mini|Der Eingang zum Camposanto mini|hochkant|Überdachter Teil mini|hochkant|Historische Grabdenkmäler Der Camposanto Buttstädt ist ein denkmalgeschützter historischer Friedhof in Buttstädt, einem Ort im Landkreis Sömmerda (Thüringen). Er ist eine der wenigen erhaltenen Friedhofsanlagen der Renaissance in Mitteldeutschland.Stephanie Eißing, Franz Jäger u. a. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 181

Geschichte und Beschreibung Der Friedhof wurde 1591 nach dem Vorbild der italienischen Camposanti angelegt und wurde bis 1861 belegt. Im späten Mittelalter setzte ein Umdenken bei den Bestattungsgewohnheiten ein. Bis dahin war es Brauch, die Toten in der Nähe des Altares zu bestatten. Also befanden sich die Grabstätten meist rund um die oder in der Kirche. Raumnot und hygienisch bedenkliche Verhältnisse zwangen zum Umdenken. Neue Friedhöfe wurden außerhalb der Stadtmauern angelegt. Das erstarkte Bürgertum verlangte nach repräsentativen Grabstätten. Mit dem Campo Santo entstand eine weltliche Form der Bestattung, bei der allerdings die prunkvollen Grabmale der städtischen Honoratioren durchaus als gottergeben galten. Der Vorgängerfriedhof, der sich auch an dieser Stelle befand, gehörte zur wendischen Kirche St. Johannis, er befand sich außerhalb der Stadtgrenzen. Die Johanniskirche wurde bei einem Stadtbrand im Jahr 1684 zerstört, auch der Friedhof wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Tor an der Ecke des Friedhofes trägt die Bezeichnung 1592, aus dieser Zeit stammen auch die Ost- und Nordmauer des Camposanto. Laut einer Inschrift am Ostflügel wurden die innenliegenden Kolonnaden 1603 gebaut. Die Schäfte der Säulen sind entweder glatt, rustiziert oder kanneliert. An einem Postament ist der Name des Stadtkämmerers Valentin Rensch erhalten, er war Stifter oder Bauverwalter. Der Torturm ist mit Schiefer verblendet, er wurde wohl um 1700 aufgesetzt.Stephanie Eißing, Franz Jäger u. a. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 181 Der Friedhof beherbergt zahlreiche Grabmale aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Der Campo Santo war nie ganz von Arkaden umsäumt. Die schönsten Grabmale aus allen Epochen der Belegung sind unter den beiden Säulengängen erhalten. Von den Grabmalen auf dem leicht abfallenden Gräberfeld sind nur wenige erhalten. Von 1991 bis 1995 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Bausicherung vorgenommen.Stephanie Eißing, Franz Jäger u. a. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 182 Eine vergleichbare Friedhofsanlage ist in Thüringen nicht erhalten.Stephanie Eißing, Franz Jäger u. a. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 182

Grabmal für Johannes Christian Harnisch mini|Grabmal für J.C. Harnisch, † 1730 Ein Beispiel für die Kunst des Hochbarock ist das unmittelbar neben dem Friedhofstor gelegene Grabmal für den 1730 verstorbenen Arzt J.C. Harnisch, auf dessen Beruf mit seiner Kenntnis von Heilkräutern die lateinische Inschrift in typischer Weise anspielt: Das Verblühen einer Blume wird in christlicher Tradition auf die Vergänglichkeit des Lebens bezogen .Nils-Christian Engel: Der alte Friedhof von Buttstädt, destinatio Verlag Kranichfeld, 22013, S. 16–20. Eine deutsche Übersetzung lautet:

Nils-Christian Engel dokumentiert ebenfalls die Transkription des Originals und korrigiert den Steinmetz-Fehler „FOLREMUS“ in „FLOREMUS“ („wir blühen“):

Grabmal für Gottlob Kauffmann Ebenfalls hochbarock ist das vom Tor aus gesehen vierte Grabmal im nördlichen Säulengang. „Der Anwaltsberuf des Verstorbenen wird theologisch auf seine Verteidigung durch Christus im göttlichen Gericht bezogen: eine vielfältige und mit rhetorischem Schliff vorgetragene Proklamation der Lehre von der Erlösung durch den Kreuzestod Christi.“ Die Inschrift lautet:

Nils-Christian Engel übersetzt:

Siehe auch Stadtgottesacker in Halle/Saale

Literatur Stephanie Eißing, Franz Jäger u. a. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2003, ISBN 978-3-422-03095-4. Der Alte Friedhof von Buttstädt: Ein Thüringer Camposanto, Hrsg. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2003, ISBN 978-3-910166-95-0. Nils-Christian Engel: Der Alte Friedhof von Buttstädt, destinatio Verlag, 2. Auflage, Kranichfeld 2013, ISBN 978-3-938819-04-3. Barbara Happe: Der Camposanto in Buttstädt – ein seltener Zeuge frühneuzeitlicher Sepulkralkunst in Thüringen. In: Die Auslese, März 1992, S. 1–18. Sven Höhne: Auf Gottes Acker. Camposanti in Halle, Buttstädt und Eisleben. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2020, ISBN 978-3-96311-383-3.

Weblinks

Seiten des historischen Friedhofes

FAZ.net: Camposanto in Thüringen: Im letzten Garten

Einzelnachweise

Kategorie:Friedhof in Thüringen Kategorie:Erbaut in den 1590er Jahren Kategorie:Kulturdenkmal in Buttstädt Kategorie:Sakralbau in Buttstädt Buttstadt