Ein Seiyū (jap. ) arbeitet im Rundfunk, Film oder in Videospielen als Synchronstimme für ausländische Filme, Erzähler oder Stimme für Figuren aus Anime oder Videospielen. Für gewöhnlich werden mit Seiyū nur die Synchronsprecher einer japanischen Serie oder eines Films bezeichnet.
2003 produzierte Japan 60 % der Zeichentrickserien weltweit. Weil die Trickfilmindustrie so vielseitig ist, können Seiyū landesweit berühmt werden und Karriere durch das Sprechen von Rollen machen. Seiyū können ihre Karriere stärker in Angriff nehmen als Sprecher in anderen Ländern. Japan besitzt mit 130 Seiyū-SchulenTerumitsu Otsu, Mary Kennard: The art of voice acting. The Daily Yomiuri 27. April 2002 und Sprechertruppen, die für bestimmte Rundfunkanstalten oder Talentagenturen arbeiten, Einrichtungen, diesen Karrierepfad zu fördern. Nur Südkorea, wo die Rundfunkanstalten ebenfalls Sprechertruppen einstellen, ist ein weiteres Land mit einem ähnlichen System für Synchronsprecher (Hangeul: ; revidiert: seong-u; Hanja: ).
Seiyū gehen häufig in die Musikindustrie oder werden Film- und Fernsehschauspieler. Genau diese Sendungen werden oft von den eigenen Fans gesehen, die so ihren Sprecher hören bzw. sehen wollen. Beliebte Seiyū, besonders weibliche wie Kikuko Inoue, Megumi Hayashibara und Aya Hisakawa, besitzen oft hingebungsvolle Fanclubs mit Mitgliedern aus der ganzen Welt.
Japanische Publikationen verwenden üblicherweise CV (von engl. character voice) als Kürzel für Sprecher, die Figuren ihre Stimme leihen. Dieser Begriff wurde in den 1980er Jahren von Anime-Magazinen wie Animec und Newtype eingeführt.
Schauspieler und Seiyū Ursprünglich waren Synchronsprechen und Voice-overs nicht mehr als die Leistung eines Schauspielers, der nur seine Stimme benutzt. Während dieser Arbeit wurden sie „Stimmen-Schauspieler“ ( koe no haiyū). Aus Bequemlichkeit wurde dieser Begriff auf das erste und letzte Kanji zu (Seiyū) gekürzt. Als diese Arbeit boomte, verbreitete sich dieser Begriff. Aus diesem Grund lehnen es ältere Sprecher ab, Seiyū genannt zu werden, da zu ihrer Zeit dieser Begriff eine andere (klein machende) Konnotation hatte. Der angesehene Chikao Ōtsuka, der u. a. Charles Bronson synchronisierte, erklärte in einer Sonderausgabe der Animage: „Wir sind Schauspieler. Selbst wenn die Darbietung nur nach unserer Stimme verlangt, bleiben wir dennoch Schauspieler, und deswegen ist es falsch, uns nur als Seiyū zu bezeichnen, oder?“ Dem wurde durch den neuen Trend, Schauspieler und Seiyū zu trennen, entgegengetreten, besonders im Angesicht eines Genzō Wakayama, der ausschließlich lernte, seine Stimme zu benutzen, und nie einen Fuß in ein Theater setzte.
Es gibt drei Hauptgründe, aufgrund deren Schauspieler und Seiyū sich zu unterscheiden begannen: ihre professionelle Ausbildung durch die Tōkyō Hōsō Gekidan (, Rundfunk-Schauspieltruppe Tōkyō), die von der NHK und anderen, privaten Rundfunkanstalten während der Goldenen Zeit der Radiohörspiele gegründet wurde; die erhöhte Beliebtheit des Fernsehens: aus Mangel an japanischen Filmen und Serien wurden die Fernsehanstalten gezwungen, ausländische Sendungen auszustrahlen, wodurch sich die Nachfrage nach Seiyū stark erhöhte; der Boom des weltweiten Anime-Marktes brachte eine Vielzahl von jungen Talenten hervor, deren Ziel es war, ein Seiyū anstelle eines Schauspielers zu werden.
Geschichte Seit dem ersten Radio gab es Sprecher in Japan. Aber erst in den 1970er Jahren mit dem enormen Erfolg von Space Battleship Yamato kam der Begriff Seiyū in den allgemeinen Sprachgebrauch. In einem Zeitungsinterview sagte ein Synchronsprecher-Manager: „Mit dem Yamato-Boom wurde das Wort ‚Seiyū‘ augenblicklich bekannt. Wenn sich vorher Schauspieler als Seiyū vorstellten, wurden sie oft gefragt: ‚Heißt das, du arbeitest für die Seiyū-Supermarktkette?‘“
Ära der Radiohörspiele 1925 startete die Rundfunkgesellschaft Tōkyō (der Vorläufer der öffentlich-rechtlichen NHK) die Hörfunkausstrahlung. Im selben Jahr wurden 12 Studenten, die sich ausschließlich auf Darbietungen mit der Stimme spezialisiert hatten, die ersten Sprecher, als ein Radiohörspiel ausgestrahlt wurde. Obwohl sie sich selbst Seiyū nannten, wurde dieser Beruf von den Zeitungen als „Radio-Schauspieler“ ( rajio yakusha) bezeichnet.
