Cölpin ist eine Gemeinde im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Stargarder Land mit Sitz in der Stadt Burg Stargard verwaltet.

Geografie Cölpin liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Neubrandenburg in einer hügeligen Endmoränenlandschaft, die vor allem durch Ackerflächen geprägt ist. An der südlichen Gemeindegrenze verläuft der Fluss Linde. Nordöstlich grenzen die Wüstung Katzenhagen und der Neetzkaer See an.

Umgeben wird Cölpin von den Nachbargemeinden Sponholz im Norden, Neetzka im Osten, Lindetal im Süden sowie Pragsdorf im Westen.

Ortsteile der Gemeinde sind Cölpin, Hochkamp und Neu Käbelich.

Geschichte Der Ortsname Cölpin ist slawischen Ursprungs und bedeutet Schwanendorf (colpa=Schwan). Cölpin wurde 1290 erstmals urkundlich erwähnt, als Markgraf Albrecht III. dem Kloster Wanzka acht Hufen in colpyn (Cölpin) übertrug. Es gibt jedoch Hinweise, dass der Ort Cölpin bereits einige Jahre vorher gegründet wurde. In Urkunden wurde 1287 Jo(hannes) Kulpin als Neubrandenburger Ratsherr sowie 1305 und 1309 Arnoldus de Culpin erwähnt. Als Meister Arnold von Neubrandenburg erwarb Arnoldus 1297 die Hälfte des Ortes Holldorf. Heinrich II. der Löwe von Mecklenburg (1266–1329) belehnte 1306 Heinrich Schmidt (Hinricks Schmedess) und dessen Söhne Arnt (vermtl. Ratsherr in Neubrandenburg), Jacob und Otten mit dem Ort Cölpin und dessen Schulzenamt.Lehnsbrief in Staatsarchiv Schwerin, Grundbuchamt für ritterschaftliche Landgüter Neustrelitz 74, 4.12-5/2. Bis 1548 hatte diese Familie das Schultzengericht inne. Sie besaß bis 1945 in dem Straßenangerdorf drei von vier abgabefreien Freihufen (Höfe), die Hufen I, III und IV.Paul Steinmann: Bauer und Ritter in Mecklenburg. Petermänken, Schwerin 1960, S. 132–136, 247. Ab 1480 war Cölpin im Besitz der Familie von Dewitz, die den Ort über Jahrhunderte als Gutsdorf prägte und das Privileg der Familie Schmidt beseitigen wollte. Auf einem Landtag 1558 wurde eine Art Bauernlegen der Schulzenfamilie Schmidt mit Erfolg für von Dewitz verhandelt. Herzog Ulrich zog daraufhin die Lehnsschulzenstelle der Schmidts ein. Noch vor 1563 wurde wieder vom Herzog eine Setzschulzenstelle mit drei statt vier Freihufen übertragen.

Die von Dewitz bildeten genealogisch eine eigene Familienlinie Cölpin heraus. Vorahnen waren Otto Balthasar von Dewitz-Cölpin und seine Frau Dorothea Elisabeth von Raven. 1749 ging das Gut an den Sohn Stephan Werner von Dewitz, der als Bauherr agierte und 1780 das imposante Herrenhaus als zweigeschossigen, massiven Putzbau errichten ließ. Cölpin blieb bis 1945 Dewitzer Stammsitz. Die Größe des Lehngutes derer von Dewitz betrug nach der letzten amtlichen Ausgabe des Güter-Adressbuches Mecklenburg von 1928 1332 ha Land. Im Mittelpunkt stand, wie in vielen Regionen Nordostdeutschlands, eine große Schafsviehwirtschaft, hier mit über 1500 Tieren. Auf dem Gut standen 130 Pferde zur Verfügung. Zum Gesamtbesitz gehörten 253 ha Waldbestand. Als Verwalter agierte Administrator Friedrich Bertram zusammen mit seinem Statthalter Ratzow. Dies spricht dafür, dass Kreditbelastungen auf dem Betrieb lagen. Administratoren wurden zumeist von den Ritterschafts- und Landwirtschaftsbanken den Gutsbesitzern „zur Seite“ gestellt.

