Als Dritte Tschechoslowakische Republik wird die Tschechoslowakei in der Zeit zwischen 1945 und 1948 bezeichnet.
Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 verschwand die Tschechoslowakei von der Landkarte Europas (vgl. Zerschlagung der Tschechoslowakei). Die Wiederherstellung der Tschechoslowakei, später inoffiziell auch die Dritte Tschechoslowakische Republik (tschechisch Třetí Československá Republika, slowakisch Tretia Československá republika), war das Resultat der Bemühungen der Exilregierung in London mit den siegreichen westlichen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.
Befreiung mini|Die Endphase des Zweiten Weltkriegs Die Dritte Tschechoslowakische Republik wurde, mit intensiver Unterstützung durch die in der Sowjetunion gebildete tschechoslowakische Armee, überwiegend durch die Rote Armee befreit. Diese nahm Bratislava am 4. April und Prag am 9. Mai 1945 ein. Teile West- und Südböhmens wurden durch die 3. US-Armee (General Patton) befreit. In der Hauptstadt kam es zwischen dem 5. und 9. Mai zum Prager Aufstand. Die Besetzung Prags durch die Rote Armee am 9. Mai beendete auch den Kampf des tschechoslowakischen Widerstands gegen das Naziregime.
mini|Darstellung der Angriffsrichtungen 1944–45 (grüne Pfeile zeigen auch die Angriffsrichtung der Roten Armee in Richtung Prag) Am 4. April 1945 besetzte die Rote Armee Bratislava; ab diesem Zeitpunkt war das gesamte slowakische Staatsgebiet unter sowjetischer Kontrolle. Tiso floh nach Altötting in Deutschland. Die Flucht der restlichen Regierung fand erst am 8. Mai 1945 ihr Ende, als sie in Kremsmünster vor dem XX. US-Corps unter General Walton Walker die Kapitulation unterzeichnete.Mitglieder der slowakischen Regierung hatten die Kapitulationsurkunde sowohl vor General Walton Walker als auch – wie z. B. bei Hoensch (S. 246, 304) und in anderer Quelle erwähnt – vor dem dort genannten US-amerikanischen Brigadegeneral W. A. Collier zu unterzeichnen.
Nachdem Berlin am 2. Mai 1945 gefallen war, kam es am 5. Mai zum Prager Aufstand gegen die Deutschen. In der Nacht zum 6. Mai baten die Aufständischen die Alliierten um Unterstützung. Die rechte Flanke der 1. Ukrainischen Front begann den Angriff einen Tag früher als die übrigen Truppenteile, sie erreichte gegen Abend des 7. Mai das nördliche Erzgebirge und griff in die Kämpfe um Dresden ein, das am 8. Mai vollständig besetzt wurde.
Morgens am 7. Mai begannen die anderen beiden Fronten ihre Angriffe. Sie zwangen die 1. Panzerarmee der Deutschen Wehrmacht, der die Einkesselung gedroht hätte, östlich von Olmütz zum Rückzug.
Die 3. und 4. Gardearmee der 1. Ukrainischen Front rückten in der Nacht zum 9. Mai 80 Kilometer vor, nahmen morgens zusammen mit Partisanen die tschechoslowakische Hauptstadt ein und kesselten damit die Hauptkräfte der deutschen Gruppierung nördlich von Prag ein, die am 10. und 11. Mai in Kriegsgefangenschaft gingen.
Am 10. Mai traf die Rote Armee bei Chemnitz und am 11. Mai bei Budweis auf die Amerikaner.
Territoriale Neuordnung Die Tschechoslowakei wurde in ihren Grenzen von 1937 wiederhergestellt. Die Karpatenukraine blieb trotz der Besetzung durch die Sowjetunion noch Bestandteil des Staates, bei Bratislava konnten zusätzlich 1946 der sogenannte Pressburger Brückenkopf zu Lasten Ungarns vergrößert und ein 4400 km² großer Landesstreifen im Osten erworben werden. Dies war die größte Ausdehnung der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bratislavaer Brückenkopf mini|Karte des Brückenkopfs (slowakisch) Die tschechoslowakische Delegation wollte auf der Pariser Friedenskonferenz 1946 die Vergrößerung des Brückenkopfes durch die Eingliederung der fünf ungarischen Gemeinden (Rusovce/Karlburg/Oroszvár, Jarovce/Kroatisch Jahrndorf/Horvátjárfalu, Čunovo/Sarndorf/Dunacsúny, Rajka/Ragendorf und Bezenye/Pallersdorf/ kroat. Bizonja) erreichen, um die slowakische Hauptstadt strategisch zu schützen.
