mini |hochkant=2.0 |rahmenlos rahmenlos Notenblatt und Wiedergabe exakt nach dem Notenblatt (eine Strophe, Tempo 120 MM, Klavier und Gitarre) Notenblatt und MIDI-Datei mit dem Notensatzprogramm MuseScore 3 erzeugt. sowie Wiedergabe einer künstlerischen Bearbeitung (drei Strophen, Tempo 150 MM, Oboe, Englischhorn, Fiddle und Gitarre), beide Versionen in der Tonart G-Dur mini|Es, es, es und esbei Ludwig Erk, 1838

Es, es, es und es ist eines der bekanntesten Handwerksgesellenlieder, das im 19. Jahrhundert von den Wanderburschen gesungen wurde. Heute wird es vorwiegend in Folk- und Wanderkreisen und von Mitgliedern der wenigen noch existierenden Schächte (Vereinigungen von Bauhandwerkern), vereinzelt auch in Schulen und von Chören, gesungen.Georg Nagel: Ich will mein Glück probieren. In: Deutsche Lieder, Bamberger Anthologie, 28. Oktober 2013, abgerufen am 17. November 2013.

Herkunft Spuren des Liedes lassen sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das früheste bekannte Zeugnis für das Incipit „Ach ach ach all zu strenger [Schluß]“ ist das 1753 begonnene Notizbüchlein des Johann Jacob Hebel, des Vaters von Johann Peter Hebel, das die Anfänge von rund dreihundert Volksliedern auflistet.Uli Däster: Johann Peter Hebel in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1973, S. 10–11. Hier nach hausen.pcom.de. Vgl. auch: Ludwig Erk: Deutscher Liederhort, Berlin 1856, Nr. 186a, S. 392 (). Vollständige Textfassungen – so die Forschungen des Deutschen Volksliedarchivs, Freiburg – tauchen erstmals anonym auf Flugblättern um die Wende des 19. Jahrhunderts auf. Gemäß einer Vielzahl von Liederbüchern wird die Erstveröffentlichung der Melodie mit 1826 oder 1838 angegeben.Es, es, es und es, es ist ein harter Schluss, Datenbankeinträge bei deutscheslied.com Nachweisbar ist der Erstdruck mit den noch heute bekannten 6 Strophen 1838 in: Erk/Irmer; Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen.Ludwig Erk, Wilhelm Irmer (Hrsg.): Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen. Zweites Heft. Plahn’sche Buchhandlung, Berlin 1838, Nr. 66, S. 64 (Digitalisat).

Liedtext Der folgende Originaltext – beziffert mit 1.a etc. – (die damalige Schreibweise wurde beibehalten) stammt aus dem Deutschen Liederhort von Erk-Böhme.Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme: Deutscher Liederhort. Band III. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1894, Nr. 1592, S. 417 f. (Digitalisat) Die mit b bzw. c gekennzeichneten Texte sind verschiedenen Liedersammlungen entnommen,1.b, 3.b, 6.b, 7.b aus: Schlesische Volkslieder mit ihren Melodien. Aus dem Munde des Volks gesammelt und herausgegeben von Hoffmann von Fallersleben und Ernst Heinrich Leopold Richter, Leipzig 1842, Nr. 207, S. 243 (), (dort in anderer Reihenfolge); 1.c und 2.c von der CD von Jochen Wiegandt und Lilienthal, Haltet stets zusammen – Lieder der Handwerksgesellen und der Arbeiterbewegung und 7.c aus Ewald Kloodt, Die 30 bekanntesten Handwerkslieder, die gesungen werden bei Richtfeiern (Hamburg-Bergedorf 1980), dort als 9. Strophe, aus dem Archiv Hubertus Schendel.

