Der Mercedes-Benz W 189 war der Nachfolger der Repräsentationslimousine 300 c (W 186/IV). Der 300er war bis zur Einführung des W 100 (Mercedes-Benz 600) die deutsche Staatslimousine schlechthin. Auch viele ausländische Staatsoberhäupter kauften den 300er, der damals das größte Serienfahrzeug deutscher Produktion war.
Modellgeschichte Allgemeines Im August 1957 wurde ein gründlich überarbeiteter Typ 300 vorgestellt, der nicht nur technisch, sondern auch in seiner äußeren Erscheinung deutliche Unterschiede zu seinem Vorgänger aufwies. Den Status einer Neukonstruktion dokumentiert die Konstruktionsbezeichnung W 189, die den allgemein 300 d genannten Typ einer eigenständigen Baureihe zuordnet. Dennoch sind die konzeptionellen Gemeinsamkeiten mit dem 300 c nicht zu übersehen: Fahrwerk und Rahmen wurden vom Vorgänger übernommen, wobei aber ausschließlich die verlängerte Ausführung mit 3150 mm Radstand verwendet wurde.
Der Typ 300 d (W 189) brach mit der markanten hinteren, gerundeten Seitenscheibe der vorherigen „Adenauer“-300er und führte die letzte Seitenscheibe im Winkel auf die untere Fensterlinie. Bei diesem Wagen konnten die Seitenscheiben ganz versenkt und das hintere Eckfenster herausgenommen werden. Durch die fehlenden seitlichen Säulen entstand für Deutschland der neuartige Begriff der Hardtop-Limousine, die auch im größten Absatzmarkt USA angeboten wurde. Statt des Anglizismus verwendete Daimler-Benz im Inland auch wiederholt die Bezeichnung „Vollsichtkarosserie“., abgerufen am 21. Oktober 2015Umfassende Internetsite zum Mercedes-Benz 300 d, insbesondere dem Pullman-Cabriolet, Bj. 1960, von Papst Johannes XXIII, abgerufen am 21. Oktober 2015
Technik und Ausstattung Als erstes Pkw-Modell von Daimler-Benz bekam der Wagen den Motor M 189 mit Saugrohreinspritzung – im Gegensatz zu der aufwendigen Direkteinspritzung des 300 Sc (W 188) und 300 SL (W 198 – „Flügeltürer“). Während die frühen Modelle durch das hohe Gewicht von 1770 bis 1940 kg bei nur 115 PS (85 kW) bzw. 125 PS (92 kW) etwas behäbig auftraten, war der 300 d mit dem 160 PS (118 kW) starken Einspritzmotor wesentlich agiler.
Das Gemisch wurde jetzt nicht mehr über Vergaser, sondern durch intermittierende Saugrohreinspritzung gebildet. Bei gleichzeitiger Erhöhung der Verdichtung konnte damit eine Leistungssteigerung auf 160 PS (118 kW) erzielt werden. Der 300 d wurde serienmäßig mit dem „Detroit-Gear“-Automatikgetriebe geliefert; auf Wunsch war jedoch alternativ das Schaltgetriebe erhältlich. Ab März 1958 konnte als Sonderausstattung eine ZF-Saginaw-Servolenkung bestellt werden, die jedoch den mit Automatikgetriebe ausgerüsteten Fahrzeugen vorbehalten blieb.
Weitere technische Neuerungen gegen Aufpreis waren elektrische Fensterheber, „orthopädische“ Sitze, Klimaanlage (diese kam im 300 d zum ersten Mal bei einem Mercedes-Benz-Pkw zum Einsatz und kostete 3500 DM) und das erste Stahlschiebedach von Webasto. Für einen damals beachtlichen Mehrpreis von 8500 DM gab es den 300 d auch als Cabriolet. Der Basispreis betrug nun 27.000 DM. Diese Summe entspricht heute etwa Euro.Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf 1000 EUR gerundet und gilt für den zurückliegenden Januar
Drei von 5,19 m auf 5,64 m verlängerte W 189 wurden als Pullman-Limousine bzw. Pullman-Landaulet hergestellt. Die Limousine mit dem Kennzeichen S-LR 134 und ein Landaulet blieben als Mietfahrzeuge in Werksbesitz; ein Landaulet wurde an den Vatikan als „Papamobil“ für Papst Johannes XXIII. geliefert.
Technische Daten Kenngrößen Mercedes-Benz W 189 Motor 6-Zylinder-Viertakt-Ottomotor (Reihenmotor, vorn längs) Hubraum 2996 cm³ Bohrung × Hub 85 × 88 mm Leistung bei 1/min 160 PS (118 kW) bei 5300 Max. Drehmoment bei 1/min 24,2 mkp (237 Nm) bei 4200 Verdichtung 8,55 : 1 Ventilsteuerung obenliegende Nockenwelle, Antrieb durch Duplexkette Gemischaufbereitung Einspritzpumpe Bosch Kühlung Wasserkühlung mit Pumpe (21 Liter) Motorschmierung Druckumlauf (6,5 Liter Öl) Elektrische Anlage 12 V 70 Ah, Lichtmaschine 300 W Kupplung Einscheibentrockenkupplung Getriebe Dreigangautomatik (serienmäßig) oder vollsynchronisiertes 4-Gang-Getriebe,Wählhebel am Lenkrad bzw. Lenkradschaltung;Antrieb über geteilte Kardanwelle auf die Hinterräder Karosserie Ganzstahlkarosserie mit X-Form-Ovalrohrrahmen Radaufhängung vorn Doppelquerlenker, Schraubenfedern und Stabilisator Radaufhängung hinten Eingelenk-Pendelachse mit Schubstreben, Doppel-Schraubenfedern,elektrisch zuschaltbare Drehstabfederung Lenkung Kugelumlauflenkung(3,75 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag) Bremsen hydraulisch betätigte Trommelbremse,<br/ >Trommeldurchmesser 260 mm, Bremsfläche 1470 cm²; Bremskraftverstärker Spurweite vorn/hinten: 1480/1525 mm Radstand 3150 mm Reifengröße 7.60 S – 15″ Maße L × B × H 5190 × 1860 × 1620 mm Wendekreis links/rechts 12,8 m/13,3 m Wagengewicht Limousine (mit Automatik) 1950 kg (1990 kg) Zulässiges Gesamtgewicht 2450 kg Höchstgeschwindigkeit (mit Automatik) 170 km/h (165 km/h) Beschleunigung 0–100 km/h (mit Automatik) 17 s (18 s) Verbrauch auf 100 km (mit Automatik) 17 l (18 l) Super Tankinhalt 72 Liter (im Heck)
Bauzeit und Stückzahlen Typ 300 d (W 189): 11/1957–3/1962; 3073 Limousinen, 1 Fahrgestell, 65 Cabriolet D (Juli 1958–Februar 1962), 1 Pullman-Limousine; 2 Pullman-LandauletsTypenkompass Mercedes-Benz Personenwagen 1945–1975, Motorbuch-Verlag Stuttgart, 1. Auflage 2000, ISBN 3-613-02019-X
Literatur Die neuen Mercedes-Benz-Typen 300 und 300 S in: Kraftfahrzeugtechnik, Heft 4/1952, S. 121–123
Weblinks
300manufaktur.de mit Vergleichstabelle anderer Pkw dieser Zeit
Einzelnachweise
#189 Kategorie:Fahrzeug der Oberklasse Kategorie:Limousine Kategorie:Pullman-Limousine Kategorie:Cabriolet Kategorie:Landaulet Kategorie:Konrad Adenauer