mini|hochkant=0.8|US-County Santa Rosa mit rot hervorgehobener Lage von Gulf Breeze. Als Ufo-Welle von Gulf Breeze oder Gulf Breeze-Vorfall bezeichnet die Ufologie eine Serie vorgeblicher Ufo-Sichtungen über der Stadt Gulf Breeze im US-Bundesstaat Florida. Dabei soll es angeblich auch zur sogenannten Begegnung der dritten Art gekommen sein. Die Sichtungswelle fand im Zeitraum von November 1987 bis Februar 1989 statt und erlangte zunächst lokales, später weltweites Medieninteresse.
Die „Ufo-Welle von Gulf Breeze“ hebt sich besonders durch eine Vielzahl umstrittener Polaroid-Fotos und Videoaufnahmen hervor, deren Untersuchungen teils hitzige Debatten innerhalb verschiedener Organisationen und Forschungskreise auslösten. Auch der Hauptzeuge der Vorfälle ist bis heute Gegenstand stark divergierender Ansichten und Thesen. Sowohl in den Para- und Pseudowissenschaften als auch in den Medien wurde und wird die Ufo-Welle von Gulf Breeze intensiv diskutiert. In Gläubiger-Kreisen werden die Ereignisse als „Musterbeispiel von Ufo-Sichtungen der Neuzeit“ zitiert, in Skeptiker-Kreisen hingegen gilt die Sichtungswelle als einer der größten Schwindel der Neuzeit. Militär und Behörden führten ebenfalls Untersuchungen durch und auch sie bewerten den gesamten Vorfall als Schwindel.
Ort der Geschehnisse Zentrum der als Ufo-Welle bezeichneten Geschehnisse war die Kleinstadt Gulf Breeze, ein Vorort von Pensacola. Diese befindet sich an der äußersten Westspitze des Santa Rosa County im US-Bundesstaat Florida. Die Stadt liegt auf der Halbinsel Fairpoint Peninsula und ist von drei Seiten von Buchten umgeben (im Norden liegt die Pensacola Bay, im Südwesten der Santa Rosa Sound). Zur Zeit der vorgeblichen Ufo-Sichtungswelle hatte Gulf Breeze etwa 6000 Einwohner. Haupt-Ereignisort der vorgeblichen Sichtungen und Begegnungen war das Grundstück von Mr. Ed Walters in der 612 Silverthorne Road.
Beschreibung der Vorfälle mini|hochkant=0.8|Darstellung eines der „typischen“ Ufos, die über Gulf Breeze gesichtet wurden. Ed Walters Als Beginn der Sichtungswelle gilt der Abend des 11. Novembers 1987. Hauptzeuge der Sichtungen war der ortsansässige Bauunternehmer Ed Walters. Nach eigenen Angaben beobachtete Walters von zuhause aus ein ungewöhnliches Licht am Himmel, das hinter einer nahen Kiefer auftauchte. Um das Objekt fotografieren zu können, eilte Walters zurück in sein Büro, holte seine Polaroid-Kamera und lief hinaus auf die Straße. Er machte fünf Aufnahmen, dann wurde er – nach eigener Aussage – von einem übelriechenden, kobaltblauen „Lichtstrahl“ erfasst, paralysiert und in der Einfahrt seines Hauses wieder freigelassen. Am 17. November ging Ed Walters mit seinen Fotos an die Öffentlichkeit. Allerdings wurde sein Name in den Zeitungen zunächst verschwiegen, da Walters öffentlichen Spott und Rufschädigung fürchtete und seine Familie schützen wollte.William J. Birnes: Aliens in America. S. 94–102 & 106.
In den darauffolgenden Wochen fotografierte Ed Walters angeblich ganz ähnliche Ufos, wobei sowohl ihm als auch der Presse auffiel, dass manche Ufos in ihrer Grundform leicht voneinander abwichen. So waren manche von ihnen eher lampionförmig, andere tendierten mehr zur „klassischen“ Untertassen-Form. Die wiederkehrenden Sichtungen gipfelten in zwei behaupteten, herausragenden Vorfällen: In der Nacht zum 2. Dezember 1987 wurde Walters vorgeblich durch das Bellen seines Hundes geweckt, als er die Jalousien zum Schlafzimmer öffnete, will er vor seinem Fenster ein humanoides Wesen von etwa 1,22 m Größe, gekleidet in eine Art silbrige Rüstung, gesehen haben. Das Wesen soll sich umgehend vom Haus entfernt haben. Als Walters ihm nachlief, wurde er von bereits erwähntem Lichtstrahl erfasst und bewegungsunfähig gemacht. Das Ufo und der Außerirdische seien anschließend verschwunden.
