400px|mini|Rechtslage der heterosexuellen Prostitution: Prostitution nach Ländern beschreibt die juristische und gesellschaftliche Bewertung der Prostitution, die von kulturellen, ethischen und religiösen Werten abhängig ist und einem starken Wandel unterliegt.

Seit das EU-Parlament 2014 die Empfehlung aussprach, alle Mitgliedsstaaten der EU sollen in Zukunft die Prostitution in ihren Ländern verbieten, da sie als Menschenrechtsverletzung und Form der Gewalt gegen Frauen einzuschätzen sei, ist eine Tendenz in Richtung Abolitionsprinzip, zumindest aber stärkerer staatlicher Reglementierung der Prostitution zu beobachten. So folgte Frankreich im Jahr 2016 dem sogenannten Nordischen Modell, das seit Jahren in Schweden, Norwegen und Island gilt. Einige Länder, wie die Schweiz, die Niederlande und Deutschland folgen eher dem Entkriminalisierungsprinzip. In Deutschland gibt es dort neben diversen Interessenvertretungen auch den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen.

In islamisch geprägten Ländern ist die Prostitution nach islamischem Recht als Unzucht verboten und wird meist drakonisch geahndet. In schiitischen Gebieten mit Angehörigen der Zwölfer-Schia arbeiten Prostituierte unter dem Deckmantel der Zeitehe (Mut'a-Ehe), welche für eine Zeitspanne von einer halben Stunde bis zu 99 Jahren geschlossen werden kann.

Darüber hinaus wird gleichgeschlechtliche Prostitution überall dort bestraft (z. T. auch mit der Todesstrafe), wo Gesetze Homosexualität als „abweichende“ sexuelle Orientierung unter Strafe stellen.Sexual orientation discrimination (english) Sexual Rights Initiative; abgerufen am 15. Juni 2021.

Europa

Vorwiegend deutschsprachige Länder Land SituationDeutschland Es gibt zur Prostitution in Deutschland keinerlei wissenschaftlich zuverlässige Angaben, weder zur Anzahl der Prostituierten noch zu der Zahl der Kunden (Freier). Nach Schätzungen könnte es 400.000 oder auch weniger Prostituierte in Deutschland geben..Monatszeitschrift Deutscher Frauenrat 5/97, zitiert nach . Hierin eingeschlossen sind Gelegenheitsprostituierte, deren Zahl je nach Definition unterschiedlich angegeben wird. Wohl etwa 95 % der der Prostitution nachgehenden Personen sind weiblich; es wird davon ausgegangen, dass über die Hälfte aller Prostituierten aus dem Ausland – mehrheitlich aus Osteuropa – stammen.

Nach dem am 1. Juli 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetz ist die Prostitution legal, sofern sie freiwillig von Erwachsenen ausgeübt wird. Allerdings zielt die Gesetzgebung darauf ab, den Prostituierten Möglichkeiten zum Ausstieg zu eröffnen, da eine freie Wahl wegen schwieriger psychischer und sozialer Umstände und fehlender Alternativen vielfach nicht gegeben sei.bmfsfj.de Zwangsprostitution und das Prostituieren von Personen unter 18 Jahren ist für die Kunden (siehe auch sexueller Missbrauch von Jugendlichen) und alle anderen Beteiligten (nicht für die Prostituierten) strafbar. Auch Ausbeutung von Prostituierten und Zuhälterei sind strafbar. In Deutschland ansässige Interessenvertretungen, wie Doña Carmen, kritisieren das Gesetz in zahlreichen Punkten, (z. B. in Hinblick auf Gelegenheitsprostitution).Infomaterial. Doña Carmen; abgerufen am 15. Juni 2021.

Siehe auch: Prostitution in Deutschland, Prostitution in der Deutschen Demokratischen RepublikÖsterreich Strafbar ist sexueller Missbrauch von Jugendlichen (§ 207b StGB), entgeltliche Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen (§ 214), Zuführen zur Prostitution (§ 215), Förderung der Prostitution Minderjähriger (§ 215a), Zuhälterei (§ 216), und grenzüberschreitender Prostitutionshandel (§ 217). Weil es laut § 216 StGB verboten ist, sich aus der Prostitution einer anderen Person eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, gibt es keine Möglichkeit, als Prostituierte in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten.. Prostituierte gelten als „selbständig Erwerbstätige“. In den einzelnen Bundesländern behandeln Landesgesetze weitere Regelungen von Prostitution wie Registrierungspflicht und zeitliche und örtliche Beschränkungen.homepage.univie.ac.at (31. Juli 2006). Am strengsten ist die Regelung in Vorarlberg. Dort ist Prostitution nur in bewilligten Bordellen erlaubt, wobei aber bis jetzt (Stand Juli 2011) kein Bordell bewilligt wurde, sodass faktisch ein Prostitutionsverbot gilt. S. 53, Fußnote 105. 2011 bestanden in Vorarlberg gleichwohl ca. 70 bis 100 illegale Bordelle.Im Rheintal statt im «sauberen Ländle» ins Bordell: Das faktische Prostitutionsverbot in Vorarlberg führt zur Häufung von Etablissements in St. Gallen. Neue Zürcher Zeitung vom 29. Juli 2011, S. 12.

Siehe: Prostitution in ÖsterreichSchweiz In der Schweiz sind sexuelle Dienstleistungen und Konsum von bezahltem Sex legal. Es gibt in der Schweiz zahlreiche Bordelle, welche auch intensiv in Tageszeitungen, einschlägigen Magazinen und nicht zuletzt auch im Internet für sich werben. Ausländische Prostituierte ohne ständigen Wohnsitz in der Schweiz dürfen dort 90 Tage pro Jahr tätig sein, sofern sie aus dem Vereinigten Königreich, aus den EFTA-Staaten oder aus der Europäischen Union kommen. Laut Art. 196 Schweizerisches Strafgesetzbuch machen sich die Kunden von minderjährigen Prostituierten (unter 18 Jahre) strafbar.

Siehe auch: Prostitution in der SchweizLiechtenstein Prostitution ist in Liechtenstein verboten, allerdings wird sie von den Strafverfolgungsbehörden mit Ausnahme der Straßenprostitution toleriert.

Nordische Länder Land SituationDänemark Prostitution ist in Dänemark erlaubt und gesellschaftlich akzeptierter als in den anderen skandinavischen Ländern. Bis 1999 durften Prostituierte nicht allein von sexuellen Dienstleistungen leben, sondern mussten noch ein weiteres Einkommen nachweisen. Allerdings sind Bordellbetriebe, Zuhälterei und jegliches Profitieren aus der Prostitution anderer Menschen verboten.Finnland Die Regierung Finnlands plante für 2006 ursprünglich ein Totalverbot der Prostitution mit Strafbarkeit der Freier nach schwedischem Vorbild. Da hierfür keine Mehrheit im Parlament in Sicht war, wurde am 21. Juni 2006 ein modifiziertes Gesetz erlassen. Demnach machen sich Freier lediglich strafbar, wenn sie Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen, die einen Zuhälter haben oder die Opfer von Menschenhandel sind. Der Strafrahmen für Freier liegt in diesem Fall bei Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe. Verboten ist bereits seit längerem öffentliche Werbung für Prostitution und Kontaktanbahnung auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie in Gaststätten. Auch Bordellbetriebe und Zuhälterei sind wie jegliches Profitieren aus der Prostitution anderer Menschen verboten.Island Mangels sichtbarer Prostitution wurde in Island bis Anfang der 1990er Jahre keine gesetzliche Regelung in diesem Bereich erlassen. In der Mitte dieses Jahrzehntes entstanden, vor allem in Reykjavík, zahlreiche Nachtclubs, in denen insbesondere Osteuropäerinnen als Bardamen, Tänzerinnen und Prostituierte arbeiten. Im Jahr 2009 wurde in Island für den Umgang mit Prostitution das Nordische Modell eingeführt, gemäß dem die Tätigkeit von Prostituierten straffrei bleibt und sich nur die Käufer sexueller Dienstleistungen strafbar machen.Norwegen Bereits 1884 wurden Bordelle in Norwegen verboten, 1893 hob man die Registrierungspflicht sowie die verpflichtenden ärztlichen Untersuchungen für Prostituierte auf. Nicht verboten wurde Prostitution als solche. Seit 1995 ist es strafbar, Räume zum Zwecke der Prostitution zu vermieten. Illegal ist Straßenprostitution, diese kommt jedoch vor. Frauen- und Sozialverbände forderten seit etwa 2000 verstärkt die Einführung des „schwedischen Modells“. Rückhalt in Teilen der Bevölkerung und in den politischen Parteien gewannen diese Forderungen durch einen Anstieg der Straßenprostitution sowie durch Berichte über Menschenhandel. Im April 2007 kündigte die aus der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, den Linkssozialisten und der Zentrumspartei bestehende Regierungskoalition einen Gesetzesentwurf an, der nach schwedischem Vorbild alle Freier mit Strafe bedroht, während Prostituierte selbst sich nicht strafbar machen. Auch die oppositionellen Christdemokraten signalisierten Zustimmung. Im Jahr 2009 führte Norwegen die Bestrafung der Freier nach schwedischem Vorbild ein.taz.de Sexkaufverbot in Norwegen.Schweden In Schweden trat am 1. Januar 1999 das „Gesetz zum Verbot des käuflichen Erwerbs sexueller Dienstleistungen“ in Kraft: „Wer sich gegen Entgelt Gelegenheit zu sexuellen Handlungen verschafft, wird – sofern die Tat nicht nach dem Strafgesetzbuch mit Strafe bedroht ist – wegen käuflichen Erwerbs sexueller Dienstleistungen mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten bestraft.“ Im Gegensatz zu den Vorschriften in vielen anderen Ländern machen sich hier also nur die Kunden strafbar, nicht die Prostituierten. Siehe: Prostitution in Schweden

