miniatur|Gesamte Pflanze im Habitat zur Blütezeit miniatur|Fruchtende Pflanze mit Laubblättern und unreifen Kapselfrüchten miniatur|Offene, reife Kapselfrucht und schwarze Samen miniatur|An der Südostküste Kretas – gesellig wachsend in unmittelbarer Meeresnähe miniatur|Geringste Sandansammlungen auf felsigen Gründen, auch in der Überflutungszone gelegen, reichen als Wurzelgrund für die Ansiedelung der Dünen-Trichternarzisse aus. Die Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum), auch Strandlilie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Sie ist an den Küsten des Mittelmeeres weit verbreitet.

Beschreibung Vegetative Merkmale Die Dünen-Trichternarzisse wächst als ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von etwa 60 bis 75 cm. Als Geophyt bildet sie eine tief sitzende Zwiebel, die einen Durchmesser von etwa 5 bis 7 cm aufweist. Die fünf bis sechs grundständigen, in Form einer flachen Spirale angeordneten Laubblätter erscheinen nach der Blüte. Die einfachen, grau-grün gefärbten, derben Laubblätter sind riemenförmig mit einer Länge von bis zu 75 cm und einer Breite zwischen 1 und 2 cm.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Am bis zu 75 Zentimeter langen Blütenstandsschaft sitzt über zwei rotbraunen, papierartigen, etwa 5 bis 7 Zentimeter langen Hochblättern der endständige scheindoldige Blütenstand, der drei bis fünfzehn Blüten enthält.

Die auffallend großen und wohlriechenden Blüten blühen nur vom Nachmittag bis in den darauffolgenden Morgen. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die sechs gleichgestaltigen, weißen Blütenhüllblätter sind zu einer 6 bis 8 Zentimeter langen und sehr schlanken, trichterförmigen Kronröhre verwachsen. Die freien Abschnitte der Blütenhüllblätter sind bei einer Länge von 3 bis 5 Zentimeter lineal-lanzettlich. Die zwölfzähnige, trichterförmige, weiße Nebenkrone ist etwa 2/3 so lang wie die Krone und ist mit dem unteren Teil der Staubblätter verbunden. Die sechs in zwei alternierenden Kreisen angeordneten Staubblätter überragen die Nebenkrone. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen.

Die schwach dreikantige, eiförmige, 2,3 bis 3 Zentimeter lange, lokulizide, dreifächerige Kapselfrucht enthält 10 bis 40 Samen. Die pechschwarzen Samen sind 11 bis 13 Millimeter groß. Eine Beteiligung von Ameisen an der Ausbreitung der Samen wird vermutet. Die Samen sind lange schwimmfähig, wodurch auch eine Ausbreitung mit Hilfe des Meerwassers erfolgen kann.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Vorkommen Die Dünen-Trichternarzisse ist an den Küsten des Mittelmeeres weit verbreitet, kommt aber auch an den südlichen Küsten des Schwarzen Meeres vor und erreicht dort im Westen Bulgarien, im Osten Transkaukasien. An der Atlantikküste liegen die nördlichsten Vorkommen in der südlichen Bretagne, die südlichsten bei Essaouira in Marokko. Das Vorkommen auf der Kanaren-Insel Fuerteventura beruht möglicherweise, die Vorkommen auf der Azoren-Insel Faial und auf den Bermuda-Inseln sicher auf Einschleppung.

Die Dünen-Trichternarzisse besiedelt Weißdünen und ähnliche Standorte an Sandstränden. Im pflanzensoziologischen System gilt sie als Charakterart der Klasse Ammophiletea arenariae.

Rezeption Die Blüten der Dünen-Trichternarzisse bilden ein häufiges Motiv in den Wandmalereien der ausgegrabenen Häuser auf der Vulkaninsel Santorin und wurden wohl neben der Lilienblüte standardmäßig für Fresken und Einlegearbeiten verwendet.

Die Dünen-Trichternarzisse zählt zu den Pflanzen, die in der Bibel mit "Blumen" bezeichnet werden.

Im Hohen Lied Salomos und im Buche Jesaja wird die fruchtbare Scharonebene und die Rose von S(ch)aron gepriesen. Die auch in den Dünen dieser Ebene zu findende Dünen-Trichternarzisse () wird wegen des hebräischen Namens der Rose von Scharon () heute oft mit dieser identifiziert. Viele nachbiblische Poeten erwähnten diese Sarons-Blume ebenfalls.Cf. Artikel: „Saron“ in: Der Große Brockhaus: Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden: 21 Bde., Leipzig: Brockhaus, 151928–1935; Bd. 16: 'Roq–Schq', p. 455. Als Beispiel sei ein Gedicht genannt, das Johann Heinrich Reitz 1726 seiner Biographie Georg Balthasars in der Historie der WiedergebohrnenJohann Henrich Reitz: Historie der Wiedergebohrnen, Teil 5, Zweyte Historie/Von Johanne Jessenio, berühmtem Doctor Medicinae, und von Georg Balthasar/einem einfältigen Baursmann in Böhmen folgen ließ, hier sei nur die zweite Strophe zitiert, die auf die Sarons-Blume Bezug nimmt:

Mögtst du nur so seyn demüthig Wie die nidre Sarons=Blum / Und demnach stehn ehrerbietig Und vor GOtt gebücket=krumm: So soltst du gar bald die Gaben Seines Geistes in dir haben.

Das Gedicht wurde durch seine Aufnahme als Volksliedtext in Achim von Arnims 1805 erschienenen ersten Band der Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn unter dem Titel Werd ein Kind bekannt.Hans-Jürgen Schrader: »Werd ein Kind!« im »Wunderhorn« : Pietistische Mitgiften an die Romantik in: Wolfgang Breul, Marcus Meier und Lothar Vogel (Herausgeber): Der radikale Pietismus, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-55839-3 (gedruckt) und ISBN 978-3-647-55839-4 (E-Book), Band 55 der Reihe Hans Schneider, Christian Bunners und Hans-Jürgen Schrader (Herausgeber): Arbeiten zur Geschichte des Pietismus

Die Heiligenlegende der Restituta von Afrika behauptet, Dünen-Trichternarzissen seien erblüht, als ihr Leichnam auf Ischia anlandete..Ischia-Anthologie auf larassegnadischia.itReisetipp Ischia auf Süddeutsche.de

Quellen (Abschnitt Beschreibung)

Einzelnachweise Die Dünen-Trichternarzisse als Bibelpflanze, Verlag Eugen Ulmer, Ausschnitt online Ruprecht Düll, Irene Düll: Taschenlexikon der Mittelmeerflora: ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 978-3-494-01426-5, S. 256–257. R. R. Mill: Pancratium. In Pancratium maritimum. Eintrag bei eFlore, Tela Botanica, abgerufen am 13. September 2026. H. B. Small: Botany of the Bermudas. Nelmes, Hamilton 1913, online Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač, Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas. Gustav Fischer, Stuttgart 1974, ISBN 3-437-30168-3, S. 107–108. Rafael Govaerts: World Checklist of Amaryllidaceae. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew 2005, Pancratium maritimum online, Zugriff am 22. Mai 2011

René Maire (Hrsg.): Flore de l'Afrique du Nord. Volume VI: Monocotyledonae: Liliales: Amarillidaceae, Dioscoreaceae, Iridaceae; Scitaminales; Gynandrales. Lechevalier, Paris 1959, S. 35–36 (PDF-Datei, 15,2 MB). Name beispielsweise belegt in: Wilhelm Gesenius (Begr.), Herbert Donner (Hrsg.): Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament: 2. Lieferung Dalet - Yod. 18. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1995, ISBN 3-540-58048-4, S. 320 . Tropicos.

Weblinks

Kategorie:Amaryllidoideen