1.a Es, es, es und es, es ist ein harter Schluß weil, weil, weil und weil, weil ich aus Frankfurt muß! Drum schlag ich Frankfurt aus dem Sinn und wende mich, Gott weiß, wohin. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.1.b Raus, raus, raus und raus. Aus Breslau muß ich ’raus. Raus, raus, raus und raus. Aus Breslau muß ich ’raus. Ich schlag’ mir Breslau aus dem Sinn Und reise dann nach Hamburg hin. Mein Glück muß ich probieren, Marschieren.1.c Es, es, es und es es ist ein harter Schluß weil, weil, weil und weil, weil ich aus Frankfurt muß. Ich war schon lang in dieser Stadt Und hab das Nest zum Kotzen satt. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.2.a Er, er, er und er, Herr Meister, leb er wohl! :| Ich sags ihm grad frei ins Gesicht, Seine Arbeit die gefällt mir nicht. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.2.b Sie, sie, sie und sie, Herr Meister leben sie wohl! :| Ich wünsche Ihnen noch zu guter Letzt Einen andern, der meine Stell’ ersetzt. Mein Glück muß ich probieren Marschieren.2.c Er, er, er, und er, Herr Meister, leb er wohl! :| Hab ich meine Arbeit nicht gut gemacht, Ein Schafskopf, der sie schlechter macht. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.3.a Sie, sie, sie und sie, Frau Meisterin, leb sie wohl! Ich sag ihr grad frei ins Gesicht, Ihr Speck und Kraut das schmeckt mir nicht. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.3.b Sie, sie, sie und sie, Frau Meisterin, leben sie wohl! Das Essen war so angericht’, Manchmal fraßen es die Schweine nicht. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.4.a Sie, sie, sie und sie, Jungfer Köchin, leb sie wohl! Hätt sie das Essen gut angericht’, Wärs besser gewesen, schaden könnts auch nicht. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.5.a Er, er, er und er, Herr Vater*, leb er wohl! Hätt er die Kreide nicht doppelt geschrieb’n**, So wär ich noch länger dageblieb’n. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.6.a Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Jungfern*** lebet wohl! Ich wünsche euch zu guter Letzt Ein Andern, der meine Stell ersetzt. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.6.b Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Mädchen, lebet wohl :| Ihr habt mir manche Lust gemacht, Und mich um vieles gebracht. Mein Glück will ich probieren, Marschieren.7.a Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Brüder,**** lebet wohl! Hab ich euch was zu Leid gethan, So bitt ich um Verzeihung an. Ich will mein Glück probieren, Marschieren.7.b Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Brüder, lebet wohl! :| Ich werde von euch weggerafft Zu einer andern Brüderschaft Mein Glück will ich probieren, Marschieren.7.c Der, der, der und der, der Abschied fällt mir schwer. :| Doch fällt mir dies zum Troste ein Ich kann nicht allzeit bei euch sein. Das Glück, das muß man führen. – Probieren. * Herbergsvater, Wirt; ** doppelt in Rechnung gestellt; *** Bezeichnung für junge, unverheiratete Frauen, ****Arbeitskollegen.

Zum Lied Während die ältere Fassung „Ach, ach, ach und ach, ach wie ein harter Schluss / wenn, wenn, wenn, wenn man von Breslau muss, / so schlag ich Breslau aus dem Sinn, / und wende mich nach Leipzig hin, / soll das in meinem Herzen / nicht schmerzen?“ ein Abschiedslied ist,, s. dort auch weitere Textvarianten zeigt das Lied (hier werden ausschließlich die Strophen 1a bis 7a kommentiert) mit seiner Kritik an der Behandlung des Wandergesellen „eine oppositionelle Form“ an.Wolfgang Steinitz: Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten. S. 202 f. Es ist die Zeit, in der viele ZunftordnungenObwohl unter der Zunftzwang in den napoleonisch dominierten deutschen Ländern an Bedeutung verlor, wurden die Zunftordnungen nach den Befreiungskriegen wieder eingeführt. Erst mit der Umsetzung der Gewerbefreiheit 1869 im Norddeutschen Bund bzw. 1871 im Deutschen Reich wurden die Zunftordnungen endgültig aufgehoben. vorschrieben, dass frischgebackene Handwerksgesellen zwei bis vier Jahre (häufig drei Jahre und einen Tag) auf Wanderschaft, „auf die Walz“ gehen mussten, um sich neue Arbeitsstätten zu suchen. Der Meister, bei dem sie ihre Lehre gemacht hatten, konnte sie nicht ohne weiteres übernehmen, da seine Zunft ihm vorschrieb, wie viel Gesellen er beschäftigen durfte. Aber auch nach diesen Wanderjahren wurden die Gesellen nicht immer oder nicht gleich zur Meisterprüfung zugelassen. Die Zünfte in den Städten und Gemeinden achteten darauf, dass die Anzahl der Meister pro Handwerk beschränkt blieb. Manchmal musste erst „eine Stelle freiwerden“; dann heiratete ein Geselle die Witwe des verstorbenen Meisters oder die Tochter des sich zur Ruhe gesetzten Meisters. Bei den Meistern, bei denen die Wanderburschen um Arbeit nachfragten, waren die voll ausgebildeten Gesellen willkommen. Sie konnten selbständig arbeiten und erhielten meistens einen geringeren Lohn als ein Meister (vgl. die Variante der Gruppe Zupfgeigenhansel „seine Arbeit und sein Lohn gefall’n mir nicht“. Auf diese Weise wurden die Wandergesellen von ihren Meistern ausgenutzt und oft noch auf andere Weise („Ihr Speck und Kraut, das schmeckt mir nicht“, s. 3. Strophe, deftiger 3.a) schlecht behandelt. Offen bleibt, ob das „Lebewohl“, das er dem Meister und Frau Meisterin wünscht, ironisch gemeint ist oder nur als Abschiedsformel benutzt wird. Doch der Sänger weiß zu differenzieren: Er erinnert sich gern der Jungfern, wünscht ihnen ohne Häme Lebewohl, bittet gar seine Brüder (Kollegen), falls er ihnen „was zu Leid getan“ (im Raufhändel oder durch – frankforterisch – Bees Wotte = Böse Worte), um Verzeihung. Insgesamt aber überwiegt seine Kritik an den Widrigkeiten. Daher wundert es nicht, dass der Wanderbursche im Grunde genommen froh ist, von seiner Arbeitsstätte zu scheiden; zwar weiß er nicht, was ihn beim nächsten Meister erwartet, aber er ist zuversichtlich, er „will sein Glück probieren, marschieren“.

