mini|Viktor Orbán (2025)rahmenlos Viktor Mihály Orbán [] (; * 31. Mai 1963 in Székesfehérvár, Volksrepublik Ungarn) ist ein ungarischer Politiker, Mitbegründer und – mit einer Unterbrechung – seit 1993 Vorsitzender der Partei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund. Er war von 1998 bis 2002 sowie von 2010 bis 2026 Ministerpräsident von Ungarn; dazwischen war er Oppositionsführer. Er war damit der am längsten amtierende Ministerpräsident Ungarns. Auf internationaler Ebene war er von 2002 bis 2012 einer der Vizepräsidenten der Europäischen Volkspartei und ist seit 2001 einer der Vizepräsidenten der Christlich Demokratischen Internationale.
Seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 2010 baute Viktor Orbán seine Macht im Amt systematisch aus. Mit der Zweidrittelmehrheit seiner Fidesz-Partei wurde ab 2011 das ungarische Wahlsystem zu Ungunsten der Oppositionsparteien abgeändert. 2020 und 2022 rief Orbán den Ausnahmezustand aus und erweiterte damit die Kompetenzen seiner Regierung. Als Regierungschef zentralisierte Orbán die Medien, schränkte die Kompetenzen des Verfassungsgerichts ein und griff in die Menschenrechte gesellschaftlicher Minderheiten ein. Orbáns autoritärer Regierungsstil wurde auch als Orbánismus bezeichnet. Infolge einer Wahlniederlage bei der Parlamentswahl 2026 schied Orbán als Regierungschef aus.
Jugend Orbán wuchs als ältester Sohn eines Agraringenieurs und einer Lehrerin und Logopädin in Székesfehérvár auf. Dort wurde er am Teleki-Blanka-Gymnasium unterrichtet, absolvierte die Mittelstufe auf Englisch und legte im Jahr 1981 die Matura ab.
Nach seinem Grundwehrdienst von 1981 bis 1982 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Loránd-Eötvös-Universität, das er 1987 mit einem Berufsdoktorat abschloss. Von 1987 bis 1989 arbeitete er in Budapest beim Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung und wohnte in Szolnok. Von April 1988 an arbeitete er für die Soros Foundation of Central Europe Research Group, von der er im September 1989 ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt zum Studium der Geschichte der englischen liberalen Philosophie am Oxforder Pembroke College erhielt. Dieses Studium brach er 1990 vor der ungarischen Parlamentswahl ab und ging in die Politik.
Politische Tätigkeit mini|hochkant|Viktor Orbán während seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident (2001)
Seine politische Karriere begann er als Vorsitzender der Jugendorganisation der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (Kommunistischer Jugendbund, Kommunista Ifjúsági Szövetség – KISZ) im von ihm besuchten Gymnasium.József Debreczeni: Orbán Viktor, Osiris kiadó, Budapest, 2002, ISBN 963-389-443-3. 1988 war er einer der Gründerväter des Bundes Junger Demokraten (Fiatal Demokraták Szövetsége, Fidesz). Er wurde durch seine Rede am 16. Juni 1989Лучший друг Кремля (Der beste Freund des Kremls), Nowaja Gaseta Europa, 7. April 2026 landesweit bekannt, als er sich im Rahmen der Umbettung des 1958 hingerichteten Imre Nagy als der Sprecher der Universitätsjugend für den Abzug der in der Volksrepublik Ungarn stationierten sowjetischen Truppen aussprach. Diese Rede brachte ihm teils Bewunderung, teils heftige Kritik ein.
Nach der Wende 1989 wurde er Mitglied des Ausschusses der neu gegründeten Partei Fidesz (das heißt des Führungsgremiums der Partei, da es damals noch keinen Vorsitzenden gab). 1993 wurde er zum Parteivorsitzenden gewählt. Diesen Posten bekleidete er bis zu seinem Rücktritt 2000 und erneut ab 2003.
Viktor Orbán war von 1990 bis 2026 Abgeordneter des Parlaments. Zwischen 1990 und 1993 war er Fraktionsvorsitzender.
Unter seiner Führung wurde die zunächst als liberal geltende Partei Fidesz zur dominierenden konservativen Partei Ungarns. 1998 gewann er die Parlamentswahlen und bildete eine Regierung der Fidesz mit der konservativen Kleinbauernpartei (FKgP) und dem Ungarischen Demokratischen Forum (MDF). Während seiner ersten Regierungszeit trat Ungarn der NATO bei, und die öffentlichen Angestellten wurden nach Regierungsanweisung zu einem großen Teil ausgewechselt. 2002 verlor seine Partei die Wahl gegen die damals oppositionellen Sozialisten mit dem Spitzenkandidaten Péter Medgyessy.
Orbán bekleidete auch mehrere internationale Positionen: Zwischen 1992 und 2000 war er einer der Vizepräsidenten der Liberalen Internationale; 2002 wurde er einer der Vizepräsidenten der Europäischen Volkspartei.
Ein Jahr nach der Parlamentswahl wurde Orbán 2003 erneut zum Parteichef der Fidesz gewählt. Nach seiner Rückkehr an die Parteispitze stieg die Mitgliederzahl der Partei. Er galt als aussichtsreichster Kandidat gegen den amtierenden sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány, verlor aber am 8. April 2006 knapp gegen diesen. Vor dem zweiten Wahldurchgang (23. April 2006) verzichtete er zugunsten des früheren Koalitionspartners, des Demokratischen Forums MDF, auf das Amt des Regierungschefs, konnte aber die Mehrheitsverhältnisse nicht mehr umdrehen.
mini|Am 29. Mai 2010 wählte das Parlament Orbán zum Ministerpräsidenten. Im ersten Wahlgang der Parlamentswahl am 11. April 2010 errang Fidesz einen klaren Wahlsieg mit 52,73 Prozent der abgegebenen Stimmen. Am 29. Mai 2010 wählte das neue Parlament Viktor Orbán zum neuen Ministerpräsidenten. Eine der sogleich von Orbán initiierten verfassungsrechtlichen Entscheidungen war die Änderung des amtlichen Landesnamens zum 31. Dezember 2011 von „Republik Ungarn“ zu „Ungarn“.Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland. Stand: 22.03.2024 (PDF; 1242 kB). Auswärtiges Amt, abgerufen am 30. April 2026, S. 112.
Die Regierungskoalition der Fidesz und der KDNP gewann auch bei der Parlamentswahl am 6. April 2014 mit 44,87 Prozent der Listenstimmen sowie mit 44,11 Prozent der Wahlkreisstimmen insgesamt 133 Parlamentssitze und damit die für Änderungen der Verfassungsgesetze erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Orbán wurde am 10. Mai 2014 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Bei der Europawahl 2014 erreichte das Bündnis 51,49 Prozent der Stimmen. Bei den Parlamentswahlen in Ungarn 2018 und 2022 sicherte sich Fidesz erneut eine Zwei-Drittel-Mehrheit, womit Orbán Ministerpräsident blieb.
Ab dem 8. Dezember 2021, dem Tag des Ausscheidens Angela Merkels aus dem Regierungsamt, war er der dienstälteste Regierungschef innerhalb der EU.
Im Oktober 2024 überholte die oppositionelle Tisztelet és Szabadság Párt (TISZA) unter Péter Magyar als erste Partei Orbáns Fidesz nach 18 Jahren knapp in zwei Wahlumfragen. In beiden wurde Fidesz nur noch zweitstärkste Kraft mit 37 Prozent der Stimmen.Meret Baumann: Der politische Newcomer Peter Magyar treibt Ungarns Regierung vor sich her – für Viktor Orban wird es ungemütlich. Neue Zürcher Zeitung, 25. Oktober 2024. Abruf am 4. Januar 2025.„Ärmstes, korruptestes Land“: Oppositionsführer rechnet in Neujahrs-Video mit Orbán ab. Focus Online, Abruf am 4. Januar 2024.
Bei der Parlamentswahl 2026 verlor Orbáns regierende Fidesz-Partei die Mehrheit, Wahlgewinner wurde die oppositionelle Tisztelet és Szabadság Párt (TISZA). Als Folge schied er am 9. Mai 2026 als Regierungschef aus. Des Weiteren gab er an, sein Parlamentsmandat nicht wahrnehmen zu wollen.
Das ungarische Parlament beschloss im Juni 2026 eine Beschränkung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf insgesamt acht Jahre. Somit bleibt Orbán eine erneute Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten verwehrt. Orbáns Anhänger seien dagegen Sturm gelaufen, kommentierte der Tages-Anzeiger.Enver Robelli: Magyar verbannt Orbán aus der Politik - uns setzt sich selbst ein Ablaufdatum, Tages-Anzeiger, 17. Juni 2026, S. 12
Orbán als Ministerpräsident Orbáns Regieren per Verordnung ab der COVID-19-Pandemie Orbán behauptete im März 2020 kurz nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie, es gebe die „Frontlinie namens Migration und es gibt die der Coronavirus-Epidemie“. „Ausländer“ – Migranten über die Iran-Route – und auch ausländische Studenten hätten das Virus nach Ungarn gebracht. Daher habe man die Universitäten geschlossen. Der Politologe Péter Krekó vom Budapester Institut Political Capital sagte, die Regierung und ihr nahestehende Medien suchten nach Sündenböcken, weil das Gesundheits- und das Bildungswesen am meisten „unter der restriktiven Fiskalpolitik der Regierung […] gelitten“ hätten.Keno Verseck: Coronavirus in Orbáns Ungarn: Soros, die Migranten und die Seuche. www.dw.com, 17. März 2020.
Orbán ließ sich vom Parlament mit umfassenden Sondervollmachten gegen die Pandemie ausstatten, die es ihm ermöglichten, ohne zeitliche Befristung mittels Verordnungen zu regieren. Während des verhängten Notstands durften keine Wahlen und Referenden stattfinden. Strafen für Verstöße gegen Quarantänebestimmungen sowie für das Verbreiten von Falschnachrichten wurden massiv verschärft. Journalisten äußerten die Befürchtung, dass ihnen wegen kritischer Berichterstattung Haftstrafen drohen könnten. Kritiker sahen in den Notstandsverordnungen eine Instrumentalisierung der Corona-Krise, mit der Orbán seine Machtstellung ausbauen wolle.Notstandsgesetz in Ungarn: EU warnt vor unverhältnismäßigen Schritten. www.tagesschau.de, 31. März 2020. Jan Puhl befand im Spiegel, Orbán habe „eine Diktatur geschaffen, die ihre Gegner nicht umbringt, aber gnadenlos kaltstellt – und das mitten in Europa“.Jan Puhl: Notstandsgesetze in Ungarn: Eine Diktatur mitten in Europa. www.spiegel.de, 31. März 2020.
In einem Brief an die Spitzen mehrerer Mitgliedsparteien der Europäischen Volkspartei (EVP) warf Orbán Ende März 2020 dem Parteivorsitzenden Donald Tusk, der als Kritiker Orbáns galt, vor, er bediene sich der Sprache von „europäischen Liberalen und Linken“. Tusk solle dazu gedrängt werden, nicht weiter „die Saat der Spaltung zu säen“. Tusk seinerseits beschuldigte Orbán in einem Schreiben an die Spitzen der EVP-Parteien daraufhin, die „Pandemie zu benutzen, um einen permanenten Ausnahmezustand zu schaffen“; das sei „politisch gefährlich und moralisch inakzeptabel“.Markus Becker, Peter Müller: Orbán, der Corona-Gewinnler www.spiegel.de, 1. April 2020.
Weiterregieren unter neuem Notstand nach Angriff Russlands auf die Ukraine Nach der Parlamentswahl in Ungarn im April 2022, bei der sich die Fidesz erneut eine Zweidrittelmehrheit sicherte, wurde Orbán am 16. Mai 2022 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt und noch am selben Tag auf seine fünfte Amtszeit vereidigt.Viktor Orbán erneut zu Ungarns Premier gewählt Der Standard, 16. Mai 2022, abgerufen am 25. Mai 2022. Nachdem das Parlament wenige Tage später eine Verfassungsänderung aufgrund des Krieges in der Ukraine herbeigeführt hatte, rief Orbán aufgrund des neuen Gesetzes einen Notstand aus. Deswegen war es nach dem Auslaufen des Coronanotstands möglich, weiterhin per Verordnung zu regieren, um – so die Begründung – auf die Herausforderungen durch den Krieg reagieren zu können. Vor der Wahl hatte Orbán die Abgabenlast für potentielle Wähler gesenkt, indem er Energie und Lebensmittel subventionierte, günstige Kredite für Autos und Wohnungen vergab und kleinen und mittleren Verdienern die Einkommensteuer zurückerstatten ließ. Dies ging zulasten der Haushaltsmittelgröße der Gesundheits- und Bildungssektoren, weshalb Investitionen in Krankenhäuser und Schulen ausblieben. Im Jahr 2022 entmachtete er die Ärztekammer. In Ungarn erreichte die Inflation Stand März 2023 mit 24 Prozent einen Spitzenwert in der EU.
Verstoß gegen Umweltbestimmungen in der Batteriefabrik in Göd