mini|hochkant|Pfarrkirche Saint-Martin, Ansicht von Süden mini|hochkant|Glockenturm mini|hochkant|Bleiglasfenster im Chor Die römisch-katholische Pfarrkirche Saint-Martin in Montmorency, einer Gemeinde im Département Val-d’Oise in der französischen Region Île-de-France, geht auf eine Kollegiatkirche aus dem 12. Jahrhundert zurück. Die heutige Kirche wurde im 16. Jahrhundert im Stil der Flamboyant-Gotik errichtet. Sehenswert ist die dem Patrozinum des heiligen Martin unterstellte Kirche vor allem wegen ihrer Bleiglasfenster, von denen 14 Fenster aus der Renaissance erhalten sind. Im Jahr 1840 wurde die Kirche als Monument historique in die Liste der Baudenkmäler (Base Mérimée) in Frankreich aufgenommen.

Geschichte Das Chorherrenstift wurde vermutlich im 12. Jahrhundert von Mathieu I. von Montmorency gegründet und sollte den Herren von Montmorency als Grablege dienen. Da er bereits 1132 Chorherren ernannte, muss die Kirche zu dieser Zeit bestanden haben. Von dieser ersten Kirche ist außer zwei Säulen und einigen Kapitellen, die heute im Museum des Louvre in Paris aufbewahrt werden, nichts mehr erhalten. 1270 ließ Mathieu IV. von Montmorency die Kirche umbauen.

Die heutige Kirche wurde um 1515 unter Guillaume de Montmorency, dem Vater von Anne de Montmorency (1493–1567), des ersten Herzogs von Montmorency, begonnen. 1521 fertigte der Zimmermann Michel Langogne den bis heute erhaltenen Dachstuhl. Beim Tod Guillaumes im Jahr 1531 waren die Apsis und die östlichen vier Joche fertiggestellt, ebenso das Nordportal und der Dachreiter. Erst ab 1558 ließ Anne de Montmorency, 1538 zum Konnetabel erhoben und seit 1551 Herzog von Montmorency, das Kirchenschiff errichten, das 1563 vollendet war. Der Architekt Jean Bullant (um 1520–1578), der die Schlösser Chantilly und Écouen im Stil der Renaissance entworfen hatte, wurde mit der Bauleitung betraut und hatte die Weisung, den gotischen Stil des Chors auch im Schiff fortzuführen. Für die Ausführung verantwortlich war Jean Desilles.

Mit dem Tod Annes im Jahr 1567 endeten die Bauarbeiten, die Fassade und der Glockenturm wurden nicht ausgeführt. In der Mitte des Kirchenschiffs wurde das prächtige Grabmal von Anne de Montmorency und seiner Gemahlin Madeleine de Savoie aufgestellt, von dem heute in Montmorency nichts mehr erhalten ist. Die marmorne Liegefigur des Konnetabel befindet sich heute im Museum des Louvre in Paris. Die Nachfolger von Anne de Montmorency ließen sich nicht mehr in der Kirche bestatten. 1617 übergab Henri II. von Montmorency (1595–1632) die Kirche den Oratorianern, die die Stelle der Chorherren einnahmen. Die Kirche wurde außerdem als Pfarrkirche genutzt.

Während der Französischen Revolution wurde die Kirche geplündert, die Gräber profaniert und die Adelswappen in den Fenstern zerschlagen. Von 1875 bis 1910 fand unter der Leitung des Architekten Lucien Magne (1849–1916) eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes statt. Eine weitere Sakristei wurde angebaut, der Glockenturm und die Westfassade im Stil der Neogotik errichtet. Die Renaissancefenster wurden restauriert und teilweise ergänzt. In den westlichen Jochen des Langhauses wurden die bisher weißen Fenster durch Bleiglasfenster ersetzt.

Architektur Außenbau mini|hochkant|Westportal Die Außenmauern werden von Strebepfeilern gegliedert, die an der Südseite mit Phantasiewesen verziert sind. Teilweise sind Nischen eingeschnitten, die ursprünglich mit Heiligenfiguren besetzt waren. Die Apsis wird von großen, neun Meter hohen Spitzbogenfenstern durchbrochen.

Im Süden der Westfassade erhebt sich der 42 Meter hohe, neugotische Glockenturm. Das Westportal ist mit zwei Reliefs des Bildhauers Hippolyte Lefèbvre verziert. Sie wurden 1909 angebracht und stellen den Kirchenpatron, den heiligen Martin von Tours dar, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt und einen heidnischen Baum fällen lässt. Die Mitte der Westfassade nimmt ein großes, vierbahniges, gotisch inspiriertes Maßwerkfenster ein.