Der zweite, herausragende Vorfall soll sich dann am Abend des 12. Januar 1988 zugetragen haben: Als Walters von seiner Baufirma aus mit seinem Pick-up-Truck nach Hause fuhr, versperrte eines der Ufos angeblich die Straße. Walters fotografierte das schwebende Objekt. Dieses Polaroid-Foto (als Foto #19 registriert) erlangte weltweite Bekanntheit und gilt in Gläubiger-Kreisen als „Musterfoto“ in Zusammenhang mit der Ufo-Welle von Gulf Breeze. Es zeigt ein plumpes, lampionförmiges Objekt, das etwa einen halben Meter über dem Asphalt schwebt und dabei den Boden anleuchtet. Walters behauptet, unmittelbar nach der Aufnahme sei erneut ein außerirdisches Wesen aufgetaucht und habe sich ihm genähert. In Panik sei Walters davongefahren.
Am 7. Februar 1988 schließlich will Walters seine Frau dabei fotografiert haben, wie diese angeblich versuchte, dem bereits erwähnten blauen Lichtstrahl auszuweichen. Walters behauptete zudem, mit den Außerirdischen per Telepathie kommuniziert zu haben. Die Außerirdischen hätten teils auf Spanisch, teils auf Englisch mit ihm gesprochen und ihm telepathisch Fotografien verschiedener Hunde übermittelt. Jedes Mal, wenn die Außerirdischen sich ihm näherten, habe Walters ein tiefes Summen in seinem Kopf vernommen.
Des Weiteren fotografierte Walters schwebende Objekte, die sehr klein und torpedoförmig waren. Auch gelangen ihm Videoaufnahmen zweier sich scheinbar verfolgender Ufos über seinem Grundstück. Insgesamt existieren 38 Farbfotografien, davon 36 Nachtaufnahmen und zwei Tagesaufnahmen.
Weitere Zeugen Nachdem Walters an die Öffentlichkeit gegangen war, meldeten sich weitere Bürger aus Gulf Breeze und auch aus dem benachbarten Pensacola. Einige von ihnen legten selbst Fotografien vor, auf denen ringförmige oder rundliche Lichter zu erkennen waren. Manche Zeugen behaupteten sogar, sie seien während einer Autofahrt von Ufos regelrecht verfolgt worden. Die örtliche Stadträtin Brenda Pollak will selbst „ungewöhnliche orangefarbene Lichter“ über den Baumwipfeln gesehen haben, als sie am 17. März 1988 über die Pensacola Bay Bridge fuhr. Sie berichtet außerdem, dass ihr Mann und weitere Zeugen gemeinsam mit Ed Walters im örtlichen Shoreline Park waren. Walters habe dort weitere Ufos fotografiert. Pollak sagte zudem aus, dass sie Ed Walters nicht für jemanden halte, der einen Schwindel solchen Ausmaßes durchziehen würde. Eine weitere Zeugin behauptete später, ein orange leuchtendes Ufo sei gegen zwei Uhr morgens in ihrem Garten aufgetaucht.Michael Burke: Councilwoman among witnesses. Newsartikel vom 21. Mai 1988 im Pensacola News Journal, S. 19A. Archivierte Online-Ausgabe auf archive.org (englisch). Der örtliche Bezirkskommissar John Broxson behauptete, er habe „eine Parade aus mehrfarigen, intensiven Lichtern“ über seinem Haus beobachtet.Dusty Rickketts: Sightings put Gulf Breeze on extraterrestrial map. Newsartikel vom 18. November 2007 in der The Naples Daily News, S. 14B + Forts. auf S. 15B. Online-Ausgabe auf newspapers.com (englisch).
Beschreibung der Ufos Die von Ed Walters fotografierten Objekte erinnerten in ihrer Gestalt an Lampions. Sie waren plump-zylindrisch, hatten eine flache Kuppel mit stabähnlichem Aufsatz darauf und an ihrer Unterseite zwei dickliche Ringe. Um den meist dunkelgrauen Rumpf herum befand sich eine wechselnde Anordnung sowohl hell erleuchteter, rautenförmiger, als auch schwarzer, quadratischer Fenster. Die dicklichen, ringähnlichen Fortsätze unter dem Rumpf leuchteten oft blau oder orange, an der Unterseite schienen die Ufos offen zu sein und ein helles, weißliches bis bläuliches Licht drang daraus hervor. Oder es war nur ein leuchtender Ring zu erkennen. Auf den meisten Aufnahmen ist nur ein Objekt zu sehen, nur eine Aufnahme zeigt drei, einander sehr ähnliche Ufos, die in Formation fliegen. Die Größe der Ufos wurde ursprünglich auf etwa 5 m im Durchmesser und ca. 3 m Höhe geschätzt.
