mini|180px|Ernst Benzinger, Wien 1889 Ernst August Benzinger (* 1. März 1867 in Hannover;Biographisches Bühnen-Lexikon der deutschen Theater. 1. Jahrgang. München 1892, S. 22. † 29. Januar 1946Sterberegister Berlin-Wilmersdorf. in Berlin-Wilmersdorf) war ein deutscher Schauspieler und Theaterregisseur.
Leben und Wirken Theater Der Sohn eines königlichen Hofschornsteinfegermeisters erhielt seine künstlerische Ausbildung bei Hermann Müller (1834–1889), Regisseur am Königlich-Hannoverschen Hoftheater, und trat Ende der 1880er Jahre in Lübeck sein erstes Festengagement an. Wenig später erreichte Benzinger Berlin, wo er am Ostend- und Victoria-Theater auftrat. Daran anschließend spielte Benzinger am Deutschen Volkstheater in Wien und in der Spielzeit 1890/91 am Meininger Hoftheater. 1891 wechselte Benzinger ans Stuttgarter Hoftheater, wo er mit dem Percy in Shakespeares Heinrich IV. debütierte. Schon in jungen Jahren rühmte man „das treffliche, oft geradezu ergreifende, außerordentlich temperamentvolle Spiel des Künstlers. Die Auffassung seiner Rollen zeugt von tiefem Verständnis, sowie er überhaupt bemüht ist, durch sorgfältiges Studium der Intention des Dichters gerecht zu werden.“Ludwig Eisenberg's Großes Biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. List, Leipzig 1903, S. 80, Zitat ebd. 1892 heiratete Benzinger seine 22 Jahre ältere Stuttgarter Kollegin Eleonore Wahlmann. Die 1843 geborene Tragödin war für ihr „heißblütiges Temperament“ bekannt und starb 1900 nach einem Selbstmordversuch als Geisteskranke in der Tübinger Psychiatrie.Rudolf Kraus: Benzinger-Wahlmann, Eleonore. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog [für das Jahr 1900]. Bd. 5, 1903, , S. 68–72, Zitat: S. 70; Ludwig Eisenberg's Großes Biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. List, Leipzig 1903, 80 f. „Trotz seiner Eskapaden und trotz seiner Schulden für Essen und Wein“ wurde der als begabt geltende Benzinger von der Stuttgarter Intendanz bis Anfang 1898 als Heldendarsteller gehalten.Wolf Liese: Louise Dumont. Ein Leben für das Theater. Schröder, Hamburg u. a. 1971, ISBN 3-547-76090-9, S. 89.Zeitangaben nach Neuer Theater-Almanach. Bd. 8, 1897 – Bd. 25, 1914, bzw. Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Bd. 26, 1915 – Bd. 33, 1922. In dieser Zeit verkörperte er im Fach der Helden und Liebhaber u. a. den Othello, Egmont, Marc Anton, Macbeth, Faust, Wilhelm Tell, Richard II. und den Coriolanus.
Wie damals üblich nutzte Benzinger danach von 1898 bis Anfang 1900 seinen Ruf als Heldendarsteller und Hofschauspieler, um mit Gastauftritten („Gastieren“) in wechselnden Theatern aufzutreten.Zum „Gastieren“ siehe Eduard von Winterstein: Mein Leben und meine Zeit. Ein halbes Jahrhundert deutscher Theatergeschichte. 7. Auflage. Henschel, Berlin (Ost) 1967, passim, insb. S. 131. Von 1900 bis 1903 war Benzinger wieder in Stuttgart, wenn auch nicht mehr im 1. Heldenfach. Von 1906 bis 1912 hatte er ein Engagement am renommierten Berliner Theater. Während des Ersten Weltkriegs spielte Benzinger schließlich unter Max Reinhardt am Deutschen Theater und an der Volksbühne in Berlin, meist mittlere und auch kleinere Rollen, so in Reinhardts Die Piccolomini (1915), Das Wintermärchen (1916), Macbeth (1917) und in Felix Hollaenders Inszenierung von Gyges und sein Ring (1916).Franz Horch (Hrsg.): Die Spielpläne Max Reinhardts von 1905–1930. Piper, München 1930, S. 32–37; Knut Boeser, Renata Vatková (Hrsg.): Max Reinhardt in Berlin (= Reihe deutsche Vergangenheit. Stätten der Geschichte Berlins . Bd. 6). Froelich & Kaufmann, Berlin 1984, ISBN 3-88725-166-0, S. 335–344. Im Berliner Lustspielhaus spielte er Mitte der 20er-Jahre in dem erfolgreichen en-suite gespielten Schwank Der wahre Jakob von Arnold und Bach.Die Hauptrolle in dem am 20. Dezember 1924 am Lustspielhaus uraufgeführten Schwank spielte allerdings der Komiker Guido Thielscher. Benzinger wird in keiner Zeitungskritik der Erstbesetzung erwähnt.
Ab 1904 waren „Gastieren“ und Jahresengagements für Benzinger immer notwendiger geworden, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Qualität der Theater, an denen er engagiert war, sank dabei ab 1918 zunehmend. Gelegentlich war Benziger auch im Regiefach und als Autor tätig. Der seit 1902 erneut verheiratete Benzinger arbeitete bis ins hohe Alter als Schauspieler und starb in der Hungerzeit des unterversorgten Berlin kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Film Vor die Kamera trat Ernst Benzinger erstmals 1912, als Max Reinhardt ihn für die Verfilmung von Das Mirakel als Graf der Räuber verpflichtete. Seit Mitte des Ersten Weltkriegs wirkte Benzinger regelmäßig in Kinoproduktionen mit. Er spielte Militärs, Grafen und Professoren, in dem gegen Ende des Krieges entstandenen Streifen Suchomlinow sogar Rasputin. Nach eigener Aussage will er bis Mitte der 1920er Jahre unter der Regie von Ernst Lubitsch, Carl Froelich, Joe May, Richard Oswald, Richard Eichberg, Lupu Pick, Harry Piel, Dimitri Buchowetzki und Fritz Lang gedreht haben.Kurt Mühsam, Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926, S. 16. Im Tonfilm musste sich Benzinger rasch mit sehr kleinen Aufgaben begnügen. Zuletzt schrumpften seine Filmrollen auf Sekundenformat und wurden nicht einmal aufgelistet.
Filmografie Stummfilme 1912: Das Mirakel, Regie: Cherry Kearton, Max Reinhardt, Rolle: Graf der RäuberRollenfoto in Kostüm in: The Theatre. Bd. 17, 1913, S. 160 (Digitalisat auf archive.org) 1916: Homunculus, 2. Teil: Das geheimnisvolle Buch, Regie: Otto Rippert 1917: Das Geschlecht der Schelme, 1. Teil, Regie: Alfred Halm 1917: Die Königstochter von Travankore, Regie: Otto Rippert 1917: Und wenn ich lieb' nimm Dich in acht…!, Regie: Otto Rippert 1918: Die Rose von Dschiandur, Regie: Alfred Halm 1918: Der fliegende Holländer, Regie: Hans Neumann 1918: Die Kleptomanin, Regie: Herr Arno, Urban Gad 1918: Nixenzauber, Regie: Hans Neumann 1918: Suchomlinow, Regie: Kurt Matull, Rolle: Rasputin 1919: Pogrom, Regie: Alfred Halm, Rolle: Latischew 1919: Eugen Onegin, Regie: Alfred Halm, Rolle: Gutsbesitzer Saretzki 1919: Schloß Einöd, Regie: Erik Lund, Rolle: Professor Bastanie 1922: Grenzwacht im Schnee, Regie: Reinhard Bruck 1922: Betrogene Betrüger, Regie: Arzén von Cserépy, Rolle: Korporal
Tonfilme 1930: Kohlhiesels Töchter, Regie: Hans Behrendt 1932: Theodor Körner, Regie: Carl Boese 1932: Jonny stiehlt Europa, Regie: Harry Piel, Andrew Marton 1933: Das Meer ruft, Regie: Hans Hinrich 1935: Eine Seefahrt, die ist lustig, Regie: Alwin Elling, Rolle: Nachbar der Winklers 1935: Der Klosterjäger, Regie: Max Obal, Rolle: Alter Chronist des Probstes 1936: Wie Eulenspiegel ein Urteil sprach, Regie: Theo Lingen (Kurzfilm), Rolle: 2. Richter 1936: Wie Eulenspiegel sich einmal erbot, zu fliegen (Kurzfilm), Regie: Theo Lingen 1936: Wenn wir alle Engel wären, Regie: Carl Froelich 1937: Einmal werd ich dir gefallen, Regie: Johannes Riemann, Rolle: Alter Geiger im Biergarten 1937: Zu neuen Ufern, Regie: Detlef Sierck, Rolle: Büroangestellter bei Wells 1938: Der Mann, der nicht nein sagen kann, Regie: Mario Camerini, Rolle: Gast bei der Goldenen Hochzeit 1940: Das Herz der Königin, Regie: Carl Froelich, Rolle: Alter Schreiber am englischen Hof 1940: Falstaff in Wien, Regie: Leopold Hainisch, Rolle: Souffleur bei der Premiere 1942: Eine Nacht in Venedig, Regie: Paul Verhoeven, Rolle: Alter Mann in der Osteria (ohne Namensnennung)
Schriften Die Weiber von Weinsberg. Dramatischer Schwank in 2 Aufzügen mit Benützung des Uhlandschen Bruchstücks. Rohm, Lorch 1904. Fünfzig Balladen und Romanzen. Silva-Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1912. Schaufilm oder Spielfilm? In: Das Tage-Buch. Bd. 1, 1920, 2. Halbjahr, S. 1332–1336 (Digitalisat auf archive.org)
Literatur Ludwig Eisenberg's Großes Biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. List, Leipzig 1903, S. 80. Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films. Bd. 4, 1921/1922, , S. 12. Kurt Mühsam, Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926., S. 16. Neuer Theater-Almanach. Bd. 8, 1897 – Bd. 25, 1914, ; Fortsetzung als: Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Bd. 26, 1915 – Bd. 56, 1945/1948, . Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Band 1: A – Hurk. Kleinmayr, Klagenfurt u. a. 1953, S. 116
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