Übriges Europa Land SituationAlbanien Prostitution ist in Albanien verboten, allerdings ist dieser Staat ein Herkunftsland für Opfer des Menschenhandels.Alexandra Geisler: gender.hu-berlin.de In: Bulletin Texte Nr. 29/30 – Armut und Geschlecht. Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 2005, S. 122, .Belgien Die Prostitution in Belgien ist legal. Siehe: Prostitution in BelgienBosnien und HerzegowinaProstitution ist in Bosnien und Herzegowina verboten.Bulgarien Prostitution ist in Bulgarien illegal, wird aber von der Polizei zugelassen. Während es 1989 noch 3149 polizeilich registrierte Prostituierte gab, war die Zahl im Jahr 2007 fast doppelt so hoch.. Seit Anfang 2007 gibt es Diskussionen, ob Prostitution total verboten oder innerhalb eines rechtlich geregelten Rahmens begrenzt werden soll. Die Mehrheit der Bulgaren spricht sich gegen eine Legalisierung der Prostitution aus..Frankreich Die Bordellkultur in Frankreich war bis zum Zweiten Weltkrieg weltberühmt, es gab Edelbordelle und Massenbordelle. Bordelle wurden 1946 durch ein von Christdemokraten und Kommunisten initiiertes Gesetz („Loi Marthe Richard“) verboten, sonstige Prostitution blieb legal. Ende 2011 wurde die Zahl der Prostituierten auf 20.000 geschätzt.Stefan Ulrich: Frankreich will käufliche Liebe verbieten. sueddeutsche.de, 8. Dezember 2011; abgerufen am 8. Dezember 2011. Im Dezember 2013 wurde von der Nationalversammlung mit großer Mehrheit ein Gesetz beschlossen, das seit seinem Inkrafttreten im April 2016 die Freier mit Strafe bedroht. Siehe: Prostitution in FrankreichGriechenland Griechenland hat eine liberale Gesetzgebung, mit ähnlichen Vorschriften wie in Deutschland, der Schweiz oder den Niederlanden. Alle Prostituierten müssen sich behördlich registrieren und regelmäßig ärztlich untersuchen lassen. Die meisten Bordelle arbeiten jedoch ohne Lizenz und die Preise für sexuelle Dienstleistungen sind stark gefallen.Athen Die harte Realität der Prostituierten. Spiegel Online; abgerufen am 15. Juni 2021.Irland Seit 2017 machen sich Freier strafbar (Nordisches Modell). Dennoch existiert hauptsächlich in Dublin eine Untergrundszene. Die Kontaktanbahnung findet diskret vor allem in Pubs statt.

Die isländische Regierung sah sich gezwungen, diesen Bereich gesetzlich zu regeln, und führte 2005 zunächst ein restriktives Strafrecht ein. Artikel 206 des isländischen Strafgesetzbuches (Almenn hegningarlög) besagte:

„Jeder, der sich für seinen Lebensunterhalt der Prostitution bedient, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.“

Damit war der Erwerb sexueller Dienstleistungen zwar weiterhin legal, die Prostituierten selbst befanden sich dadurch jedoch in der Illegalität. Diese Bestimmung wurde am 17. März 2007 geändert. Zwischen 2007 und 2009 waren sowohl das Anbieten als auch der Erwerb sexueller Dienstleistungen legal. Seit 2009 werden jedoch, der schwedischen Gesetzgebung folgend, die Freier mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft..Italien mini|Prostituierte auf dem Straßenstrich in Turin|alternativtext=