Im Jahre 1918 stellten die Schmidts den ersten frei gewählten Bürgermeister in Cölpin. Die Lehensnehmer-Familie Schmidt war Nutznießer der NS-Bauernpolitik. Der Landesbauernführer fragte 1935 im Auftrag des Reichsbauernführers Walther Darré das Grundbuchamt Neubrandenburg: Ob früher dort (in Cölpin) Bauern oder Lehnbauern oder Kossäten ansässig gewesen sind, welche im Lauf der Jahre gelegt wurden. Das Reichssippenamt dokumentierte daraufhin die ehemaligen bäuerlichen und herrschaftlichen Grundbesitzverhältnisse. Das Gut der von Dewitz musste infolgedessen 221 ha Land und das Vorwerk Hochkamp mit 84,77 ha abtreten. Ein Schmidt pachtete das Vorwerk.Schriftverkehr des Reichsnährstands vom 19. Juli 1935, Landesbauernschaft an das Grundbuchamt Neubrandenburg: Betr. Ritterschaftl. Grundbuch Cölpin. (Veranlasst vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft) Abgelegt im Landeshauptarchiv Schwerin

Letzter Gutsbesitzer war nach dem Genealogischen Handbuch des Adels der mecklenburg-schwerinsche Landdrost Friedrich von Dewitz (1883–1967), verheiratet mit Marie-Agnes von Wedel. Das Ehepaar hatte vier Töchter.

Im Jahre 1945 wurde auf der Hufe I ein Schmidt-Haus vorübergehend geräumt, um eine russische Kommandantur und einen Kontrolldurchlass mit Schlagbaum einzurichten. 1946, nach der Bodenreform, erhielten 103 Neubauern Land aus dem ehemaligen Grundbesitz der Herren von Dewitz. Im Jahr 1953 wurden Örtliche Landwirtschaftsbetriebe und 1960 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Vorwärts“ gegründet. Nach 1990 wurde die LPG aufgelöst; es entstanden wieder privat geführte Landwirtschaftsbetriebe.

Märkisch-fränkische Haus- und Gehöftsformen Historische Gehöftsformen des 14. Jahrhunderts sind noch in den Plänen der Schmidtschen Hufen (rot) zu erkennen (Woldegker Chaussee 11–13). Die Gründerhöfe zeigen das Wohnhaus/Dielenhaus an der Längsseite. Charakteristisch ist eine Querdiele, der Eingang befand sich an der Traufseite zum Innenhof. Der Küchenkamin war im Zentrum des Hauses. Typisch für einen Dreiseitenhof wurden Stall und Scheune links und rechts des Wohnhauses angebaut, der Hof ist für den Lichteinfall nach Süd-Ost offen. Die Ställe zur Straße waren sogenannte Torställe, mit einer mittigen Tordurchfahrt auf die dreiseitig geschützten Höfe. Die Draufsicht von 1885 zeigt noch zwei und der Plan von 1912 noch eins dieser Beispiele der historischen Hofanordnung. In der Skizze von 1758 ist die Parzellierung der Schmidtschen Hufen gevierteilt; wahrscheinlich wurden zu dieser Zeit schon die ersten der historischen Hofanordnungen geändert und überbaut. Eine Familie Schmidt zog Mitte des 19. Jahrhunderts in die vom Wallteich nach Osten verlegte neue Ziegelei ein. Im Jahre 1943 gab es wieder eine Dreiteilung der Schmidtschen Höfe in Hufe I, III und IV. Die 650 Jahre alten Hofanordnungen aus der Märkischen Gründerzeit sind nicht mehr erkennbar und die Nachkommen des Lokators auch nicht mehr im Ort zu finden. Ein Zeugnis eines Vorgängerhofes der Hufe I des 15. Jahrhunderts war die Wiederverwendung eines mittelalterlichen Wolfsgitters in dem Vorratsraumküchenfenster des Wohnhauses.

Huldigungsplatz zu Cölpin mini|Fiktive Landtagsszene um 1548 in Cölpin, Collage J. Gerner Durch die zentrale Lage des Ortes wurde Cölpin zum Schauplatz von Entscheidungen des Landes Stargard. Auf einem Platz an der Kirche ließ sich der Fürst Heinrich II. der Löwe von Mecklenburg von den Stargarder Ständen huldigen. Auf dem Platz fanden bis ins 16. Jahrhundert Landtage statt, für 1488 ist ein Landtag der Stargarder Stände belegt. Hier wurden nach Claus Josias von Behr auch Musterungen im Stargardischen durchgeführt.

Eingemeindungen Hochkamp wurde am 1. Juli 1950 eingemeindet.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Neu Käbelich gehört seit dem 13. Juni 2004 zu Cölpin.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004

Politik Wappen

Flagge Die Flagge wurde von dem Cölpiner Joachim Jünger gestaltet und am 14. Oktober 2008 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge besteht aus weißem Tuch. Es ist in der Mitte mit dem Gemeindewappen belegt, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5. (PDF).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „GEMEINDE STAVEN • LANDKREIS MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE •“.

