mini|Eidersperrwerk mit Katinger Watt (rechts) mini|Uferschnepfe im Katinger Watt mini|Blick von den Eiderdammflächen auf den Beobachtungsturm am Naturinformationsareal im Katinger Watt mini|Knabenkraut im Nullgebiet am Eiderleitdamm im Katinger Watt mini|Das Nullgebiet im Katinger Watt mit Knabenkraut und Vogelbrutgebiet. Hier brüten Lachmöwen, Austernfischer, Küsten- und Zwergseeschwalbe, Brandente und Limikolen wie Rotschenkel mini|Das Olversumer Vorland im Winter mini|Blick über das Olversumer Vorland am Katinger Watt mini|Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine subsp. helleborine) im Katinger Watt am Stichweg an der Schutzgebietsgrenze mini|Waldwiese im Katinger Watt
Das Katinger Watt ist eine etwa 1500 Hektar große Fläche, die Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes „Ramsargebiet Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“ im Süden Eiderstedts im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein ist; ein Teilbereich liegt auch im FFH-Gebiet „Untereider“. (PDF; 18 kB)Information zum Natura 2000 Gebiet (PDF; 503 kB) Das EU-Vogelschutzgebiet und das FFH-Gebiet gehören zur Natura-2000-Schutzgebietskulisse.
Geographische Lage Das Katinger Watt liegt zwischen Vollerwiek (Spannbüllhörn) und Großolversum vor Kating in der Eidermündung. Im Katinger Watt liegt das 1989 eingerichtete Naturschutzgebiet Grüne Insel mit Eiderwatt.Landesverordnung über das Naturschutzgebiet „Grüne Insel mit Eiderwatt“ vom 15. Dezember 1989. Ebenfalls beherbergt es das EU-Vogelschutzgebiet „Ehemaliges Katinger Watt“ welches das Naturinformationsareal, den Katinger Priel, angrenzende Waldbereiche und die Eiderdammflächen beinhaltete. Des Weiteren befindet sich dort der Naturerlebnisraum Katinger Watt.Information zum Naturerlebnisraum Katinger Watt Einst ein Wattgebiet im Mündungsgebiet der Eider, wurde es einschließlich der Grünen Insel (Peinsinsel) durch Landgewinnung trockengelegt und durch das Eidersperrwerk im Zuge des Eiderdammes und des Eiderleitdammes vor Überflutungen geschützt und der natürlichen Dynamik entzogen. Heute wird es zu einem Drittel landwirtschaftlich genutzt, der Rest ist zu einem weiteren Drittel bewaldet oder wird von Wasserflächen und Grünlandflächen eingenommen, die vorrangig dem Naturschutz dienen. In dieses Drittel fällt auch der Betriebshof des Sperrwerkes und der vom Fremdenverkehr genutzte Bereich an der Kreisstraße 41. Auf der anderen Flussseite der Eider liegt das Naturschutzgebiet Dithmarscher Eiderwatt, das 1989 geschaffen wurde, um die ökologischen Folgen des Eidersperrwerk-Baus abzumildern.
Geschichtliches Um 1900 entstand als Folge des Baus des Nord-Ostsee-Kanals (1895) in der Eidermündung die Grüne Insel (Peinsinsel) vor Großolversum. Der Name Peinsinsel wurde der Grünen Insel von der einheimischen Bevölkerung gegeben, weil der Tönninger Bürger und Jagdpächter Edleff Ferdinand Peins auf der Insel mit seinen Jagdgehilfen der Vogeljagd nachging. Da die beiden dort viel Zeit verbrachten, wurden sie Robinson und Freitag genannt.Zeitungsartikel der Husumer Nachrichten im November 1944 hier Tönner Stüdten von Dr. Geerkens, Tönninger Stadtarchiv Wie das Olversumer und das Katinger Vorland wurde auch die Grüne Insel durch Landgewinnungsmaßnahmen (Lahnungsfelder) vergrößert. Hierzu wurde 1928 ein Lorendamm errichtet, der vom Marienhof zum Schafsberg, auf dem heute der Kiek ut steht, führte. Die Kreisstraße 41 folgt dem Verlauf des Dammes bis kurz vor dem Schafsberg. Beim Marienhof befand sich ein Bauschuppen, der heute das Naturinfozentrum Spökenkieker beherbergt, in dem der Verein Grüne Insel Eiderstedt, welcher den Naturerlebnisraum Katinger Watt betreut, sich vorstellt. Ein erster Damm (1911 errichtet) ging verloren. 1911 begann auch die Weidenutzung auf der Grünen Insel. Zusätzlich befand sich zwischen Großolversum und der Grünen Insel eine Holzbrücke über den Norderlochgraben, der als Nebenarm des Purrenstromes die Grüne Insel vom Festland trennte. Die Grüne Insel war von 1927 bis 1939 ein unter Schutz stehendes Vogelbrutgebiet, das vom Verein Jordsand betreut wurde. Dieses führte wohl auch dazu, dass sich der Name Grüne Insel wieder durchsetzte.
Mit dem Bau des Eidersperrwerkes im Zuge des Eiderdammes von 1967 bis 1973 und dem Eiderleitdamm ging die Grüne Insel in das sogenannte Katinger Watt mit ein. Heute erinnert im Wesentlichen die alte Abbruchkante innerhalb des Naturschutzgebietes Grüne Insel mit Eiderwatt sowie am Rande der Ackerflächen im Naturerlebnisraum Katinger Watt an die ehemalige Insel. Eine weitere Folge des Sperrwerkbaus ist die Aussüßung der Eider. Dieses lässt sich an der Verlagerung und dem Rückgang der Brackwasserröhrichte sowie dem Rückgang der Salzwiesenvegetation feststellen. Ebenso sind die Bestände von Herzmuschel, Seeringelwurm und Wattwurm deutlich zurückgegangen.Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Umweltatlas Wattenmeer Band 1. Eugen Ulmer, 1998, ISBN 3-8001-3491-8 Die Eider - ökologische Folgen des Sperrwerkbaus S. 142 u. 143
Räumliche Gliederung Das Katinger Watt besteht zu jeweils einem Drittel aus unterschiedlich genutzten Räumen. Dieses sind das Vorranggebiet für Naturschutz (ehemals Fremdenverkehrs-Vorbehaltsfläche), der Wald und die Ackerflächen.
Ackerflächen Die Ackerflächen werden intensiv teils konventionell, teils nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet. Die Flächen gehören einer landeseigenen Privatgesellschaft und werden an die Landwirte verpachtet. Angebaut werden Getreide, hauptsächlich Weizen, Mais und Hafer, Raps, Kartoffeln und zeitweilig auch Spargel.
Wald Der Wald nimmt ca. 495 ha Fläche ein und gliedert sich in 70 ha Eschen-Edellaubwald, 66 ha Eichenwald und 180 ha anderer Laubwald mit Pappeldominanz. Hinzu kommen ca. 123 ha offene Flächen (Waldwiesen, Gewässer). Der nicht landschaftstypische Wald wurde angelegt, um der einheimischen Tourismuswirtschaft einen Erholungsraum zu geben. Dazu musste der Wattboden entsalzt und mit Humus versehen werden. Daher wurden Gräser und Senf ausgesät, um die Erosion zu verhindern und Humus zu bilden, und die Vorflut, also der Wasserhaushalt, geregelt. Als Nächstes wurden Pionierbaumarten angepflanzt, in deren Schutz die Zielbaumarten aufwachsen konnten. Da der Wald ursprünglich als Erholungswald angelegt wurde, bestehen ein gut erschlossenes Wanderwegenetz und Schutzunterkünfte im Wald. Reitwege sind nur noch in Resten vorhanden, da diese oft parallel zu den Wanderwegen verliefen und somit entbehrlich waren. Im Wald findet sich nahe dem Parkplatz „Schute“ ein Boot. Dieses wurde als Ersatz für eine Bauschute aufgestellt, die daran erinnern sollte, dass sich der Wald auf ehemaligem Meeresboden befindet. Der Wald beherbergt den Naturerlebnisraum Katinger Watt, einen Naturlehrpfad und eine Art Abenteuerspielplatz.
Seit 2012 gibt es im Wald auch Wildschweine. Von Anfang an wurde im Wald die Jagd ausgeübt. Die Landesforst wurde angewiesen, wirtschaftlich zu arbeiten, daher hat die Gewinnung von Holz an Bedeutung gewonnen. Die Landesforst ist ebenso angehalten, den Bedürfnissen des Naturschutzes Rechnung zu tragen, auch deshalb wurde, seitdem der Seeadler im Katinger Wald brütet, eine Schutzzone um den Seeadlerhorst eingerichtet. Der Horst kann in Höhe eines Altpriels (Waldsee) von der Kreisstraße aus gesichtet werden.
Naturschutzflächen Die offenen Naturschutzflächen dienen dem Schutz der bodenbrütenden Wiesen- und Watvögel. Da der Boden aussüßt, wäre das Endstadium einer Sukzession ein Wald. Dieser wäre kein Lebensraum der Bodenbrüter. Deshalb müssen die Flächen durch Beweidung und Mahd offen gehalten werden und die Gräben und Altpriele angestaut werden. Im Nullgebiet hatte man in der Vergangenheit auf den Salzgehalt im Boden gesetzt, obwohl im benachbarten Wald an der Auswaschung und Entsalzung des Bodens gearbeitet wurde. Folge war eine Verbuschung, die eine Entkusselung der Flächen erforderlich machte. Seitdem wird das Nullgebiet beweidet und gemäht. Hiervon profitieren die Orchideen. Die Eiderdammflächen waren ursprünglich für den Fremdenverkehr vorgesehen. Hier sollten Hotelanlagen, Feriendörfer, Campingplätze und ein Golfplatz errichtet werden. Widerstände durch Bürgerinitiativen aber auch die Naturschutzarbeit des NABU, damals Deutscher Bund für Vogelschutz, konnten dieses bisher verhindern. Heute sind die Flächen Teil der Natura 2000 Schutzgebietskulisse und somit geschützt. Die touristische Nutzung beschränkt sich heute auf einen Bereich an der Kreisstraße zwischen Katinger Priel und Sperrwerk. Hier befinden sich eine Badestelle (Gemäß einer Beschlussfassung des Kreises Nordfriesland, wurde der Gemeingebrauch des Katinger Prieles und des sogenannten Speicherbeckens neugeregelt, woraus sich ein Verbot der Freizeit Nutzungsaktivitäten, wie baden, surfen usw.ergibt.) und zwei Gastwirtschaften. Weitere Gastwirtschaften gibt es im Pavillon am Eidersperrwerk und in Katingsiel. In der Vergangenheit befand sich am Katinger Priel auch ein Treet- und Ruderbootverleih, ebenso eine Surfschule, als Surfgebiet hat der Katinger Priel jedoch an Bedeutung verloren. Das Angeln in den Gewässern ist nicht erlaubt. Lediglich der Norderlochgraben zwischen Katingsiel und der Kreisstraße ist an den Kreis Anglerverein Nordfriesland verpachtet. Der Bereich am Katinger Priel sowie die Schankwirtschaft in Katingsiel dienten beim Film Zwei für alle Fälle – Ein Song für den Mörder mit Jan Fedder als Kulisse.
Tiere im Katinger Watt Vögel Seine besondere Bedeutung hat das Katinger Watt der vorkommenden Vogelwelt zu verdanken. Hier sind sowohl Brut- als auch Rastvögel von Bedeutung. Für viele Arten hat Deutschland eine besondere Verantwortung, womit sich auch die verschiedenen Schutzkategorien des Katinger Wattes begründen.
Es wurden in den Jahren 2002 bis 2006 zahlreiche Brutvögel festgestellt: Zwergtaucher, Haubentaucher, Rothalstaucher, Rohrdommel, Höckerschwan, Graugans, Nonnengans, Nilgans, Brandente, Pfeifente, Schnatterente, Krickente, Stockente, Spießente, Knäkente, Löffelente, Tafelente, Reiherente, Eiderente, Mäusebussard, Seeadler, Rohrweihe, Wiesenweihe, Habicht, Turmfalke, Wanderfalke, Fasan, Rebhuhn, Wachtel, Wasserralle, Tüpfelralle, Wachtelkönig, Teichralle, Blässralle, Austernfischer, Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer, Sandregenpfeifer, Seeregenpfeifer, Kiebitz, Kampfläufer, Bekassine, Uferschnepfe, Rotschenkel, Schwarzkopfmöwe, Lachmöwe, Sturmmöwe, Silbermöwe, Mantelmöwe, Flussseeschwalbe, Küstenseeschwalbe, Trauerseeschwalbe, Sumpfohreule, Kuckuck, Eisvogel, Feldlerche, Wiesenpieper, Schafstelze, Bachstelze, Blaukehlchen, Feldschwirl, Rohrschwirl, Schilfrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Bartmeise, Beutelmeise, Rabenkrähe, Kolkrabe, Bluthänfling und Rohrammer.
Bei manchen wurde die Brut erstmals festgestellt. Andere wurden im genannten Zeitraum das letzte Mal festgestellt. Neben den aufgelisteten Brutvögeln kommen im Wald und in den Gehölzen im Ackerlandbereich auch die bekannten Gartenvögel wie Amsel, Singdrossel, in Nistkästen Feld- und Haussperling, Blaumeise und Kohlmeise vor, ebenso die Heckenbraunelle.
Das Katinger Watt wird regelmäßig von Rastvögeln wie beispielsweise Blässgänsen, Nonnengänsen, Goldregenpfeifern, Pfeifenten, Singschwänen und Zwergschwänen aufgesucht. Anders als die Brutvögel machen diese Arten nur Zwischenlandung auf ihrem Flug oder überwintern im Katinger Watt. Unter den Zugvögeln finden wir zuweilen auch Irrgäste wie Streifengans, Nilgans, Skua und Trauerschwan. Auch wurden schon Löffler, Silberreiher, Pirol und Rotdrosseln im Katinger Watt angetroffen.