mini|Grab von Franz Leonhard auf dem Marburger Hauptfriedhof (2017) Franz Leonhard (* 1. September 1870 in Frankfurt (Oder); † 20. Juli 1950 in Marburgsiehe ) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.Klaus Vassel: Corpsgeschichte der Hasso-Nassovia zu Marburg 1839–1954. Eine Nacherzählung, Bd. 2. Marburg 1981, S. 256

Leben Der Sohn eines hochangesehenen Rechtsanwalts und Notars entstammte einer jüdischen Familie, war aber evangelisch getauft.Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus, Berlin/Boston 2023, S. 187. Er studierte nach dem Abitur in Magdeburg an der Albertus-Universität Königsberg und der Philipps-Universität Marburg Rechtswissenschaft. Er wurde 1889 im Corps Hasso-Nassovia aktiv und blieb dem Corps zeitlebens eng verbunden.Kösener Corpslisten 1960, 99/523 Er war Referendar in Kassel und Assessor in Berlin. 1896 wurde er an der Georg-August-Universität Göttingen Privatdozent für Römisches Recht und Bürgerliches Recht. 1896 erschien sein Werk Die Haftung des Verkäufers für sein Verschulden beim Vertragsschlusse, in welchem er die „Zielvertragstheorie“ aufstellte, eine Rechtsauffassung, die Lösungen für die seit Rudolf von Jhering aufgeworfene Frage des Umgangs mit der culpa in contrahendo bereithalten sollte.Erich Schanze: Culpa in contrahendo bei Jhering. In: Ius Commune, hrsg. von Helmut Coing, Band 7. Vittorio Klostermann Frankfurt a. M. 1978. S. 326–358 (339); Carlotta Rinaldo: Die Haftung Dritter in Deutschland und Italien. Eine handelsrechtliche Untersuchung zu Ratingagenturen und PartG. De Gruyter, Berlin 2017. ISBN 978-3-11-050135-3. S. 31 (FN 64). 1898 kehrte er als a.o. Professor an die Philipps-Universität zurück. Sie berief ihn 1899 auf den Lehrstuhl und wählte ihn für das Akademische Jahr 1916/17 zum Rektor.Rektoratsreden (HKM) Im August 1914 wurde er als Reserve-Hauptmann einer Infanteriekompanie schwer verwundet. 1916/17 wurde er zum Rektor der Universität Marburg gewählt.

Bis 1918 gehörte Leonhard der Deutschkonservativen Partei an. Von 1912 bis 1918 war er Stadtverordneter in Marburg.Inge Auerbach, Catalogus professorum academiae Marburgensis. Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg. Zweiter Band: 1910 bis 1971. Marburg 1979, S. 117. In der Weimarer Republik schloss er sich der Deutschnationalen Volkspartei an. Als „Nichtarier“ legte er 1933 das Band seines Corps nieder. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kam in seinem Fall nicht zur Anwendung, weil er seit 1899 Ordinarius war und am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte. Deshalb wurde er nach 36 Dienstjahren 1936 regulär emeritiert. Nichtsdestoweniger wurde er als Emeritus aus dem Personal- und Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität gestrichen. Vor der Deportation war Leonhard durch die Ehe mit einer „Arierin“ geschützt.Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus, Berlin/Boston 2023, S. 187. 1945 „rehabilitiert“, lehrte er bis 1947 in Marburg. Im November 1946 wurde er mit 76 Jahren Protektor der Studentengemeinschaft Hessen, die die Tradition seines Corps fortführte.Klaus Vassel: Corpsgeschichte der Hasso-Nassovia zu Marburg 1839–1954. Eine Nacherzählung, Bd. 2. Marburg 1981, S. 46.

Der Rechtswissenschaftler Rudolf Leonhard und der Senatspräsident am Kammergericht Friedrich Leonhard (1868–1937) waren seine Brüder. Rudolf war Heidelberger Rhenane, Friedrich ebenfalls Hessen-Nassauer.Friedrich Leonhard: KCL 1960, 99/506

Werke mini|Die Brüder Leonhard auf der Gedenktafel ihres Corps (2007) Die Haftung des Verkäufers für sein Verschulden beim Vertragsschlusse. 1896. Die Wahl bei der Wahlschuld. JherJb Band 41 (1900), S. 1 Die Beweislast. 1904. Verschulden beim Vertragsschlusse. Berlin 1910. Fahrlässigkeit und Unfähigkeit. Marburg 1913. Auslegung und Auslegungsnormen. Marburg 1917. Testamentserrichtung und Erbrecht. B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1914. Das Schuldrecht des BGB. Duncker & Humblot Die Bewertung des landwirtschaftlichen Pachtinventars bei der Rückgabe. Berlin 1921. Höhere Gewalt. Berlin 1926. Allgemeines Schuldrecht des BGB. Duncker & Humblot, München 1929. Die Kausalität als Erklärung durch Ergänzung. Gießen 1946. Bürgerliches Recht. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1948. Die Wertgefühle. Hamburg 1948. Anleitung für die juristischen Übungs- und Prüfungsarbeiten, 10. Auflage. 1967.

Literatur Inge Auerbach: Catalogus professorum academiae Marburgensis. Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg. Zweiter Band: 1910 bis 1971. Elwert Verlag, Marburg 1979, ISBN 3-7708-0662-X, S. 117. Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter/Oldenbourg, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 187. Fritz von Hippel: Franz Leonhard † (1.9.1870–20.7.1950), Deutsche Rechts-Zeitschrift 5 (1950), S. 489–491.

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Einzelnachweise

Kategorie:Privatrechtler (20. Jahrhundert) Kategorie:Privatrechtler (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Philipps-Universität Marburg) Kategorie:Geheimer Justizrat Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:DNVP-Mitglied Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Opfer der NS-Justiz Kategorie:Rektor der Philipps-Universität Marburg Kategorie:Rechtswissenschaftler (19. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Deutschkonservativen Partei Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1950 Kategorie:Mann