Manuel „Manolo“ Ray Rivero (* 13. Juni 1924 in Havanna; † 12. November 2013 in Puerto Rico) war ein kubanischer Bauingenieur, Widerstandskämpfer, Politiker und Unternehmer, der von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre nacheinander gegen die Diktaturen Fulgencio Batistas und Fidel Castros kämpfte.

Leben Ausbildung und erste Berufstätigkeit Manuel Ray wuchs als Sohn des Betreibers eines kleinen Ladengeschäfts und einer Grundschullehrerin auf. Nach dem Besuch öffentlicher Schulen absolvierte er an der Universität Havanna ein fünfjähriges Studium des Bauingenieurwesens, das er 1946 abschloss. An der Hochschule war er noch nicht politisch engagiert, wurde aber als herausragender Sportler ausgezeichnet. Er erhielt eine Anstellung im kubanischen Infrastrukturministerium (Ministerio de Obras Públicas) und erlangte dort 1947 ein Stipendium für einen Master-Studiengang in den Vereinigten Staaten. Er ging an die University of Utah in Salt Lake City und kehrte 1949 nach Havanna zurück, ohne jedoch den Master abgeschlossen zu haben. Anschließend begann er, an der Universität Havanna Tragwerksplanung zu unterrichten, und übernahm die Leitung der Fachabteilung für Strukturplanung der Nationalen Entwicklungskommission Kubas.Jonathan A. Walton: Manuel Ray. In: The Harvard Crimson vom 9. Mai 1961, abgerufen am 19. November 2013 (englisch) Ray war maßgeblich an verschiedenen öffentlichen und privaten Bauprojekten beteiligt, darunter als Planer und verantwortlicher Bauleiter des im Mai 1953 fertiggestellten Tunnels unter den Río Almendares in Havanna (des ersten Straßentunnels Kubas) und als Bauleiter des Großhotels Havana Hilton mit 25 Stockwerken (heute: Habana Libre, Einweihung März 1958).Fallece en Puerto Rico Manolo Ray. In: Martí Noticias vom 13. November 2013 (spanisch)Juan O. Tamayo: Manuel Ray, exile who fought against the Batista and Castro governments. In: Miami Herald vom 13. November 2013 (englisch) Um 1957 wurde er zum Präsidenten des Verbandes der Bauingenieure von Havanna gewählt.

Kubanische Revolution Er war ein entschiedener Gegner der diktatorischen Regierung Fulgencio Batistas (seit 1952) und übernahm im August 1957, nachdem er seinen Posten in der Nationalen Entwicklungskommission aus Protest gegen Batistas Repressionsmaßnahmen gegen die Opposition niedergelegt hatte, die Führung der „Bewegung Bürgerlicher Widerstand“ (Movimiento Resistencia Cívica, MRC). Deren Gründer, Frank País, war kurz zuvor in Santiago de Cuba getötet worden. Dieser Bewegung schlossen sich vor allem Angehörige der städtischen Mittelklasse an, die die Regierung durch Sabotage- und Terrorakte bekämpften, revolutionäre Propaganda betrieben, untergetauchten Kämpfern Verstecke boten, und parallel dazu die von den Bergen fernab der Hauptstadt kämpfenden Guerillakämpfer der Rebellenarmee mit Geld und Waffen unterstützten.Julia E. Sweig: Inside the Cuban Revolution: Fidel Castro and the Urban Underground. S. 157, Harvard University Press, Cambridge Mass. und London 2002 (englisch) Die MRC unter ihrem Generalsekretär Ray unterstützte zwar die von Fidel Castro gegründete „Bewegung des 26. Juli“ (M-26-7), mit deren städtischen Untergrundgruppen sie sich koordinierte, ebenso wie die Kämpfer der Zweiten Nationalen Front im Escambray-Gebirge Eloy Gutiérrez Menoyos, blieb aber organisatorisch eigenständig. Während des Revolutionskriegs ging er dreimal in die Sierra Maestra, wo er sich zweimal mit Castro zu Unterredungen traf. Im Frühjahr 1958, als er bereits zu den meistgesuchten Regimegegnern gehörte, arbeitete er gemeinsam mit Faustino Pérez, dem Vorsitzenden des Nationalen Vorstands des M-26-7, den Plan für einen landesweiten Generalstreik aus, der am 9. April das Land lahmlegen und, begleitet von bewaffneten Angriffen