Jerichow [] ist eine Stadt im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Mit fast 270 km² gehört Jerichow zu den nach Fläche größten Gemeinden Deutschlands.
Geographie Lage Die Stadt Jerichow liegt an einem alten Elbarm zwischen Stendal und Genthin. Durch das Stadtgebiet zieht der Elbe-Havel-Kanal.
Die Stadt erstreckt sich von der Kernstadt nach Osten entlang der Nordgrenze des Landkreises Jerichower Land bis zur Landesgrenze nach Brandenburg und von dort in einem Streifen weiter nach Süden. Die südlichen Gebiete liegen teilweise auf der eiszeitlich gebildeten Hochfläche der Karower Platte, teilweise im Niederungsgebiet Fiener Bruch. Höchster Punkt ist der Westhang des in Brandenburg liegenden Gollwitzer Berges. Einziges natürliches Fließgewässer der Karower Platte ist der Steinbach. Er fließt der Havel über den Karower Landgraben und den Fiener Hauptvorfluter dem Elbe-Havel-Kanal zu.
Stadtgliederung Die Stadt Jerichow ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus 12 Ortschaften, die wiederum in 33 Ortsteile gegliedert sind und 12 kleinere Ansiedlungen (in Klammern):Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016 Brettin mit OT Brettin und Annenhof Demsin mit OT Kleinwusterwitz, Kleindemsin und Großdemsin (mit Dreihäuser, Binnenheide und Werdershof) Jerichow mit OT Jerichow (mit Bucher Brack), Klietznick, Steinitz, Mangelsdorf und Klein-Mangelsdorf Kade mit OT Kade (mit Ziegelei, Forsthaus und Röthlake), Belicke, Neubuchholz und Kader-Schleuse Karow (mit Elisenau und Sophienhorst) Klitsche mit OT Altenklitsche und Neuenklitsche (mit Wilhelmsthal und Schäferei) Nielebock mit OT Nielebock und Seedorf (mit Fährstelle) Redekin mit OT Redekin (mit Eduardshof), Scharteucke und Neuredekin Roßdorf (mit Dunkelforth) Schlagenthin mit OT Schlagenthin (mit Milower Weg, Jungviehhof, Hahnenhütte und Forsthaus)Top50 CD, Amtliche Topographische Karte, Sachsen-Anhalt, 2003 und Kuxwinkel Wulkow mit OT Großwulkow, Kleinwulkow, Hohenbellin, Altbellin, Havemark und Blockdamm Zabakuck mit OT Zabakuck und Güssow
Geschichte mini|Burgstall der Burg Jerichow mini|Kloster Jerichow Der Ortsname ist slawischen Ursprungs – „Burg des Tapferen“ – also nicht biblisch. Bereits die Slawen legten die Burg Jerichow zur Verteidigung ihrer Westgrenze an.Stadtverwaltung Jerichow (Hrsg.): 850 Jahre Kloster- und Stadtgeschichte Jerichow, Jerichow 1994, Seite 18 Jerichow wurde Ende des Jahres 1144 erstmals urkundlich erwähnt. Anlass war die Gründung des Klosters Jerichow durch Prämonstratenser-Chorherren aus Besitzungen des Grafen von Stade (Bestätigung durch den römisch-deutschen König Konrad III.). Im folgenden Jahr ließen sich Prämonstratenser-Chorherren aus dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg im Ortszentrum nieder. 1148 verlegten die Prämonstratenser-Chorherren den Standort wegen des störenden Markttreibens an den heutigen Platz. Sie errichteten von 1149 bis 1172 die Stiftskirche als dreischiffige Basilika sowie den Ostflügel der Klausur. Die Gebäude gelten als wichtige Werke der Backsteinromanik.
