mini|Turm der Kirche St. Andreas Uster mini|Die Andreaskirche im Modell mini|Kirche von der Neuwiesenstrasse her mini|Ansicht von der Werkstrasse Die Kirche St. Andreas ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Stadt Uster. Sie befindet sich an der Neuwiesenstrasse im Stadtzentrum. Die Pfarrei St. Andreas ist eine der grössten im Kanton Zürich. Die dazugehörige Kirchgemeinde ist mit ihren 14'601 Mitgliedern (Stand 2021) nach derjenigen von Winterthur die zweitgrösste katholische Kirchgemeinde des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 106.

Geschichte Vorgeschichte und Namensgebung Die mittelalterliche Kirche von Uster am Burghügel wurde am 30. November 1099, am Tag des Apostels Andreas, von Bischof Gebhard aus Konstanz zu Ehren Marias und des hl. Andreas geweiht. Neben dem St.-Andreas-Hauptaltar wurden weitere zu Ehren des hl. Petrus und der hl. Margareta geweiht. Stifter der Kirche war Graf Heinrich von Rapperswil.Fredi Rechsteiner: Die Pfarrei St. Andreas in Uster. S. 1. Später wurde eine romanische Nachfolgerkirche gebaut, welche eine geknickte Achse aufwies. Diese Kirche wurde in einem weiteren Schritt gotisiert, worauf das dreischiffige Langhaus mit Halb-Achteckchor abgeschlossen wurde. Nach der Reformation in Zürich wurde die Kirche für reformierte Gottesdienste weiterverwendet. Im Jahr 1828 wurde die mittelalterliche Kirche von Uster abgebrochen, weil deren Nachfolgerbau vollendet war, die neu erbaute, heutige reformierte Kirche Uster.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. 1980, S. 261.

Entstehungs- und Baugeschichte In der Zeit nach der Reformation bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren katholische Gottesdienste im Kanton Zürich verboten. Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192. Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). Auf Grundlage des Vereinsrechts konnten daraufhin im ganzen Kanton katholische Niederlassungen gegründet werden. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegründet 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegründet 1863) entstanden in den 1860er Jahren in kurzer Folge weitere Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So kam es, dass um 1900 im Kanton Zürich bereits 20 katholische Pfarreien existierten, unter anderem auch die in Uster.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5.

Die heutige Pfarrei St. Andreas ist eine Filiale der Pfarrei St. Stefan Männedorf. Die Volkszählung im Jahr 1870 hatte ergeben, dass in Uster 104 und im ganzen Bezirk Uster 227 Katholiken lebten. Es handelte sich um meist ausländische Arbeitskräfte, v. a. aus Tirol, die während des Jahres in Uster eine Arbeit fanden und über den Winter wieder in ihre Heimat reisten. Immer mehr von ihnen liessen sich aber in Uster fest nieder. Aus diesem Grund trieb die Inländische Mission, die im Jahr 1864 bereits in Männedorf eine erste Missionsstation in der Region gegründet hatte, die Eröffnung einer weiteren Gemeinde in Uster voran.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 19. Im Jahr 1876 wurde in Uster die Missionsstation eröffnet, die im Jahr 1881 zum Pfarrrektorat und im Jahr 1884 zur eigenständigen Pfarrei ernannt wurde. Der erste katholische Gottesdienst in Uster nach der Reformation fand am Dreifaltigkeitssonntag, dem 11. Juni 1876, im alten Schulhaus unter der Anwesenheit von 150 Gläubigen statt. Die katholische Gemeinde hatte in diesem Jahr den Raum im alten Schulhaus für jährlich 100 Franken für Gottesdienste angemietet. Jedoch bereits im November des gleichen Jahres beanspruchte die Schule den Raum wieder für sich selber, sodass die katholische Gemeinde in einen Wirtschaftssaal im Schloss Uster und gelegentlich auch in den Saal des Restaurants Usterhof ausweichen musste.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 20. In dieser ersten Zeit gehörten zur Missionsstation Uster auch die Gemeinden Dübendorf, Greifensee, Aathal-Seegräben, Wangen, Fällanden, Schwerzenbach, Volketswil, Wetzikon, Egg, Maur, Mönchaltorf, Pfäffikon, Fehraltorf und Illnau. Im Jahr 1880 wohnten in dieser Region 505 Katholiken.