Das Nordportal war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts der einzige Zugang zur Kirche. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Türflügel aus Eichenholz sind mit Figuren, Masken, Putten und Phantasiewesen verziert. Über dem Portal öffnet sich ein großes Maßwerkfenster.

Innenraum mini|Innenraum Das Langhaus ist dreischiffig, das Mittelschiff mündet im Osten in einen Chor mit polygonalem Schluss. Ein Querhaus gibt es nicht.

Auf den Schlusssteinen des Chors sind die Wappen der Familie Montmorency und Pot zu erkennen. Guillaume de Montmorency, der den Chor erbauen ließ, war mit Anne Pot verheiratet. Die Schlusssteine des Schiffs tragen die Wappen von Anne de Montmorency und seiner Gemahlin Madeleine de Savoie. Auf einem Schlussstein ist die Jahreszahl 1563 zu lesen, auf einem anderen die Devise von Anne de Montmorency „APLANOS“.

Bleiglasfenster Renaissancefenster mini|hochkant|Mittleres Chorfenster Die ältesten Bleiglasfenster befinden sich im Chor und den östlichen Jochen des Schiffes. Zwölf Fenster wurden zwischen 1524 und 1545 geschaffen, die beiden Fenster von Anne de Montmorency und seiner Gemahlin stammen von 1563. Mittleres Chorfenster (Fenster 0): Das mittlere Chorfenster weist die Jahreszahl 1524 auf. Es wurde 1860 von der Glasmalerei Ména in Paris restauriert. In den unteren Feldern sind Jesus und Maria dargestellt, darüber die beiden Schutzpatrone der Kirche, der heilige Martin von Tours und der heilige Felix. In den oberen Feldern sind der heilige Dionysius von Paris und der heilige Leonhard zu erkennen. Fenster von Guillaume de Montmorency (Fenster 1): Das linke Chorfenster stellt Guillaume de Montmorency dar, der neben seinen fünf Söhnen kniet. Hinter Guillaume steht Wilhelm von Aquitanien, hinter seinen Söhnen der Erzengel Michael. Auf den darüberliegenden Scheiben sieht man die Apostel Petrus und Paulus und ganz oben den heiligen Theobald und den heiligen Hieronymus. Fenster von Anne Pot (Fenster 2): Anne Pot war die Gemahlin von Guillaume de Montmorency. Sie ist mit ihren drei Töchtern und den Schutzheiligen, der heiligen Anna und der heiligen Katharina, dargestellt. In der Mitte sind Maria Magdalena und die heilige Martha zu erkennen, oben die heilige Barbara und die heilige Genoveva. Das Fenster wurde 1861 großenteils erneuert.

Fenster des jungen Anne de Montmorency (Fenster 3): Auf dem Fenster ist Anne de Montmorency als junger Mann dargestellt. Er kniet vor einer Madonna mit Kind, hinter ihm steht die heilige Barbara. Nach Louis Grodecki wurde das Fenster von Jean de Montmorency gestiftet und stellt ihn als Stifter dar.Louis Grodecki: Les vitraux de Paris, ..., S. 122. Fenster von François de Rochepot (Fenster 4): François de Rochepot war der Sohn von Guillaume und der Bruder von Anne de Montmorency. Rechts kniet der Stifter vor Françoise d’Amboise, die linke Seite nimmt die Szene der Beweinung Jesu mit Maria und Johannes ein.

Fenster von Anne de Montmorency und Guy de Laval (Fenster 5): Das dreibahnige Fenster wurde von Anne de Montmorency, der Schwester des Konnetabels mit dem gleichen Vornamen, und ihrem Mann Guy XVI. de Laval gestiftet. Auf den beiden linken Lanzetten sind die Stifter mit ihren beiden Schutzpatronen, der heiligen Anna, die Maria im Lesen unterweist, und dem heiligen Hieronymus, dargestellt. Die rechte Lanzette zeigt Maria Magdalena unter dem Kreuz. Fenster von Marie-Louise de Montmorency und Gaspard de Coligny (Fenster 6): Marie-Louise war die älteste Tochter von Guillaume de Montmorency. Sie und ihr Ehemann Gaspard de Coligny waren die Eltern der Hugenottenführer Gaspard II. und Odet de Coligny. Das Fenster wurde im 19. Jahrhundert weitgehend erneuert. Gaspard de Coligny steht unter dem Schutz des Erzengels Michael, hinter seiner Gemahlin steht der französische König Ludwig der Heilige.

