mini|Stammwappen Gundling Die Familie Gundling (Plural: Gundlinge) ist ein deutsches Geschlecht. Es gibt in Deutschland nach derzeitiger Forschung lediglich eine Familie mit diesem Familiennamen.Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien (GBFG) Nr. 1, Erfurt 2013, S. 1. Die Familie war zunächst protestantisch. Die Linien, die sich im heutigen Norden von Baden-Württemberg niederließen, konvertierten zum römisch-katholischen Glauben. Aus ihnen entsprangen auch die Linien in Prag und Krakau.

Herkunft mini|150px|Wappen de Glymes van Berghes mit Ähnlichkeit zum Stammwappen Gundling Die Familie geht auf einen Balthasar genannt Gundling zurück. Balthasar Gundling soll selbst am Reformationsgeschehen teilgehabt haben.Aletop Hilo: Examen rigorosum, welches Apollo zwischen Herrn Nicalao Hyeronimo Gundlingen und Herrn Joh. Francisco Buddeo nach deren Tode, bey einem Convent-Tage seiner Musen angestellet, 1731, S. 60f. (Auszüge in GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 5 f.).Lukas C. Gundling: Zur Herkunft der Gundlinge in Nord-Württemberg. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 33, Stuttgart 2015, S. 117ff.; ders.: Die Familie Gundling wie sie im Buche steht, in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 35, Stuttgart 2017, S. 74. Sein Sohn Jörg Gundling erhielt am 17. Juli 1531 in Nürnberg das Bürgerrecht. Zur Abstammung des Balthasar genannt Gundling gibt es verschiedene Theorien Übersicht bei Gundling 2015, S. 117ff.; Gundling, SWDB 35 (2017), S. 76f. Fn. 63., die darin übereinstimmen, dass die Familie adeliger Herkunft sei und aus dem Herzogtum Brabant stammen soll (vor allem Haus Glymes). Erste Hinweise zur Abstammung sind 1731 bei Aletop Hilo, 1733 bei Jean-Pierre NicéronJean-Pierre Nicéron: Mémoires pour servir à l'histoire des hommes illustres dans la république des lettres, avec un catalogue raisonné de leurs ouvrages ..., Band 21, Braisson, Paris 1733, S. 381 (Auszüge in GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 6 f.). und 1756 bei Andreas Würfel und Carl Christian Hirsch belegt, 1772 bei Johann Christoph von Dreyhaupt sowie 1795 bei Anton Balthasar König.GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 5ff; GBFG Nr. 1, Erfurt 2013 S. 3f.; mögliche Ahnenreihe ab Balthasr gen. Gundling in: GBFG Nr. 7, Erfurt 2015, S. 2, Fn. 12.

Familiennamen und Namensvarianten Laut familiärer Tradition soll Gundling von „Gunstling“ beziehungsweise „Günstling“ abgeleitet, und deshalb der Nenn-Name des Balthasar sein, der in der Gunst des Kaisers Maximilian I. gestanden haben soll. Diese Theorie wird auch von Andreas Würfel vertreten. Sie ist die früheste schriftlich erwähnte Theorie. Roman von Procházka deutet den Namen Gundling als eine matronische Bezeichnung des Sohnes einer Kunigunde oder Adelgunde (kurz: Gundel). Hans Bahlow dagegen leitet den Namen vom germanischen gund (Kampf) ab.Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 12. Aufl., 1994, ISBN 3-518-36565-7. Diese Herleitung wird auch von Theo Konrad Gundling vertreten, der Gundling von gundo (Kämpfer) ableitet.GBFG Nr. 1, Erfurt 2013, S. 1f.; Procházka 1928, S. 604.

Zu den Namensvarianten von Gundling gehört, neben den geadelten Linien, Gundel oder Gundl, welche vor allem im Raum Hohenlohe-Taubertal (Tauberfranken) als Kurzform des Namens auftrat. Ebenfalls in dieser Region war die umgangssprachliche Variante Grafe(n) Gundling verbreitet, mit der Legende verbunden, dass die Gundlinge ihre Herrschaft durch einen Krieg verloren hätten. Tatsächlich resultierte die Variante vermutlich aus der häufigen Stellung von Mitgliedern der Familie als Centgrafen in der Region.GBFG Nr. 1, Erfurt 2013, S. 2. Indes gab es einen Burggrafen Philipp Gundling (1636–1691) zu Lichtel-Finsterlohr (heute Ortsteile von Creglingen).Lore Schretzenmayr: Die Vorfahren des R. Frhr. v. Procházka, in: Sudetendeutsche Familienforschung, Jahresheft 1980, 22. Jahrgang Band IV, S. 370.

Wappen miniatur|Epitaphium (Bornstedter Friedhofskirche) mit freiherrlichem Wappen Gundling Das Stammwappen der Gundlinge wird wie folgt blasoniert: Silbern-grün gespalten, rechts drei rote Pfähle, links neun (3:3:3) goldenen Fensterrauten, auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen, links grün-goldenen Decken ein Pfauenfedernstoß von 6 Federn. Im Freiherrenstandsdiplom werden die Rauten nicht durchbrochen und auf blauem Grund angegeben.