Der nächste Zeitabschnitt begann 1941, als die NHK ein Ausbildungsprogramm für Schauspieler anbot, die sich auf Radiohörspiele spezialisieren wollten. Dieses wurde Tōkyō Chūō Hōsō Kyoku Senzoku Gekidan Haiyū Yōseijo (, dt. Ausbildungsstätte für Schauspieler der Schauspieltruppe des Rundfunksenders Tōkyō Mitte) genannt. 1942 hatte diese Radiohörspieltruppe ihre erste Vorstellung. Dies war das zweite Mal, dass der Begriff „Seiyū“ für Sprecher benutzt wurde, und von nun etablierte er sich.
Es gibt weitere Theorien, wie der Begriff „Seiyū“ entstand. Nach einer erfand ein Reporter der Yomiuri Shimbun diesen Begriff, nach einer anderen Tatsu Ōka, ein Produzent der Unterhaltungssendungen von NHK.
Zuerst waren Seiyū, wie jene der Radiohörspieltruppe Tōkyō und ähnlicher Firmen, nur auf Radiohörspiele spezialisiert, aber mit den Anbruch des Fernsehens erhielt der Begriff die weitere Bedeutung eines Sprechers, der Trickfilme synchronisiert. Als das Radio noch ein Massenmedium war, hatten die Sprecher bereits ihre Fans, z. B. bekamen die Hauptdarsteller von Liebesradiohörspielen der Radiohörspieltruppe Nagoya regelmäßig viele Fanbriefe.
1960er Jahre: Erster Seiyū-Boom 1961, in den frühen Tagen des Privatfernsehens, sorgte das Fünf-Firmen-Abkommen für ein Versiegen der Versorgung japanischer Fernsehsender mit japanischen Filmen. Als Ergebnis wurden in den 1960er Jahren viele ausländische Filme und Sendungen importiert und für die Fernsehausstrahlung synchronisiert.
Anfangs untertitelte NHK die meisten ausländischen Sendungen nur, aber schon bald wurden Synchronisationen Standard. Dies steigerte die Popularität der Seiyū. Im Mittelpunkt des ersten Booms standen Schauspieler wie Nachi Nozawa, die durch wiederholtes Synchronsprechen ausländischer Schauspieler bekannt wurden – in Nozawas Fall Alain Delon, Robert Redford und Clint Eastwood. Da aus dem Fünf-Firmen-Abkommen Probleme mit der Bezahlung von Filmschauspielern entstanden, wurde auf diese bei der Synchronisierung ausländischer Filme für das Fernsehen verzichtet. Fernsehschauspieler wurden ebenfalls durch ein ähnliches Abkommen gebunden. Dies veranlasste die Studios, sich Schauspielern aus der Radiozeit und der Zeit des Shingeki-Stils zuzuwenden. Während dieser Zeit wurde die Synchronisierung ausländischer Trickfilme Rakugo-Geschichtenerzählern, Asakusa-Komikern und dergleichen überlassen. Seiyū wurden Synchronisationstalente (mit Talent werden in Japan Stars bezeichnet, siehe auch Idol), wenn sie sich auf das Synchronisieren spezialisierten, während jene, die Figuren eine Stimme liehen, als Ateshi () bezeichnet wurden. Während dieser Zeit wurde auch die Schauspielerkooperative Tōkyō ( Tōkyō Haiyū Seikatsu Kyōdō Kumiai), kurz Haikyō, gegründet. Später verließen Seiyū-Manager die Haikyō und gründeten ihre eigenen Managementagenturen.
Die erste synchronisierte Sendung im japanischen Fernsehen war eine Folge der US-amerikanischen Zeichentrickserie Superman, die am 9. Oktober 1955 auf KRT (heute TBS) ausgestrahlt wurde; die erste Nicht-Trickserie Cowboy G-Men 1956 ebenfalls auf KRT. Beide wurden live synchronisiert. Die erste Sendung mit aufgezeichneter Synchronisation war Terebi Bōya no Bōken () am 8. April 1956.