Schließlich wurde durch die Friedenskonferenz das fragliche Gebiet im Verhältnis 3:2 geteilt, so dass Rajka und Bezenye bei Ungarn verblieben, während Jarovce, Rusovce und Čunovo zur Tschechoslowakei kamen. Am 15. Oktober 1947 erfolgte dann die Abtretung seitens Ungarn und die Übergabe des 65 km² großen Gebietes an die damalige Tschechoslowakei, die es dem Okres Bratislava V zuschlug. Ein Teil des Brückenkopfs kam jedoch 1947 wieder zu Ungarn.
Verlust der Karpatenukraine
mini|U.S. Department of State, Karte 10. Januar 1945: Germany – Poland Proposed Territorial Changes – Secret („Vorschlag zur Gebietsveränderung – Geheim“), 4 Vorschläge des amerikanischen Außenministeriums genutzt während der Konferenz von Jalta und der Potsdamer Konferenz Grenzverhandlungen, Tschechoslowakei noch mit Karpatenukraine
Das Gebiet der Karpatenukraine war vorläufig wieder Bestandteil der Tschechoslowakei, und es wurde eine tschechoslowakische Delegation in das Gebiet geschickt. Die wirkliche Macht lag jedoch in den Händen der allerorts gebildeten lokalen Nationalausschüsse, deren Kontaktaufnahme mit den tschechoslowakischen Behörden von den Sowjets systematisch unterbunden wurde. Edvard Beneš verbot die Tätigkeit der ungarischen, deutschen und russophilen Parteien sowie der faschistischen Fencik-Partei. Übrig geblieben waren damit praktisch nur die Kommunisten und die Prag-Anhänger. Am 26. November 1944 sprach sich eine Versammlung der Nationalausschüsse in Mukatschewe auf Initiative der Kommunisten von Mukatschewe schließlich für eine Angliederung an die Sowjetunion als „Transkarpatische Ukraine“ aus. Hierbei handelte es sich um eine Entscheidung von Josef Stalin selbst. Nach anschließenden Verhandlungen zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, bei denen die (seit dem Zweiten Weltkrieg teilweise von Moskau aus gesteuerten) Kommunisten aus der Tschechoslowakei Beneš überredeten, das Gebiet an die Sowjetunion abzutreten, wurde vereinbart, das Gebiet 1946 der Sowjetunion zu übergeben. Im Juli 1948 wurde das Gebiet offiziell an die Ukrainische SSR der Sowjetunion abgetreten.
Grenzen zu Ungarn Als am 4. April 1945 das Königreich Ungarn von der Roten Armee besetzt wurde, änderten sich die Grenzen zur Dritten Republik nicht, nur die Karpatenukraine und ein noch vor der kompletten Besetzung Ungarns von den tschechoslowakischen Truppen okkupierter Landesstreifen im Osten Ungarns, zwischen der Karpatenukraine und Rumänien, gerieten unter tschechoslowakische Verwaltung. Auf der Pariser Friedenskonferenz von 1946 musste Ungarn die Südslowakei, die es 1938 im Ersten Wiener Schiedsspruch erworben hatte, und den annektierten Teil in der Ostslowakei zurückgeben. Im Gegenzug gab die Tschechoslowakei den ca. 4400 km² großen Landesstreifen 1946 an Ungarn zurück.
Einwohner Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Tschechoslowakei rund 150.000 militärische und rund 418.000 zivile Opfer zu beklagen. Davon waren 350.000 Juden, die im Holocaust umkamen. Ende 1945 wurden rund 100.000 Karpatendeutsche aus der Slowakei vertrieben. Im April und Mai 1945 wurden schätzungsweise 1,6 Millionen Deutsche aus polnisch-Schlesien evakuiert und nach Böhmen und Mähren umgesiedelt. So verblieben im Mai 1945 schätzungsweise 4,5 Mio. Deutsche auf dem Staatsgebiet der Tschechoslowakei. Im Juli 1945 hatte die Tschechoslowakei circa 14.882 Mio. Einwohner. Durch die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei sank die Einwohnerzahl in der Volkszählung 1947 (siehe unten) auf ca. 12,5 Mio. Die Bevölkerungsdichte Betrug ca. 78,9 (1946) Einwohner pro km².