Jerichow erhielt 1336 das Stadtrecht, woran ein Denkmal in der Karl-Liebknecht-Straße erinnert. Im gleichen Jahr wurde die Stadt durch ein Elbhochwasser fast vollständig zerstört. Um 1530 hielt mit der Reformation die lutherische Lehre Einzug und 1552 folgte die Säkularisation des Klosters durch Hans von Krusemark; ein Teil der Stiftsgebäude wurde als kurfürstliche Domäne genutzt. Im Dreißigjährigen Krieg fanden 1631 in der Stadt Zerstörungen und Plünderungen statt. Seit 1680 gehört die Stadt zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Jerichower Kreis. 1684/85 wurde die Klosterkirche durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm für eine neue Reformierte Gemeinde instand gesetzt. Die Neustadt wurde im 18. Jahrhundert gegründet.mini|Wappen der Feuerwehr
1853 bis 1856 restaurierte Ferdinand von Quast auf Wunsch König Friedrich Wilhelm IV. die Klosterkirche. Um 1870 wurden die Stiftsgebäude als Brauerei, Sprit- und Branntweinbrennerei genutzt. Im selben Zeitraum erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Klosterkirche mit weitgehender Wiederherstellung des romanischen Zustands.
1891 wurde die Ortsfeuerwehr Jerichow gegründet..stadt-jerichow.de/Feuerwehr, abgerufen am 27. September 2025
1902 wurde ein psychiatrisches Fachkrankenhaus eingeweiht, anfangs als Nebenstelle des Krankenhauses in Uchtspringe. Es firmiert heute als AWO-Fachkrankenhaus., abgerufen am 7. Dezember 2012
Von 1952 bis 1994 lag Jerichow im Kreis Genthin (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seitdem ist die Stadt Teil des Landkreises Jerichower Land.
Eingemeindungen
Am 1. November 1928 wurde der Gutsbezirk Jerichow mit der Stadtgemeinde Jerichow vereinigt.
Am 20. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Klietznick und Steinitz nach Jerichow eingemeindet.
Am 6. August 2002 wurde Mangelsdorf eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der folgenden Gemeinden beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Einheitsgemeinde mit dem Namen Stadt Jerichow vereinigt werden:
Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.
Zum selben Zeitpunkt hörte auch die Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Stremme-Fiener auf zu existieren, da sich alle ehemaligen Mitgliedsgemeinden zur neuen Stadt Jerichow zusammenschlossen.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 2.235 2005 2.327 2010 7.461 2015 7.019 2020 6.787 Jahr Einwohner 2021 6.788 2022 6.669 2023 6.588 2024 6.571 2025 6.501
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion Um 1530 hielt mit der Reformation die lutherische Lehre Einzug in Jerichow, das damals zum Erzstift Magdeburg gehörte.
Die Stadtkirche in Jerichow und die ehemalige Prämonstratenserstiftskirche St. Marien und St. Nikolai gehören zur Kirchengemeinde Jerichow im Pfarrbereich Jerichow des Kirchenkreises Stendal der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Zum Pfarrbereich Jerichow gehören neben der Kirchengemeinde Jerichow auch die Kirchengemeinden Briest, Fischbeck, Groß Mangelsdorf, Groß Wulkow, Kabelitz, Klein Mangelsdorf, Klein Wulkow, Melkow, Nielebock, Redekin, Steinitz, Sydow und Wust.Pfarrbereich Jerichow. Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, abgerufen am 6. Februar 2022.
Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 ließen sich im bislang evangelisch geprägten Gebiet um Jerichow Katholiken in größerer Zahl nieder, so dass es am 11. August 1953 in Jerichow zur Gründung einer katholischen Kirchengemeinde kam.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 32, Teil 12, Geschichte und Rechtsstellung von der Gründung der DDR bis zur Ernennung des Apostolischen Administrators. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 79–84. Die katholische Kirchengemeinde Jerichow gehörte als Kuratie zur Pfarrei Genthin. Am 8. Dezember 1964 wurde in Jerichow eine katholische Kapelle eingeweiht, die an der Karl-Liebknecht-Straße / Ecke Rosa-Luxemburg-Str. lag. 2006 wurde die Kapelle wieder aufgegeben,Katholische Kapelle auf Internetpräsenz der Pfarrei Genthin Eingesehen am 11. März 2016. nachdem sich die Zahl der Katholiken wieder verringert hatte. Heute gehören Katholiken in Jerichow zur Pfarrei Genthin, die nächstliegende katholische Kirche ist jedoch die rund zehn Kilometer entfernte Dreifaltigkeitskirche in Tangermünde.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Jerichow besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Jerichow 58,4 % 12 49,1 % 10 AfD 11,1 % 2 21,7 % 4 CDU 9,9 % 2 12,0 % 3 Unabhängige Wählergruppe Brettin – – 6,8 % 1 Die Linke 6,3 % 1 2,4 % 1 SPD 5,1 % 1 2,2 % 1 Freie Wähler – – 1,9 % – Einzelbewerber Andreas Große – – 1,5 % – Einzelbewerber Gordon Gleiche 1,2 % – 1,3 % – FDP 1,9 % 1 1,0 % – Einzelbewerberin Gudrun Ganske 2,6 % 1 – – Einzelbewerber Henry Bliemeister 1,8 % – – – Einzelbewerber Burkard Dertz 1,7 % – – – Insgesamt 100 % 20 100 % 20
Bürgermeister 2010–2022: Harald Bothe seit 2023: Cathleen Lüdicke
Bothe wurde bei der Bürgermeisterwahl am 6. November 2016 mit 95,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Er verstarb am 28. Oktober 2022.
