Sülstorf ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Ludwigslust-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Ludwigslust verwaltet.
Zu Sülstorf gehören die Ortsteile Boldela und Sülte.§ 1 der Hauptsatzung (PDF; 346 kB) der Gemeinde
Geografie und Verkehr mini|links|Bahnhof in Sülstorf
Die Gemeinde liegt etwa zwölf Kilometer südlich der Landeshauptstadt Schwerin. Die Bundesstraße 321 befindet sich in etwa sieben Kilometer Entfernung. Die Bundesautobahn 24 wird über die Anschlussstelle Hagenow in zehn Kilometern erreicht.
Umgeben wird Sülstorf von den Nachbargemeinden Holthusen im Norden, Lübesse im Osten, Uelitz im Südosten, Hoort im Südwesten sowie Alt Zachun im Westen.
Sülstorf besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Ludwigslust–Wismar. Er wird von der Regional-Express-Linie RE 8 (Wismar–Wittenberge–Berliner Stadtbahn–Flughafen BER) und der Regionalbahnlinie RB 17 Ludwigslust–Bad Kleinen–Wismar jeweils abwechselnd zweistündlich bedient, so dass sich ein Stundentakt ergibt.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Sülstorf stammt aus dem Jahr 1217. Hier wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde der Grafen von Schwerin an die Komturei Sülstorf erwähnt.Georg Christian Friedrich Lisch: Urkunden der Comthurei Kraak und der Priorei Eixen . In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 1 (12), S. 197–232. (Digitalisat) Bis 1315 hatte der Komtur des Johanniterordens hier seinen Sitz. Um 1700 befand sich in Boldela ein Landesherrlicher Hof, zu welchem auch Sülstorf diente. 1882 ist nahe Sülstorf noch eine Mühle in einer Karte verzeichnet. Ein Feuer vernichtete 1979 die Sülstorfer Kirche, welche 1984 wieder aufgebaut wurde und 2003 einen hölzernen Turm erhielt.
Am 1. Januar 1951 wurde die bisher eigenständige Gemeinde Boldela eingegliedert.
Vom 13. bis 15. April 1945 hielt ein Zug mit rund 4600 KZ-Häftlingen auf einem Gleis nahe dem Bahnhof. Hunderte Gefangene starben bei dem Transport fast ohne Wasser und Verpflegung. Die Häftlinge kamen aus dem KZ-Außenlager Helmstedt-Beendorf, einem Außenlager des KZ Neuengamme und sollten ins KZ Wöbbelin gebracht werden. In Sülstorf hatte der Zug gehalten, weil ein anderer Treck aus dem KZ-Außenlager Schandelah das Anschlussgleis des KZ Wöbbelin blockierte. Am 15. April ist der Sülstorfer Zug dann ins KZ Wöbbelin gefahren, wo die SS die Männer in das Lager trieb. Für die Frauen endete die Odyssee erst am 20. und 21. April in Außenlagern des KZ Neuengamme, im KZ-Außenlager Hamburg-Sasel, KZ-Außenlager Hamburg-Wandsbek, KZ-Außenlager Hamburg-Eidelstedt und KZ-Außenlager Hamburg-Langenhorn. 1947 wurde für die Toten ein Ehrenfriedhof gegenüber dem Bahnhof errichtet. Ein Gedenkstein der Jüdischen Landesgemeinde von 1951 erinnert an 53 jüdische Frauen aus Ungarn, deren Leichen nach Kriegsende in Sülstorf gefunden worden waren. Die tatsächliche Opferzahl auf dem Sülstorfer Gemeindegebiet ist unbekannt.
Politik Gemeindevertretung und Bürgermeister Der Gemeinderat besteht (inkl. Bürgermeister) aus 8 Mitgliedern. Die Wahl zum Gemeinderat am 26. Mai 2019 hatte folgende ErgebnisseZweckverband Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg(ZKO):
Partei/Bewerber Prozent Sitze Wählergruppe Sülstorf 200065,815 Wählergruppe Sülstorf-Heimat-Zukunft28,352 CDU5,841
Bürgermeister der Gemeinde ist Roland Peters, er wurde mit 80,16 % der Stimmen gewählt.Zweckverband Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg(ZKO)
Wappen
Flagge links|mini|hochkant|20px Flagge der Gemeinde Sülstorf Die Flagge ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot, Gelb und Rot gestreift. Die roten Streifen nehmen je ein Viertel, der gelbe Streifen nimmt die Hälfte der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des gelben Streifens liegt das Gemeindewappen, das zwei Drittel der Höhe und ein Drittel der Länge des Flaggentuchs einnimmt. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „• GEMEINDE SÜLSTORF • LANDKREIS LUDWIGSLUST-PARCHIM“.
Sehenswürdigkeiten Johanniterkirche als spätgotische Saalkirche vom 15. Jahrhundert auf alten Fundamenten von 1217; hölzerner Turm von 2003. Auf dem Kirchhof das denkmalgeschützte Grabkreuz Dahl. Pfarrhof mit Wohnhaus, Scheune und Stallscheune Ehrenfriedhof von 1947 zum Gedenken an 53 weibliche jüdische KZ-Häftlinge eines fehlgeleiteten Evakuierungszuges von Beendorf zum KZ Wöbbelin, zwei Außenlagern des KZ Neuengamme, am Bahnhof Sülstorf. Im Jahre 1951 wurde ein Gedenkstein für diese 53 von insgesamt mehr als 200 Todesopfern errichtet Neogotische Kirche im Ortsteil Sülte → Siehe auch Liste der Baudenkmale in Sülstorf
Persönlichkeiten Jochen Bachfeld (1952–2026), Amateurboxer, Olympiasieger 1976 in Montreal im Weltergewicht.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Ludwigslust-Parchim Kategorie:Ersterwähnung 1217