mini|hochkant=1.2|Pfarrkirche St. Christophorus in Reinhausen Die Kirche St. Christophorus ist die evangelisch-lutherische Pfarrkirche des Dorfes Reinhausen im Landkreis Göttingen (Niedersachsen). Sie steht auf dem Sandsteinfelsen des Kirchbergs über dem Ortskern. Ursprung des Kirchenbaus war eine im 10. Jahrhundert errichtete Burgkapelle der Grafen von Reinhausen. Nach Umwandlung der Burg in ein Kollegiatstift diente sie diesem und seit dem 12. Jahrhundert dem daraus hervorgegangenen Benediktiner-Kloster Reinhausen als Kirche. Noch heute wird sie deshalb häufig als Klosterkirche Reinhausen bezeichnet. Gleichzeitig war sie immer Pfarrkirche des Dorfes Reinhausen. Wenige Jahrzehnte nach Einführung der Reformation im Jahr 1542 wurde das Kloster nach und nach aufgelöst, die Kirche danach mit kurzen Unterbrechungen nur noch als Gemeindekirche genutzt. Sie gehört heute zum Kirchenkreis Göttingen im Sprengel Hildesheim-Göttingen der Hannoverschen Landeskirche. mini|hochkant=1.2|Grundrisszeichnung der Kirche mini|hochkant=0.9|Wandmalerei des heiligen Christophorus in der Eingangshalle der Kirche

Trotz erheblicher baulicher Änderungen im Stil der Gotik und des Barocks tritt im Gesamtbild der Stil der romanischen Klosterkirche deutlich hervor. Das zeigt sich besonders an dem weithin sichtbaren Westriegel mit Doppelturmanlage. Der Bautypus wurde in mehreren Bauphasen von einer romanischen Basilika zu einer Hallenkirche geändert. Im Innenraum sind mehrere spätmittelalterliche Kunstwerke erhalten, darunter zwei spätgotische Altäre, großflächige Reste von Wandmalereien sowie Steinplastiken, die unter anderem den heiligen Christophorus als Schutzpatron der Kirche darstellen.

Lage mini|links|Blick auf die Kirche und die Gleichen Die Klosterkirche steht auf einer Höhe von etwa auf dem Kirchberg, etwa 30 Meter nördlich einer Felsenkante, die steil zum Tal des Wendebachs und zum im Tal südöstlich der Kirche gelegenen Dorfkern von Reinhausen abfällt. Durch die Lage auf einem sich nach Westen erstreckenden Ausläufer des Knülls, der steil über dem Dorf aufragt, ist die Kirche stark exponiert. Im Gegensatz zum Ortskern ist sie von den westlich angrenzenden Hügeln und selbst vom Westhang des Leinetals aus sichtbar.

mini|Östliche Felsentreppe als einer der historischen Zuwege zur Kirche Die Straße, die vom Dorf auf den Kirchberg führt, wurde erst im frühen 19. Jahrhundert angelegt, zuvor war der Zugang vom Dorf zur Kirche nur zu Fuß über drei in den Felsen gehauene Treppen möglich, deren Stufen heute stark ausgetreten sind. Eine Zufahrt mit Fuhrwerken war bis dahin nur von Nordosten über den Domänenhof möglich.

Die Kirche ist nicht genau geostet, sondern um einen Winkel von etwa 23 Grad in Richtung Norden gedreht.Onlinekarte auf geolife.de, abgerufen am 12. August 2025 Der genau genommen nach Westsüdwesten ausgerichtete Westriegel der Kirche grenzt an einen befestigten Parkplatz, an dem die heutige Zufahrtsstraße endet. Auch zu dieser Seite fällt das Gelände deutlich ab. Westlich davon stehen auf einem Ausläufer des Kirchbergs die ehemalige Schule und der Kindergarten des Ortes. Die Süd- und Ostseite der Kirche grenzen an den umfriedeten Kirchhof, während die Nordseite nicht öffentlich zugänglich ist. Sie grenzt an das ehemalige Klostergelände, das im ehemaligen Amtshaus unter anderem das Forstamt Reinhausen beherbergt und zum Kirchhof mit einer Sandsteinmauer abgegrenzt ist. Ein Zwischenbau, der die Westfront der Kirche mit dem Amtshaus verband, wurde 1955 durch einen Brand bis auf die Außenwände der beiden massiven Untergeschosse zerstört.Historische Fotos des Kirchbergs in Reinhausen, darunter auch Fotos vor und nach dem Brand des Amtshauses, auf der Internetseite www.unser-reinhausen.de von Christian Schade, abgerufen am 8. Juni 2024 Nordöstlich des Friedhofs liegt die Domäne Reinhausen.