Sehenswürdigkeiten und besondere Objekte Cölpin Herrenhaus von um 1780Sabine Bock: Herrschaftliche Wohnhäuser auf den Gütern und Domänen in Mecklenburg-Strelitz. Architektur und Geschichte. Band 1. (= Beiträge zur Architekturgeschichte und Denkmalpflege, 7.1–3). Thomas Helms Verlag Schwerin 2008, ISBN 978-3-935749-05-3, S. 153–164. mit Parkanlage Dorfkirche aus dem 13. JahrhundertSabine Bock: Die Dorfkirchen von Cölpin, Holzendorf und Krumbeck. Thomas Helms Verlag Schwerin 2013, ISBN 978-3-944033-04-4, S. 4–23. Alte Schmiede von um 1820

Neu Käbelich Kapelle Neu Käbelich Gutshaus Neu Käbelich; eingeschossiger Putzbau von 1908 mit Mansarddach und Mittelrisalit.

Militärobjekte der ehemaligen NVA der DDR NVA-Hubschrauberlandeplatz 3301, Cölpin, Größe 676 Quadratmeter, Gefechtsstand 33 der 3. LVD, heute Radarführungsabteilung 16 der Bundeswehr NVA-Hubschrauberlandeplatz 3302, Katzenhagen, Größe 10.000 Quadratmeter, Rückwärtige Führungsstelle der 3. LVD

Historische Gewerbeentwicklung Ziegelei / Ziegelherstellung von 1797 bis 1925 Die im Ort befindlichen Teiche wurden zur Tongewinnung ausgehoben. In den Kirchenbüchern/Einwohnerbüchern sind mehrere Zieglermeister genannt. Nach der Tonausbeute Ende des 19. Jahrhunderts zogen die Zieglerfamilien fort, so auch die Zieglermeister Schmidt nach Zingst, Woldegk, Sülte, Zinzow und schließlich nach Hagenow. Landwirtschaft Die riesigen Gutsscheunen zeugen von der florierenden Bewirtschaftungen der Gutsherren von Dewitz im 18. und 19. Jahrhundert. Zur Leitung des Gutes wurden Inspektoren und Statthalter eingesetzt. Bis auf die vier Freihufen der Familie Schmidt war in Cölpin und in Dewitz vor 1918 der Grund und Boden in Gutsbesitzerhand.

Verkehrsanbindung Durch Cölpin verläuft die Bundesstraße 104. Das nördliche Gemeindegebiet wird von der Bahnstrecke Bützow–Szczecin tangiert, der nächste im Personenverkehr bediente Haltepunkt befindet sich in Neetzka. Die Bundesautobahn 20 ist über die Anschlussstellen Neubrandenburg-Ost und Friedland i. M. erreichbar.

Ehemalige Schultheiße, Schulzen, Gemeindevorsteher, Statthalter, Bürgermeister 1306 Heinrich Schmidt 1548 Bartel, Schultheiß 1548 bis 1918 Herren von Dewitz 1900 Ernst Ratzow, Statthalter des Schlossgutes Cölpin 1918 Johannes Schmidt, Gemeindevorsteher

Persönlichkeiten Jo(hannes) Kulpin (1287), Ratsherr und Bürger Cölpins im Neubrandenburger Senat Meister Arnold von Neubrandenburg (1297), alias Arnoldus de Culpin (1305 u. 1309) ältester Sohn von Heinrich Schmidt Heinrich Schmidt (* um 1250; † vor 1320), Hinrichs Smeders, Lokator und erster Schultheiß zu Cölpin, erhielt das Dorf von Herzog Heinrich II. als Lehen Stephan Werner von Dewitz (1726–1800), Präsident des Geheimen Rates von Mecklenburg-Strelitz, später von Mecklenburg-Schwerin. Friedrich von Dewitz (1813–1888), Gutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Friedrich von Dewitz (1843–1928), Staatsminister von Mecklenburg-Strelitz Friedrich von Dewitz (* 19. Januar 1883; † 8. Juli 1967), Rittergutsbesitzer von Cölpin

Literatur

Sabine Bock, Bodo von Dewitz, Thomas Helms: Die Dorfkirchen von Cölpin, Holzendorf und Krumbeck. Hrsg. Förderkreis Cölpin, Holzendorf und Krumbeck, Verein zur Förderung der Denkmalpflege in Mecklenburg e. V. Thomas Helms, Schwerin 2013, ISBN 978-3-944033-04-4.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1290 Kategorie:Ort im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte