mini|300px|St. Elisabeth-Kirche Westrum Die St.-Elisabeth-Kirche in Westrum ist das Gotteshaus des ehemals kleinsten Kirchspiels des Jeverlandes. Sie stammt in Teilen vermutlich aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. 1420 wurde die Kirche weitgehend zerstört und danach in veränderter Form neu errichtet. Seit 1532 dient sie der evangelisch-lutherischen Gemeinde des Warfendorfes Westrum als Gotteshaus.Rolf Schäfer (Hrsg.): Die Jeverschen Pastorenbekenntnisse 1548 anlässlich des Augsburger Interims. Mohr Siebeck Verlag. Tübingen 2012. ISBN 978-3-16-151910-9. S. 8 f.: „[...] dass 1532 die Reformation für das ganze Jeverland durchgeführt wurde.“ Heute ist sie eine der beiden Kirchen der evangelisch-lutherischen Gemeinde Waddewarden-Westrum, die der Oldenburgischen Landeskirche angehört,Daten und Fakten der folgenden Abschnitte sind – wenn nicht anders angegeben – entnommen: Rolf Schäfer (Hrsg.): Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum, Oldenburg o. J., S. 20–24. und eine von dreizehn Stationen des Wangerländischer Pilgerweges.Internetauftritt der Gemeinde Wangerland: Wangerländischer Pilgerweg, abgerufen am 17. Mai 2019.
Erst 1999 erhielt das Westrumer Gotteshaus durch Beschluss des Gemeindekirchenrats den Namen St. Elisabeth. Er erinnert an Elisabeth von Thüringen, der als vorbildlicher Wohltäterin auch in protestantischen Kreisen eine gewisse Verehrung zuteilwird. Über ein älteres Patrozinium der Kirche ist nichts bekannt.
Baubeschreibung mini|hochkant|Apsis der St.-Elisabeth-Kirche mini|hochkant|Nord- und Westseite der St. Elisabeth-Kirche mit Fenstern und angelehntem Glockenturm mini|hochkant|Jugendstil-Altar
Die St.-Elisabeth-Kirche wurde als rechteckige Saalkirche mit einer nach Osten weisenden Apsis errichtet. An der Westseite lehnt sich der relativ kleine Glockenturm an, der von seinem Grundriss her den landesüblichen Parallelmauertyp darstellt. Die Westwand der Kirche dient ihm dabei als dritte Mauer. Das Satteldach des Turmes wird vom Giebel des Kirchengebäudes weit überragt. Die Nordwand des Gebäudes besitzt zwei kleine romanische Fenster, die sich im oberen Drittel der Wand befinden. Sie wurden bei der umfangreichen Reparaturmaßnahme von 1986–1988 freigelegt. Wie alt das große Fenster in der Nordwand und die fünf Südwandfenster sind, ist ungeklärt. Sie sind von ihrer Form her ebenfalls romanisch. Die Kirche besaß ursprünglich drei Apsisfenster, von denen später das nördliche zugemauert worden ist. Bei der erwähnten Reparaturmaßnahme schloss man das mittlere Fenster, öffnete aber dafür wieder das nördliche. Bei der Renovierung im Jahr 1912 wurden die Nord- und Ostseite der Kirche mit einem neuen Mauerwerk ummantelt.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum – einst die kleinste Gemeinde im Jeverland. sina edition: Jever 2012. S. 71 Im Mauerwerk der Nord- und Südwand sind im unteren Bereich noch Granitquadersteine zu sehen. Sie erinnern an die Vorgängerbauten. Das Eingangsportal befindet sich an der Südseite. Die Umrisse eines weiteren Portals, das an der Nordseite eingelassen war, sind im Innern der Kirche sichtbar.
Ausstattung Der rechteckige Innenraum hat (ohne Apsis) eine Länge von 19,4 Meter sowie eine Breite von 8,1 Meter.Rolf Schäfer (Hrsg.) in Verbindung mit der Ostfriesischen Landschaft: Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum. oJ. S. 24 Ein Triumphbogen, der die Trennung zwischen Altarraum und Saal architektonisch hervorhob, wurde bei der Renovierung von 1912 beseitigt.