Geschichte Burg der Grafen von Reinhausen mini|hochkant=1.8|Grundriss mit Darstellung des Baualters (nach Ulfrid Müller): dunkelblau: Ursprungsbau, Burg- und Stiftskirche blau: romanische Erweiterung und Ergänzung rot: gotische Ein- und Anbauten orange: barocke Änderungen beim Umbau zur Saalkirche gelb: Änderungen des 19. und 20. Jahrhunderts. halbtransparent/blass (blassblau/blassrot-rosa): heute abgebrochen Der älteste archäologische Nachweis für menschliche Aktivitäten auf dem Reinhäuser Kirchberg ist das Bruchstück eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit.Es ist in der Ausstellung archäologischer Fundstücke in der Kirche enthalten und entsprechend beschriftet. Eine kontinuierliche Besiedlung kann allerdings erst seit dem Frühmittelalter nachgewiesen werden. Seit dem 9. Jahrhundert befand sich eine Burganlage der Grafen von Reinhausen auf dem durch Felsabbrüche zum Tal hin natürlich gesicherten Bergsporn über dem Dorf Kirchberg. Eine größere Zahl archäologischer Funde aus der Umgebung der Klosterkirche konnte auf das 9./10. Jahrhundert datiert werden. Im 10./11. Jahrhundert hatten die Grafen von Reinhausen das Gaugrafenamt im Leinegau inne und damit auch überregionale Bedeutung. Entsprechend war ihre Stammburg in Reinhausen dimensioniert: Der Wohnbereich mit Kirche im Westen umfasste etwa anderthalb Hektar Fläche, der nordöstlich angrenzende Wirtschaftshof etwa einen weiteren Hektar. Der heutige Standort der Kirche, der Kirchhof und angrenzende Gebiete waren mit eingeschlossen. Seit 1980 wurden in mehreren Einzelgrabungen und Befundaufnahmen kleinere Bereiche des Burggeländes archäologisch untersucht. An der Abbruchkante des Bergsporns wurde auf etwa neun Metern Länge eine bis zu 3,30 Meter dicke zweischalige Befestigungsmauer freigelegt. Anhand hochmittelalterlicher Kleinfunde im Baubefund und im Abbruchschutt wurde der Abbruch der Mauer auf das 12. Jahrhundert datiert.Klaus Grote: Grabungen und größere Geländearbeiten der Kreisdenkmalpflege des Landkreises Göttingen im Jahre 1989. Kapitel 2: Reinhausen: Kirchberg (früh- bis hochmittelalterliche Burgmauer). In: Göttinger Jahrbuch 38 (1990), S. 261–264. ISBN 3-88452-368-6 Zum flach ansteigenden Hang hin bestand die Befestigung aus zwei Abschnittsgräben und einer drei Meter dicken vermörtelten Mauer. Die Innenbebauung der Burg ist schwierig zu rekonstruieren, weil das Gelände noch im Hochmittelalter durch das Kloster überbaut wurde. Im Inneren der Klosterkirche wurden bei Ausgrabungen allerdings Reste der Burgkirche der Grafen von Reinhausen gefunden. Über die genaue bauliche Gestaltung der Burgkirche liegen keine Zeugnisse vor.

