mini|Red Shirts vor einem Wahllokal im Scotland County, North Carolina, am Wahltag, 8. November 1898 Die Red Shirts oder auch Redshirts (engl. für „Rothemden“) oder auch Rough Riders war eine paramilitärische Gruppe weißer Südstaatler, welche in der Reconstruction-Zeit nach dem Sezessionskrieg aktiv war. Die Organisation entstand 1875 in Mississippi, als Miliz-Einheiten der Demokratischen Partei anfingen, rote Hemden zu tragen, um die Mitglieder der Republikanischen Partei einzuschüchtern.
Zu den bekanntesten Red Shirts gehörten die Unterstützer von Wade Hampton III. bei den Gouverneurswahlen in South Carolina 1876 und 1878.Charles Lane: The Day Freedom Died. 2008, S. 247. Die Red Shirts waren eine von mehreren Paramilitärs – wie beispielsweise die White League in Louisiana – welche aus den Bestrebungen weißer Demokraten entstanden, in den 1870ern die politische Macht im Süden zurückzuerlangen. Diese Organisationen wurden auch als der „bewaffnete Arm der Demokratischen Partei“ bezeichnet.George C. Rable: But There Was No Peace: The Role of Violence in the Politics of Reconstruction. University of Georgia Press, Athens 1984, S. 132.
Die Organisation war zeitweise in terroristische Aktivitäten verwickelt. Im Gegensatz zum Ku-Klux-Klan operierten White League, Red Shirts und ähnliche Gruppen allerdings offen und waren besser organisiert. Sie einte ein Ziel: Die Wiederherstellung der Herrschaft der Demokratischen Partei im Süden durch die Unterdrückung der Republikanischen Partei. Dies geschah für gewöhnlich durch die Unterdrückung der Bürgerrechte und Wahlteilnahme der befreiten Sklaven.Nicholas Lemann: Redemption: The Last Battle of the Civil War. Farrar Strauss & Giroux, New York City 2007, S. 74–80. Die Red Shirts spielten eine prominente Rolle bei der Einschüchterung von Wählern anderer Parteien als der Demokratischen bei den Wahlen 1876, 1898 und 1900 in North Carolina.
Ursprung und Symbolik Laut E. Merton Coulter in The South During Reconstruction wurden die Red Shirts von „Südstaaten-Brigadieren“ in Mississippi gegründet, um ein Gegengewicht zu schwarzen Republikanern zu bilden. Die Organisation unterbrach Parteiveranstaltungen der Republikaner, schüchterte schwarze Führungspersönlichkeiten ein und ermordete sie auch zeitweilig. Auch übten sie Druck aus, um die schwarze Wahlbeteiligung zu drücken.
In South Carolina geschah das erste Auftreten bei einem demokratischen Fackelmarsch in Charleston am 25. August 1876. Es war eine Protestveranstaltung gegen eine Rede des republikanischen Senators Oliver Morton, mit welcher dieser Unterstützung für seine harte Linie bei der Durchsetzung der Reconstruction in South Carolina suchte. Das rote Hemd sollte die rasche Verbreitung symbolisieren. Auch die Angeklagten vom Massaker von Hamburg 1876 trugen bei der Anklageerhebung am 5. September rote Hemden. Martin Gary, der Organisator der demokratischen Wahlkampagne 1876, ließ seine Anhänger auf allen Parteiveranstaltungen in roten Hemden auftreten.
So wurde das rote Hemd zum Symbol des Widerstandes weißer Demokraten gegen die republikanische Herrschaft in South Carolina. Frauen trugen Flanellhemden und fertigten Kleider aus roten Stoff an. Auch war es Mode geworden, rote Haarbänder zu tragen, um die politische Überzeugung zu zeigen. Bei jungen Männern dagegen galt ein rotes Hemd als Zeichen der Wiedergutmachung, weil sie zu jung für den Militärdienst waren und somit nicht zur „Verlorenen Sache“ hatten beitragen können.William Watts Ball: The State That Forgot: South Carolina's Surrender to Democracy. The Bobbs-Merril Company, Indianapolis 1932, S. 158.
South Carolina Die Demokraten organisierten Paraden und Aufmärsche in jedem County von South Carolina. Viele der Teilnehmer waren bewaffnet und kamen auf Pferden, alle trugen rote Kleidung. Wenn Wade Hampton oder andere Demokraten Reden hielten, reagierten die Red Shirts enthusiastisch und skandierten Kampagnen-Slogan wie „Hurrah for Hampton“. Die gesamte Veranstaltung wirkte als Einigungs- und Motivationsantrieb für die Anwesenden.
