Friedrich Kitzinger (auch Friederich „Fritz“ Kitzinger; * 8. November 1872 in Fürth; † 15. Juli 1943 in Tel Aviv, Völkerbundsmandat für Palästina) war ein deutscher Hochschullehrer, Strafrechtler an der Universität München (1921) und Halle (1926). Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden wie die von Erwein Höpler von Hermingen vom Reichsgericht „oft genannt und benutzt“.Leonie Breunung, Manfred Walther: Die Emigration deutschsprachiger Rechtswissenschaftler ab 1933. de Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-025857-8, S. 293 ().
Leben Seine Eltern waren Samuel Lev Kitzinger (1842–1903) und dessen Ehefrau Ida Kitzinger, geborene Dinkelsbühler (1849–1910). Aus deren gemeinsamen Ehe entstammten drei Brüder, darunter der spätere Jurist und Vater von Ernst Kitzinger Wilhelm Nathan Kitzinger (1870–1945), der 1938 mit einem Berufsverbot belegt wurdeDas Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte in Bayern im Dezember 1938, abgerufen am 23. Dezember 2013 und eine Schwester. Aus der Ehe mit Frieda Friedel Geiger entstammte der Sohn Hans Kitzinger (1911–2009), der sich später den Nachnamen Gad gibt., abgerufen am 24. Dezember 2013
Der Emigration nach England und Aufrechterhaltung seines Wohnsitzes in Deutschland folgte während seines zwischenzeitlichen Aufenthalts in München 1939 die Verbringung ins KZ Dachau, aus dem er entlassen wurde und über England im gleichen Jahr nach Palästina übersiedelte.Arthur Kaufmann (Hrsg.): Gustav Radbruch. Gesamtausgabe Band 17. Briefe I. C. F. Müller Juristischer Verlag., Heidelberg 1991, ISBN 3-8114-0690-6, S. 365 und 366, Anmerkung 130 (). Eine andere Quelle gibt einen Aufenthalt von 1938 im Konzentrationslager an und der folgenden Ausreise 1939.Gustav Radbruch: Staat und Verfassung. Gesamtausgabe Band 14. Staat und Verfassung. C. F. Müller Juristischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8114-2148-4, S. 245 ().
Fanny Gräfin zu Reventlow stand 1911 und 1914 unter anderem im Briefwechsel mit den Eheleuten Friedel und Friedrich KitzingerHorst Baier, M. Rainer Lepsius, Wolfgang Schluchter, Johannes Winckelman: Max Weber Gesamtausgabe. Abteilung II: Briefe. Band 8. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 2013, ISBN 3-16-147920-3, S. 154 und 438 ().
Beruflicher Werdegang Nach dem Jurastudium und der Promotion war Kitzinger von 1895 bis 1898 als Referendar bei der Justiz in München tätig. Nach seiner Habilitationsschrift 1902 lehrte er schwerpunktmäßig Straf- und Strafprozessrecht; 1908 wurde er Professor.
Ab 1921 war er als planmäßiger außerordentlicher Professor tätig. Er wurde 1926 nach Halle berufen mit dem zusätzlichen Lehrinhalt „kriminalistische Hilfswissenschaften“ und nach seiner Tätigkeit als Ordinarius ab 1931 im September 1933 in den Ruhestand versetzt.Friedemann Stengel (Hrsg.): Ausgeschlossen. Zum Gedenken an die 1933–1945 entlassenen Hochschullehrer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2013, ISBN 978-3-86977-080-2, S. XX ().
Veröffentlichungen 1898: Zur Lehre von der Rechtswidrigkeit im Strafrecht (Von Rechtspractikant Dr. jur.) Friedrich Kitzinger 1901: Der ambulante Gerichtsstand der Presse mit dem Titelzusatz: und die diesbezüglichen Aufgaben des Gesetzgebers. 1902: Ort und Zeit der Handlung im Strafrecht: zugleich eine Betrachtung der Erscheinungsformen des Deliktes – Habilitationsschrift 1905 Die Internationale Kriminalistische Vereinigung Titelzusatz: Betrachtungen über ihr Wesen und ihre bisherige Wirksamkeit 1913: Die Verhinderung strafbarer Handlungen durch Polizeigewalt. Grundzüge der Rechtspolizei und Beiträge zur Konstruktion des Strafrechts. 1. Aufl. 261. S. 1920: Das Reichsgesetz über die Presse 1924: Der Fall Fechenbach, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 44,, abgerufen am 24. Dezember 2013 1925: Die Stellung der Gesellschaft zum Verbrechen und zur Strafe. 36 S.
Literatur Kitzinger, Friedrich, in: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. München : Saur, 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 194
Weblinks
Fußnoten
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