Die Stadtmauern von Siena () sind eine mittelalterliche Befestigungsanlage in Siena, die in Form einer Ringmauer erstellt und mehrfach ausgebaut und erweitert wurde.
mini|Die Stadtmauer zwischen Porta Camollia und Fontegiusta an der Via Biagio di Montluc
Geschichte Die erste Befestigungsanlage des damals nur auf dem heutigen Terzo di Città genannten Hügel gelegenen Sienas entstand in der Zeit der Römer und ist heute nicht mehr vorhanden. Die noch nachvollziehbaren Befestigungsstrukturen um das alte Kastell Castelvecchio entstanden im 8. Jahrhundert und wurden im 11. Jahrhundert auf den Bereich um den Dom von Siena und Santa Maria della Scala ausgeweitet. Die frühmittelalterlichen Stadtmauern wurden zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert in fünf Etappen ausgebaut, um die durch den Bevölkerungszuwachs entlang der Via Francigena entstandenen neuen Borghi (Vororte außerhalb der Stadtmauern) mit in das Verteidigungssystem einzubeziehen.Pellegrini: Fortificare con arte. Hier wurden zunächst die (heute zentralen) und nördlichen Orte des heutigen Terzo di Camollia (Contraden Civetta, Oca, Drago und Istrice) mit einbezogen, später wurde der Mauerring schrittweise erweitert.
Die Stadtmauern des letzten Verteidigungsringes wurden vor der Belagerung der Stadt Siena durch die Truppen unter der Führung von Florenz (1554–1555) im Vorfeld des anschwellenden Konfliktes mehrfach verstärkt. So war Baldassare Peruzzi von 1527 bis 1532 als Architetto della Repubblica mit der Verteidigungsstrategie in Siena und der Provinz beauftragt, wobei er dabei teilweise auf Ideen von Francesco di Giorgio zurückgriff. Hierbei wurden in Sarteano, Torrita di Siena und weiteren strategischen Orten der Republik Siena die Befestigungsanlagen verstärkt. In Siena selbst wurden durch Peruzzi die Stadtmauern verstärkt und es entstanden fünf neue Bastionen (Bastione di Porta Laterina, Bastione di San Marco, Bastione di San Prospero, Bastione San Viene und das Fortino delle Donne). Sein Nachfolger als Architetto della Repubblica wurde Giovanni Battista Pelori (1483–1558),Pelòri, Giovanni Battista bei Enciclopedie on line Treccani, abgerufen am 27. Dezember 2013 (ital.) der in Siena geboren wurde und sein Handwerk von Baldassare Peruzzi lernte. Dieser verstärkte einzelne Elemente der Stadtmauern und baute drei Bastionen am Prato di Camollia bei dem Antiporto, die heute nicht mehr zu sehen sind. Zwischen dem Antiporto und der Porta Camollia befand sich das kleinere Kastell Castellaccia di Camollia mit dem Hauptturm Torrazzo di Mezzo.
Der heutige Mauerring entspricht einer Länge von 6667 Metern, die eine Fläche von 165 Hektar einschließen.Luigi Lazzari: Siena e il suo territorio. Siena 1862, S. XIII. Der Mauerring ist fast vollständig erhalten, nur nahe der ehemaligen Zitadelle und der Festung Fortezza Santa Barbera (Fortezza Medicea) fielen Teilstücke der modernen Verkehrsführung zum Opfer. Als heutiger Zugang zum historischen Ortskern stellen sich die beiden Haupttore Porta Romana und Porta Camollia sowie die Tore Porta Fontebranda, Porta San Marco, Porta Ovile, Porta Pispini und Porta Tufi dar. Über die Maueröffnungen Barriera di San Lorenzo (Le Lupe) und Arco di Fontegiusta sowie den Bereich um die Festung kann man ebenfalls in die Stadt gelangen. Die Porta Laterina stellt ebenfalls ein noch vorhandenes Stadttor dar, hier kann man allerdings nur von innerhalb zum Friedhof Cimitero del Laterino auf der Anhöhe Poggio del Cardinale gelangen.
Römische Stadtbefestigung Eine erste Stadtmauer oder Stadtbefestigung entstand bereits in der Zeit als römische Kolonie. Der Cardo verlief von der heutigen Via di Città nahe der ersten Porta Salaria an der Piazza del Campo (nördlicher Ausgangspunkt) über den zentralen Platz Piazza Postierla (auch Quattro Cantoni genannt) zu den Due Porte am südlichen Ende der Via Stalloreggi.Brogini: L’individuazione della Siena romana ed altomedioevale: alcune considerazioni e nuove ipotesi. Der Decumanus verlief von Osten beginnend an der ersten Porta Oria (heutige Quattro Venti am Zusammentreffen der Via San Pietro mit der Via Cassato di Sopra und der Via Tommaso Pendola) und endete nahe dem Dom von Siena.
