Schwanheide ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Boizenburg-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Boizenburg/Elbe verwaltet.
Geografie und Verkehrsanbindung mini|links|Delvenau an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein Schwanheide liegt im Westen Mecklenburg-Vorpommerns etwa sechs Kilometer nordwestlich von Boizenburg/Elbe und grenzt an Schleswig-Holstein. Durch das Gemeindegebiet verläuft der Mühlenbach, an der nordwestlichen Gemeindegrenze die Riedebeck. An der westlichen Gemeindegrenze fließt die Delvenau durch das Naturschutzgebiet Stecknitz-Delvenau südlich in Richtung Elbe. Durch Kiesabbau entstanden zwischen Schwanheide und Zweedorf vier Seen. Die Gemeinde besitzt mit dem Bahnhof Schwanheide einen Halt an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg.
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Ortsteile Schwanheide und Zweedorf.§ 1 Abs. 1 der (PDF; 3,4 MB) der Gemeinde Die Siedlungen Bauernende, Neuendamm und Zweedorfer Tannen gehören zum Ortsteil Schwanheide. Schwanheides Nachbargemeinden sind Bröthen im Norden, Greven (Mecklenburg) im Nordosten, Gresse im Osten, Boizenburg/Elbe im Südosten, Nostorf im Süden und Witzeeze im Westen.
Geschichte Schwanheide Name Der Name leitet sich von der Lage am westlichen Rand der historischen Schwanenheyde ab. Diese erstreckte sich von Leisterförde im Norden bis Gehrum im Süden und in der West-Ost-Ausdehnung vom Mühlenbach über die anschließende Boizenburger Heyde bis zur Boize. Am östlichen Rand der Schwanenheyde verlief der Boizenburger Frachtweg, auf dem das in Boizenburg gestapelte Lüneburger Salz auf dem Landweg über Fredeburg nach Lübeck transportiert wurde.
Mittelalter Das Landesbederegister erwähnt erstmals 1560 eine Besiedelung der Schwanenheyde mit einem Meierhof. Dieser wurde vom Pächter als Schäferei betrieben. Ein Dorf bestand noch nicht. Etwa 1 km weiter südlich fand sich am Mühlenbach die Schwanheyder Mühl, ehemals Mühle des untergegangenen Dorfes Kladrum.
17.–19. Jahrhundert Von 1704 bis 1714 war der großherzoglich mecklenburgische Meierhof im Besitz des Geheimen Rates und Kammerpräsidenten Friedrich von Graevenitz.Sybille Oßwald-Bargende: Die Mätresse, der Fürst und die Macht. Christina Wilhelmina von Grävenitz und die höfische Gesellschaft, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2000, S. 310, Fn. 324 (Google Buch). Danach war er bis 1722 an Hinrich Siemers, anschließend bis nach 1751 an dessen Schwiegersohn Valentin Kauffeldt verpachtet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die nördlichen Flächen des Meierhofes bis zu den Piperkaten mit 6 Erbpachthufen und einer Büdnerei aufgesiedelt, die die Bezeichnung Bauernende erhielten. Erst mit dieser Aufsiedelung entstand ein Dorf, das sich dann mit der Einrichtung des Haltepunktes an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg 1886 rasant vergrößerte.
Neuzeit mini|Ehemaliges Grenzabfertigungsgebäude am Bahnhof 1921 wurde Schwanheide aus der Gemeinde Zweedorf ausgegliedert und eigenständige Gemeinde. Ein Jahr später wurde das bis dahin zu Boizenburg gehörige Neuendamm nach Schwanheide gelegt.Dieter Greve: Flurnamenatlas für das südliche Westmecklenburg, Band I, Seiten 83 und 167, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2011 ISBN 978-3-940207-25-8 Am 20. Mai 1925 wurde die Freiwillige Feuerwehr Schwanheide gegründet.Webauftritt der Freiwilligen Feuerwehr Schwanheide Während der Deutschen Teilung war der Bahnhof Schwanheide Grenzstation für Interzonenzüge und den Transitverkehr durch die DDR auf der Strecke Berlin–Hamburg. Die Kapelle in Schwanheide wurde in den 1960er Jahren nach schwedischem Vorbild aus Holz errichtet. Der hölzerne Glockenstuhl wurde 1991 gebaut. Die 1651 gegossene Glocke darin stammt aus der abgerissenen Kirche in Zweedorf. Schwanheide war stets in Zweedorf eingepfarrt.