Lüdicke wurde bei der Bürgermeisterwahl am 29. Januar 2023 mit 68,6 % der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt. Ihre Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Das Wappen der Stadt Jerichow wurde am 11. Mai 2011 durch den Landkreis Jerichower Land genehmigt.
Die Farben der Stadt sind: Weiß-Blau.
Wappen des Ortsteils Jerichow mini|hochkant=0.6|Wappen des Ortsteils Jerichow Blasonierung: „In Blau St. Georg in silberner Rüstung, in der Rechten eine silberne Kreuzlanze, die Linke gestützt auf einen rot-silbern geteilten Schild mit einer silbernen doppeltürmigen Kirche im oberen Feld, rechts ein goldener Drache.“
Jerichow besaß bis 1999 kein offiziell genehmigtes Wappen, führt jedoch seit Jahrhunderten in sich zeitweilig wandelnder Form das Bild des Heiligen Georg in Rüstung mit Lanze und Drachen. mini|links|Archivunterlagen von 1779 Aus der christlichen Ikonografie sind zahlreiche Darstellungen von St. Georg überliefert. Bei den frühen Darstellungen ist er mit einfachem Gewand bekleidet, oft auf dem niedergestochenen Drachen stehend; erst im Spätmittelalter und dann wieder zum Ende des 19. Jahrhunderts wandelten sich diese Bilder in kriegerische Erscheinungen, das heißt gerüstet mit Helm, Rüstung, Schild und anderem mehr. Es ist anzunehmen, dass auch das Jerichower Wappenbild eine solche Wandlung erfuhr, denn 1779 wurde das Bild noch anders beschrieben. Im Archiv des Klosters Jerichow findet sich eine Akte mit dem Titel „Nachrichten von der Stadt Jerichow de Anno 1779“. Darinnen beantwortet der Bürgermeister verschiedene Fragen zur Stadt. Die Frage Nr. 31 lautet: „Was die Stadt im Wappen führe.“ Die Antwort: „Den Ritter St. George der den Lindwurm ersticht.“
In Jerichow ist die Stadtkirche dem Heiligen Georg geweiht; hierin erklärt sich der Zusammenhang zum Wappenbild. Erste bildliche Zeugnisse des Jerichower Wappens zeigen eine recht naturalistische Darstellung mit Beiwerk und in falschen Tinkturen.
Das Redesign des Wappens übernahm 1999 der Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch.
Historisches Wappen mini|hochkant=0.6|Ehemaliges Wappen Jerichows Blasonierung (ehemaliges Wappen): „In Blau auf grünem Boden ein Ritter in silberner Rüstung, in der Rechten eine silberne Kreuzlanze, in der Linken einen rot-silbernen geteilten Schild mit schwarzen Doppelzinnenbalken haltend, rechts ein fauchender brauner Drache, zu beiden Seiten grüne Pflanzen mit roten Blüten.“
Das Wappen von Jerichow wurde in Gewohnheitsrecht geführt. Über den Zusammenhang des Wappeninhalts zueinander liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der Zinnenbalken im kleinen Schild wird als Symbol für die Prämonstratenserstiftkirche gedeutet.
Flagge Die Flagge der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow ist blau-weiß-blau (1:4:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Wappen der Einheitsgemeinde belegt.
Flagge des Ortsteils Die Flagge ist blau-weiß-blau gestreifte Flagge mit dem aufgelegten Wappen der Stadt Jerichow.
Sehenswürdigkeiten