mini|300px|Blick auf Oerlinghausen Oerlinghausen [] () ist eine lippische Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Sie liegt südöstlich von Bielefeld an einem Pass über den Teutoburger Wald.
Mit Einwohnern im Jahr ist Oerlinghausen die fünftgrößte Stadt im Kreis Lippe. Der Segelflugplatz Oerlinghausen gilt als einer der beiden größten seiner Art in Europa und hat die Stadt neben dem Archäologischen Freilichtmuseum überregional bekannt gemacht. War früher die Leinen- und Zigarrenindustrie führend, profitiert Oerlinghausen heute von der Nähe zu Bielefeld. Viele Pendler fahren in die benachbarte Großstadt; einige Bielefelder Unternehmen haben mittlerweile Produktionsstätten in Oerlinghausen aufgebaut.
Die Stadt in ihren heutigen Grenzen entstand erst am 1. Januar 1969 durch Zusammenlegung der Stadt Oerlinghausen mit den bis dahin selbständigen Gemeinden Lipperreihe und Helpup. Die erste Besiedlung des heutigen Stadtgebietes lässt sich auf 400 bis 50 v. Chr. datieren; urkundlich wird der Ort erstmals 1036 als Orlinchusen erwähnt.
Geografie Geografische Lage mini|300px|Blick auf die Kirchturmspitze und Altstadt Die Stadt Oerlinghausen befindet sich im Westen des Kreises Lippe, im Osten Nordrhein-Westfalens. Sie liegt an einem Pass über den Höhenzug Teutoburger Wald, ungefähr in der Mitte zwischen Bielefeld (11 Kilometer westlich gelegen) und Detmold (15 Kilometer östlich gelegen) innerhalb des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge. Die Kernstadt liegt überwiegend am Nordhang des Tönsberges, ebenso der Ortsteil Währentrup. Die Ortsteile Südstadt und Lipperreihe sind in der Ebene südlich des Teutoburger Waldes zu finden, der Ortsteil Helpup nördlich davon, der Höhenzug selbst ist an dieser Stelle Teil der Weser-Ems-Wasserscheide. Die Kumsttonne auf dem Tönsberg ist das Wahrzeichen Oerlinghausens. Der frühere Name Osning für den Höhenzug bedeutet heiliger Waldkamm und erst seit rund 200 Jahren wird der Begriff Teutoburger Wald gebraucht, der auf eine Ortsangabe des römischen Geschichtsschreibers Tacitus zurückgeht.
Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich auf (Tönsberg), der niedrigste auf etwa am Abfluss des Sieksbaches am nördlichen Stadtrand in Helpup.
Geologie mini|Geothermische Karte von Oerlinghausen Bedingt durch die Lage beidseits des Teutoburger Waldes hat Oerlinghausen eine ausgeprägte Morphologie. Auf sehr engem Raum treten steilstehende bis überkippt gelagerte Ton-, Sand-, Mergel- und Kalksteine des Erdmittelalters zutage. Im nordöstlichen Gemeindegebiet herrschen Kalksteine des Muschelkalks vor, während der südwestliche Teil der Gemeinde bereits zur Senne gehört, die beim Abschmelzen der letzten Eiszeit gebildet wurde, als das Schmelzwasser große Mengen an Sand mit sich führte und hier ablagerte. An manchen Stellen sind die Ablagerungen über 60 Meter stark und bestehen aus zerriebenem Sandstein des Osning.Claus-Peter Hutter (Hrsg.): Senne und Teutoburger Wald. Weitbrecht Verlag, 2003, ISBN 3-522-72091-1. Durch die Innenstadt verläuft der Osningkamm. Dieses langgezogene Gebirge besteht hier aus drei von Nordwest nach Südost verlaufenden Höhenzügen. Der zentrale Hauptkamm wird vom Osning-Sandstein der Unteren Kreide gebildet, der südliche Kamm besteht aus Turonium- und Cenomanium-Schichten der Oberen Kreide und der nördliche Kamm aus Keuper- und Muschelkalk.
