mini|Antonia Baum (2023) mini|hochkant|Antonia Baum auf der Leipziger Buchmesse 2018 Antonia Baum (* 1984 in Borken) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.
Leben Baum wuchs im Odenwald auf und erlangte ihr Abitur an der Martin-Luther-Schule in Rimbach. wnoz.de. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bereits während des Studiums veröffentlichte sie Kurzgeschichten, 2011 erschien ihr Debütroman Vollkommen leblos, bestenfalls tot, es folgten weitere Romane und literarische Essays. Sie schrieb für die Wochenzeitung der FreitagAntonia Baum freitag.de. und war von 2012 bis 2017 Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung faz.net (Archivversion vom 24. März 2017).. Inzwischen ist sie Autorin im Feuilleton von Die Zeit.Antonia Baum zeit.de. Dort veröffentlicht sie seit Januar 2020 die monatliche Kolumne Mein Leben als Frau.Mein Leben als Frau. In: Die Zeit. (zeit.de).
Baum lebt seit 2005 in Berlin.https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/orte_und_worte/archiv/20230422_1700.html Ihre journalistischen Arbeiten beschäftigen sich vor allem mit Literatur, Feminismus, Rap und Gesellschaftspolitik.
Rezeption Vollkommen leblos, bestenfalls tot (2011) Ihr Debütroman Vollkommen leblos, bestenfalls tot wurde von allen großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen besprochenperlentaucher.de. und stieß dabei auf gemischte Resonanz. Der Rezensent der Zeit bescheinigte Baum, sie gebe in ihrem Roman „dem wütenden Affen Zucker“, die Wut des Romans habe aber etwas Kokettes und sei „ein narzisstischer Tobsuchtanfall.“Ijoma Mangold: Roman von Antonia Baum: „Eine Welt voll Scheiße“. In: Die Zeit, Nr. 47/2011. Die tageszeitung beschrieb den Roman als „abstraktes Aggro-Stakkato“ und bescheinigte Antonia Baum sowohl für den Roman als auch für ihr journalistisches Schaffen eine „sezierende Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, die Sätze bis ins Unerträgliche, kaum Auszuhaltende voranzutreiben.“ In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde der Roman als „reine Papierverschwendung“, „pubertär“, „vollkommen leblos“ und „grottenschlecht“ verrissen.Banale Phase oder Die Dilettanten des Wunders. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. Oktober 2011 (genios.de). Cornelia Fiedler hingegen spricht in der Süddeutschen Zeitung von einer „hellsichtigen Gesellschaftsanalyse“.
Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren (2015) Baums zweiter, 2015 veröffentlichter Roman Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren, spaltete erneut die Rezensenten. Laut der Rezension Tilman Strassers in Der Tagesspiegel mangele es dem Roman an einem energischen Lektorat: Der Leser tappe im Dunklen, der Plot trete auf der Stelle.Tilman Strasser: Hauptsache ballern. In: Der Tagesspiegel. 18. April 2015, S. 28; (tagesspiegel.de Rezension). Anders urteilte Dana Buchzik in der Süddeutschen Zeitung,Dana Buchzik in: Süddeutsche Zeitung, 16. April 2015. die befand: „Dieser Roman ist ein großartiges Buch. Antonia Baum erzählt einfach erbarmungslos gut.“ Jurek Skrobala von Spiegel Online verglich Antonia Baums Werk mit einem „Rap auf Romanlänge“, in Die Zeit schließlich urteilte Moritz Baßler: „Poetisch dicht, reflektiert – gut; witzig, ergreifend, ein Pageturner“Moritz Baßler: Großkotz und Kleinganove. In: Die Zeit. Nr. 15/2015 (zeit.de). über Antonia Baums Geschichte dreier Geschwister und deren Liebe zu ihrem verrückten Vater.
