Die Prostitution in Schweden ist seit 1998 nicht mehr legal, die Freier unterliegen der Strafverfolgung.

Geschichte Liberalisierung ab den 1950er Jahren Nach Ansicht einiger Autoren sollen auch schwedische Pornofilme zu der Entwicklung beigetragen haben. Vor dem Hintergrund der sexual-liberalen Entwicklung schlug Sten Sjöholm von der liberalen Fortschrittspartei zu Beginn der 1970er Jahre die Einführung von staatlichen kontrollierten Bordellbetrieben vor. Er argumentierte, der 1960er Jahre habe zu einer größeren Akzeptanz von Prostitutionsstätten (wörtlich ) geführt, die Situation der Prostituierten habe sich jedoch kaum verbessert.Sten Sjöholm: Motion. Nr. 59 vom 11. Januar 1972; ders. Motion. Nr. 27 vom 10. Januar 1973. Zitiert nach: Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung, S. 30. Sjöholms Vorschläge führten zu Protesten, und seine Parteigenossen nahmen Abstand von seiner Initiative. Dabei argumentierten sie, dass sei, und Der Sozialausschuss des Riksdagen führte 1972 in seiner Stellungnahme zum Vorschlag Sjöholms aus, dass Socialutskottet, Betänkande i anledning av motioner om bordellverksamhet m. m. In: SoU 1972, Nr. 36 vom 7. November 1972, S. 6. Zitiert nach Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung. S. 31.

Helena Streijffert vom Institut für Soziologie der Universität Göteborg kritisierte bereits 1972 unter Bezugnahme auf den Freiheitsbegriff von John Stuart Mill das liberale Autonomieprinzip, weil es schaffe. Auf Prostituierte angewandt bedeute das Autonomieprinzip nach Streijffert, dass Prostituierte seien demzufolge eine machtlose Gruppe mit niedrigem Status und besonders empfindlich für die Ausgrenzungsmechanismen der Gesellschaft, und nicht zu tolerieren. bedeute nach Streijffert daher, .Helena Streijffert: Den prostituerade är förloraren i en konkurrans. In: Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning vom 25. Januar 1972. Zitiert nach: Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung, S. 32.

Das schwedische Prostitutions-Komitee lehnte 1977 die Bestrafung des Anbietens oder des generellen Erwerbs sexueller Dienstleistungen ab.Die gesetzliche Regelung der Prostitution in Schweden und ihre Auswirkungen. ()