Erste Stadtmauer mini|Verlauf der Stadtmauer entlang der Vallepiatta von der Kirche San Sebastiano (rechts) bis nahe Fontebranda (links). Oberhalb ist der Dom von Siena (links) und Santa Maria della Scala (rechts) zu sehen. mini|Die sogenannten Due Porte (Porta Stalloreggi)
Als erste BefestigungsanlagePellegrini unterscheidet in insgesamt acht Stadtmauern, beginnend mit dem römischen Mauerring. Die hier genannte erste Befestigungsanlage entspricht bei Pellegrini zwei Stadtmauerringen. Der erste Ring verläuft in der Zone Pian dei Mantellini, Via Tommaso Pendola, Via San Pietro und Via San Quirico (Castellvecchio), der zweite geht bis zum Dom. Vgl. Pellegrini S. 6–9. Sienas im Frühmittelalter entstand das Castellvecchio im Gebiet zwischen den heutigen Contraden Tartuca (Schildkröte) und Pantera (Panther) in der Gegend der Via di San Quirico und der Via di Castelvecchio im Stadtdrittel Terzo di Città. Dieser, als ältester Teil der Stadt bezeichnete Bereich (Popolo di San Quirico), hatte bereits um 730 eine Stadtmauer. Diese wurde im 11. Jahrhundert erweitert und den Formen der römischen Mauer angeglichen, so dass die Stadtmauer nordöstlich entlang den Straßen Via Casato di Sotto und Via Casato di Sopra, dann Via Tommaso Pendola (damals Via delle Murella) und Pian dei Mantellini zu den Due Porte verlief (südlichster Punkt) und dann westlich der Via Stalloreggi zur Postierla gelang. Von hier wurde das Gebiet westlich der Postierla miteinbezogen (Santa Maria della Scala und Piazza del Duomo), die Mauer führte dann hinter dem Dom entlang der Via dei Fusari und traf am Ende der Via dei Pellegrini wieder auf die Porta Salaria (nördlichster und tiefstgelegener Punkt).Ascheri, Pellegrini, TCI
Stadttore der ersten Stadtmauer Due Porte, auch Porta Stalloreggi genannt: Via Stalloreggi / Pian dei Mantellini.TCIAscheri Stadttor mit zwei Bögen, wovon einer während des Guerra dei sei anni (sechsjähriger Krieg) mit Florenz 1230/1231 zugemauert wurde. Der von der Innenstadt rechtsgelegene Bogen ist heute halb in die Häuserstrukturen eingebaut. Porta Bandini (Porta Iuxta cellam Bandini), heute nicht mehr vorhanden: Via dei Fusari Porta del Cassero: Via San Quirico / Pian dei Mantellini, als Zugangstor zum Castelvecchio auch Porta San Quirico genannt. Porta Oria (erstes Tor): Piazza Quattro Venti Porta del Verchione, auch Porta Posterula (Postierla) genannt, heute nicht mehr vorhanden: Piazza Quattro Cantoni bzw. Postierla Porta Salaria (erstes Tor, auch Porta SalajaAugusto Codogno: Le Cinta Muraria di Siena e le sue 39 porte. und Porta SalaraEmanuele Repetti: SIENA (SENAE , anticamente SAENA) nella Val-d-Arbia. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana. (1833–1846) genannt), heute nicht mehr vorhanden: Via di Città / Costarella dei Barbieri (Piazza del Campo) / Via Fontebranda. Wurde bereits 1067 dokumentiert und entstand als Stadttor mit zwei Bögen, Webseite der Stadt Siena, abgerufen am 23. Dezember 2013 (ital.) ähnlich den Due Porte als Abschluss der Via Galgaria (heute Via di Città bis zur Costarella dei Barbieri), wobei unklar bleibt, ob sich das Tor Richtung Fontebranda oder Richtung Norden (Croce del Travaglio) ausrichtete.