Tony Soprano stirbt nicht (2016) Wenige Wochen vor der Veröffentlichung von Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren, in dessen Zentrum ein risikobegeisterter Vater steht, verunglückt Antonia Baums echter Vater schwer. Daraufhin verfasst sie Tony Soprano stirbt nicht. Das Buch zerfällt in zwei Teile: einen literarischen Essay und drei Kurzgeschichten. „Man kann hier als Leser staunend einer begabten jungen Frau dabei zusehen, wie sie in neun Kapiteln zur Schriftstellerin reift“, schreibt Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung. Felix Stephan bezeichnet Tony Soprano stirbt nicht als „durch und durch narzisstisches Buch“, das aber „außergewöhnlich intelligent und einfühlsam“ sei. Maxim Biller beschrieb die Sprache der Autorin im Literarischen Quartett als „unglaublich stark und poetisch“.
Stillleben (2018) In ihrem feministischen Essay beschreibt die Autorin ihr Dasein als Mutter. Die Rezensentin des Spiegels fand den Text stellenweise banal, aber zugleich lesenswert wegen Baums „extreme(r) Offenheit“. In der Süddeutschen Zeitung wird der Text als „nervig“ und „naiv“ sowie „entwaffnend“ und „klug“ beschrieben.
Eminem (2020) In der Reihe „Kiwi Musikbibliothek“, in der prominente Autoren über ihre Lieblingsmusiker schreiben, setzt sich die Autorin mit ihrer Hassliebe zu Eminem auseinander und geht der Frage nach, wie man als Frau die Verrenkung hinbekomme, Rap zu lieben und sich dabei permanent misogyn beleidigen zu lassen.
Siegfried (2023)
Achte Woche (2025) In Achte Woche rückt Baum eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die als Mutter erneut schwanger wird und in einer Frauenarztpraxis arbeitet. Die Rezension in der Freitag hebt das Spannungsfeld aus Körperlichkeit, Mutterschaft und der Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs hervor. Betont werden die Konzentration auf die innere Zerrissenheit der Figur, die nüchterne, reduzierte Sprache sowie ein offenes Ende; zudem wird die kammerspielartige Praxis als Bühne für unterschiedliche weibliche Erfahrungen beschrieben.
Odenwald-Artikel Anfang 2014 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ein autobiografischer Artikel Baums über ihre Kindheit im ländlich geprägtem Odenwald, die sie, sich auf Menschen und Architektur beziehend, als durchweg furchtbar beschreibt und für asoziale Verhaltensweisen und eigenen Drogenkonsum innerhalb einer Jugendgruppe verantwortlich macht. Beschreibungen wie „Odenwaldhölle“ und „scheußlichster Ort der Welt“ riefen starken Protest und Gegenkampagnen bei Bürgern und Politikern in der Region hervor.Frank van Bebber: In: hr-online.de. 9. Januar 2014.
Claudius Seidl, seinerzeit Leiter des FAS-Feuilletons, verteidigte den Text mit dem Hinweis, dass er „in der Tradition des Genres der Berlinbeschimpfung oder auch der Bayern- und Münchenbeschimpfung“ stehe.In der „Odenwaldhölle“ stehen Bäume. In: Die Welt vom 9. Januar 2014.
Werke Vollkommen leblos, bestenfalls tot. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-40296-4. Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-40337-4. Tony Soprano stirbt nicht. Hoffmann & Campe, Hamburg 2016, ISBN 978-3-455-40572-9. (Auch als E-Book) Stillleben. Piper, München 2018, ISBN 978-3-492-05820-9. (Auch als E-Book) „Setzen Sie sich“, in: Sagte sie, Lina Muzur (Hrsg.), Hanser Berlin 2018. „Das Problem ist das Problem“, in: Schreibtisch mit Aussicht, Ilka Piepgras (Hrsg.), Kein und Aber Verlag 2020. Eminem. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, ISBN 978-3-462-05439-2. Siegfried. Claassen, Berlin 2023, ISBN 978-3-546-10027-4. Achte Woche. Claassen, Berlin 2025, ISBN 978-3-546-10087-8.
Auszeichnungen
2023: Bayern 2 Wortspiele-Preis
Weblinks
Antonia Baum auf perlentaucher.de Verlagsinfos zu Autorin und Werk bei Hoffmann und Campe im Autorenlexikon der Universität Duisburg Videolesung von Antonia Baum aus Vollkommen leblos, bestenfalls tot Videolesung von Antonia Baum aus Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, …
Einzelnachweise
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