Stiftskirche Ende des 11. Jahrhunderts wandelten die Grafen Konrad, Heinrich und Hermann von Reinhausen sowie ihre Schwester Mathilde ihre Stammburg in ein Stift um. Der Datierung der Umwandlung in ein Stift auf das Jahr 1079 in älterer Literatur wird jedoch in neuerer Forschung widersprochen. Stattdessen werden anhand möglicher Todesdaten eines der Stifter, des Grafen Konrad von Reinhausen, die Jahre 1089 oder 1086 als spätester Zeitpunkt der Stiftung angenommen.Peter Aufgebauer (Hrsg.): Burgenforschung in Südniedersachsen, Buchverlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2001, ISBN 3-924781-42-7. Kapitel 2: Wolfgang Petke: Stiftung und Reform von Reinhausen und die Burgenpolitik der Grafen von Winzenburg im hochmittelalterlichen Sachsen, S. 65–71. Nach der historischen Bauforschung durch Ulfrid Müller in den Jahren 1963–1967 gilt als sicher, dass die bauliche Substanz der Eigenkirche nach der Umwandlung der Burg in ein Kanonikerstift und später in ein Kloster für dessen Kirche Verwendung fand. Unter anderem weist darauf die Ausführung der südlichen Chorwand hin.Rundgang durch die Kirche auf der Internetseite des Kirch-Bauvereins Reinhausen, abgerufen am 2. Februar 2019 So wird in der Anlage der Burgkirche in ottonischer Zeit bereits die Grundkonzeption der späteren Stiftskirche gesehen. Die Südwand des Chores mit einem noch erkennbaren zugesetzten Rundbogenfenster, dessen Nordwand, der Chorbogen mit den Kämpferplatten, die den unteren Bogenansatz hervorheben, und die unteren Bereiche der Pfeiler im Mittelschiff gelten als Baureste der Burgkirche.Klaus Grote: Die mittelalterlichen Anlagen in Reinhausen. In: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 17: Stadt und Landkreis Göttingen, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0544-2, S. 212–214 Ulfrid Müller nahm für die Ursprungskirche ein Westportal an, an dessen Stelle später die heutige Turmfront errichtet wurde. Im Vergleich zu anderen Burgkapellen in der Region ist die Kirche ungewöhnlich groß und entspricht damit der regionalen Vorrangstellung der Grafen von Reinhausen im 10. und 11. Jahrhundert.

Die Klosterkirche Reinhausen geht demnach auf eine Eigenkirche in der Adelsburg der Grafen von Reinhausen zurück, die an dieser Stelle ab dem 10. Jahrhundert archäologisch nachgewiesen wurde. Entsprechend ist der Beginn der Baugeschichte der Kirche auf das 10. Jahrhundert anzusetzen.Klaus Grote: Kirchen und Klöster. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen an mittelalterlichen Kirchen und Klöstern in Südniedersachsen. (Vorletzter Absatz: Benediktinerkloster und Klosterkirche St. Christophorus). Abgerufen am 20. Dezember 2013 Trotz fehlender schriftlicher Zeugnisse aus der Frühzeit ist deshalb eine über tausendjährige Geschichte der Kirche nahezu sicher. In der Forschung Müllers wurde zunächst von dem Bau der Burgkirche im 11. Jahrhundert ausgegangen.

Klosterkirche Ebenso wie die vorklösterliche Geschichte ist die frühe Geschichte des Klosters Reinhausen hauptsächlich durch einen Bericht des ersten Reinhäuser Abtes Reinhard bekannt, den er zwischen 1152 und 1156 verfasst haben muss. Bei der Umwandlung vom Stift in ein Kloster handelte es sich wahrscheinlich um einen mehrere Jahrzehnte dauernden Prozess.Peter Aufgebauer (Hrsg.): Burgenforschung in Südniedersachsen, Buchverlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2001, ISBN 3-924781-42-7. Kapitel 2: Wolfgang Petke: Stiftung und Reform von Reinhausen und die Burgenpolitik der Grafen von Winzenburg im hochmittelalterlichen Sachsen, S. 71–74. Die Weihe der Klosterkirche wird in die Zeit zwischen 1107 und 1115 datiert und erfolgte durch Bischof Reinhard von Halberstadt.Hildegard Krösche: Reinhausen – Kollegiatstift, dann Benediktiner (Vor 1086 bis 2. Hälfte 16. Jh.). Josef Dolle (Hrsg.): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Teil 3: Marienthal bis Zeven (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Band 56,3). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012, , ISBN 978-3-89534-959-1, S. 1291 Reinhausen gehörte zum Erzbistum Mainz, insofern stand die Kirchweihe dem Mainzer Erzbischof zu. Da das Erzbistum Mainz nach dem Tod Bischof Ruthards und vor der Bischofsweihe Adalberts vakant war, war ein auswärtiger, benachbarter Bischof beauftragt worden, die Weihe vorzunehmen. Von Bischof Reinhard hatte sich Graf Hermann von Winzenburg als Initiator der Klostergründung eine großzügige Schenkung erhofft, die jedoch nicht gewährt wurde. Im Niedersächsischen Klosterbuch wird als wahrscheinliches Datum der Weihe der 3. Dezember 1111 angenommen. Die Angaben zur Klosterweihe beziehen sich höchstwahrscheinlich auf die Konsekration der Klosterkirche, denn die Berufung eines Abtes erfolgte frühestens im Jahr 1116.