Oerlinghausen eignet sich im nördlichen Gemeindeteil weitgehend gut, im südlichen Gemeindeteil durchweg gut und in Kammlagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vergleiche dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebietes Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Stadt umfasst ein Gebiet von 32,7 Quadratkilometer. Die Ausdehnung des Stadtgebietes in Nord-Süd-Richtung beträgt rund sieben Kilometer, in Ost-West-Richtung fünf Kilometer. Im Vergleich zu anderen Gemeinden gleichen Typs hat Oerlinghausen einen annähernd doppelt so hohen Anteil an Waldfläche. Dies liegt in der Lage im Teutoburger Wald begründet.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 7,52 16,03 4,53 2,59 0,24 1,44 0,33 Anteil an Gesamtfläche 23,0 % 49,0 % 13,9 % 8,0 % 0,7 % 4,4 % 1,0 %
Nachbargemeinden Oerlinghausen grenzt westlich an die Bielefelder Stadtbezirke Sennestadt und Stieghorst, nördlich an die Gemeinde Leopoldshöhe, östlich an die Stadt Lage, südöstlich an die Gemeinde Augustdorf (alle im Kreis Lippe) und südlich an die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh).
Stadtgliederung
mini|Ortsteile von Oerlinghausen
Gemäß der Hauptsatzung der Stadt Oerlinghausen gliedert sich die Stadt in die drei Ortsteile Oerlinghausen, Helpup und Lipperreihe. Daneben wird landläufig zwischen weiteren Stadtteilen unterschieden:
Bei Währentrup, Mackenbruch und Wellentrup handelt es sich um eine historisch bedingte Untergliederung des Ortsteils Helpup. Südstadt bezeichnet eine Großsiedlung im Süden des Ortsteils Oerlinghausen, die in den 1960er-Jahren erbaut wurde; im Gegensatz dazu wird die Stadtmitte des Ortsteils auch als Alt-Oerlinghausen bezeichnet.
Die folgende Tabelle zeigt die Fläche und die Bevölkerungszahlen der Ortsteile:
+ Bevölkerungszahlen und Fläche der StadtteileStadt Oerlinghausen: Ortsteil Fläche Einwohner Oerlinghausen 9,20 km² 10.975 Helpup 13,46 km² 4.789 Lipperreihe 10,04 km² 3.362 Gesamt 32,7 km² 19.126
mini|Klimadiagramm: Durchschnittliche Regenmenge in Oerlinghausen (blaue Linie) und im NRW-Durchschnitt (weiße Linie) 1961–1990
Klima Oerlinghausen gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Die jährlichen Durchschnittstemperaturen weisen bedingt durch die geographische Lage im und beidseits des Teutoburger Waldes recht große Unterschiede auf. Während nördlich und südlich unterhalb des Höhenzugs Temperaturen von acht bis neun Grad Celsius im Jahresmittel erreicht werden, liegen die Temperaturen mit zunehmender Höhe zum Kamm um bis zu zwei Grad Celsius darunter.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen im langjährigen Mittel an der Station Oerlinghausen durch die Regenfängerwirkung des Teutoburger Walds aufgrund von Steigungsregen im Durchschnitt 1026 Millimeter Niederschlag je Jahr. Somit fällt deutlich mehr Niederschlag als im deutschen Mittel (700 Millimeter).
Geschichte Entstehung des Ortsnamens Oerlinghausen Der Ortsname Oerlinghausen entstand vor der Christianisierung; bei der Silbe -ing handelt es sich um eine patronymische Sprachform. Das bedeutet, der Bestandteil Oerl war der Name eines Mannes, dessen Nachfahren Oerlinge genannt wurden. Entsprechend ist Oerlinghausen der Ort, an dem die Oerlinge beheimatet waren.Hans Sprenger, Bruno Hunke: Vorwerk Orlinchusen. In: Heimatland Lippe. 79. Jahrgang, 1986, S. 140–143. Für die naheliegende Annahme, dass zwischen dem Namen Oerl und dem gleichlautenden englischen Earl ein etymologischer Zusammenhang existiert, fehlt bislang eine sprachwissenschaftliche Fundierung.
Der Name Oerlinghausen wird auf der ersten Silbe betont (IPA: ) und nicht, wie häufig von Auswärtigen und Zugezogenen gebraucht, auf der dritten Silbe. mini|Wanderweg am Tönsberg
1036 wird Oerlinghausen als Uralanchuson erstmals schriftlich erwähnt.Folgende Schreibweisen sind im Laufe der Jahrhunderte ebenfalls belegt: Orlinchusen (um 1214), Horlinchosen (1235), Orlinchosen (1272), Orninchusen (um 1324), Orlynchusen (1332), Ordinchusen (1367), Oerninchusen (1431), Ornynkhusen (1494), Orlinckhusßin (1507, im Landschatzregister), Örlinchusen (1514), Ornynckhusen (1533), Orlingkhausen (1589, im Landschatzregister), Oehrlinghaußen (1616/17, in den Salbüchern), Örlingkhausen (um 1625, im Landschatzregister), Ovlinglinghausen (1627), Oerlinghausen (1633, im Lemgoer Bürgerbuch), Oirlinghausen (1634), Arlinghausen (1715, in einer Karte der Senne) sowie Urlinchausen (1757).Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 373 (PDF).
