Reichertshausen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Westen der Bundesautobahn 9 genau auf halbem Wege zwischen München und Ingolstadt. Sie gehört zur Planungsregion Ingolstadt. Im Ort mündet der Nöbach in die Ilm. Durch die Ortsmitte von Reichertshausen führt die Bundesstraße 13.
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Langwaid, Paindorf, Pischelsdorf, Reichertshausen und Steinkirchen.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Reichertshausen wurde erstmals 779 erwähnt, als eine Frau von Toza ein Bethaus errichten ließ. Als nächste Herren auf Reichertshausen wurde 1060 das Geschlecht der Babenberger nachgewiesen. In der Folge nannten sich die Schlossbesitzer von Richershusen.
Im Jahre 1334 wurden Schloss Reichertshausen und Besitzungen an einen Angehörigen der Münchner Patrizierfamilie Pütrich verkauft. Der Käufer Ludwig Pütrich erhielt 1347 von Kaiser Ludwig dem Bayern zudem die geschlossenen Hofmarksrechte und wurde als Pütrich von Reichertshausen in den Adelsstand erhoben. Auch der Ort Reichertshausen selbst gelangte so in den Besitz dieser Hofmarksherren. 1497 und 1502 wurde jeweils eine Hälfte des Besitzes von den beiden letzten Nachfahren der Pütrichs von Reichertshausen an Hans von Pfeffenhausen verkauft. Nächste Eigentümer waren ab 1607 mit Hanns Wolf von Weichs zu Steingriff die Freiherren von Weichs.Aus der Geschichte der Gemeinde Reichertshausen, auf reichertshausen.de, abgerufen am 19. Mai 2016.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Inhaber der Patrimonialgerichtsbarkeit war zu dieser Zeit die Familie von Cetto. 1848 wurden durch eine königliche Verordnung die letzten Hofmarksrechte aufgehoben.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Paindorf eingegliedert. Langwaid und Pischelsdorf folgten am 1. April 1971. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Steinkirchen kamen am 1. April 1975 hinzu.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4048 auf 4960 um 912 Einwohner bzw. um 22,5 %. Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 2177 2299 3837 4358 4772 4863 4942 4896 5018
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 ergab folgende Stimmenanteile und Sitzverteilung: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 32,6 % 5 SPD 10,0 % 2 Grüne 13,5 % 2 Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) 28,8 % 5 Freie Wähler (FW) 15,0 % 2
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 12. Februar 2023 Benjamin Bertram-Pfister (SPD). Sein Vorgänger Erwin Renauer (UWG) musste gesundheitsbedingt sein Amt im November 2022 niederlegen.
Wappen
mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche St. Stephan Kultur und Sehenswürdigkeiten Volksfest: Seit 1978 jährlich zu Christi Himmelfahrt bis zum darauf folgenden Sonntag.
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Reichertshausen Liste der Bodendenkmäler in Reichertshausen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab 2018 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe keine und im Handel, Verkehr, Gastgewerbe 220 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 263 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2227. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen Betrieb, im Bauhauptgewerbe sieben Betriebe. Im Jahr 2016 bestanden zudem 36 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 839 ha, davon waren 557 ha Ackerfläche und 281 ha Dauergrünfläche.
Seit mindestens den 1920er Jahren bestand in Reichertshausen ein Milchwerk. Das Werk war lange als Valveta-Werk bekannt und gehörte zur Kraft-Gruppe. 1996 verkaufte Kraft Jacobs Suchard das Milchwerk an die Käserei Stegmann. Im Mai 2010 wurde das Milchwerk endgültig geschlossen.Milchwerk: Ende Mai gehen die Lichter aus, auf www.donaukurier.de, abgerufen am 15. August 2022
Verkehr Der Bahnhof Reichertshausen liegt auf der Bahnstrecke München–Treuchtlingen zwischen München und Ingolstadt. Es hält stündlich je Richtung eine Regionalbahn sowie in den Stoßzeiten zusätzliche Züge. Der Haltepunkt Paindorf auf der gleichen Strecke wird zweistündlich bedient.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen: Kindergarten Reichertshausen Kindergarten Steinkirchen Kinderkrippe Reichertshausen Volksschule (Grund- und Hauptschule) Reichertshausen Grundschule Steinkirchen
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Jakob Püterich von Reichertshausen (* 1400; † 1469), Dichter, Büchersammler und herzoglich-bayerischer Rat und Amtsträger Johann Evangelist Müller (* 1877 in Gründholm; † 1965), 1. röm.-katholischer Bischof von Stockholm
Mit Reichertshausen verbunden Florian Simbeck (* 1971 in München), deutscher Schauspieler und Politiker (SPD); lebte zeitweise in Reichertshausen
Literatur Martin Sedlmeier: Reichertshausen: Ein Streifzug von der Vergangenheit zur Gegenwart. Ilmgaudruckerei, Pfaffenhofen an der Ilm 1994, ISBN 3-929466-93-7 Josef Brückl: Eine Reise durch den Bezirk Pfaffenhofen, Verlags-Druckerei Udart, Pfaffenhofen 1950, S. 16–17
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Kategorie:Ort in der Hallertau Kategorie:Ersterwähnung 779 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Ort an der Ilm (Abens)