Untersuchung der Vorfälle mini|hochkant=0.8|Styropor-Modell, das in Ed Walters’ Haus gefunden worden sein soll Untersuchungen durch MUFON und CUFOS Aufgrund der zunächst überzeugend wirkenden Aufnahmen erlangten die Vorfälle rasch öffentliches Interesse. Die ersten Artikel wurden im lokalen Bulletin Gulf Breeze Sentinel veröffentlicht. Im Jahr 1989, noch während der Sichtungswelle, leiteten die Ufo-Organisationen MUFON (Mutual UFO Network) und CUFOS (Center for UFO Studies) jeweils eigene Untersuchungen der Vorfälle ein. (englisch)Craig R. Myers: War of the Words. S. 153.
Beide Organisationen stimmten zunächst darin überein, dass die Fotos und Videoaufnahmen „ungewöhnlich“ und „bemerkenswert“ seien. Bezüglich der Glaubwürdigkeit der Berichte und Aussagen von Ed Walters hingegen spalteten sich die Organisationen: Während MUFON geradezu begeistert war und Ed Walters zunächst Glaubwürdigkeit bescheinigte, stand CUFOS den Fotos und Berichten von Anfang an misstrauisch gegenüber und argwöhnte, dass mindestens ein nicht unerheblicher Teil der Aufnahmen (wenn nicht alle) mittels Doppelbelichtung und Materialmanipulation gefälscht waren. Des Weiteren kritisierte CUFOS sogleich, dass es merkwürdig und verdächtig sei, dass nur Ed Walters allein derart viele Sichtungen hatte und Fotos vorlegen konnte. Infolgedessen kam es innerhalb beider Organisationen zu Spannungen und Zerwürfnissen, welche den Austritt wichtiger Senior-Experten zur Folge hatte. Kritiker wie Robert Boyd seien regelrecht aus der Organisation gemobbt worden. Fotografie-Experten wie Rex Salisberry und William G. Hyzer untersuchten die Fotos ebenfalls und erkannten darin sogleich Doppelbelichtungen. Als Hauptbeweis führen die Experten das vielzitierte Foto #19 an, welches angeblich ein Ufo dicht über einer Landstraße schwebend zeigt.
Bald darauf erlangten beide Organisationen durch Bekannte und ehemalige Schulfreunde Walters Kunde darüber, dass Letzterer offenbar ein stadtbekannter Streichespieler (Prankster) war und dass er in der Vergangenheit schon des Öfteren mit manipulierten Polaroid-Bildern Aufsehen erregt haben soll. Ed Walters soll auch Bekannten und Verwandten angekündigt haben, er würde „eines Tages den ganz großen Streich durchziehen“. Den Ermittlern und Journalisten Mark Rodeghier und Robert Boyd fielen außerdem zahlreiche kuriose Ähnlichkeiten zwischen Walters Geschichte und dem Science-Fiction-Roman Communion. A True Story des Autors Whitley Strieber auf. Beispielsweise Ed Walters’ Beschreibung des vorgeblichen blauen Lichtstrahls aus dem Ufo, der nach Ammoniak und Zimt gestunken haben soll – exakt dieselbe Beschreibung finde sich auch in Striebers Roman auf Seite 19.Mark Rodeghier, Robert Boyd: Gulf Breeze, Florida: The Other Side of the Coin. Artikel im Spezial-Magazin CUFOS Bulletin, April 1988, S. 1–3. (PDF-Version).
Ein Mitglied und Experte des MUFON, Jerry Black, zweifelte Ed Walters’ Glaubwürdigkeit ebenfalls stark an. Er fand heraus, dass Walters dem bekannten, eigentlich unabhängigen Physiker Bruce Maccabee für dessen Untersuchungen und Analysen hohe Dienstleistungsbeträge ausgezahlt hatte. Daher seien Maccabees Objektivität und Neutralität in Frage zu stellen. Black kritisierte weiterhin, dass viele der an den Untersuchungen teilnehmenden Experten und Ermittler Neulinge in ihren Fächern waren und es versäumten, die Person und Vergangenheit von Ed Walters zu untersuchen und Nachbarn und Verwandte zu befragen. Man habe sich stattdessen allein auf öffentliche Meinungsbekundungen und die in der Presse veröffentlichten Fotos verlassen. Black beklagt zudem, dass es ein Fehler seitens der MUFON-Leiter Walt Andrus und Ray Fowler gewesen sei, die Untersuchungen nicht persönlich durchzuführen. Ed Walters hatte zudem gegenüber Fotografie-Experten wie Peter Newman vom Sender WEAR TV offenbar zugegeben, Grundkenntnisse über das Verfahren von Doppelbelichtungen zu besitzen – gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien hatte Walters dieses Detail offenbar verschwiegen. Abschließend machte Black auf jene Fotos aufmerksam, die nicht das vertraute, lampion-ähnliche Ufo zeigen, sondern eines, das die Gestalt eines Torpedos hat.