mini|Amtsgefängnis Heidelberg, am Oberen Faulen Pelz 1 (Aufn. 2014). Das 1847/48 erbaute Gefängnis in Heidelberg, im Volksmund auch Fauler Pelz genannt, war eine Außenstelle der JVA Mannheim. Mit Beschluss des Justizministeriums Baden-Württemberg wurde der historische Gebäudekomplex im Jahr 2015 geschlossen.
Das Amtsgefängnis war zuständig für den Untersuchungshaft-Vollzug von männlichen erwachsenen Gefangenen im Landgerichtsbezirk Heidelberg und weiblichen erwachsenen Gefangenen in den Landgerichtsbezirken Mannheim, Heidelberg und Mosbach und besaß 87 Haftplätze im geschlossenen Vollzug und beschäftigte 41 Mitarbeiter. Justizminister Rainer Stickelberger hatte 2012 angekündigt, dass das kleine Heidelberger Gefängnis wegen des Alters des Gebäudes und rückläufiger Häftlingszahlen im Jahr 2015 geschlossen wird.
Das denkmalgeschützte Gebäude befindet sich in Hanglage im Süden der Heidelberger Altstadt. Das damalige Bezirksstrafgefängnis wurde 1847/48 von Ludwig Lendorff aus Buntsandstein erbaut. Der östliche Parallelbau kam 1911 dazu. Das Gebäude befindet sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg, das ein Konzept für die Nachnutzung erarbeiten will. Am 11. September 2016, dem Tag des offenen Denkmals, konnten die Heidelberger das ehemalige Gefängnis besichtigen. Gegen Ende 2016 wurde das Gebäude vorübergehend für ein Theaterprojekt genutzt. Seit 2017 konnte das Gefängnis im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Eine Nutzung als Museum war mangels Fluchtwegen nicht möglich. Interesse an einer Nutzung des Gebäudes wurden auch von der Universität Heidelberg und dem Studierendenwerk Heidelberg geäußert.
Ab 2021 plante das Land Baden-Württemberg eine erneute Nutzung des Gefängnisses zur Unterbringung von Straftätern im Rahmen des Maßregelvollzugs, wogegen die Stadt Heidelberg klagte.Fauler Pelz: Stadt hat Klage gegen Land eingereicht und Zurückstellungsbescheid erlassen, 7. Juli 2022 Im April 2023 einigten sich die beiden Seiten im Rahmen eines Vergleichs, der die gerichtlichen Auseinandersetzungen beendete. Dabei wurde die Nutzung als Überbrückungslösung auf zwei Jahre und maximal 80 Personen begrenzt und eine spätere Nachnutzung des Gebäudes durch die Universität Heidelberg vereinbart. Ab August 2023 wurde der Faule Pelz wieder als Gefängnis für den Maßregelvollzug genutzt. Im Februar 2024 starb dort ein 27-jähriger Häftling, wodurch eine politische Diskussion ausgelöst wurde. Ende Juni 2025 wurden die letzten Insassen vereinbarungsgemäß in eine andere Einrichtung verlegt.
Ab 2027 soll das Gebäude für die Universität umgebaut werden, die dort ab 2029 geisteswissenschaftliche Fächer unterbringen will. Zusätzlich geplant ist ein Neubau, in den das Institut für Europäische Kunstgeschichte einschließlich Bibliothek einziehen soll. Im ehemaligen Gefängnisgebäude wird die Nutzung zweier Räume als Erinnerungsort an das in Heidelberg begangene NS-Unrecht angestrebt, es gibt bei diesem Gedenkprojekt jedoch noch offene Finanzierungsfragen.
Literatur Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadtkreis Heidelberg, Thorbecke-Verlag 2013, ISBN 978-3-7995-0426-3 100 Jahre Justizvollzugsanstalt Mannheim, Mannheim 2009
Weblinks
Holger Buchwald: Gefängnis „Fauler Pelz“: Die Räumung verzögert sich um ein Jahr. In: Rhein-Neckar-Zeitung vom 17. Januar 2014 Johanna Eberhardt: Das Ende des „Faulen Pelz“ naht. In: Stuttgarter Zeitung vom 25. Juli 2012 Holger Buchwald: Heidelberger Altstadtgefängnis: Keine Häftlinge mehr im „Faulen Pelz“. In: Rhein-Neckar-Zeitung vom 22. Dezember 2015
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Heidelberg Kategorie:Kulturdenkmal in Heidelberg Heidelberg