Projekt 971 Щука-Б, deutsche Transkription Schtschuka-B, [], (russisch für Hecht-B), NATO-Codename Akula, ist eine Klasse nuklearbetriebener U-Boote, die von der sowjetischen Marine zum ersten Mal im Dezember 1984 in Dienst gestellt wurde. Nach der Klassifikation der NATO handelt es sich um ein Jagd-U-Boot (SSN), nach russischer Klassifikation um ein atomgetriebenes Mehrzweck-U-Boot der dritten Generation. Es wird gegenwärtig bei der russischen und der indischen Marine eingesetzt.
Vom Projekt 971 gibt es mehrere Baulose, für die jeweils von russischer Seite – trotz verbesserter Technik – keine neuen Bezeichnungen vergeben wurden. Die NATO unterscheidet dagegen die Akula-Klasse, von der im Zeitraum von 1984 bis 1992 acht Boote in Dienst gestellt wurden; zwischen 1992 und 2005 folgten mehrere Boote mit technischen Neuerungen, die gelegentlich als Improved-Akula-Klasse beschrieben werden, und abschließend einige grundlegend verbesserte U-Boote, die auch als Akula-II-Klasse bezeichnet werden.
Entwicklung Auf Basis der Pläne des Projekts 945 entschloss sich die sowjetische Marine 1976, eine neue U-Boot-Klasse als Nachfolger für die Boote des Projekts 671RTM Щука (Victor-III-Klasse) zu entwickeln. Das beauftragte Planungsbüro Malachit (Малахит) in LeningradS. 83 sollte neben bestmöglicher Geräuschdämmung auch gesteigerten Wert auf eine kostengünstige Konstruktion legen, so dass für den Druckkörper kein Titan verwendet werden sollte. Eine direkte Folge war, dass zum Erreichen der gleichen Tauchtiefe wie bei Projekt 945 (600 m) für die Akula-Klasse mehr Stahl verbaut werden musste, um dem Wasserdruck standzuhalten. Die Wasserverdrängung erhöhte sich so um mehr als 1000 Tonnen.
Nach Geheimdiensterkenntnissen über die technische Ausstattung der US-amerikanischen Los-Angeles-Klasse wurden Nachbesserungen am Projekt 971 nötig, so dass sich der Baubeginn des ersten Bootes bis 1983 verzögerte. Das Projekt 971 gehörte bei seiner Indienststellung zu den leisesten nuklearbetriebenen U-Booten der sowjetischen Marine. Einen wesentlichen Beitrag zur Senkung des Lärmpegels sollen dabei die Unternehmen Toshiba und Kongsberg geleistet haben, die unter Missachtung der CoCom-Richtlinien die Sowjetunion mit modernen Maschinen belieferten. Diese sollen dann die Produktion extrem präzise gefertigter und damit sehr leiser Propeller ermöglicht haben.Schuss vor den Bug. In: Die Zeit, Nr. 29/1987
Mit dem Bau der Boote wurden zwei Werften beauftragt: Werft 402 in Sewerodwinsk produzierte für die Nordflotte, während Werft 199 in Komsomolsk am Amur Boote für die Pazifikflotte baute.Pavel Podvig, Oleg Bukharin, Frank von Hippel: Russian Strategic Nuclear Forces. The MIT Press, 2004, ISBN 0-262-66181-0, S. 265, 266.
Einsatzprofil Das Aufgabenspektrum der Klasse umfasst die Bekämpfung feindlicher Über- und Unterwasserstreitkräfte, die Aufklärung und das Legen von Seeminen.
Ein weiterer Auftrag ist die Verteidigung der sowjetischen und später russischen U-Boote mit ballistischen Raketen (SSBN). Da diese sich nicht selbst effektiv vor feindlichen Jagd-U-Booten und U-Jagd-Flugzeugen schützen konnten, wurden für sie bestimmte „Bastionen“ eingerichtet – Seegebiete zwischen Barentssee und Arktischem Ozean, in denen sie kreuzen und auf ihre Einsatzbefehle warten. Unterdessen sollen eigene Jagd-U-Boote wie die Akula-Klasse in den Randbereichen dieser Gebiete unter Wasser Jagd auf Gegner machen, die versuchen, in die „Bastion“ einzudringen, während die Eisdecke des Arktischen Ozeans die SSBNs vor feindlichen Flugzeugen schützt und eigene Überwasserschiffe und landgestützte Flugzeuge in den eisfreien Gebieten diesen Schutz gewährleisten.
Durch die Ausstattung mit entsprechenden Marschflugkörpern wurde das Einsatzspektrum um Angriffe auf Punkt- oder Flächenziele an Land erweitert. Wenn nukleare Sprengköpfe für die Marschflugkörper verwendet werden, können die Boote der Akula-Klasse als Zweitschlagswaffe in einem Atomkrieg eingesetzt werden.
Technik Design mini|links|Schematische Außendarstellung von Projekt 971 mit Bezeichnungen
Die Boote der Akula-Klasse besitzen einen tropfenförmigen Rumpf, auf den mittschiffs ein Turm aufgesetzt ist. Sie sind als Doppelhüllenboote mit einem Druckkörper aus hochfestem Stahl mit einer Streckgrenze von 981 N/mm² konstruiert.S. 36
Der Druckkörper der Boote ist in sechs Abteilungen gegliedert. Im vorderen Teil des Druckkörpers sind die Bewaffnung und der größte Teil der Sensoren untergebracht, in der Mitte folgen in Abteilung II die Mannschaftsquartiere, Krankenstation, Messe, die Zentrale und der Turm des U-Bootes. In Abteilung III befinden sich Dieselgeneratoren und die Anlagen zur Wasser- und Luftaufbereitung. Abteilung IV beherbergt schließlich den Reaktorraum, die fünfte Abteilung die Dampfturbine und Hilfsaggregate. In der letzten Abteilung befinden sich die Antriebswelle und technische Anlagen zur Geräuschdämmung. Steuerbefehle zur Kurs- oder Tiefenänderung werden über Ruder am Heck übertragen, zur Tiefenänderung können zusätzlich die Tauchzellen und zwei ausfahrbare Ruder am Bug benutzt werden.
Antrieb Mit Ausnahme des Typschiffs K-284S. 35 werden alle U-Boote des Projekts 971 durch einen Druckwasserreaktor vom Typ OK-650BS. 85 oder OK-650M.01,S. 35 ähnlich dem bei der Sierra-Klasse verwendeten Typ mit Energie versorgt. Er leistet etwa 190 Megawatt thermischer Leistung zum Betreiben einer Dampfturbine, die um die 50.000 WPS43.000 PS in Unterwasserschild der UdSSR – Mehrzweck-Atom-U-Boote. 2003, S. 50. an die Welle abgibt. Das reicht aus, um das U-Boot über einen siebenblätterigen Propeller bei Unterwasserfahrt auf bis zu 33 Knoten zu beschleunigen.
Eine Besonderheit des sowjetischen U-Boot-Baus ist der Einbau von Notfall- oder Manövrierantrieben für langsame Fahrt. Die Akula-Klasse verfügt an der Unterseite des Rumpfes an Backbord und Steuerbord über je einen ausfahrbaren Impeller mit einer vierflügeligen Schraube, die über Elektromotoren mit etwa 400 PS betrieben werden. Das genügt in ruhigen Gewässern für eine Geschwindigkeit von bis zu 5 Knoten.
Bewaffnung Akulas sind mit je vier 533-mm- und 650-mm-Torpedorohren ausgestattet. Über diese Rohre können Torpedos, Anti-U-Boot-Raketen und Marschflugkörper verschossen oder Seeminen ausgestoßen werden. Die 650-mm-Rohre können mit Ausgleichsbuchsen versehen werden, um sie auch für Waffen im Kaliber 533 mm benutzen zu können.
Das Arsenal an möglichen Waffen beinhaltet: Torpedos wie die schweren 650-mm-Typen, die ausschließlich gegen Überwasserschiffe eingesetzt werden, sowie die kleineren 533-mm-Typen USET-80 und UGST, die zur Bekämpfung feindlicher U-Boote in Tiefen von bis zu 1000 m und Entfernungen von bis zu 50 km entwickelt wurden. Der Superkavitationstorpedo WA-111 „Schkwal“ und der APR-3M „Adler-M“eigentlich: АПР-3М „Орёл-М“ sollen ebenfalls über die 533-mm-Torpedorohre eingesetzt werden können. Ältere Torpedomodelle wie der Typ 53-65K waren bereits in den 1990er-Jahren von den Booten entfernt worden. Anti-U-Boot-Raketen können an Stelle von den 650-mm- und 533-mm-Torpedos mitgeführt werden. Die Akula-Klasse ist in der Lage, RPK-2-Raketen einzusetzen, die später von moderneren Systemen RPK-6/7-Raketen abgelöst wurden.Conway’s All the World’s Fighting Ships. 1947–1995. US Naval Institute Press, ISBN 1-55750-132-7. Die Raketen tragen als Nutzlast einen Torpedo oder eine nukleare Wasserbombe. Diese Waffen dienen primär zur Bekämpfung von U-Booten. Die nuklear bestückten Ausführungen können in einer sekundären Rolle auch gegen Schiffe oder Küstenziele eingesetzt werden. Nach einem Abkommen mit den USA aus dem Jahr 1989 werden jedoch keine taktischen Kernwaffen mehr auf U-Booten mitgeführt.S. 50 Marschflugkörper als wichtigen Bestandteil der Bewaffnung; diese können weit entfernte Landziele treffen. Im Gegensatz zur amerikanischen Los Angeles-Klasse werden die Marschflugkörper über die Torpedorohre gestartet und steigen dann mit bis zu 30 m/s an die Wasseroberfläche.S. 89 Die Akula-Klasse kann den Marschflugkörper S-10 „Granat“ (SS-N-21 Sampson) einsetzen. Marschflugkörper vom Typ Kalibr, mit konventionellen oder nuklearen Sprengköpfen, können ebenfalls verwendet werden. Seeminen, von ihnen können gängige russische und sowjetische Typen wie die MDM-1-Grundmine oder die zur Jagd auf U-Boote konstruierte PMK-2-Torpedomine über die 533-mm-Torpedorohre abgesetzt werden. Diese Minentypen sind etwa ein Jahr aktiv, bevor sie sich selbst zerstören oder deaktivieren.Flot.com (russisch) abgerufen am 2. November 2009.
Etwa 40 Torpedos, Raketen oder Minen der genannten Typen können im Torpedoraum gelagert werden. Dabei stehen allerdings nur maximal zwölf Lagerplätze für die etwa zehn Meter langen 650-mm-Waffen zur Verfügung, da das Waffenlager im oberen Teil kürzer ist und dort nur noch 28 der kurzen Waffen im Kaliber 533 mm Platz haben.S. 86deepstorm.ru, abgerufen am 3. November 2009 In manchen Quellen werden zusätzlich noch MANPADS vom Typ Igla-1F aufgeführt, von denen drei Stück an Bord mitgeführt werden, um sie vom aufgetauchten Akula-U-Boot gegen ASW-Hubschrauber oder Flugzeuge einsetzen zu können.Bewaffnungsdetails auf flot.com, russisch, abgerufen am 26. November 2009
Sensoren mini|hochkant=1.5|K-480 Барс, 1994, von rechts: das Periskop, zwei Funkantennen und der PMU-Satellitennavigationsmast „Synthese“ sind ausgefahren
Neben einem Kommandanten-Periskop vom Typ „Schwan“ und einem Beobachtungsperiskop vom Typ „System 3“ zum Anvisieren oder Beobachten von Überwasserzielen sind die U-Boote der Akula-Klasse mit verschiedenen Sensoren für die Suche nach Zielen, zur Navigationshilfe und zum Erkennen von Bedrohungen ausgerüstet.S. 39 Die Hauptphalanx zur Suche nach Unterwasserzielen ist ein digitales Sonarsystem MGK-540 Skat-3 (manchmal wird auch das analoge „MGK-503“ als Ausstattung in Booten des ersten Bauloses genannt, so beispielsweise in Russische U-Boote. 2006, S. 86.), das sich aus dem Hauptsensor im Bug, unterhalb der Torpedorohre, zur passiven und aktiven Suche nach Zielen, Seitensonarsensoren zur passiven Suche und einem Schleppsonar zur passiven Suche zusammensetzt. Ein im Hochfrequenzbereich arbeitendes Minenmeidesonar vom Typ MG-519 wird beim Navigieren in mit Minen verseuchten Gewässern verwendet.Eric Wertheim: Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World: Their Ships, Aircraft. Naval Institute Press, 2007, ISBN 1-59114-955-X, S. 605.S. 50
Zusätzlich verfügt die Akula-Klasse – mit Ausnahme von sechs Booten – über Sensoren zur Ortung von Verwirbelungen im Wasser, wie sie von Schiffen und U-Booten in deren Kielwasser erzeugt werden. Die Messantennen dieser Sensoren sind an der Stirnseite des Turms und an der Außenhülle installiert. Das System trägt die Tarnbezeichnung „СОКС“ (Socke).
Für das Orten von Funksendern verfügen die Boote am Turm über einen ausfahrbaren Sensor vom Typ „Anis“ (NATO-Bezeichnung: Park Lamp). Daneben befindet sich ein Radarsystem des Typs MRKP-58 oder 59 „Radian“ (NATO-Bezeichnung: Snoop Pair) zur Suche nach Oberflächenkontakten und zur Navigationshilfe. Abschließend ist ein Sensor für elektronische Unterstützungsmaßnahmen vom Typ „Zone“ (NATO-Bezeichnung: Rim Hat) installiert.S. 39 Um die Funk- und Radarsysteme sowie die Periskope einsetzen zu können, muss sich das Boot mindestens auf Sehrohrtiefe befinden oder aufgetaucht sein.
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