Der Fußboden ist in den Gängen mit Ziegelplatten ausgelegt und im Bereich des Gestühls mit Holz. Die Decke des Kirchengebäudes wurde als einfache Holzbalkendecke gefertigt. Eine Orgelempore, die in der Mitte hervorspringt, ist im hinteren Bereich eingebaut. Unter ihr befindet sich das mit Holzwänden und -gittern vom Gottesdienstraum abgetrennte Kirchenmuseum sowie die Sakristei, von der aus ein Treppenaufgang zur Empore führt.
Altar, Kanzel und Taufbecken Die in ihrem Kern steinerne und mit Holz umkleidete Mensa des Altars hat eine Höhe von 1,10 Meter und misst in der Breite und Tiefe 1,75 beziehungsweise 0,85 Meter.Rolf Schäfer (Hrsg.): Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum, Oldenburg o. J., S. 24 (Daten der St. Elisabeth-Kirche zu Westrum). Ein früheres Retabel von 1847 hängt an der Nordwand der Kirche und zeigt ein Zitat aus dem 1. Johannes-Brief und rechts und links eines schlichten Kreuzes die Einsetzungsworte des Abendmahls . Der heutige Jugendstil-Aufsatz ist ein Werk des aus Dänemark stammenden und später im Großherzogtum Oldenburg tätigen Künstlers Wilhelm Larsen (1861–1913). Er zeigt im Zentrum den gekreuzigten Jesus sowie rechts und links jeweils zwei der vier neutestamentlichen Evangelisten. Die zwei Inschriften stammen aus dem Alten und dem Neuen Testament .
Rechts vor der Apsis befindet sich an der Südwand die durch eine Treppe erreichbare Kanzel. Sie hat einen sechseckigen Grundriss. Ihre Umwandung besteht aus neugotischem Stabfüllwerk. Darüber befindet sich ein ebenfalls sechseckiger Schalldeckel. Ein Stehpult, das den gottesdienstlichen Lesungen dient, steht vor der Apsis. Es wurde erst nach 1988 aus einer nicht mehr verwendeten Tür des Kirchengestühls hergestellt.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes, Westrum 2008, S. 71f.
Das auf einem Holzständer befindliche Taufbecken steht links der Apsis. Sein Fuß steht auf der romanischen Steinplatte eines älteren Taufbeckens. Über dem hängt ein Taufdeckel. Der hölzerne Ständer trägt die Inschrift: Gerhardus Backhusius, Pastor zu Westrum - Frederick Iben, Hilgenmann [Heiliger Mann = Kirchengeschworener]. Anno 1648. Es handelt sich bei den Angaben um die Stifter sowie um das Stiftungsdatum.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes. sina edition: Jever 2008, S. 69
Gestühl und Opferstock Das Kirchengestühl bietet heute Platz für rund 100 Gottesdienstbesucher und befindet sich rechts und links des Mittelgangs. Türen und Seitenwände des Westrumer Gestühls stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und sind noch im Original vorhanden. Die Sitzplätze gehörten ursprünglich den Hofbesitzern und waren mit den damit verbundenen Rechten in den entsprechenden Grundbüchern eingetragen. Ein Seitenteil des Gestühls trägt noch heute den Namen seines ursprünglichen Besitzers: Mensse Arens. Daneben findet sich die Jahreszahl 1658.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes. sina edition: Jever 2008. S. 68f
Ein verschließbarer Opferstock, der im Eingangsbereich der Kirche aufgestellt ist, diente in früheren Zeiten dem Armenwesen des Dorfes. Er stammt vermutlich aus der gleichen Zeit, in der das Kirchengestühl hergestellt wurde. In seinem Kern besteht er aus einem ausgehöhlten Balkenstück, das mit stabilen Eisenbändern umgeben ist. Die kleine Tür verfügt über zwei Schlösser. Ursprünglich war er an wohl der Wand befestigt, heute befindet er sich in einem verschließbaren Holzschrank, der in den Farben des Kirchengestühls gehalten ist. In den Aufzeichnungen der Gemeinde findet sich der Hinweis auf einen abhanden gekommenen zweiten Opferstock, der eine Aufschrift in dänischer Sprache trug.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes. sina edition: Jever 2008. S. 73f.
