Die chinesische Tradition betont die Einheit von Körper und Geist,N. Sausmikat, K. Fritsche: Schneller, höher, weiter: China überholt sich selbst. Essen 2008. wodurch die chinesischen Wettkämpfe eher einen zeremoniellen und ritualisierten Charakter angenommen haben. Dies änderte sich in der Moderne, in der China im Weltsport zu einem ernst zu nehmenden Gegner wurde. Schon von Beginn an verlief die Entwicklung des modernen Sports parallel zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung und war dadurch einem ständigen Auf und Ab unterworfen. auf chinapolitik.de (PDF)
Geschichte Bis 1900 In der Tang-Dynastie entwickelte sich der Sport sehr schnell. Es entstanden zahlreiche traditionelle und volkstümliche Spiele. Zusammen mit dem wirtschaftlichen und kulturellen Austausch, wurde auch der sportliche internationale Kontakt sehr intensiv.Bo Liu: Zeitgenössische deutsche und chinesische Sportpädagogik im Vergleich: Ausgewählte Beispiele. auf esport.dshs-koeln.de (PDF, Dissertation)
Auch in früheren Zeiten gab es in China Wettkämpfe, die allerdings einen anderen Charakter als die westlichen Wettkämpfe hatten. Da in China die Auffassung vertreten wurde, dass Körper und Geist eine Einheit bilden, gehörte es sich nicht, Wettkämpfe zu bestreiten, bei denen der Fokus auf der körperlichen Stärke lag. Bei den Edlen vertrat man sogar den Standpunkt, dass Sport von der ehrlichen Arbeit abhielte und zu suchtähnlichen Zuständen führen könne. Dennoch wurden Sportarten wie Reiten, Bogenschießen, Ringen und Kräftemessen betrieben.
Im militärischen Bereich wurden besonders die Kampfsportarten und das Bogenschießen gefördert. Auch Frauen durften ab dem 9. Jahrhundert am Bogenschießen teilnehmen, welches sich zu einem volkstümlichen Treiben entwickelte. Als Trainingsspiele für die Heereseinheit galten die Jagd, Polo und Fußball.
Einige Zeit waren die Kaiser gegen die Ausübung sportlicher Aktivitäten. Sportler wurden verdächtigt, Mitglieder von Geheimgesellschaften zu sein. Zudem verstießen sie ganz oder teilweise gegen das Gesetz, welches Nacktheit in der Öffentlichkeit verbot.
1900–1949 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sportliche Verbände, welche von wenigen Enthusiasten begründet wurden und dem Sport neue Impulse gaben. Doch der Sport hatte zunächst nur eine geringe Bedeutung, Sportstätten, Sportlehrer und Wettkampfgelegenheiten gab es nur in begrenzte Zahl. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kam nur die Oberschicht mit Sport in Berührung, da es sich die Unterschicht nicht leisten konnte.Rolf von der Laage: Jetzt kommen die Chinesen. Chinas Aufbruch zur sportlichen Grossmacht. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 1994, ISBN 3-89124-238-7.
Nach der Niederlage Chinas im zweiten japanisch-chinesischen Krieg entstanden zahlreiche Reform-Modelle, die eine Modernisierung Chinas zum Ziel hatten. In diesen Modellen wurde auch über eine umfassende Umgestaltung des Erziehungswesens und dem Sport als physische Ausbildung diskutiert. Somit zogen westliche Sportarten in das Land ein und wurden besonders im Schulsport übernommen. Ab 1908 fanden mehrere Leichtathletikwettkämpfe in Beijing, Shanghai, Nanjing und anderen wichtigen Städten statt. Die erste chinesische Leichtathletik-Meisterschaft wurde 1910 durchgeführt. Bis 1949 wurden jedoch gerade einmal zwölf nationale Titelkämpfe ausgetragen. Das erste Stadion entstand in Beijing und besaß eine Kapazität von 10000 Plätzen. 1934 wurde das erste moderne Stadion mit 40000 Plätzen in Shanghai gebaut.