Schwedisches Modell ab 1998 Am 1. Juli 1998 trat in Schweden das Gesetzespaket (altschwedisch ) zum Schutz von Frauen in Kraft. Im Rahmen der Gesetzesreform wurde im Bereich der Prostitution der Sexkauf kriminalisiert. Das bedeutet, die Kunden werden für den Kauf von Sex bestraft; die Prostituierten bleiben straffrei. Laut dem schwedischen Strafgesetzbuch (Brottsbalk), Kap. 6 Sexualdelikte (Om sexualbrott) § 11 gilt:Kapitel 6 § 11 schwedisches Strafgesetzbuch (Brottsbalk) lautet: Der Versuch wird nach Kapitel 23 Strafgesetzbuch geahndet.LAG (1998: 408) om förbud mot köp av sexuella tjänster. Zitiert nach: Cornelia Helfferich: Untersuchung: Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes. Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut, Freiburg. Berlin/Freiburg 2005. S. 238. Abgerufen von der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Prostitution wurde in Schweden als Gewalt gegen Frauen interpretiert. In einer späteren Veröffentlichung der Regierung heißt es: Report 2004: Purchasing Sexual Services in Sweden and the Netherlands. Legal Regulation and Experiences. An abbreviated English Version. A Report by a Working Group on the legal regulation of sexual services, Ministry od Justice and the Police, Oslo, Norway. S. 45. Zitiert nach: Cornelia Helfferich: Untersuchung: Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes. Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut, Freiburg. Berlin und Freiburg 2005. S. 238. Abgerufen von der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Prostitution wurde als erzwungene Handlung bzw. geschlechtsspezifische Gewalttat und als ernstes soziales Problem verstanden. Straftatbestand sei . Dahinter stand die Grundannahme, dass Prostitution nicht freiwilliger Natur sein könne. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis der Entwicklung in Schweden, die durchgesetzt wurde, obwohl zum Beispiel die in Hearings befragte nationale Gesundheitsbehörde, die nationale Polizeibehörde, das Justizministerium, die Generalstaatsanwaltschaft und andere Vertreter der Justiz die Kriminalisierung der Kunden ablehnten. Prostitution wurde als ein soziales Problem gesehen, das abgeschafft werden sollte. Unter Prostitution wurden sowohl die Erwerbstätigkeit als auch die Zwangsprostitution und der Menschenhandel, die Kinderprostitution und die Beschaffungsprostitution subsumiert. Unterschiede zwischen diesen Bereichen wurden nicht gemacht.Cornelia Helfferich: Untersuchung: Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes. Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut, Freiburg. Berlin und Freiburg 2005. S. 238. Abgerufen von der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Schweden integrierte die Gesetzgebung zur Prostitution in ein Gesetzespaket gegen Gewalt gegen Frauen und wählte bei der Bekämpfung der Gewalt im Unterschied zu anderen europäischen Ländern den Weg einer geschlechtsspezifischen Gesetzgebung. Die Misshandlung und Vergewaltigung sowie die sexuelle Belästigung von Frauen wurde ebenso Inhalt dieses Gesetzespakets, das unter der Bezeichnung „Frauenfrieden“ bekannt wurde, wie der Erwerb sexueller Dienstleistungen. Die neue rechtliche Norm des Frauenfriedensbruchs wurde entsprechend den Begriffen des Haus- und Landfriedensbruchs gebildet. Sie wurde als erforderlich gesehen, um zum Beispiel die Strafverfolgung von anhaltender häuslicher Gewalt zu erleichtern.LAG (1998: 408) om förbud mot köp av sexuella tjänster. Zitiert nach: Cornelia Helfferich: Untersuchung: Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes. Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut, Freiburg. Berlin und Freiburg 2005. S. 240. Abgerufen von der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Nach den offiziellen Zahlen der nationalen schwedischen Gesundheitsbehörden waren zum Zeitpunkt der Gesetzesänderung etwa 2500 Prostituierte in Schweden tätig.

Von Januar 1999 bis Januar 2002 gab es 249 Strafanzeigen nach dem neuen Gesetz. 26-mal wurde ein Bußgeld erlassen, in 33 Fällen kam es zu Gerichtsverhandlungen, die alle mit geringen Geldstrafen endeten. Die übrigen 190 Verfahren wurden eingestellt. In keinem Fall wurde eine Freiheitsstrafe ausgesprochen.donacarmen.de. Im Jahr 2005 begannen die Strafverfolgungsbehörden, mit aufwändigen und systematischen Fahndungsmethoden, darunter auch Hausdurchsuchungen, gegen Freier vorzugehen. Das führte 2005 zu einer Rekordzahl von 460 Ermittlungsverfahren und 94 Verurteilungen (48 in mündlicher Verhandlung, 46 in schriftlichem Verwaltungsverfahren). 366 Verfahren mussten wegen mangelnder Beweislage eingestellt werden.Schwedens Freier. In: Die Zeit, Nr. 40/2006 Betrachtet man dagegen den längeren Zeitraum zwischen Januar 1999 und November 2020, so wurden 10.207 Männer wegen des Versuchs, sexuelle Dienstleistungen zu erwerben, festgenommen. Im gleichen Zeitraum wurden 2194 Männer wegen des Kaufs einer sexuellen Handlung von einem Kind unter 18 Jahren verhaftet.