Mit der Nobilitierung 1724 wurde Jacob Paul von Gundling folgendes gebessertes Wappen verliehen: Über einem grünem Schildfuß dreimal geteilt, die erste und dritte Reihe sind zweimal, die zweite Reihe dreimal gespalten, Feld 1: in Blau eine goldene Laubkrone, Feld 2: in Silber ein golden bewehrter schwarzer Adlerrumpf, Feld 3: in Gold ein grüner Laubkranz, Felder 2 und 7: in Silber jeweils ein mit den Saxen einwärts gekehrter schwarzer Flügel, Feld 5: in Silber drei rote Pfähle, Feld 6: in Blau 9 (3:3:3) goldene Rauten, Felder 8 und 10: in Gold eine jeweils zum Schildrand gerichtete, golden bewehrte rote Adlerklaue, Feld 9: in Silber der Schwanz eines schwarzen Adlers an den oberen Feldrand anschließend. Oberwappen: Zu rechts golden-rot-silbern-schwarzen und links silbern-blau-schwarz-golden-grünen Decken auf dem gekrönten Helm drei silberne Straußenfedern, von denen jede oben einen naturfarbenen Pfauenfederbusch zu je fünf Federn trägt. Als Schildhalter dient auf der linken Seite eine Pallas Athene mit dem Gorgoneion auf Aigis und Schild und mit der Eule.

Im Siebmacher ist zudem eine dritte, bürgerliche Wappenvariation für Nicolaus Hieronymus Gundling überliefert. Es stellt hauptsächlich die rechte Wappenhälfte des Stammwappens dar und wird wie folgt blasoniert: In Silber drei rote Pfähle, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken drei Straußenfedern, eine silberne zwischen zwei roten.Otto Titan von Hefner et al.: J. Siebmacher’s Großes Wappenbuch; Band 9: Die Wappen bürgerlicher Geschlechter Deutschlands und der Schweiz; Teil 1, Bauer und Raspe, Neustadt an der Aisch 1971, Abt. 3, S. 79 Tafel 86. Diese im Siebmacher überlieferte Wappenvariation beruht wahrscheinlich auf einem Übertragungsfehler, der aus einer missverständlichen Formulierung des Freiherrenstandsdiploms für Jacob Paul von Gundling resultiert. Es gibt keine belastbaren Anhaltspunkte, dass diese Wappenvariation tatsächlich geführt wurde.GBFG Nr. 7, Erfurt 2015, S. 5; GBFG Nr. 8, Erfurt 2016, S. 1 ff.

Bekannte Mitglieder und Linien mini|Franciscus Gundling mini|Wolfgang Gundling mini|Nicolaus Hieronymus Gundlingius mit dem kleinen Stammwappen mini|Eduard Gundling

Weitere bekannte Gundlinge Johann Zacharias von Gundling (1745–1794), kurfürstlicher Rent- und Hofkammerrat in Amberg, Inhaber des Stadtrichter-, Maut- und Umgeldamts sowie die Verwaltung der Spitals zu FreystadtLukas C. Gundling: Der kurfürstlich-oberpfälzische Hofkammerrat Lic. iur. Johann Zacharias (von) Gundling. In: GBFG Nr. 14 (2019), S. 1–5. Beulah Gundling (1916–2003), amerikanische Synchronschwimmerin, Aquatic Artist und Choreografin

Literatur R. Pallmann: Gundling (Familie). In: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Band I 97, Leipzig 1878, S. 252 f. Roman Freiherr von Procházka: Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise, Verlag Degener & Co., Leipzig 1928. Theo Konrad Gundling: Die Markelsheimer Gundling: Eine genealogische Studie mit Sippenbild, Markelsheim 1954 (Reprint in Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien Nr. 11, 13, 15 und 17, 2017–2020). Roman Freiherr von Procházka: Nochmals Gundling. In: Archiv für Sippenforschung, 30. Jahrgang, Heft 16 1964, S. 542–543. Roman Freiherr von Procházka: Physiognomie und Phänotyp der Gundlinge. In: Archiv für Sippenforschung, 31. Jahrgang, Heft 19, August 1965. Roman Freiherr von Procházka: Familiengeschichte Gundling, Ellwangen 1971. Lukas Christoph Gundling (Hrsg.): Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien (GBFG), Erfurt 2013–heute. Lukas C. Gundling: Zur Herkunft der Gundlinge in Nord-Württemberg: Warum die Gundling-Forschung in der Abstammungsfrage wieder fast am Anfang steht. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 33, Stuttgart 2015, S. 115–131. Lukas C. Gundling: Die Wege der Gundlinge nach Osten: Wie die Gundlinge von Württemberg nach Danzig, Krakau, Prag und Wien kamen, nebst der Verbindung der Gundlinge zum Genealogen Roman von Procházka. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 34, Stuttgart 2016, S. 81–104. Lukas C. Gundling: Die Herkunft des Gelehrten Nicolaus Hieronymus Gundling im Lichte neuerer Erkenntnisse der Gundling-Forschung. In: Ekkehard, Familien- und regionalgeschichtliche Forschung, N.F. Band 24 (2017), S. 1–11. Lukas C. Gundling: Die Familie Gundling wie sie im Buche steht. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 35, Stuttgart 2017, S. 67–93.

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