Die Red Shirts wollten die Zuschauer – Schwarze wie Weiße – dahingehend einschüchtern, entweder demokratisch zu wählen oder gar nicht. Die Red Shirts waren, wie auch andere ähnliche Organisationen, vor allem in den Bundesstaaten aktiv, welche eine schwarze Bevölkerungsmehrheit hatten. Sie störten republikanische Parteitreffen, unterbrachen Versammlungen und schüchterten schwarze Wähler bei der Stimmabgabe ein. Viele Schwarze hörten aus Angst auf zu wählen, andere stimmten unter Druck für die Demokraten. Die Red Shirts schreckten aber auch vor Gewaltanwendungen nicht zurück. In den Piedmont-Counties (Aiken, Edgefield & Barnwell) wurden Schwarze, welche wählen gingen, entführt und ausgepeitscht. Einige Anführer wurden auch ermordet. Bei den Präsidentschaftswahlen 1876 stimmten die Demokraten in Edgefield und Laurens County „früh und offen“ ab, Schwarze dagegen wurden vom Wählen abgehalten.Eric Foner: Reconstruction: America's Unfinished Revolution, 1863–1877. Perennial Classics, New York City 2002, S. 574–575.
Bewaffnete und berittene Red Shirts begleiteten Hampton bei seiner Tour durch den Staat. Teilweise unterbrachen sie republikanische Treffen, die meiste Zeit über aber blieben sie still im Hintergrund. Manchmal wurde ein Barbecue veranstaltet, zu welchem lokale Republikaner eingeladen wurden, um sie dazu zu bringen, demokratisch zu wählen.
Hampton positionierte sich selbst als Staatsmann, welcher Unterstützung für die Bildung versprach, wie auch den Schutz vor Gewalt, den der Gouverneur Daniel Henry Chamberlain nicht garantieren konnte. Einige wenige Schwarze stimmten für ihn, die Mehrheit blieb jedoch loyal zu den Republikanern. Die Kampagne 1876 war dabei die „turbulenteste in der Geschichte South Carolinas“.Eric Foner: Reconstruction: America's Unfinished Revolution, 1863–1877. Perennial Classics, New York City 2002, S. 572–573. Historiker, welche sich gegen die Reconstruction stellten, ermittelten, dass während der Kampagne „mehr als 150 Neger in South Carolina ermordet“ wurden.Nicholas Lemann: Redemption: The Last Battle of the Civil War. Farrar Strauss & Giroux, New York City 2007, S. 174.
Nach den Wahlen am 7. November war der Ausgang zunächst unklar. Sowohl Chamberlain als auch Hampton erklärten sich zum Sieger. Wegen der massiven Unregelmäßigkeiten forderte der republikanische Abgeordnete Edmund Mackey den Ausschluss der demokratischen Mitglieder aus Edgefield und Laurens County aus dem Repräsentantenhaus. Am 3. Dezember marschierten etwa 5000 Red Shirts vor das Parlamentsgebäude, um die Demokraten zu verteidigen. Hampton rief zur Ruhe auf und die Red Shirts zogen ab.
Als Teil des nationalen Kompromisses ordnete Präsident Rutherford B. Hayes am 3. April 1877 den Abzug des Heeres aus South Carolina an. Daraufhin vollendeten die weißen Demokraten ihre Machtübernahme im Bundesstaat. Bei den Gouverneurswahlen 1878 traten die Red Shirts nur noch schwach auf. Hampton wurde ohne organisierten Gegenkandidaten wiedergewählt, mit mehr als 98 % der Stimmen.
Spätere Demokraten aus South Carolina wie Benjamin Tillman und Ellison D. Smith bezeichneten die Beziehungen zu den Red Shirts mit Stolz als ein bona fide für die weiße Vorherrschaft.