Zweite Stadtmauer mini|Die Stadtmauern der ersten Erweiterung hinter der heutigen Via Sallustio Bandini, vom oberen Teil des Valle di Follonica gesehen
Die erste Erweiterung der Stadtmauern begann 1148 und war die insgesamt größte Erweiterung der Stadtmauern. Der Ausbau wurde durch den erheblichen Bevölkerungszuwachs im 11. Jahrhundert notwendig. Die neu entstandenen Borghi entlang der Via Francigena im Norden der Stadt wurden nun mit eingeschlossen und mit der Porta Camollia entstand das (heute noch) nördlichste Stadttor. Das ehemalige nördlichste Tor Porta Salaria lag nun innerhalb der Stadtmauern und wurde wenige Meter weiter westlich (heute an der Via Fontebranda) neu gebaut. Die Stadtmauer verlief nun von der Porta Camollia aus östlich entlang der Straßen Via Campansi, Via della Stufa Secca und Via dell’Abbadia, wo der Palazzo Salimbeni nun innerhalb der Befestigungen lag, und gelangte über die Via del Refe Nero und Via Sallustio Bandini nach Süden. Von hier führte sie westlich über die Piazza del Mercato und traf an der Straße Casato di Sotto auf den ersten Stadtmauerring. Westlich verlief sie von der Porta Camollia über die Lizza zur (erst später entstandenen) Basilica di San Domenico (damals Colle di San Domenico und Campo Regio genannt) und folgte von dort der Via della Sapienza und der Via delle Terme bis zur Piazza Indipendenza, wo sie rechts in der Via Diacceto an die neue Porta Salaria anknüpfte.
Stadttore der ersten Erweiterung Porta Camollia, nördlichstes Stadttor an der Via Francigena. Porta Campansi, früher Porta Campanzi: Via Campansi, heute nicht mehr vorhanden. Wurde 1230 erstmals schriftlich erwähntGuglielmo Villa: Siena medievale. und um 1327 zugemauert. Porta Camporeggi: Nahe Viale Curtatone (unsicher), wurde 1251 und 1299 erwähnt. 1335 wurde das Tor noch als außerhalb der Stadtmauern vor der Basilica di San Domencio erwähnt. Die Dominikanermönche erhielten am 3. März 1227 das Recht, das anliegende Stadttor (wahrscheinlich die Porta di Camporegi) zu modifizieren. Geschlossen oder abgerissen wurde es nach dem Beschluss der Comune vom 12. Juni 1430, als die Basilika in den Stadtmauerring eingeschlossen wurde.Peter Anselm Riedl, Max Seidel (Hrsg.): Die Kirchen von Siena. Band 2,1,2 (Oratorio della Carità–S. Domenico), Bruckmann Verlag, München 1992, ISBN 3-7654-1942-7 (Textband 2), S. 459. Porta di Guerra bzw. Porta di Bartolomeo Guerra oder Porta della GuerraTorriti: Tutta Siena. genannt: Via Biagio di Montluc. War bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts bekannt und wurde 1247 restauriert sowie 1262 und 1309 verstärkt. Es diente wahrscheinlich als Privattor der Familie GuerraAugusto Codogno: La porta di Bartolomeo di Guerra. Nel tratto fra Fontegiusta a Porta Camollia era forse "privata". In: Il Cittadino Online vom 27. Januar 2014 (ital.), , abgerufen am 9. Februar 2014. und wurde um 1369 zugemauert. Porta Monteguaitano (auch Porta Monte Guatiano): Via Campansi zwischen Porta Camollia und Porta Campansi,Fabrizio Nevola: Siena: Constructing the Renaissance City. Yale University Press 2007, S. 14. wurde 1368 geschlossen. Porta di Pescaia (auch Porta Pescaja): Via Biagio di Montluc nahe der Porta Fontegiusta, 1368 geschlossenes Stadttor an der Rückseite der heutigen Kirche Chiesa di Santa Maria in Portico a Fontegiusta, die am Ende des 15. Jahrhunderts entstand. Das Tor enthielt ein Tabernakel (Immagine della Vergine) von Meo di Pero und Cristoforo di Bindoccio (auch Malabarba genannt), das sich heute in der anliegenden Kirche befindet. Porta Romana (erstes Tor, auch Porta San Martino genannt) Porta di San Prospero: Piazza La Lizza / Piazza Gramsci,genauer Standort unsicher. Ascheri, Pellegrini und TCI geben drei verschiedene Standorte zwischen Via dei Gazzani und Via Tozzi an, Codogno spricht von der Via Rinaldo Franci heute nicht mehr vorhanden. Entstand 1298 durch den Architekten Mino di Simone.Luigi Lazzari: Siena e il suo territorio. Siena 1862, S. 137. Porta dei Provenzani, evtl. auch Porta San Cristoforo: Via Sallustio Bandini / Vicolo al Vento, heute nicht mehr vorhanden. Wurde 1267 geschlossen. Porta Salaria (zweites Tor): Via Fontebranda / Via Diacceto. Porta di San Vigilio: Via dell’Abbazzia, rückseitig des Palazzo Salimbeni, heute nicht mehr vorhanden.
Dritte Stadtmauer