Situation der Juden mini|Deutsche Zivilisten werden am 11. Mai 1945 in Volary von US-Militär zum Vorbeigehen an Opfern eines Todesmarsches gezwungen Die jüdische Bevölkerung der Tschechoslowakei war im Holocaust mehrheitlich vernichtet worden. Im Osten des Landes überlebten nur etwa 15.000 Karpatenruthenische Juden. Als Reaktion auf die Besetzung der Karpatenukraine durch die Sowjetunion entschieden sich rund 8.500 Überlebende Juden für eine Auswanderung aus der Karpatenukraine ins unbesetzte Staatsgebiet und bekamen zwischen 1946/47 die neue Tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Alte Jüdischen Gemeinden, die die Vernichtung überlebt hatten, wurden wiedergegründet. In der Slowakei wurde im November 1946 die Zahl der Juden auf 30.000 geschätzt, wobei 24.000 Personen orthodoxe Juden waren. In den böhmischen Ländern gab es 24.395 Menschen jüdischen Glaubens, davon waren 19.123 orthodox.
Mitglieder der zionistischen Jugendgruppe Mizrahi Bene Akiva (finanziert vom Joint Distribution Committee) unterstützte zusammen mit der wiedergegründeten Jüdischen Partei der Tschechoslowakei die Vorbereitung des Staates Israel. Dennoch waren die jüdischen Überlebenden mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Mehrheit hatte keine Verwandten mehr und wirtschaftliche Mittel fehlten. Die Rückgabe von Eigentum wurde durch viele Hindernisse erschwert. Zusätzlich wurden zahlreiche Juden, die den Minderheiten angehörten, oft ausgeschlossen und ihnen wurde die Ausreise verweigert. Durch die KSČ wurden in einigen Fällen den Minderheit-Juden der wiedergewonnene Besitz aberkannt. Die neuen Gerichtsverfahren ab 1946 in Bezug auf die Rückerstattung des Eigentums waren oft extrem langsam und wurden meist nach dem Ende der Dritten Republik abgebrochen. Es gab aber auch Fälle, in den deutschsprachige Juden vertrieben wurden. Die Feindseligkeit gegenüber der nicht-tschechoslowakischen Bevölkerung jüdischen Glaubens erreichte im Pogrom von Topoľčany in der slowakischen Stadt Topoľčany, bei dem 47 Juden verletzt wurden, einen Höhepunkt.
Die Kernstruktur für das neue jüdische Leben in der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit bestand oft aus jüdischen Religionsgemeinschaften. Im Jahr 1947 hat die Regierung 32 solcher Gemeinschaften in Böhmen (vor dem Krieg gab es 162), 13 in Mähren (vorher 45) und 6 in Schlesien (vorher 11), offiziell anerkannt. Es gab 79 Gemeinden die in der Slowakei wiederbelebt wurden. Das religiöse Leben musste dafür aber stark eingeschränkt werden.
Im September 1945 wurde der Rat der jüdischen Kultusgemeinden in Böhmen und Mähren, unter der Führung von Arnošt Frischer gegründet. Die Organisation war vor allem in der Slowakei aktiv und eine große Unterstützerin von Emanuel Frieder, dem aktivsten jüdischen Unterstützer Beneš’. Da dieser als Staatspräsident den Juden eine neue gesellschaftliche Stellung versprach. Obwohl viele jüdische Verbände im Innenministerium des Landes, um ihre Vorkriegsaktivitäten weiterhin zu behalten, mitbestimmen durften, fehlten den Juden zahlreiche Argumente gegen die antisemitische KSČ, die sich entgegen Beneš’ Kompromiss, auf eine Einschränkung des tschechoslowakischen Judentums vorbereitete.
1948 lebten von den ursprünglich 54.000 Juden in der Dritten Republik lediglich noch 20.000 jüdische Bewohner, mehr als 24'000 Juden wanderten nach Israel und Übersee aus. In der Karpatenukraine gab es ca. 4500 Juden. Der kommunistische Staatsstreich am 25. Februar markierte eine neue Periode in der jüdischen tschechoslowakischen Geschichte.yivoencyclopedia.org
Ansiedlung von Roma