Fernöstliche Spiele Die Fernöstlichen Spiele wurden anfangs im Zweijahres-Rhythmus, jeweils in den ungeraden Jahren, durchgeführt. Nach 1927 und 1930 wurden sie auf den olympischen Vierjahres-Rhythmus umgestellt. Seit 1913 beteiligte sich China an den Fernöstlichen Spielen. Den Impuls dazu gab der Christliche Verein junger Männer (YMCA), der die westliche Sportvorstellung in China verbreitete. Der YMCA richtete auch die 2. (1915), 5. (1921) und 8. (1927) Spiele in Shanghai aus. China beteiligte sich bis 1934 und daraufhin an allen Spielen die in Japan auf den Philippinen stattfanden. Die Spiele dauerten acht Tage und zu den Spielen gehörten Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Baseball, Basketball, Fußball und Volleyball.
Besonders im Fußball waren die Chinesen sehr erfolgreich. Bis auf zwei Turniere konnten die Chinesen den Sieg für sich verbuchen. Des Weiteren gewannen sie 18 Goldmedaillen in den Leichtathletik-Wettbewerben. Fünfmal wurden sie Sieger bei den Volleyballturnieren und jeweils einmal errangen sie den ersten Platz in der Schwimm-Gesamtwertung sowie im Basketball- und Tennisturnier. 1915 konnten sie den Gesamtsieg der Spiele für sich verbuchen.
Nach 1934 fanden die Spiele aufgrund der politischen Lage nicht mehr statt.
1950–2000 Im Jahr 1949 wurde die All-China Sports Federation gegründet, welche für die staatliche Sportpolitik zuständig war. Um die Massen für den Sport zu begeistern, erschien am 1. Juli 1950 die erste Sportzeitschrift Neuer Sport.Helmut Digel u. a.: Hochleistungssport in China. Bräuer Verlag, Weilheim/Teck 2003. Zwei Jahre später wurde die „Staatliche Kommission für Körperkultur und Sport Chinas“ ins Leben gerufen. Die Aufgabe der beiden Organisationen war es den Sportbetrieb, vorrangig den Massensport zu entwickeln.
Verpflichtend wurde der Schulunterricht in den Schulen und bis zum zweiten Studienjahr ab 1951 eingeführt. Um den Sport weiter voranzutreiben, wurden zahlreiche Sportschulen und Sporthochschulen gegründet. Die erste Sporthochschule Huadong entstand in Shanghai. Später folgten Sporthochschulen in Wuhan, Peking, Chengdu, Shenyang und Xi’an.Sport und Gesellschaft in China auf uni-tuebingen.de
Neben der staatlichen Organisation sollten auch Schulen, Unternehmen und Betriebe den Sport verbreiten. Ziel war es die Gesundheit des Volkes zu verbessern und gleichzeitig den Leistungssport voranzutreiben. In dieser Zeit wurde die erste sportartübergreifende Nationalmannschaft gegründet. Diese Mannschaft wurde zentral in Peking trainiert. Auch die Forschung sollte einen neuen Stellenwert bekommen. Daher wurde 1958 das Nationale Forschungsinstitut für Sportwissenschaften in Beijing und 1960 das Sportwissenschaftliche Forschungsinstitut in Shanghai gegründet.
Im Jahr 1959 wurden erstmals nationalen Spiele veranstaltet. In den 1960er-Jahren befand sich China in einer schweren ökonomischen Krise, welche sich auch auf Sport auswirkte. Das Sportsystem wurde zentralisiert und die Sportkommission übernahm sämtliche Macht- und Verwaltungsbefugnisse. Dazu gehörte ein Sportsystem mit zentraler Planung und Delegation an lokale und regionale Teilkommissionen. Die Sportförderung im Zuge dessen auf den Leistungssport konzentriert, der Massensport trat in den Hintergrund.
Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1967 wurde der gesamte Sport in China weit zurückgeworfen. Die Sportverwaltung stand unter Militärkontrolle, Sporthochschulen und sportwissenschaftliche Institutionen wurden geschlossen, Sportzeitschriften durften nicht mehr veröffentlicht werden. Zudem wurde kein Leistungssport mehr betreiben, dennoch hat der Sportbetrieb niemals völlig geruht.
Nach der Modernisierung und Öffnung zur westlichen Welt Chinas in den 1970er-Jahren begann die Weiterentwicklung des Sports. 1971 nahm China an der Tischtennis-WM teil. Dieses Sportereignis führte zu einer Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehung zu den USA. Gleichzeitig wurden sportwissenschaftliche Institutionen wieder eröffnet und nationale Sportveranstaltungen durchgeführt.
Ab den 1980er-Jahren trieb ein Großteil der Chinesen (rund 300 Mio.) Sport und in 70 % aller Städte gab es Erholungs- und Sportstätten und die ersten Sportvereine wurden gegründet. Um den Sport in den Schulen weiter zu verbreiten und damit sportliche Talente zu gewinnen wurden Richtlinien für den Schulsport und Jugendsport in der Verfassung der Volksrepublik Chinas festgeschrieben.
Zahlreiche Reformen wurden nach 1994 durchgeführt. Zwanzig Verwaltungszentren der Sportdisziplinen wurden eingeführt, mit dem Ziel die Sportverwaltung dem internationalen Niveau anzupassen, um an der Weltspitze mithalten zu können. Die ersten Profi-Ligen wurden eingeführt und auch für die breite Bevölkerung wurden Programme erstellt um die Gesundheit von Familien zu fördern. Zu einem Programm gehörte das „1-2-1-Projekt“. In diesem Projekt sollte jeder mindestens ein Mal täglich Sport treiben, mindestens zwei Trainingsmethoden beherrschen und sich einmal jährlich medizinisch untersuchen lassen. Jede Familie sollte mindestens ein Sportgerät besitzen, zwei Mal in jedem Quartal eine Freiluft-Sportart ausüben und mindestens ein Sportmagazin oder ein Sportbuch ihr Eigen nennen. In jedem Wohnviertel sollte ein Sportplatz zur Verfügung stehen und zwei Mal im Jahr sollte in den Vierteln eine Fitness-Aktivität organisiert und eine Gruppe von Übungsleitern erstellt werden. Das Projekt reichte bis in die Schulen, dort sollte jeder Schüler jeden Tag eine Stunde an einem sportlichen Bewegungsangebot teilnehmen und ein Mal im Jahr an einem Gesundheitstest teilnehmen. Des Weiteren mussten zweimal pro Jahr Ausflüge organisiert werden.
Im Jahr 1997 startete das Projekt „Fitness-for-All“. Dabei wurden öffentliche Geräteparks, Sporthallen und Sportplätze gebaut, welche von der 1992 eingeführten Sportlotterie finanziert wurden. Die Staatliche Kommission für Körperkultur und Sport wurde 1998 aufgrund einer Reform durch die Generalverwaltung für Sport (SSGA) ersetzt. Durch diese Reform sollte der Einfluss der Regierung zurückgenommen, Aufgaben dezentralisiert und der Breiten- und Leistungssport gleichermaßen gefördert werden.
Im Jahr 2000 erhielt Beijing ein weitläufiges hochmodernes Sportzentrum mit Stadien und Hallen für verschiedene Sportarten und dazu Bauten für Sportinstitute, Forschungseinrichtungen und Laboratorien.
China und die Olympischen Spiele 1910–1948 Das Chinesische Olympische Komitee wurde 1910 gegründet, als Vollmitglied wurde es aber erst 1931 vom IOC anerkannt. 1932 nahm China erstmals an den Olympischen Spielen in Los Angeles mit einer sechsköpfigen Delegation teil. Bei den Spielen 1936 in Berlin startete China mit 69 Athleten, wovon nur einer einen Endkampf erreichte. 1948 in London startete China mit einer starken Delegation. Zu den wichtigsten Sportarten zählten Leichtathletik, Schwimmen, Radsport, Basketball, Fußball, Tennis und Volleyball.
1949–1956 Zwei-China-Problematik 1949 entstand eine „zwei Staatenbildung“ in China. Auf der einen Seite die Volksrepublik China in Peking unter der Herrschaft Mao Zedongs und auf der anderen Seite die Republik China in Taiwan unter den Kuomintang. Diese politische Situation war für das IOC schwierig da nach Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele unabhängig von allen politischen Erwägungen sein sollte. Am 15. Februar 1952 reiste eine Delegation von beiden Seiten nach Oslo zur Sitzung des IOC, mit dem Ziel die alleinige Legitimation zur Teilnahme an den Spielen zu bekommen.