nach links und stürzte in einem Winkel von etwa 20 Grad etwa 12,1 Kilometer westlich der Thule Air Base um 15:39 Uhr EST auf in der North Star Bay treibendes Eis. Beim Aufprall lösten die mit konventionellem Sprengstoff versehenen Zünder aus, so dass das in den Bomben enthaltene radioaktive Material, ähnlich einer radiologischen Waffe, um die Absturzstelle verteilt wurde. In den Tanks befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa 225.000 engl. Pfund Kerosin, die ebenfalls sofort Feuer fingen und das Eis, auf dem das Flugzeug abgestürzt war, langsam zum Schmelzen brachten. Nach sechs Stunden sanken das Wrack und mit ihm die Munition auf den Meeresboden.
Rettungsaktion und erste Suche nach dem Wrack mini|Staff Sergeant Calvin Snapp (Mitte), eines der Besatzungsmitglieder, nach seiner Rettung vom Eis Haug und D’Mario landeten an ihren Fallschirmen auf der Air Base und alarmierten sofort den Flugplatzkommandanten, dass sich mindestens sechs Besatzungsangehörige hatten retten können und dass das Flugzeug vier Nuklearwaffen an Bord gehabt hätte. Sofort begann eine großangelegte Suchaktion, zunächst vor allem nach den vier verbleibenden Besatzungsmitgliedern. Die Amerikaner wurden dabei durch einen Vertreter des grönländischen Handelsministeriums, Jens Zinglersen, unterstützt. So konnten drei weitere Personen innerhalb von zwei Stunden gerettet werden, sie befanden sich weniger als 2,4 Kilometer von der Basis entfernt. Lediglich Captain Criss, der als Erster das Flugzeug verlassen hatte, trieb 21 Stunden auf einer Eisscholle, bevor er gefunden wurde. Er war stark unterkühlt und überlebte nur, weil er sich in seinen Fallschirm eingewickelt hatte.
Für seine Hilfe bei der Rettung der Besatzung erhielt Zinglersen am 26. Februar 1968 vom amerikanischen Botschafter die Air Force Exceptional Civilian Service Medal.‘Broken Arrow’ meets ‘Erin Brockovich’ in ‘Thulegate’ – at chemotherapists now! cphpost.dk (29. Juni 2016).
Die Suche nach Wrackteilen war weniger erfolgreich. Direkt nach dem Absturz und dem Versinken des Wracks konnten lediglich sechs der acht Triebwerke, ein Reifen und kleinere Teile gefunden werden. Die US-Streitkräfte kategorisierten den Unfall mit dem Codewort „Broken Arrow“ als einen Unfall mit Atomwaffen.
Bergung (Projekt Crested Ice) Die Explosion verteilte Trümmer des Flugzeugs und der Bewaffnung auf etwa 8 km². Teile des Bombenschachts wurden mehr als drei Kilometer entfernt vom Aufschlagpunkt gefunden, woraus geschlossen wurde, dass das Flugzeug schon in der Luft begann, auseinanderzubrechen. Südlich vom Aufschlagpunkt war das Eis stark kontaminiert worden, zum einen von ausgeflossenem und verbranntem Kraftstoff JP-4, zum anderen von den aus den Sprengköpfen ausgetretenen radioaktiven Elementen Americium, Plutonium, Uran und dem Wasserstoff-Isotop Tritium. Die Menge an Plutonium wurde teilweise mit 380 mg/m² gemessen.
Amerikanische und dänische Behörden leiteten deshalb sofort Maßnahmen ein, um die Ausbreitung radioaktiver Stoffe einzudämmen und die Trümmer zu finden und zu entsorgen. Dieses Unternehmen bekam den Namen Project Crested Ice (etwa: „erklommener Eisberg“, teilweise auch als Dr. Freezelove bezeichnet). Erschwert wurden die Anstrengungen durch das Wetter. Die Temperaturen lagen bei lediglich −40 °C und fielen zeitweise auf −60 °C, dazu kamen Winde von bis zu 40 m/s. Bis zum 14. Februar 1968 herrschte auf dem Breitengrad Thules dazu noch die Polarnacht, was die Suche zusätzlich behinderte.
Nahe der Absturzstelle wurde ein Stützpunkt eingerichtet, Camp Hunziker, benannt nach General Richard Hunziker, der die Bergung leitete. Von der Thule Air Base aus wurden zwei Wege zum Camp angelegt, das aus Iglus, Generatoren, Kommunikationseinrichtungen und einem Heliport bestand, so dass 24 Stunden an der Absturzstelle gearbeitet werden konnte. Nach der Bergung wurde das verseuchte Material auf Drängen der dänischen Regierung in die USA gebracht; nach Aussage von General Hunziker konnten etwa 93 % des angefallenen radioaktiven Mülls geborgen und entfernt werden. Am 13. September 1968 war Crested Ice offiziell abgeschlossen, die Kosten wurden auf etwa 9,4 Millionen US-Dollar geschätzt. Mehr als 70 US-Behörden mit 700 Spezialisten waren an dem Projekt beteiligt.
Kontroverse um die Zahl der geborgenen Bomben + Radioaktives Material am Absturzort Nuklide Halbwertszeit Strahlungstyp Tritium 12 Jahre Betastrahlung 234Uran 250.000 Jahre Alphastrahlung 235Uran 700 Millionen Jahre Alphastrahlung 238Uran 4,5 Milliarden Jahre Alphastrahlung 239Plutonium 24.000 Jahre Alphastrahlung 240Plutonium 6.600 Jahre Alphastrahlung 241Plutonium 14 Jahre Betastrahlung 241Americium 430 Jahre Alpha-/Gammastrahlung
Gegenüber der Öffentlichkeit war behauptet worden, alle vier nuklearen Sprengköpfe der B28-Bomben seien geborgen und entsorgt worden. 1987–1988 sowie erneut 2000 erschienen in der dänischen Presse jedoch Artikel, die behaupteten, dass eine der vier Bomben an Bord der B-52 nicht geborgen worden war. Das SAC hingegen hatte 1968 behauptet, alle vier Bomben seien beim Absturz zerstört und die Überreste geborgen worden. 2008 erschien in der BBC ein Artikel, der sich teilweise auf als geheim eingestufte Berichte aus der Zeit kurz nach dem Absturz berief und aussagte, dass man nur bei drei Bomben sicher sei, dass sie geborgen seien. William Chambers, amerikanischer Nuklearforscher, sagte dazu: