mini|Ansicht der Michaelskirche von Süden mini|Gesamtansicht der Kirche vom Waiblinger Rathaus aus Richtung Nordwesten Die Michaelskirche ist eine evangelische Kirche in Waiblingen. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Waiblingen zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie wurde früher auch Große oder Äußere Kirche genannt. Der Name Michaelskirche ist seit ca. 1950 gebräuchlich. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das wesentlich kleinere Nonnenkirchlein.
Geschichte Der Bau des heutigen Kirchengebäudes wurde vermutlich um 1440 durch Hans von Landau begonnen. Ein genaues Datum über den Baubeginn kann nicht genannt werden. Um 1449/50 wurde der Chor fertiggestellt. Danach gab es kriegsbedingt eine Unterbrechung (Städtekrieg zwischen Graf Ulrich V. von Württemberg und der Freien Reichsstadt Esslingen). Um 1462 erfolgte die Errichtung des Turms. Im gleichen Jahr wurde in die 1269 erstmals erwähnte Nikolauskapelle – auch kleine bzw. innere Kirche genannt – eine Prädikatur gestiftet,Matthias Figel: Der reformatorische Predigtgottesdienst. Eine liturgiegeschichtliche Untersuchung zu den Ursprüngen und Anfängen des evangelischen Gottesdienstes in Württemberg. Epfendorf/Neckar 2013, S. 189–195 (Liste: Die Prädikaturen in Württemberg vor der Reformation) die dann in der Michaelskirche der 1484 fertiggestellten Steinkanzel zugeordnet wurde. In den 1470er und -80er Jahren wurde nach erneuter Unterbrechung das dreischiffige Langhaus errichtet. In seinen Gewölben sind die Jahreszahlen 1487, 1488 und 149(0) angegeben. Vermutlich in diesem Jahr wurde die Kirche durch Peter von Lahn als QuerkircheUlrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 81, 235, 327 – ISBN 978-3-95505-592-9. fertiggestellt. Ein Turmbrand im Jahre 1634 und später noch weitere Anlässe führten zu verschiedenen Renovierungen. Der Architekt Christian Friedrich von Leins renovierte im Jahre 1867 die Michaelskirche und wandelte sie durch eine neue Ost-Ausrichtung von einer Quer- zu einer Längs- oder Longitudinalkirche um. Die Steinkanzel von 1484 wurde dabei von ihrer ursprünglichen Position am mittleren Südpfeiler an den heutigen Platz am südlichen Chorbogenpfeiler versetzt.
1990, zum 500-jährigen Jubiläum der Kirche, begann eine Außensanierung des Kirchenschiffs und des Kirchturms. Diese Arbeiten unter Leitung von Architekt Erwin Laichinger wurden im Jahr 2000 abgeschlossen.Erwin Laichinger, Siegfried Greiner: Zehn Jahre Renovierungsarbeiten an und in der Evang. Michaelskirche in Waiblingen; in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart. Schriftenreihe des Heimatvereins Waiblingen e.V., Bd. 14; Waiblingen 2000, S. 119–129
Vorgängerbauten In den Jahren 1866, 1910, 1938 und 1978 wurden bei Renovierungsarbeiten bis ins 7. Jahrhundert zurückreichende Reste von insgesamt drei Vorgängerkirchen gefunden.
Kirchturm Charakteristisch ist der um das Jahr 1462 errichtete markante Kirchturm mit einer Gesamthöhe von 52 Metern. Während der untere Teil einen quadratischen Querschnitt besitzt, ist die Glockenstube achteckig ausgeführt.
Ausstattung Kanzel Im Langhaus, einer dreischiffigen Staffelhalle mit vier Jochen, stand die Kanzel ursprünglich „am mittleren Pfeiler der südlichen Arkadenreihe; bei der Kirchenrenovierung in den Jahren 1866/67 durch Leins wurde sie an den südlichen Chorbogenpfeiler versetzt.“Karl Halbauer: Predigstül – Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation; in der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 322–331 Sie bildete dort das Zentrum des als Querkirche konzipierten Raumes. Vom ursprünglichen Bestand sind nur die Konsole und die Brüstung mit ihren vier Reliefs erhalten. Sie stellen – mit asymmetrischer Ausrichtung zum ehemaligen Hauptaltar im Chor – vier Kirchenväter dar: nach rechts gewendet Augustinus mit der Halbfigur eines Engels als Symbol des Evangelisten Matthäus, dann nach links gewendet Papst Gregor I. mit dem Lukas-Symbol eines Stieres, Ambrosius mit dem Markuslöwen und der Jahreszahl 1484, und zuletzt Hieronymus samt seinem Attribut, dem Löwen, und mit dem Johannesadler.
Glasgemälde Die Stuttgarter Glaswerkstatt Waldhausen & Ellenbeck besorgte um die Wende zum 20. Jahrhundert die Ausstattung des Chores mit farbverglasten Fenstern: 1889 zunächst das mittlere Chorfenster (Reformationsgedenken; Entwurf E. Macholdt 1889) und 1903 vier weitere Chorfenster (zwei mit Aposteldarstellungen; Entwurf: Lauxmann). Sie wurden alle 1945 durch Kriegseinwirkung beschädigt und konnten erst 1957 ersetzt werden.
Martin Domke schuf 1957 drei Chorfenster, die in Stil und starker Farbgebung in der Bauhaustradition und der Malweise Oskar Schlemmers stehen: das Weihnachtsfenster (Verkündigung an Maria, Anbetung der Weisen, Flucht nach Ägypten), das Osterfenster mit dem auferstandenen Christus und das Passionsfenster (Gethsemane, Verrat des Judas, Kreuztragung). Die Fenster wurden im Rahmen der Kirchenrenovierung 2000 von der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile aufgearbeitet.
Orgel mini|Orgelempore mit Prospekt mini|Blick auf die Orgel Die heutige Orgel geht auf ein Instrument von Eberhard Friedrich Walcker zurück, das er für die 1876 für die Weltausstellung in Philadelphia baute mit der Hoffnung, es in Amerika gleich verkaufen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, und so musste er die Orgel wieder nach Deutschland bringen und günstig anbieten. Die Waiblinger Kirchengemeinde griff bei diesem Angebot zu, und so wurde die Orgel nach Waiblingen überführt. Im Jahr 1971 ersetzte die Firma Weigle, Echterdingen, das Innenwerk unter Einbeziehung des historischen Prospekts (51 Register, drei Manuale und Pedal). Im Jahre 2009 wurde die Orgel durch Orgelbau Mühleisen umgebaut und die Disposition auf 55 Register erweitert.Umfassende Informationen zur auf der Website der Orgelbaufirma, abgerufen am 3. Januar 2017. Das neugotische Orgelgehäuse aus dem Jahr 1876 mit Spitzbögen, Vierpässen, Kreuzblumen und Fialen blieb erhalten. Vor die Seitenteile von Schwellwerk und Kleinpedal wurde ein schlichter Seitenprospekt für das neue Register Violon 16′ aufgestellt. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch, der Spieltisch ist seitlich auf der Empore aufgestellt. Eine Besonderheit ist die Manualkoppel II/III, mit der das zweite Manualwerk auf das dritte Manual gekoppelt werden kann. Die Disposition lautet wie folgt:Zur , abgerufen am 3. Januar 2017.
I Hauptwerk C–g31.Quintade 16′2. Principal 8′3. Spitzflöte 8′4. Octave 4′5. Hohlflöte 4′6. Quinte ′7. Octave 2′8. Groß Mixtur ′9. Klein Mixtur ′ 10.Cornett III–V 11.Trompete 8′ 12.Clairon 4′ Tremulant II Oberwerk C–g3 13.Suavial 8′ 14.Gedeckt 8′ 15.Quintade 8′ 16.Principal 4′17. Rohrflöte 4′ 18.Quinte ′ 19.Octave 2′ 20.Blockflöte 2′ 21.Terz ′ 22.Spitzquinte ′ 23.Scharf IV–V 1′ 24.Cromorne 8′ Tremulant III Schwellwerk C–g3 25.Bourdon 16′ 26.Principal 8′ 27.Flûte majeure 8′ 28.Salicional 8′ 29.Voix céleste 8′ 30.Octave 4′ 31.Nachthorn 4′ 32.Nasard ′ 33.Waldflöte 2′ 34.Terzflöte ′ 35.Septime ′ 36.Sifflöte 1′ 37.Fourniture V–VI 2′ 38.Hautbois 8′ 39.Bombarde 16′ 40.Trompette harmonique 8′ 41.Clairon 4′ Tremulant Pedalwerk C–f1 42.Principalbass 16′ 43.Violon 16′ 44.Subbass 16′ 45.Zartbass 16′ 46.Quinte ′ 47.Octavbass 8′ 48.Violon 8′ 49.Gemsbass 8′ 50.Octave 4′ 51.Basszink IV ′ 52.Hintersatz IV 4′ 53.Posaune 16′ 54.Trompete 8′ 55.Klarine 4′ Tremulant Koppeln: Normalkoppeln: II/I, II/III (sic!), III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Suboktavkoppeln: III/I, III/II, III/III Superoktavkoppeln: III/III, III/P Nebenregister: Zimbelstern Spielhilfe: Setzeranlage
Glocken Im Turm hängen fünf Glocken mit folgenden Merkmalen: Glocke Name Bild Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser Gewicht Schlagton Inschrift 1 Große Glocke* 100px 1895 Heinrich Kurtz,Stuttgart 1350 mm 1370 kg cis1 Ehre sei Gott in der Höhe 2 Gebetsglocke 100px 1950 Gebrüder Bachert,Bad Friedrichshall-Kochendorf 1300 mm 1180 kg e1 Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir 3 Zeichenglocke 100px 1160 mm 835 kg fis1 O Land, Land, höre des Herrn Wort 4 Gefallenenglocke 100px 965 mm 495 kg a1 Ich bin die Auferstehung und das Leben 5 Taufglocke** 100px1677 Timotheus Hartz,Heidelberg 710 mm 260 kg h1 * Gestiftet 1895 von Bürgern der Stadt Waiblingen, ursprünglich Schlagton d1, umgearbeitet 1952.** Bis etwa 1950 im Turm der Nikolauskirche.
Literatur Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 493 Adolf Schahl: Die Baugeschichte der Michaelskirche Waiblingen; in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart 1; Waiblingen 1962, S. 40–42 Wichtige Angaben zu Waiblingen Michaelskirche siehe Walther-Gerd Fleck: Lutherkirche Fellbach; Selbstverlag der Lutherkirche, Fellbach o. J. S. 9 ff Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band II; in: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg – Hg. vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 1135–1161 Evangelische Kirchengemeinde Waiblingen: Ein halbes Jahrtausend Michaelskirche in Waiblingen, 1490–1990, 1991
Galerie
Weblinks
Mehr Bilder und Informationen zur Michaelskirche auf kirchen-online.com Informationen zur Michaelskirche auf der Seite der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen 500 Jahre Michaelskirche Waiblingen (Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart Bd. 12, Hrsg. Heimatverein Waiblingen, Waiblingen 1991) Geläute der Michaelskirche bei Youtube
Einzelnachweise
Kategorie:Gotisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Geläut Kategorie:Erbaut in den 1490er Jahren Michaelskirche Michaelskirche Waiblingen, Michaelskirche Kategorie:Kirchengebäude in Europa