Fenster von Charles de Villiers de l’Isle-Adam (Fenster 7): Charles de Villiers de l’Isle-Adam war ein Cousin von Anne de Montmorency und führte als Bischof von Beauvais den Titel Pair von Frankreich. Das Fenster wurde von dem Glasmaler Engrand Leprince aus Beauvais ausgeführt. Im Hintergrund des Bischofs steht Karl der Große, dem der Maler die Züge des Kaisers Karl V. verliehen hat. Die mittlere Lanzette nimmt eine Madonna mit Kind ein, rechts sieht man den heiligen Hadrian. In das Fenster des Maßwerks sind 13 Medaillons mit Köpfen von Kriegern in Grisaille-Technik eingefügt. Die Wappen in den unteren Feldern sind die einzigen, die während der Französischen Revolution nicht zerschlagen wurden. Fenster von Guillaume Gouffier (Fenster 8): Guillaume Gouffier war in zweiter Ehe mit Philippe de Montmorency, einer Schwester von Guillaume de Montmorency, verheiratet. Auf der linken Lanzette ist der Stifter mit zwei seiner Söhnen und dem heiligen Wilhelm von Aquitanien dargestellt. Auf der mittleren Lanzette sind ein Kardinal und ein Abt mit dem heiligen Adrian von Nikomedien zu sehen und auf der rechten Lanzette knien zwei Äbte vor dem heiligen Benedikt von Nursia. Fenster von François de Dinteville (Fenster 9): François de Dinteville war Bischof von Auxerre. Er ist der einzige Stifter, der nicht zur Familie Montmorency gehört. Auf der linken Lanzette kniet François de Dinteville vor seinem Schutzpatron, dem heiligen Franziskus, der die Wundmale Christi trägt. In der Mitte ist der heilige Christophorus dargestellt, auf der rechten Lanzette der heilige Stephanus, der Schutzpatron der Kathedrale von Auxerre.

mini|hochkant|Fenster 13, Anne de Montmorency Fenster von Odet de Coligny (Fenster 10): Odet de Coligny, auch als Kardinal von Châtillon bezeichnet, war der Sohn von Gaspard I. de Coligny und Bruder von Gaspard II. de Coligny. Er wurde später zu einem Anführer der Hugenotten. Auf dem Fenster ist er noch in traditionell katholischer Weise kniend vor seinem Schutzpatron, dem heiligen Odo, dem Abt von Cluny, dargestellt. Die mittlere und rechte Lanzette zeigen die Taufe Jesu. Adlerfenster (Fenster 11): Das sogenannte Adlerfenster ist nach den vielen Darstellungen von Adlern oder Alérions, den Wappentieren der Familie Montmorency, benannt. Von den vier heiligen Frauen in den unteren Feldern sind Maria Salome und Maria Magdalena Kopien aus dem 19. Jahrhundert. Nur Maria Kleophae und Martha stammen von 1525. Fenster von Madeleine de Savoie (Fenster 12): Auf der Südseite des Schiffs, gegenüber dem Fenster des Konnetabels Anne de Montmorency, befindet sich das Fenster, das ursprünglich die Porträts seiner Gemahlin und ihrer sieben Töchter enthielt. Nur noch die Darstellungen der Töchter sind erhalten. Auf den oberen Szenen sieht man eine Anbetung der Hirten, die heilige Barbara und die heilige Agatha. Fenster von Anne de Montmorency (Fenster 13): Anne de Montmorency ließ das Fenster 1563 ausführen, nachdem die Bauarbeiten am Kirchenschiff abgeschlossen waren. Auf den unteren Feldern knien der Konnetabel und seine fünf Söhne, beschützt vom Erzengel Gabriel und der heiligen Anna, die Maria im Lesen unterweist. Oben rechts sieht man eine Madonna mit Kind, in der Mitte Johannes den Täufer und links Johannes den Evangelisten.

Fenster aus dem 19. Jahrhundert mini|hochkant|Fenster 14, Kaiser Heinrich II., im Hintergrund der Bamberger Dom Die Fenster der vier westlichen Joche wurden im späten 19. Jahrhundert eingebaut. Sie wurden von dem Glasmaler Charles Leprévost nach Kartons von François-Émile Ehrmann geschaffen. Sie sind im Stil der Renaissancefenster gestaltet und stellen Nachfahren der Familie Montmorency dar. Fenster von Henri I. de Montmorency, Louise de Budos und ihren drei Söhnen (Fenster 14): Henri I. de Montmorency war der zweite Sohn von Anne de Montmorency. Er kniet neben dem Kaiser Heinrich II., im Hintergrund ist der Bamberger Dom zu erkennen. Louise de Budos war Henris zweite Frau, hinter ihr steht Ludwig der Heilige. Die Söhne werden vom Erzengel Raphael beschützt. Im Maßwerk ist der Gnadenstuhl dargestellt.