Tönsberglager und erste urkundliche Erwähnung Der Höhenzug und der Pass bei Oerlinghausen waren schon in alter Zeit von militärstrategischer Bedeutung. Eindeutige Siedlungsspuren hat man bei Ausgrabungen im Stadtgebiet und dem nahen Hausberg Oerlinghausens, dem Tönsberg, freigelegt. So wurde das Tönsberglager, eine Höhenbefestigung aus der älteren Eisenzeit, freigelegt. Diese Wallburg hatte man in karolingischer Zeit weiter ausgebaut. Eine tiefer am Hang gelegene Quelle wurde einbezogen, um die Wasserversorgung zu sichern. Mittels der Radiokohlenstoffdatierung lässt sich die erste Besiedlung auf 400 bis 50 v. Chr. und eine weitere bislang auf 750 bis 1000 n. Chr. datieren.Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen. Band Lippe. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-76111-0, Kapitel Oerlinghausen. Neue Funde von Fritteperlen aus dem Jahr 2010 an einem schon 1939 ausgegrabenen Steinplattengrab datieren aus der Zeit um 700 und 750 n. Chr. Sie können laut Karl Banghard, Leiter des Freilichtmuseums Oerlinghausen, auf die älteste bedeutende Siedlung mit nachweisbaren Wurzeln im Frühmittelalter in Lippe deuten.Ein frischer Blick zurück. Spannende archäologische Funde an der Hanegge wichtig für ganz Lippe. In: Neue Westfälische. 11. August 2010.
Erstmals wird Oerlinghausen in der Busdorf-Urkunde vom 25. Mai 1036 als Vorwerk Orlinchusen des nahe gelegenen Haupthofs Barkhausen erwähnt. In dieser Urkunde erließ Bischof Meinwerk von Paderborn die Verfügung, dass unter anderem von den Vorwerken Orlinchusen und Meginchusen (Menkhausen) der Zehnt an das von ihm gegründete Kanonikerstift Busdorf abzuführen sei.Ernst Fleischhack: Oerlinghausen und die Landesherrschaft in alter Zeit. In: Stadt Oerlinghausen: Oerlinghausen. Geschichte und Geschichten. Oerlinghausen 1984. Das erste Bauwerk des Ortes war aber vermutlich eine Burg zur Sicherung der Passstraße über den Osning. Heute besteht noch eine Flurbezeichnung namens „Burghagen“, die offenbar auf den Standort dieser Burg hindeutet.
Mittelalterliche Fehden und Reformation Es ist umstritten, wann der Paderborner Erzbischof den Landesherren in Lippe die Herrschaftsbefugnisse übertragen hat. Fest steht jedoch, dass Bernhard II. in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Inhaber der ehemaligen Paderborner Hoheitsrechte in Oerlinghausen auftritt. Aus dem Jahr 1177 ist bekannt, dass Bernhard II. den 3 Kilometer nordwestlich von Oerlinghausen liegenden Lewenberg besetzte und befestigte - eine Aktion, die zum Konflikt mit Graf Herrmann von Ravensberg führte. Während der Eversteinschen Fehde (1403 bis 1407) wurde Oerlinghausen, wie das gesamte Land Lippe, von Truppen des Herzogs von Braunschweig besetzt und teilweise verwüstet. Aus dem Jahr 1409 gibt es ein Schadensverzeichnis, in dem von Raub, Brandschatzung und anderen Gewalttaten die Rede ist, besonders im lippisch-ravensbergischen Grenzbereich. Aus der Rietberger Fehde (1556 bis 1566) ist überliefert, dass Graf Johann von Rietberg die lippische Exklave Lipperode überfiel. Vom Raum Oerlinghausen aus erfolgte der Gegenangriff des Grafen Bernhard VIII., der die Stadt Rietberg belagerte, die schließlich vom Herzog von Jülich unterworfen wurde.