auf die Sicherheitskräfte, die Regierung stürzen sollte. Der Streik scheiterte jedoch derart, dass die Revolutionäre nicht nur zahlreiche Todesopfer und Verhaftungen zu beklagen hatten, sondern viele Überlebende ihre Widerstandsgruppen auflösen und in die von der Rebellenarmee gehaltenen Berge oder ins Exil fliehen mussten.Ramón Bonachea und Marta San Martín: The Cuban Insurrection 1952–1959. S. 207–215, Transaction, New Brunswick 1974 (englisch) Nachdem Batista zum Jahreswechsel 1958/59 angesichts seines geschwundenen Rückhalts seitens der Militärs und der USA sowie der beständig vorrückenden Rebellenarmee Kuba fluchtartig verließ, übertrugen die Revolutionäre um Castro Ray das Amt des Infrastrukturministers im von Premierminister José Miró Cardona angeführten Kabinett, das im Januar 1959 vom neuen Präsidenten Manuel Urrutia vereidigt wurde. Noch vor Castros triumphaler Ankunft in Havanna am 8. Januar handelte Ray gemeinsam mit zwei Vertretern des M-26-7 die Räumung des von Truppen des Directorio Revolucionario besetzten Präsidentenpalastes aus, den Urrutia daraufhin beziehen konnte.Paul D. Bethel: The Losers. S. 96, Arlington House, New Rochelle 1969 (englisch)

Ray trug die in den ersten Regierungsmonaten erlassenen radikalen Gesetze und die wachsende Machtkonzentration in den Händen Castros mit, während mehrere andere Minister sowie der Präsident bereits bis Sommer 1959 entweder freiwillig zurücktraten oder aus ihren Ämtern gedrängt wurden. Als Anhänger einer demokratischen Regierungsform betrachtete er jedoch die zunehmende Übertragung von verantwortlichen Positionen an Mitglieder der moskautreuen Kommunistischen Partei mit Sorge und verließ die Regierung schließlich im November 1959 gemeinsam mit zwei weiteren langjährigen prominenten Batista-Gegnern, nachdem es in einer Kabinettssitzung zu einem heftigen Streit um die von Castro geforderte Todesstrafe für Huber Matos gekommen war, den nach Rays Ansicht zu Unrecht des Hochverrats angeklagten Major der Rebellenarmee. Matos hatte aus Protest gegen die von ihm beklagte kommunistische Unterwanderung der Regierung seinen Rücktritt als militärischer Kommandant der zentralkubanischen Provinz Camagüey erklärt.Huber Matos, a Moderate in the Cuban Revolution (S. 6). In: PBS American Experience vom 21. Dezember 2004, abgerufen am 19. November 2013 (englisch) Ray zog sich zunächst ins zivile Leben zurück und nahm seine Lehrtätigkeit an der Universität wieder auf. Im Mai 1960 gründete er mit alten Kampfgefährten eine neue Widerstandsgruppe, die sich diesmal gegen den neuen Alleinherrscher Fidel Castro richtete: die „Revolutionäre Bewegung des Volkes“ (Movimiento Revolucionario del Pueblo, MRP). Er fand zahlreiche Anhänger unter früheren Mitgliedern des M-26-7, die nun Sabotageakte und bewaffnete Anschläge auf Regierungsziele ausführten, trat dabei aber im Gegensatz zu Anführern anderer Widerstandsgruppen für eine gleichzeitig demokratische und linksorientierte Politik ein, unter der viele der sozialen Maßnahmen der Regierung wie die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien erhalten bleiben sollten. Im August 1960 trat er aus Protest gegen die Unterdrückung der akademischen Freiheit von seiner Lehrtätigkeit an der Universität zurück. Dem siebenköpfigen Vorstand des MRP, der aus dem Untergrund im Oktober ein Manifest veröffentlichte, gehörten neben Ray unter anderem die prominenten Repräsentanten der ehemaligen Orthodoxen Partei, Felipe Pazos und Raúl Chibás an, die sich ebenfalls im revolutionären Kampf gegen Batista eingesetzt und nach Castros Machtübernahme zunächst Regierungsämter übernommen hatten. Im November 1960 ging Ray mit seiner Frau und seinen fünf Kindern ins Exil nach Miami, von wo aus er seine Widerstandsaktivitäten fortsetzte.

