Alaviv (lateinisch Alavivus, auch Alavius) war ein Herrscher der Terwingen an der unteren Donau im 4. Jahrhundert während der Regierungszeit des Ostkaisers Valens (364–378). Im Jahr 375 zerbrach mit der Ankunft der Hunnen das Terwingenreich Athanarichs auf dem Balkan. Im anschließenden Jahr, 376, führte Alaviv zusammen mit Fritigern einen Teil der Terwingen über die Donau ins sichere Römische Reich. Alavivs Terwingen zählen zu den Siegern in der Schlacht von Adrianopel am 9. August 378 und waren wesentlich an der Ethnogenese der Visigoten in den römischen Balkanprovinzen beteiligt.
Leben Herwig Wolfram hält es für denkbar, dass Alaviv, im Jahr 376 der oberste Herrscher der flüchtigen Terwingen, zur Familie der sogenannten älteren Balthen gehörte und Alarichs Vater war.
Position Alaviv und Fritigern waren gemeinsam die Anführer der verbündeten Gruppen flüchtiger Terwingen, doch war Fritigern, so Herwig Wolfram,Herwig Wolfram: Gotische Studien: Volk und Herrschaft im frühen Mittelalter. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52957-7, (a) S. 118. (b) Anm. 44, S. 121. nicht gleichrangig mit Alaviv. Erst mit Alavivs Verschwinden erscheint Fritigern in Ammianus’ Bericht von den Ereignissen als der ranghöchste Herrscher der von Ostrom aufgenommenen Terwingen.Ammianus Marcellinus. 31, 4–5. In: Wolfgang Seyfarth (Hrsg.): Ammiani Marcellini Rervm gestarvm libri qvi svpersvnt. In: Bibliotheca scriptorvm Graecorvm et Romanorvm Tevbneriana. Band 2, Neuauflage, De Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-519-01977-9, S. 168–174;
Donauübergang der Terwingen mini|Marcianopolis auf der Tabula Peutingeriana im 4. Jh. n. Chr.
Nachdem die Hunnen das Greutungenreich Ermanarichs zerstört hatten, wandten sie sich gegen Athanarichs Terwingenreich an der unteren Donau. Athanarich wollte am Ufer des Dnjestr in gut ausgebauter Stellung den Angriff der Hunnen zurückschlagen. Um nicht durch die Hunnen überrascht zu werden, sicherte er sich durch eine starke Vorhut ab. Die Hunnen aber umgingen die Vorhut der Terwingen durch eine Kriegslist, überquerten unerwartet in der Nacht den Fluss und schlugen durch einen Angriff vor Tagesanbruch das Heer Athanarichs. Die durch Hungersnöte, innere Auseinandersetzungen (Christenverfolgung) und die Kriegszüge Valens’ bereits geschwächte Konföderation Athanarichs zerfiel. Mit deren Ende flüchteten im darauffolgenden Jahr 376 drei gotische Teilverbände vor den Hunnen nach Süden ins Römische Reich. Unter ihnen waren christlich-arianische Terwingen, die, angeführt von Alaviv und Fritigern, im Frühherbst mit Erlaubnis Valens’ über den Donaulimes der Moesia secunda kamen, um als Unterworfene (Dediticii) in dieser Provinz (heutiges Nordbulgarien) zu siedeln.
Sowohl die Terwingen als auch die Greutungen von Alatheus und Safrac, zu denen im Jahr 377 auch die Hunnen und Alanen des Farnobius stießen,Gerd Kampers: Geschichte der Westgoten. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76517-8, S. 111. erhielten Siedlungsgebiete in der Provinz Moesia secunda.Daniel Ziemann: Vom Wandervolk zur Großmacht. Die Entstehung Bulgariens im frühen Mittelalter (7.–9. Jahrhundert). Böhlau Verlag, Köln/Wien 2007, ISBN 978-3-412-09106-4, S. 26. Athanarich und sein terwingisches Gefolge zogen sich indessen zurück nach Caucalandensis locus.
Ausbruch des Gotenkriegs (376–382) Als der römische Befehlshaber Lupicinus Truppen von der Donau abzog, um die Terwingen zu seinem Hauptquartier in Marcianopolis (heute Dewnja) zu drängen, nutzten Teile der ebenfalls vor den Hunnen geflüchteten Greutungen (gotischer Stammesverband aus dem Raum der heutigen Ukraine) die Gelegenheit, die Donau zu überqueren. Die Terwingen marschierten langsam, so dass die Greutungen aufschließen konnten. Zum offenen Aufstand kam es, als Lupicinus bei einem diplomatischen Festessen versuchte, Alaviv und Fritigern umbringen zu lassen.
Die von Lupicinus eilig zusammengezogenen Truppen wurden von den Goten besiegt. Die Goten plünderten die Gegend um Marcianopolis, griffen aus Unkenntnis der Belagerungstechniken aber weder diese Stadt noch andere befestigte Orte an. Schließlich überwanden sie das Balkangebirge und zogen gegen Adrianopolis (heute Edirne, Türkei). Die dort stationierten terwingischen Hilfstruppen schlossen sich den Aufständischen an.
Unter dem Angriff der Hunnen zerbrach im Jahr 375 Athanarichs bisherige terwingische Konföderation. Der von Alaviv und Fritigern über die Donau geführte Teil der Terwingen zählte zu den Siegern der Schlacht von Adrianopel am 9. August 378 und war wesentlich an der Ethnogenese der Visigoten in den römischen Balkanprovinzen beteiligt. Ende des Jahres 380 aber war auch Athanarich gezwungen, mit seinem Gefolge auf oströmisches Gebiet zu flüchten. Damit hatte die Herrschaft der Terwingen in Dakien ein Ende gefunden.
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Einzelnachweise
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