Im Jahre 1979 bestand in Schwanheide neben der LPG Geflügelhof Schwanheide und der LPG „Einheit“ Tierproduktion Schwanheide noch die KAP Pflanzenproduktion Schwanheide, die sich aus den beiden LPG Schwanheide und Zweedorf zusammensetzte und die geringsten Erträge im Altkreis Hagenow erwirtschaftete. Nach einem Austausch der Kader und der Führung noch im Jahre 1979 gelang es, trotz der sandigen Böden und der fehlenden Beregnungsmöglichkeiten die Produktivität derart zu verbessern, dass mit Roggen und Kartoffeln ab 1982 dauerhaft eine Platzierung unter den drei ertragsstärksten Pflanzenbaubetrieben in Hagenow erreicht wurde.
Zweedorf Name Zweedorf wird 1252 als Twedorp erstmals urkundlich erwähnt.Mecklenburgisches Urkundenbuch II, 704 Der Name soll infolge der Vereinigung der beiden Dörfer Borgstorf und KladrumIna Kahns: Zur Volkskunde des Landes Mecklenburg am Beispiel des alten Amtes Boizenburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ortsmitteleuropa an der Universität Dortmund, Reihe B-Nr. 32, Herausgeber: Johannes Hoffmann, 1983, S. 8. entstanden sein ("Zweidorf")Franz Schildt: Die untergegangenen Dörfer Mecklenburg-Schwerins, in: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. – Bd. 56 (1891), S. 149 – 222 (152f.) . Demgegenüber hat WiebenRichard Hagen und Uwe Wieben: Ein Überblick über die Geschichte der Stadt Boizenburg bis 1917, S. 8 f., in: Rat der Stadt Boizenburg (Hrsg.): Boizenburg. Beiträge zur Geschichte der Stadt. 1255–1280, Schwerin 1980 darauf hingewiesen, dass der für das Jahr 1241 belegte Boizenburger Ratsvorsteher Henricus de ThvedorpMecklenburgisches Urkundenbuch Band I, Urkunde Nr. 529online-version aus Zweedorf stammt, weshalb auch eine Namensgebung in Anlehnung an einen Vorfahren dieses Heinrich von Zweedorf – als ministerialer Lokator aus dem Gefolge Heinrich des LöwenDas Land Boizenburg und damit auch Zweedorf unterstanden von 1143 bis 1180 direkt Heinrich dem Löwen: Heike Krause: Slawen und Deutsche in den Ländern Wittenburg und Boizenburg. Zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter in: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 1999, Band 47, Lübstorf 2000, S. 221 – in Betracht gezogen werden mussDmitri Nikolajewitsch Jegorow: Die Kolonisation Mecklenburgs im 13. Jahrhundert. Band 2, Breslau 1930, S. 406 verweist unter Bezugnahme auf MUB IV, Nr. 2448 auf einen 1161 erwähnten Ritter Rotherus aus dem braunschweigischen Zweidorf, dessen Nachfahren Hauptbesitzer des Dorfes seienJoachim Lehrmann: Zur Herkunft der braunschweigischen Patrizierfamilie van Twedorp/von Zweydorff – ein ministerialer Lokator Heinrichs des Löwen? In: Braunschweigische Heimat, 2021, 2. Ausg., S. 23ff..
Mittelalter Zweedorf liegt in einem ehemaligen ÖdlandstreifenEinen sich unmittelbar an die Delvenauniederung anschließenden Ödlandstreifen nimmt an: Michael Schmauder: Überlegungen zur östlichen Grenze des karolingischen Reiches in: Walter Pohl, Helmut Reimitz (Hrsg.): Grenze und Differenz im Frühen Mittelalter Wien 2000, ISBN 3-7001-2896-7, S. 60 ff. unmittelbar östlich des Limes Saxoniae. Dieser Ödlandstreifen verlief im Mittelalter entlang der Delvenau und erstreckte sich nach Osten bis zur Boize. Ob das Gebiet planmäßig von einer Besiedlung frei gehalten wurde oder ob überwiegend geomorphologische Gründe ausschlaggebend gewesen sind, ist noch nicht abschließend erforscht. In Ermangelung slawischer Keramikfunde wird bislang davon ausgegangen, dass das Sandergebiet zwischen Delvenau und Boize bis 1143 allenfalls eine spärliche slawische Besiedlung aufgewiesen hat.Heike Krause: Slawen und Deutsche in den Ländern Wittenburg und Boizenburg. Zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter in: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 1999, Band 47, Lübstorf 2000, S. 218. Aktuelle Ausgrabungsergebnisse deuten jedoch auf eine kontinuierliche slawische Besiedelung seit dem 8. Jahrhundert hin.