Kritik

In Schweden wurde jedoch auch Kritik an der Gesetzgebung von 1998 geübt. Laut einer Studie von 2004 sei die Prostitution von den Straßen verschwunden und in Privaträume abgewandert. Die Kontaktaufnahme habe sich – wie allerdings mittlerweile weltweit – ins Internet verlagert und in Kneipen, in denen Telefonnummern diskret verteilt werden – beides erschwert eine polizeiliche Identifizierung der Frauen einschließlich ihres Geschäftsorts. In der Praxis behandele die Polizei die Frauen offenbar weniger als Opfer, die vor ihren Kunden gerettet werden müssen, denn als Mitwissende von Straftaten; so können sie sich keine Hilfe mehr holen, wenn ihnen Gewalt und Gefahr begegnet. Die Sozialarbeiter hätten Probleme, die Prostituierten noch zu erreichen. Diese sind jetzt gezwungen, sich Zuhälter zu ihrem Schutz zu suchen. Bei Stichproben gaben nur noch ein Bruchteil der betreffenden Frauen an, sich beim letzten Geschlechtsverkehr mit Kondomen vor HIV geschützt zu haben, da sie Angst haben, auch diese Kunden zu verlieren. Nicht wenige schwedische Männer reisten auch als Sextouristen in die benachbarten baltischen Staatenmissy-magazine.de, wodurch sie allerdings nicht vor Strafverfolgung sicher sind, da Schweden den Wirkungsbereich seines Sexkaufverbots gegenüber der ursprünglichen Fassung auf das Ausland erweitert.

In einer im August 2005 veröffentlichten EU-Studie wird angeführtkok-buero.de (PDF; 186 kB), dass sich die Prostitution mit Ausnahme der Länder, wo Bordelle verboten sind, generell vom Außen- in den Innenbereich verlagert.

Im April 2006 forderte der schwedische Beauftragte für die Gleichstellung von Mann und Frau, Claes Borgström, die schwedische Fußballnationalmannschaft zum Boykott der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auf, da der deutsche Staat durch seine Legalisierung der Prostitution permanente Menschenrechtsverletzungen an Frauen begehe.

Vergleich von Schweden und Deutschland

Mit der Novellierung der Prostitutionsgesetzgebungen in Schweden im Jahr 1998 – Verbot des Kaufs sexueller Dienstleistung – und in Deutschland im Jahr 2002 – Aufhebung der Sittenwidrigkeit – stehen sich .Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung, S. 29. Siehe #Literatur.

Während in Schweden der Kauf sexueller Dienste, die Unterstützung der Prostitution zum Beispiel durch Vermietung oder die Nutzung der mit Sexarbeit erworbenen Einkünfte z. B. durch eine gemeinsame Haushaltsführung unter Strafe gestellt ist, ermöglicht die deutsche Novelle die Einklagbarkeit der Einkünfte und das Recht, an Arbeitslosenversicherungs-, Gesundheits- und Rentensystem teilzunehmen – ein Recht, welches jedoch so gut wie nie in Anspruch genommen wird, da die weit überwiegende Mehrheit der prostituierten Frauen unfreiwillig unter hohem physischen und psychischen Druck tätig sowie der deutschen Sprache meist nicht mächtig ist.

Die bisherige Regelung der Förderung von Prostitution wurde aufgehoben und der Begriff der sexuellen Ausbeutung geprägt. Gemäß § 180a Strafgesetzbuch (Deutschland) ist der Betrieb von Bordellen nur dann verboten, .Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung, S. 30.

Während Teile des Deutschen Bundestages die Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes bezeichneten, gefeiert wurde, fand die schwedische Gleichstellungsministerin Margareta Winberg im schwedischen Parlament großen Zuspruch, als sie dort ihr starkes Missfallen gegen das deutsche Prostitutionsgesetz äußerte und sagte, es . Weiter führte Winberg aus: Margareta Winberg, in: Protokoll 2000/01, Nr. 67 vom 15. Februar 2001 (online – zuletzt abgerufen am: 1. August 2014). Zitiert nach: Susanne Dodillet: Deutschland–Schweden: Unterschiedliche ideologische Hintergründe in der Prostitutionsgesetzgebung, S. 30.