Rezeption Es, es, es, und es, es ist ein harter Schluss ist in zahlreichen Liederbüchern und auf einigen Tonträgern erschienen (einschließlich Partituren). Sicherlich kann man die Popularität eines Liedes nicht allein an der Anzahl der Veröffentlichungen oder der Verbreitung von Liederbüchern und Tonträgern festmachen, aber sie können doch gewisse Aufschlüsse über seine Rezeption geben, wenngleich damit keine Aussage über die Häufigkeit des Singens oder Anhörens getroffen werden kann. Ein anderer Indikator für die Beliebtheit eines Liedes, besonders bei eingängiger Melodie, zeigt sich in Umdichtungen und Parodien. Bereits 1845 hat Hoffmann von Fallersleben in seinen Texanischen Liedern ein Auswandererlied gedichtet, dessen erster Vers wie folgt lautet: Raus, raus, raus und raus, / aus Deutschland muß ich raus: / Ich schlag mir Deutschland aus dem Sinn / Und wand’re jetzt nach Texas hin. / Ich will mein Glück probieren, marschieren.Texanische Lieder, 1846, Nr. 20; zitiert nach: Volksliederarchiv. Deutsche Volkslieder – Lieder, Reime und Hintergründiges zum Deutschen Volkslied auf volksliederarchiv.de Der vollständige Text findet sich unter: Raus raus raus und raus (Ade Deutschland) Und 1848 folgte Adolf Glaßbrenner mit der Parodie Ach, ach, ach und ach, / Wie schön’s doch früher war / Vor, vor, vor und vor / Vor drei-, vierhundert Jahr! / Da räuberte mein Ahn’ umher / Als ob das Beste seines wär; / Jetzt wird man gleich gefangen. Gehangen!Vollständiger Text s. Ach ach ach und ach

Bis 1900 Da Handwerksgesellen den Zunftordnungen unterlagen, waren sie verpflichtet, einige Jahre von Meister zu Meister zu wandern. Die Umstände, die im Lied kritisiert werden, waren demnach vielen Wanderburschen bekannt. Daher ist davon auszugehen, dass das Lied bereits vor dem Erstdruck der Melodie 1838 gesungen wurde. Die Varianten „… dass ich aus Frankfurt / … Berlin / … Breslau / … Hamburg / … Hannover / … Nürnberg / … Stuttgart muss“ deuten ebenso darauf hin, dass das Lied in ganz Deutschland bekannt war und gesungen wurde wie auch die Veröffentlichungen in zahlreichen Volksliederbüchern, z. B. in den 1842 von Hoffmann von Fallersleben herausgegebenen Schlesischen Volksliedern oder in Des Knaben Liederschatz, der 1887 in der achten Auflage erschienen ist. Hinzu kam 1847 das von Adolf Eduard Marschner herausgegebene, weit verbreitete Büchlein Alte und neue Volkslieder mit Zeichnungen von Ludwig Richter. Und obwohl das Lied in Kreisen der Wandergesellen weiterhin auch mündlich überliefert wurde, gab 1859 der Handwerker-Verein zu Potsdam ein eigenes Liederbuch für die Fahrenden heraus.