Das Dorf wurde im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus als PlatzdorfFranz Engel: Erläuterungen zur historischen Siedlungsformenkarte Mecklenburgs und Pommerns, Zeitschrift für Ostforschung 2, 1953, S. 208 ff. (doi:10.25627/195322110) auf einer in die Delvenauniederung vorgeschobenen Landzunge des Sanders angelegt. Die einzige Zuwegung führte nach Osten zu den Ackerflächen, die Sackgasse zeigte zur Delvenau. Ursprünglich verfügte Zweedorf über eine Größe von mindestens 16 Hufen: 1252 verleiht Gunzelin, Graf von Schwerin, 9 Hufen in Zweedorf an das Kloster Zarrentin, welche dieses zuvor von dem Bürger Wichfried aus Wittenburg gekauft hat.Mecklenburgisches Urkundenbuch II, Nr. 704 (Google Buch). 1279 gehören dem Kloster bereits 14 Hufen und eine Vielzahl von KossatenstellenMecklenburgisches Urkundenbuch II, 1492 (Google Buch). und 1297 schließlich verschenkt Nikolaus, Graf von Schwerin, 2 Hufen Land in Zweedorf nebst weitreichenden Privilegien an die Kirche in BoizenburgMecklenburgisches Urkundenbuch IV, Nr.2452 (Google Buch).. Im gleichen Jahr verkauft er das übrige Dorf „mit allem lebenden und toten Inventar“ an das Kloster Zarrentin.Mecklenburgisches Urkundenbuch IV, Nr. 2448 (Google Buch). Für das Jahr 1335 wird erstmals eine Kirche in Zweedorf erwähntMecklenburgisches Urkundenbuch Band VII, Nr. 5613 (Die Kirchentaxe von 1335). Im Jahre 1496 gehörte Zweedorf mit 64 Erwachsenen und 38 Kindern unter 15 Jahren zu den größten Dörfern der Vogtei BoizenburgFriedrich Stuhr: Die Bevölkerung Meklenburgs am Ausgang des Mittelalters. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 58 (1893), S. 232–278 (Google Buch).. Nach der Auflösung des Klosters Zarrentin 1552 gelangte Zweedorf in landesherrlichen Besitz und wurde fortan durch das Domanialamt Boizenburg verwaltet. Trotz seiner versteckten Lage am Rande der Schwanenheyde und abseits des Boizenburger Frachtweges blieb auch Zweedorf von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges nicht verschont. Von 13 Vollbauern, 4 Kossaten und 4 Häuslern im Jahre 1618 verblieben 1640 nur noch 7 Vollbauern, davon 2 auf den beiden Hufen der Boizenburger Kirche. 9 Gehöfte waren verwüstet.Landeshauptarchiv Schwerin, Bestand Domanialamt Boizenburg, Nr. 1, Fasc. 3, zitiert nach: Greve, Dieter: Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Dörfer des Domanialamtes Boizenburg in: Boizenburger Museumsfreunde e. V. (Hrsg.): Verflucht wer mit dem Teufel spricht ! Boizenburg 2010 Die Verluste an Menschen sind nicht belegt.
17.–19. Jahrhundert 1734 als Folge der Reichsexekution an das Kurfürstentum Hannover verpfändet, gehörten Amt und Dorf ab 1768 wieder zu Mecklenburg-Schwerin.Gustav Hempel: Geographisch – statistisch – historisches Handbuch des Mecklenburger Landes, Erster Theil, S. 408, Güstrow 1837 Nach Anordnung der Separation in Mecklenburg – Schwerin 1822 kam es bis 1850 zur sukzessiven Aussiedlung von Bauernhöfen in die Zweedorfer Feldmark. Hierdurch entstand am Bösdörper Weg, ungefähr auf Höhe des untergegangenen Dorfes Borgstorf, die Siedlung Neu-Zweedorf. Im gleichen Zuge wurden auf den frei gewordenen Grundstücken in der Ortslage von Zweedorf Büdnereien errichtet. 1890 begann ein Hamburger Unternehmer am südlichen Dorfrand mit dem Kiesabbau, der die Feldmark dauerhaft und grundlegend umgestaltete. Sande und Kiese wurden mit einer Lorenbahn bis zur Bahnstrecke Berlin–Hamburg transportiert, dort auf Güterzüge umgeladen und als Baustoffe unter anderem für den Ausbau des Hafens, des Hauptbahnhofes sowie des Güterbahnhofes Tiefstack nach Hamburg verfrachtet. Im Zuge des Kiesabbaus in den 1890er Jahren gemachte Urnenfunde belegen eine Besiedelung des Ortes bereits in der jüngeren Bronzezeit.Robert Beltz: Die Grabfelder der älteren Eisenzeit in Mecklenburg, in: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.-Bd.71 (1906), S. 1–152, dort S. 70 f.
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