1970er Jahre: Zweiter Seiyū-Boom Während der späten 1970er Jahre erlaubte es der Boom in der Trickfilmwelt gut aussehenden männlichen Anime-Seiyūs, sehr berühmt zu werden. Akira Kamiya, Tōru Furuya und Toshio Furukawa waren die ersten, die eine Band formten Slapstick und live auftraten. Viele andere Seiyū veröffentlichten ihre eigenen Alben. 1979 wurden Radioprogramme, wie Animetopia, die Seiyū als DJs auftreten ließen, sehr beliebt, und zur selben Zeit wurden die ersten Anime-Magazine veröffentlicht. Der damalige Chefredakteur der Animage, Hideo Ogata, war der Erste, der Editoriale über die Verwandlung von Seiyū in Idole herausgab. Ihm folgend schufen andere Magazine „Seiyū-Ecken“, die in jeder Ausgabe mit Informationen und Gerüchten über Seiyū aufwarteten. Dies war einer der Hauptgründe, aus dem sich junge Fans danach sehnten, ein Seiyū zu werden. Bei auf Seiyū spezialisierten Schulen erhöhten sich die Studentenanzahlen und jene begannen sich auf bestimmte Felder zu konzentrieren. Zum ersten Mal waren Anime-Seiyū junge Menschen, die davon träumten, genau dieses zu werden, anstelle von Mitgliedern von Schauspieltruppen und Theatern, die dies nur als Hobby taten. Dieser Boom reichte bis ungefähr in die erste Hälfte der 1980er Jahre.
1980er Jahre: Eine Zwischenzeit 1989 formierten die Seiyū der fünf Hauptdarsteller der Zeichentrickserie Ronin Warriors, Nozomu Sasaki, Takeshi Kusao, Hiroshi Takemura, Tomohiro Nishimura und Daiki Nakamura, eine Gesangsgruppe namens NG5. Diese Gruppe wurde so bekannt, dass sie das Thema einer Sonderdokumentation auf MBS wurde. Die untypische Beliebtheit von NG5 übertrug sich aber nicht auf andere Seiyū-Gruppen.
In dieser Zeit begannen die Seiyū-Produktionsfirmen spezialisierte Kurse in Ausbildungsschulen vor Ort für Zeichentricksynchronisation anzubieten.
1990er Jahre: Dritter Seiyū-Boom Die Booms der 1960er und 1970er Jahre konzentrierten sich hauptsächlich auf allgemeine öffentliche Medien wie das Fernsehen. Der neue Boom der 1990er Jahre konzentrierte sich mehr auf persönlichere Kommunikationswege wie Radiosendungen, OVAs, Fernsehquizze, öffentliche Events und das Internet. Weiterhin wurden die ersten auf Seiyū spezialisierten Magazine wie die Seiyū Grand Prix und Voice Animage herausgegeben. Seiyū bekamen dank des Radios scharenweise neue Fans und ihre CD-Verkäufe erhöhten sich drastisch. Es wurde angefangen, Konzerte in größeren Hallen zu halten. Während des zweiten Booms Seiyū, auch als DJs bekannt wurden, unterstützten die Plattenfirmen die Radiosendungen der Seiyū und große Summen an Geld begannen zu fließen. Megumi Hayashibara, Hekiru Shiina und Mariko Kōda waren die ersten Beispiele dieses neuen Trends. Ein anderer radikaler Wechsel zu den vorherigen Booms und weiterer Eckpfeiler der Verwandlung von Seiyū zu Idolen war, dass Plattenfirmen und Seiyū Schulen gründeten und neue Wege auszuloten begannen, um jungen Seiyū zu nationaler Bekanntheit zu verhelfen.
Als Seiyū in Fernsehspielen eingeführt wurden, wurde ihre Existenz im ganzen Land bekannt. Als Ergebnis hatte derselbe Seiyū weiter mit der Welt des Fernsehspiels zu tun, indem er in Radiosendungen zu diesen Spielen auftrat und an diesen teilnahm, um die Fanbasis anzuziehen.
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre führte der Boom in der Zeichentrickwelt zu einem plötzlichen Anstieg von Animes, die im Raum Tokio gezeigt wurden. Durch das Internet konnten die Fans sehr leicht Informationen über ihren Lieblingsseiyū sammeln und Seiyū begannen in Internetradiosendungen aufzutreten.
Möglichkeiten, ein Seiyū zu werden Wenn man sich die Karrieren der bekanntesten Seiyū ansieht, fällt auf, dass die große Mehrheit auf einem von sechs Wegen erfolgreich wurde.
Mitglied einer Rundfunk-Schauspieltruppe Ausgebildet von Rundfunk-Schauspieltruppen spezialisierten sie sich auf Sprechrollen, die mehr stimmliche Fähigkeiten verlangten als die von Ansagern, besonders Rollen in Radiohörspielen.
Ehemalige Mitglieder der Rundfunk-Schauspieltruppe Tōkyō waren u. a. Ryō Kurusawa, Kazue Takahashi, Masato Yamanouchi, Hisashi Katsuta, Akira Nagoya und Kiyoshi Kawakubo.
Seiyū, die von privatfinanzierten Schauspieltruppen kamen, waren beispielsweise Tōru Ōhira und Tadashi Nakamura von der Rajio Tōkyō Hōsō Gekidan (, dt. Rundfunk-Schauspieltruppe Radio Tōkyō), Junpei Takiguchi, Nobuo Tanaka und Mariko Mukai.