Orgel Im Jahr 1796 beantragte Pastor Ludwig Schween beim jeverschen Konsistorium, das Westrumer Gotteshaus mit einer Orgel zu versehen. Der Antrag wurde abschlägig beschieden. Als Begründung dafür wurde darauf verwiesen, dass „die kleinste Gemeinde schon drei Geistliche und ältere Gebäude zu unterhalten“ habe. Auch seien Folgekosten (Organist, Kalkanten) sowie der allgemeine „Religionsverfall“ zu bedenken. Eine Orgel für Westrum sei „übertriebener Luxus“, umso mehr, „als diese Gemeinde schon viele saecula hindurch auch ohne Kirchenmusik ihre Devotion verrichtet hat.“Zitiert nach Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes, Westrum 2008, S. 74f; auch die weiteren Angaben dieses Abschnitts sind dieser Quelle entnommen. Erst 66 Jahre später wurde der Westrumer Gemeindegesang von einem Instrument begleitet. Ein in Stuttgart erworbenes Harmonium erhielt im Weihnachtsgottesdienst 1866 seine Weihe.
1891 konnten die Westrumer für die Summe von 70 Reichsmark die alte Orgel der Sandeler St.-Jakobus-Kirche erwerben. Dieses kleine Instrument hatte vor seinem Einsatz in Sandel als Orgel eines Passagierschiffs gedient. Im Jahr 1918 erhielt Westrumer Kirche eine eigens für sie gefertigte Orgel. Ihr Erbauer war die Oldenburger Firma Johann Martin Schmid. Kurz zuvor war die Orgelempore errichtet worden. Etwa 20 Jahre später erstellte der Wilhelmshavener Orgelbauer Alfred Führer das jetzige Instrument. Es ist sein Meisterstück und verfügt über zwei Manuale, neun Register und ein selbständiges Pedal. Zu Anfang der 1960er und 1996 wurde die Orgel grundlegend überholt.Fritz Schild: Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 2008, S. 250, 415 (Abb. 381). mini|hochkant|Führer-Orgel von 1938 auf der Empore der Westrumer Kirche I Manual C–f3 Principal 8′ Blockflöte 4′ Principal 2′ Krummhorn 8′ II Manual C–f3 Gedackt 8′ Praestant 4′ Quinte ′ Pedal C–d1 Subbaß 16′ Gemshorn 8′ Koppeln: II/I, I/P
Weitere Kirchenausstattung mini|hochkant|Altes Retabel Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehört eine Skulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie wurde Ende der 1990er Jahre geschaffen und ist die Replik einer Figur Tilman Riemenschneiders von 1492.Das Original befindet sich am Hochaltar der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt bei Bad Kissingen; Rolf Schäfer (Hrsg.): Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum, Oldenburg o. J., S. 23. Sie hat ihren Platz an der Nordseite der Apsis.
Eine Gedenktafel mit den Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs befindet sich an der Nordwand. Umrahmt sind die Tafeln vom Umriss des ehemaligen Nordausgangs.
Ein Sarkophag, dessen Alter auf 900 Jahre geschätzt wird, ist in der Nähe des Taufbeckens aufgestellt. Er wurde 1986 bei Baggerarbeiten auf dem Friedhof gefunden und anschließend restauriert. Sein Deckel lässt noch ein Vortragekreuz sowie Hirtenstäbe erkennen. Rolf Schäfer (Hrsg.): Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum, Oldenburg o. J., S. 21.
Kirchenmuseum Waddewarden-Westrum Unterhalb der Orgelempore wurde 2007 unter der Bezeichnung Kirchenmuseum Waddewarden-Westrum eine kleine kirchenhistorische Dauerausstellung eingerichtet.Chronikgemeinschaft Westrum: Westrum - einst die kleinste Gemeinde des Jeverlandes, Westrum 2008, S. 75. Gezeigt werden vor allem religiöse Druckerzeugnisse, darunter alte Bibelausgaben aus dem 16. Jahrhundert, Gesangbücher und Erbauungsliteratur vergangener Jahrhunderte. Ursprünglich befanden sich die Exponate auf dem Orgelboden der evangelischen Kirche in Waddewarden.Klaus Homola (Nordwestzeitung vom 7. Juli 2007): Kirchenmuseum nach Westrum verlegt; eingesehen am 2. Januar 2014.
Glockenturm