Die erste Kirche mini|Herz-Jesu-Kirche Uster, 1884–1962 Zu Beginn der 1880er Jahre hatte sich ein Komitee für den Bau einer katholischen Kirche in Uster gebildet. Dieses beauftragte Architekt Wilhelm Keller mit der Ausarbeitung der Baupläne. Keller hatte bereits Kirchen und Pfarrwohnungen in Horgen und Langnau am Albis geplant und gebaut. Pfarrer Mayr hingegen wollte keine bescheidene Kirche mit angebautem Pfarrhaus, sondern eine «grosse und würdige gotische Kirche» samt freistehendem Pfarrhaus erstellen lassen. Pfarrer Mayr konnte den Bischof in Chur, Franz Konstantin Rampa, von seiner Vision begeistern, sodass der Bischof dem Pfarrer freie Hand gab. Pfarrer Mayr kaufte daraufhin das Land für den Bau der Kirche im Rennenfeld und im Rennenbühl und trieb den Kirchbau voran. Baumeister Bianchi aus Uster begann 1883 mit dem Bau der Kirche und wurde dabei von Baumeister Dellagiacoma aus Egg unterstützt. Am 5. Januar 1884 fand die feierliche Einsegnung der neugotischen Kirche statt. Das Gotteshaus wurde dem Herz Jesu, in zweiter Linie dem hl. Apostel Andreas gewidmet. In den folgenden Jahren wurde der Bau in Etappen vollendet. Von 1884 bis 1887 wurde das Pfarrhaus, das auch einen Unterrichtssaal enthielt, erbaut. 1890 konnte der Turm vollendet werden. 1891 erhielt die Kirche den neugotischen Altar aus der Kirche St. Peter und Paul Winterthur und 1898 eine Kanzel, die von O. Hollenstein, Wil, erstellt wurde. 1900 baute man in die Kirche eine Empore ein, auf die 1919 die Orgel zu stehen kam. 1903 wurde vom Kirchenmaler Stöckli das Innere der Kirche ausgemalt. 1905 erhielt die Kirche den neugotischen Hochaltar, der von Ed. Preissle in Zürich gefertigt wurde. Im Jahr 1906 bekam der Glockenturm seine ersten Glocken, die jedoch entgegen der getroffenen Vereinbarung nicht auf das Geläut der reformierten Kirche abgestimmt waren, sodass sie umgegossen und im Jahr 1907 ein zweites Mal geweiht und in den Turm aufgezogen werden mussten. 1912 folgte der Marienaltar und 1915 der Josefsaltar, beide von der Firma Marmon und Blank, St. Gallen-Georgen, geschaffen. Als im Jahr 1919 die Orgel eingebaut war, welche die Firma Kuhn erbaut hatte, war die erste katholische Kirche von Uster nach einer vierzigjährigen Bauzeit fertiggestellt.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 23–27.Fredi Rechsteiner: Die Pfarrei St. Andreas in Uster. S. 1–2

