Als Gebirgsrasse bezeichnet man in Landwirtschaft und Tierzucht Rassen von Haustieren, die an das Leben im Gebirgsland angepasst sind. Der Begriff umfasst Stammformen von Wildtieren ebenso wie Zuchtrassen. Prinzipiell unterscheidet man dann Gebirgsrassen und Tiefland-/Niederungs-/Tal-/Flachlandrassen.
Zum Begriff Der Begriff der Gebirgsrassen entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die dezidierte Rassezucht begann. Reiseberichte dieser Zeit, für die europäischen Gebirgsräume – in dieser Zeit tritt der Alpinismus in die Aufmerksamkeit der Naturkunde und Ethnographie – wie auch „exotische“ Länder, berichten über regionale Besonderheiten auch der Haustiere.Als weitaus wichtigsten Nutztier anfangs vorwiegend auf das Rind bezogen; eine frühe Erwähnung in Bezug auf Schafe etwa in : Man versuchte dann zunehmend, Merkmale und Eigenschaften der zahlreichen traditionellen Zuchtformen (Landrassen) der abgelegeneren Landstriche aufzunehmen,Heinrich Wilhelm von Pabst unterscheidet schon 1829 die und (des Hochgebirgs). Dem folgt etwa um sie für örtliche Besonderheiten zu empfehlenso etwa desgleichen und für Einkreuzungen zu verwenden, und so verbreitete Leistungsrassen sowohl robuster zu machen, Fehler zu beseitigen, wie auch in Verwendbarkeit in schlechteren Lagen zu optimieren. S. Thaer: Ration. Landw. IV, S99. Sturm: Ueber Rassen, Kreuzungen und Veredlung der landw. HauSthiere. Elberf. 1825, S. 71. Angabe nach
Gebirgsrassen sind an ein Leben in harten klimatischen Bedingungen sowie die große körperliche Beanspruchung angepasst. Als charakteristische Eigenschaften gelten Genügsamkeit, Robustheit, Wetterfestigkeit, Kälte- und Hitzetoleranz, Krankheitsresistenz, körperliche Belastbarkeit, Kletterfähigkeiten, Schwindelfreiheit und hohe Trittsicherheit, wie auch Intelligenz und gute soziale Eigenschaften. Typisch ist ein gegenüber Flachlandrassen gedrungener Körperbau, geringeres Gewicht und eine ausgeprägtere Behaarung. In Grundzügen wurde das – in Bezug auf Viehzucht – als allgemeiner biologischer Mechanismus schon von Charles Darwin 1860 in die Biologie eingeführtseinerzeit noch ausdrücklich mit der Beifügung: (nur spricht man hier heute nicht mehr von „Rassen“, sondern im Rahmen der modernen Taxonomie von Mechanismen wie Phylogenetik, Phänotypen und Konvergenz/Analogie):
Diese Rassen werden typischerweise extensiv im Rahmen einer Wanderweidewirtschaftsform (wie Alpungspezieller Fachausdruck: alptüchtig oder Transhumanz) sommers oder ganzjährig in Freien gehalten und steigen auch nach eigenem Ermessen bis in hochalpinste Lagen, wenn sie dort Futtergründe finden, müssen also selbstständig für ihre Sicherheit sorgen. Daher ist bei Gebirgsrassen auch eine stabile Herdenstruktur mit erfahrenen Leittieren Basis der Viehzucht, sie werden also auch meist bis in höheres Alter gehalten als Flachlandrassen.
Hoher Ertrag in Fleisch, Milch und anderen Tierprodukten steht gegenüber einer Überlebensfähigkeit und Pflegeleichtigkeit im Hintergrund, daher handelt es sich meist um Mehrnutzungsrassen. Ab der Jahrhundertwende begann man, auch für Gebirgsrassen Zuchtstandards festzulegen. Dabei wurden besonders in der Zwischenkriegszeit einige Sammelrassen definiert, wie die Gebirgs-/Alpinziege, in die mehrere Unterformen integriert wurden. Ein typisches Beispiel einer Gebirgsrasse gibt das Zuchtziel für das Tiroler Grauvieh (in der zahlreiche Lokalschläge des Graubraunen Höhenviehs aufgingen) in den Formulierung von 1924 – es könnte übertragen für jede Gebirgsrasse gelten:so betonen die Autoren Wilckens und Duerst die Ähnlichkeit asiatischer Kurzhornrinder mit den alpinen Gebirgsrassen.
Mit dem Aufkommen der Intensivtierhaltung und Ertragslandwirtschaft – und bei Zug- und Tragtieren des Kraftfahrzeugs und der landwirtschaftlichen Maschinen – begannen die Leistungsrassen die traditionellen Formen zu verdrängen. Manche Gebirgsrassen, etwa das Fleckvieh (Simmentaler, Schweiz) bei Rindern oder die Saanenziege (Schweiz) haben weltweit Verbreitung gefunden, oder das Haflingerpferd (Österreich) als militärisches Tragtier das Verschwinden der Arbeitspferde gut überstanden.
Zahlreiche lokale Zuchtformen sind aber erloschen oder heute selten geworden. Erst mit dem Boom der biologischen und regionalen Landwirtschaft wie auch der biogenetischen Schutzprogramme alter Zuchtssorten bei Pflanzen wie Tieren begann man sich wieder auch um die Gebirgsrassen zu bemühen.z. B. in einem Jugendbuch: Seit den 1980er Jahren werden auch zunehmend wieder Rassestandards für Originalformen festgelegt und in Zuchtprogrammen und Züchtervereinigungen der Bestand konsolidiert. Dabei sind einige Lokalrassen auch als Mode populär geworden, so das langhaarige Schottische Hochlandrind oder der Isländer als Freizeitpferd.
Schutzprogramme SAVE Foundation – Safeguard for Agricultural Varieties in EuropeSave-Foundation.net – Europäisches Netzwerk (mit Datenbank Arca-Net) Register der Traditionellen Lebensmittel – mit etlichen in Österreich als Kulturerbe geschützten Gebirgsrassen Österreichische Nationalvereinigung für Genreserven (ÖNGENE)ÖNGENE (Oengene.at) – Forschungsverbund Arche Austria – Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen Konzept zur Erhaltung der Rassenvielfalt bei den landwirtschaftlichen Nutztieren in der Schweizvergl. Bundesamt für Landwirtschaft: . Broschüre, o. D. (mit zahlreichen Beschreibungen typisches Gebirgsrassen) ProSpecieRara (Schweiz)ProSpecieRara.ch Associatione Italiana Razze Autoctone Rischio Estinzione – R.A.R.E. (Italien)R.A.R.E. (associazionerare.it)
Siehe auch Gebirgsziege Agrobiodiversität Liste gefährdeter Nutztierrassen
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Haustierrasse Kategorie:Alpinismus