North Carolina mini|hochkant|Ein rotes Hemd, wie es bei der Wahl 1898 getragen wurde, im North Carolina Museum of History Die Red Shirts waren in Raleigh (North Carolina) aktiv und in das Wilmington-Massaker von 1898 verwickelt. Der Raleigh News & Observer berichtete am 4. November 1898:
Sechs Tage später versuchte eine Gruppe lokaler Männer die Regierung zu stürzen, als die Republikaner die Wahlen zum Bürgermeister und Ratsherrn gewannen. Es war der einzige Staatsstreich in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Die Red Shirts waren Teil einer demokratischen Kampagne gegen die multirassische Koalition von Republikanern und Populisten, welche bei den Wahlen 1894 die Kontrolle übers Parlament erlangte und die Wahl eines Republikaners zum Gouverneur 1896 erreichten. Derartige Koalitionen gab es auch in anderen Staaten im Süden, wo sie die Herrschaft der weißen Demokraten gefährdeten. Weiße aus der Mittel- und Oberschicht fürchteten das Engagement der befreiten Sklaven und der armen Weißen.
Um diese Koalition zu zerstören, nutzten die Demokraten Einschüchterungsmethoden, um die Wahlbeteiligung schwarzer Republikaner zu senken. Deren Erfolg führte zur Rückeroberung des Parlamentes 1896. Dieses verabschiedete neue Gesetze sowie eine Verfassung, welche die meisten Schwarzen und viele arme Weiße ihres Wahlrechts beraubten. Zu den eingeführten Maßnahmen gehörten Wahlsteuern sowie Analphabetismus-Tests.Constitutional Commentary: Democracy, Anti-Democracy, and the Canon. S. 27, veröffentlicht 2000, abgerufen am 20. November 2013.
Zwischen 1896 und 1904 ging die schwarze Wahlbeteiligung auf fast null zurück. Dies ist neben den Wahlsteuern, Analphabetismus-Tests, Wohnungsnachweisen und der Großvaterklausel auch auf neue kompliziertere Wahlregeln zurückzuführen. Weitere Bundesstaaten im Süden folgten, angefangen mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung in Mississippi 1890. Um 1900 hatten viele Menschen nach einem Jahrzehnt der weißen Vorherrschaft vergessen, dass es in North Carolina auch eine wachsende schwarze Mittelschicht gab.Constitutional Commentary: Democracy, Anti-Democracy, and the Canon. S. 12–13, veröffentlicht 2000, abgerufen am 20. November 2013.
Aufstieg Aufgrund des politischen Bedeutungsverlustes der Demokraten in North Carolina, beschlossen die Partei wie auch die Red Shirts als Ziel, die absolute Macht wieder zurückzuerlangen. Die Red Shirts ermöglichten dies durch die Einschüchterung der schwarzen Wahlberechtigten, wodurch die schwarzen Stimmen im Bundesstaat praktisch eliminiert wurden.The Journal of Negro History: The Red Shirt Movement in North Carolina 1898–1900. von H. Leon Prather, veröffentlicht 1977. Das erste Auftreten der Organisation war am 21. Oktober 1898 bei einer Demonstration in Fayetteville. Bei dieser hielt auch Benjamin Tillman, ein prominenter Funktionär aus South Carolina, eine Rede. Die Mitglieder der Red Shirts kamen in North Carolina aus allen sozialen Schichten, darunter auch Lehrer, Farmer und Händler sowie einige hochkarätige Mitglieder der Demokratischen Partei.Helen G. Edmonds: The Negro and Fusion Politics in North Carolina, 1894–1901. 1951. Die Aktivitäten der Red Shirts waren nach der Gründung vorrangig auf die Countys entlang der Grenze zu South Carolina konzentriert.
Viele der ersten Aktivitäten geschahen zu Beginn der White-Supremacy-Bewegung zwischen 1898 und 1900. Diese entwickelte sich nach der Zunahme von Schwarzen in der Staatsregierung zwischen 1894 und 1897. Die „ängstliche und verzweifelte“ Demokratische Partei startete darauf Kampagnen zur Errichtung einer weißen Vorherrschaft, bei welcher die Red Shirts ein wichtiger Partner werden sollten.North Carolina Historical Review: Red Shirt Violence, Election Fraud, and the Demise of the Populist Party in North Carolina's Third Congressional District, 1900. von James M. Beeby, veröffentlicht 2008.
Anders als der Ku-Klux-Klan, kooperierten die Red Shirts nur mit der Demokratischen Partei, auch verzichteten ihre Mitglieder darauf, ihre Identität zu verschleiern. Sie wollten im Gegenteil, dass die Bevölkerung von North Carolina und die Gegner der Demokraten im Speziellen wussten, wer sie waren. Nach den Wahlen von 1898, waren sie so zu einem wichtigen politischen Faktor geworden.
Wahl 1898