Die zweite Kirche Nach einer längeren Projektierungsphase wurde im Jahr 1957 beschlossen, das in die Jahre gekommene und zu klein gewordene Gotteshaus durch einen Neubau zu ersetzen. Im Jahr 1959 wurde ein Wettbewerb für den Neubau von Kirche, Turm, Pfarrhaus, Saal und Pfarreizentrum ausgeschrieben. In diesem Wettbewerb wurden fünf Projekte prämiert, das Siegerprojekt war das Konzept «Basalt» von André M. Studer, Gockhausen, nach dessen Plan dann die zweite katholische Kirche von Uster erbaut wurde. Da die Baukosten recht hoch waren, wurde entschieden, den Bau in zwei Etappen zu realisieren: Zunächst wurden das Pfarrhaus und der Saal gebaut, danach folgte der Kirchturm samt Velounterstand, danach die Kirche und schliesslich das Kirchgemeindehaus. Am 14. Dezember 1961 stimmte die Kirchgemeindeversammlung dem Bau der ersten Etappe zu. Ab dem 27. Juli 1962 wurde das Pfarrhaus gebaut und kurz vor Weihnachten 1963 bezogen. Am 23. April 1963 wurde die alte Herz-Jesu-Kirche gesprengt und anschliessend das Gelände für den Bau der heutigen Kirche vorbereitet.

Am 20. September 1964 erfolgte die Grundsteinlegung der neuen katholischen Kirche St. Andreas durch den Generalvikar Alfred Teobaldi. Verantwortlich für den Bau der Kirche war der Architekt André M. Studer, der auch die katholische Kirche St. Elisabeth in Kilchberg und das Lasalle-Haus der Jesuiten in Edlibach erbaute. Am 20. März 1966 wurde die neu erbaute Kirche eingeweiht. Im Jahr 1999 wurde anlässlich der Feier 900 Jahre Christentum in Uster ein Holzreliquiar von Brunello Rino, Uster, handgeschnitzt. Die darin befindlichen Reliquien des hl. Andreas wurden in Amalfi geholt. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden das Pfarreizentrum und die Kirche umfassend saniert.Fredi Rechsteiner: Die Pfarrei St. Andreas in Uster. S. 3–4.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 53–68 und 113.

Die Pfarrei St. Andreas gehört zusammen mit der Pfarrei Bruder Klaus Volketswil und dem Pfarrrektorat Johannes XXIII. Greifensee zur Kirchgemeinde Uster.Römisch-katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2012. S. 71.

Baubeschreibung Äusseres und Kirchturm mini|Die markante Glockenstube des Kirchturms mini|Innenansicht mini|Blick zur Orgelempore mini|Fotomontage der Glasfenster von Urs Rickenbach Die Kirche St. Andreas befindet sich in der Stadtmitte von Uster an der Neuwiesenstrasse. Der schlanke Kirchturm mit seiner markanten Glockenstube zeigt von weitem den Standort der Kirche an. Über breite Treppen gelangt man im Aussenraum der Kirche zu den unterschiedlichen Gebäudeteilen von Kirche, Pfarrhaus und Pfarreizentrum. Die Kirche besitzt ein komplex aufgebautes, steil aufragendes Dach. Im Bauinventar der Stadt Uster wird die Kirche St. Andreas als bedeutendes Werk des Architekten André M. Studer aufgeführt.Fredi Rechsteiner: Die Pfarrei St. Andreas in Uster. S. 5 Vor der Kirche befindet sich eine Statue des hl. Andreas, die aus Beton gefertigt wurde. Die Skulptur wurde von Hans von Matt, Stans entworfen und von Primo Ortelli ausgeführt.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 144

Vier der fünf Glocken der Kirche St. Andreas stammen aus der Vorgängerkirche und wurden im Jahr 1907 von der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau, gefertigt. Diese Glocken ersetzten die im Jahr 1906 gegossenen Glocken, da diese ersten Glocken entgegen der Vereinbarung nicht auf das Geläut der reformierten Kirche Uster abgestimmt gewesen waren. Die ersten vier Glocken wurden am 17. November 1907 geweiht. Auf der vierten Glocke ist beim Wort «Jesu» ein Schreibfehler zu entdecken.Römisch-katholische Kirchenpflege Uster (Hrsg.): St. Andreas Uster 1966. Pfarreigeschichte und Festschrift zur feierlichen Weihe der römisch-katholischen Kirche von Uster. S. 26.