mini|Restauriertes Fachwerkhaus im Aufbau, Giebelwand und Längswand Rähm sind in der Eckverbindung überblattet. Der Längswand Rähm ist deren Abschluss und auch des Kniestocks, Ein Rähm dient in der Regel als Auflager für Balkenlagen, Kehlbalkenlagen oder Sparrenlagen.mini|Gefache mit erneuerten Staken und Geflecht, vor dem Lehmbewurfmini|hochkant 0.5|Gerades Blatt: Restaurierte Pfettenstöße über Pfosten mit Loch und Zapfen.(Pfettenstränge des oberen Fachwerkhauses.) Holzfachwerk ist eine im Hochbau verwendete tragende Konstruktion, die das Prinzip des Fachwerks mit dem Baumaterial Holz umsetzt.
Das früheste und am häufigsten gebaute Holzfachwerk ist die Wand des Fachwerkhauses. Ihre Gefache zwischen den tragenden Hölzern wurden mit Lehm über einem Weidengeflecht oder mit Mauerwerk gefüllt. Häufig werden nur die Gefache verputzt, so dass die Fachwerkbalken sichtbar bleiben. Besonders an der Wetterseite wurde das Fachwerk aber oft auch vollständig verputzt, verbrettert, verschiefert oder mit Wandplatten verkleidet.
Während beim Fachwerk die Gefache im Allgemeinen ausgefüllt werden und eine annähernd quadratische Form haben, stehen das Bundwerk sowie das Umgebinde üblicherweise vor der eigentlichen, raumabschließenden Wand und ist in dekorativen, regionaltypischen Formen ausgeführt.
Die moderne Ausweitung des Bauens mit Holzfachwerk auf z. B. Wand- und Deckenelementen nennt man auch Holzrahmenbau oder Holztafelbau.
Fachwerkwände Der Bau von Fachwerkwänden gehört, ebenso wie der moderne Holzbau, zu den Bauweisen, die auf Montage basieren. Das Abbinden, also das Herstellen, passiert in der Zimmerei. Das Richten, also das Montieren, findet auf der Baustelle statt. Bauen mit Fertigteilen ist somit keine Neuerung der heutigen Zeit. Früher gab es viel Holz, deshalb war es ein günstiger Baustoff. Darum entschied man sich für den Holzfachwerkbau. Der Zimmermann bekam auch die Chance, zu zeigen, was er kann. Alle Arbeiten waren sichtbar und mussten sorgfältig ausgeführt werden. Das tragende Gerippe hatte einen großen Vorteil, weil seine Wandstärke im Vergleich zur Massivbauweise gering war. Ein Nachteil waren die vielen Fugen zwischen dem Fachwerk und den Ausfachungen. Die frühere Fachwerkbauweise wird heute nur noch selten angewendet, da sie mit einem hohen Arbeitsaufwand und großen Querschnitten verbunden ist. Auch das Holz ist mittlerweile teurer geworden. Deshalb haben sich der Holzskelettbau und der Holztafelbau zunehmend etabliert.
Fachwerkwandhölzer Beim Holzfachwerkbau nehmen die Wände alle Lasten auf und leiten sie an die Fundamente darunter weiter. Die Wände bestehen aus Schwellen, Pfosten (Ständer, Stiele), Rähmen, Streben und Riegeln. Jedes Holz hat eine bestimmte Funktion und kann in „tragende“ und in „aussteifende“ Hölzer eingeteilt werden.mini|links|hochkant 1.4|Fachwerkwand