Exil in Florida und Puerto Rico Von Miami aus bemühte er sich in verschiedenen lateinamerikanischen Staaten und in der schnell wachsenden Exilgemeinde um Unterstützung für den MRP in Form von Waffen, Sprengstoff und Geld. Der MRP galt als die schlagkräftigste Oppositionsgruppe auf der Insel und hatte mit dem Anschlag auf El Encanto in Havanna, das größte Warenhaus des Landes, das Ende 1959 verstaatlicht worden war, Anfang April 1961 eine seiner spektakulärsten Aktionen. Zu dieser Zeit verübte die Organisation zahlreiche Sabotageakte auf Kuba.New Wave of Sabotage Hits Cuba. In: Schenectady Gazette vom 30. Mai 1961, abgerufen über Google News Archiv am 22. November 2013 (englisch) Bereits zuvor hatte die Gruppe 18 der im Oktober 1959 gemeinsam mit ihrem Major Huber Matos verhafteten Offiziere aus der Festungshaft in La Cabaña befreit. Nur drei Wochen vor der von der CIA seit Langem vorbereiteten Invasion in der Schweinebucht im April 1961 schloss sich Ray unter dem Druck des US-Außenministeriums mit dem seit Mitte 1960 bestehenden Bündnis „Demokratische Revolutionsfront“ (Frente Revolucionario Democrático) und seinem ehemaligen Regierungskollegen Miró Cardona zu einer breiten Koalition verschiedener im Exil vertretenen Oppositionsgruppen zusammen, die sich nun „Kubanischer Revolutionsrat“ (Consejo Revolucionario Cubano) nannte. Im Hinblick auf den von allen Mitgliedern angestrebten Sturz Castros einigten sie sich auf die Bildung einer Übergangsregierung unter Vorsitz von Miró Cardona, die im Krisenfall sofort an die kubanische Öffentlichkeit treten sollte.Tad Szulc: Rivalries Beset Top Cuban Exiles. In: New York Times vom 9. April 1961, abgerufen via LatinAmericanStudies.org am 20. November 2013 (englisch) Ray hatte anstelle von Miró Cardona seinen Vertrauten Pazos favorisiert, wurde jedoch überstimmt.Maria de los Angeles Torres: In the Land of Mirrors: Cuban Exile Politics in the United States (PDF; 269 kB). S. 57, University of Michigan Press, Ann Arbor 2001 (englisch) Ray, dem die Verantwortung für Sabotage und Innere Angelegenheiten übertragen wurde, ließ sich in der Gründungsvereinbarung des Revolutionsrates zusichern, dass den innerkubanischen Gruppen bei jeglichem Befreiungsversuch von außen die Hauptrolle zukommen sollte. Stattdessen wurden er und andere Mitglieder des Revolutionsrates jedoch von der Invasion überrascht. Sie wurde bei starker Einbindung der CIA und unter Führung des militärisch unerfahrenen Manuel Artime weitgehend ohne vorherige Koordination mit den bereits innerhalb Kubas aktiven Widerstandsgruppen durchgeführt und endete aufgrund von mangelhafter Planung und nach Initiative der US-Regierung stark eingeschränkter Luftunterstützung bereits nach kurzer Zeit mit einer vernichtenden Niederlage für die Angreifer, während die kubanische Regierung in den Städten zehntausende Zivilisten als potenzielle Konterrevolutionäre festnehmen ließ.Boris Goldenberg: Lateinamerika und die Kubanische Revolution. S. 352f, Kiepenheuer & Witsch, Köln und Berlin 1963.Silvia Pedraza: Political Disaffection in Cuba's Revolution and Exodus. S. 94f, Cambridge University Press, New York 2007 (englisch)