Tragende Hölzer Tragende Hölzer sind das Rähm, die Schwelle und die Pfosten. Sie nehmen alle senkrechten Lasten auf und leiten sie in die Fundamente weiter. Das Rähm Das Rähm, auch Wandpfette genannt, liegt auf den Pfosten und bildet den oberen Abschluss der Wand. Es trägt die Deckenbalken, die meist aufgedollt sind, und darauf die nächste Wand oder den Fußbereich der Dachkonstruktion. Diese Lasten werden über die Pfosten weitergeleitet. Das Rähm ist bei den meisten Fachwerkhäusern ein durchgehender Balken, der bei rechteckigem Querschnitt von etwa 15/20 cm hochkant eingebaut wird. Trägt das Rähm die Sparren, so wird es als Fußrähm bezeichnet und kann zur einfachen Verlängerung eines Dachüberstands am Giebel verwendet werden. mini|hochkant 0.5|Zapfenverbindung: Gerader ZapfenThomas Eißing, Benno Furrer, Stefan King, Ulrich Knapp, Anja Krämer, Burghard Lohrum, Tilmann Marstaller, Claudia Mohn, Heinz Pantli, Daniel Reicke: Vorindustrieller Holzbau in Südwestdeutschland und der deutschsprachigen Schweiz. Terminologie und Systematik. (= Südwestdeutsche Beiträge zur historischen Bauforschung, Sonderband). Eßlingen 2012, ISBN 978-3-942227-11-7 (Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 4. Oktober 2024), Seite 44, Abb.: Fußzonige Verzapfung. Pfosten Die Pfosten bezeichnen die lotrecht verlaufenden Balken innerhalb einer Fachwerkwand. Sie werden in Faserrichtung auf Druck beansprucht und übertragen die Lasten vom Rähm auf die Schwelle. Der Holzquerschnitt kann verschieden sein. Die Eckpfosten, auch Eckpfeiler genannt, sind mit bis zu 40 cm Querschnitt die dicksten. Wandpfosten, wie Tür- und Fensterpfosten, haben in der Regel einen Holzquerschnitt von etwa 13/16 bis 15/20 cm, wobei der kleinere Querschnitt der Wandstärke entspricht. Die Verbindung zwischen Schwelle und Rähm erfolgt üblicherweise mittels der Holzverbindung Loch und Zapfen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Zapfen nicht im Zapfenloch aufsteht. Die Zapfen am Schwellenende sind abgesetzt ausgeführt. In der Fachwerkbauweise sind die Pfosten immer nur so hoch wie die Wand, also zwischen Schwelle und Rähm – anders als bei der Holzskelettbauweise. Die Schwelle Die Schwelle ist der unterste Balken einer Fachwerkwand. Sie liegt entweder waagerecht und vollflächig auf dem Mauerwerk oder auf einer Balkenlage. Sie leitet alle Lasten, die von den Pfosten und Streben übertragen werden, gleichmäßig in das Mauerwerk (Fundament) weiter. Die Schwelle hat einen Querschnitt von etwa 15/20 cm, genau wie das Rähm, und steht hochkant. Wenn im Erdgeschoss eine Balkenlage mit damals üblich flach liegenden Balken verlegt wurde, entstand an der Schwelle eine kleine Aufkantung für den weiteren Aufbau. Aussteifende Hölzer Für die Längsaussteifung einer Fachwerkwand nutzt man Streben. Sie nehmen horizontale Windkräfte auf. Die Streben Die Streben nehmen alle Kräfte (Wind) auf, die auf die angrenzenden Wände wirken, und leiten sie in die Schwelle weiter. Die Streben sind in einem Winkel von etwa 70 bis 75 Grad geneigt, was ungefähr einem Grundmaß von einem Drittel der Höhe der Streben entspricht. Sie haben denselben Querschnitt wie die Pfosten und sind in der Regel durch einen abgestirnten Zapfen von 8 cm Länge verbunden, der die Kräfte vom Rähm auf die Schwelle überträgt. In den Endfeldern muss jede Fachwerkwand jeweils eine Strebe aufweisen. Sie müssen nach außen zeigen, und ihre Füße müssen zueinander gerichtet sein. So werden die Windkräfte direkt in die Strebe abgeleitet und laufen nicht durch die ganze Wand, bis zur nächsten Strebe die entgegensteht. Auf dem Bild rechts oben sieht man, dass es eine Ausnahme gibt, wenn mehr als zwei Streben in einer Wand eingebaut sind. Streben dürfen sich nicht parallel zueinander ausrichten, sondern müssen gegeneinander gerichtet sein.
mini|hochkant 0.5|Zapfenverbindung: Brüstungsriegel mit Zapfen und Versatz
Die Riegel Die Riegel sind Balken, die waagerecht zwischen den Pfosten mit Zapfen eingebaut werden. Sie dienen dazu, die wandhohen Gefache zu halbieren oder zu dritteln. Die Fensterriegel und Türriegel besitzen zusätzlich zum Zapfen einen Versatz, der die Auflagefläche sowie die Tragfähigkeit der Riegel erhöht. Der Türriegel und der obere Fensterriegel sind Sturzriegel und weisen den Versatz unten auf. Der untere Fensterriegel nennt man Brüstungsriegel. Er hat den Versatz oben angebracht, damit der Riegel bei Setzungen der Wand oder Ausdehnungen des Gefachs nicht von unten gegen das Fenster gedrückt wird. Sie sind in einem gemeinsamen Gefach mit einer Strebe durch eine Überblattung verbunden. mini|hochkant 0.5|Fachwerkfigur Andreaskreuz Zierwerk Fachwerkwände einfacher Wohnhäuser sind nur wenig verziert. Meist befindet sich dies nur an der Giebelseite zur Straße hin. Ein Andreaskreuz besteht aus zwei sich kreuzenden Streben in einem Gefach. Diese sind eingezapft und am Kreuz überblattet. Wenn der Platz es erlaubt, könnte man vielleicht noch einen halben oder sogar einen ganzen Mann hinzufügen. Die Figur besteht aus zwei Streben, die jeweils drei Viertel der Wandhöhe einnehmen und beidseitig an einem Wandpfosten angebracht sind. Von dort aus verlaufen zwei kurze Streben, die kopfbandähnlich sind, bis unter den Rähm. Diese Wandfigur trägt, wenn sie korrekt ausgeführt wird, zur Längsaussteifung der Fachwerkwand bei. mini|hochkant 0.5|Eckzahnblatt Eckverbindungen Rähme sind in den Ecken mit Eckzahnblättern miteinander verbunden. Sie können auch übereinander liegen, anders als in der Wandzeichnung dargestellt. Der Eckzahn ist an der Innenseite des oberen Rähms (Querwand) angearbeitet und am unteren Rähm (Längswand) ausgearbeitet. Um die Zahnhöhe von 3 bis 4 cm liegt das obere Rähm im unteren Rähm. Das Eckzahnblatt ist eine zugfeste Eckverbindung. Es wird sowohl bei den Schwellen als auch bündig an der Oberkante verwendet. Werkzeuge des Zimmermanns Die Anreiß- und Bearbeitungstechniken im Fachwerkbau haben sich über viele Jahrhunderte hinweg nicht verändert. Die vom Zimmermann eingesetzten Werkzeuge, von denen die meisten auch weiterhin Verwendung finden, umfassen den Zimmermannswinkel, die Schmiege, das Streichmaß, Schablonen, die Reißnadel, den Reißzirkel, die Trummsäge, die Gestellsäge, die Stoßaxt, die Axt, das Beil, der Fäustel, das Stemmeisen, das Klopfholz, den Schlangenbohrer, den Schneckenbohrer, die Bohrkurbel, den Spitzhammer, den Vorschlaghammer, die Nagelklaue sowie die Brechstange.
Abbund (Herstellen) von Fachwerkwänden Beim Abbund von Fachwerkwänden macht es keinen Unterschied, ob die Kanthölzer und Balken aus Baumstämmen gesägt oder behauen wurden. Bestimmung der Bundseite Zunächst wird an allen Wandhölzern bestimmt, welche Seite des Holzes nach außen zeigt. Diese Holzseite wird als Bundseite bezeichnet. Sie ist die schönste und ist die Seite, wo die Hölzer bündig miteinander verbunden sind. Bauschnitthölzer sind sägeraue Kanthölzer oder Balken, die nicht maßhaltig sind. Besonders behauene Baumstämme, die zu Kanthölzern verarbeitet wurden, zählen nicht dazu. Demnach ist es nur möglich, dass eine Seite bündig ist. Alle notwendigen Risse werden auf der Bundseite und von ihr aus gemacht. Auf dieser Seite werden ebenfalls die Bundzeichen (Nummerierung) angebracht. Anlegen von Schwelle und Rähm Zu Beginn wurden Schwelle und Rähm auf Lagerhölzern auf dem Boden so nebeneinander gelegt, wie sie später in der Wand eingebaut wurden. Nach einer Skizze oder Handzeichnung, die ebenfalls vom Zimmerer angefertigt wurde, wurden die Wandlänge, die Position von Tür und Fenster sowie die Einteilung der Gefache auf Schwelle und Rähm mit kurzen Bleistiftrissen angerissen. Als Nächstes wurde angelegt. Das Rähm wurde von der Schwelle so weit entfernt, dass der Abstand von der Unterkante der Schwelle bis zur Oberkante des Rähms der Wandhöhe entsprach. Diese Lage wurde mit zwei Brettern oder stärkeren Latten gesichert. Damit die Pfosten später senkrecht stehen und die Riegel waagerecht liegen, wurde die Schwelle oder das Rähm in Längsrichtung verschoben, bis die Wanddiagonalen gleich lang waren. Anlegen von Pfosten thumb|right|Straßburg, Skulpturen auf dem Fachwerk eines Fachwerkhauses.