Das Klostertal ist ein alpines Tal im österreichischen Vorarlberg. Es zweigt bei Bludenz vom Walgau ab und erstreckt sich rund 30 Kilometer nach Osten bis zum Arlberg und zur Landesgrenze zu Tirol. Es besteht aus den drei Gemeinden Klösterle am Arlberg, Dalaas und Innerbraz sowie den drei Bludenzer Orten Bings, Radin und Außerbraz mit einer Fläche von 193,6 km² und rund 4.684 Einwohnern (Stand 2011).
Geografie Gemeinden Die Klostertaler Gemeinden gehören alle dem Bezirk Bludenz an: Klösterle (Seehöhe: 1.073 m) Dalaas (Seehöhe: 916 m) Innerbraz (Seehöhe: 708 m) Bludenz (Seehöhe: 587 m; von der Stadt Bludenz gehören nur die Ortsteile Bings, Radin und Außerbraz geografisch zum Klostertal) Stallehr liegt auch im Klostertal, gehört politisch aber zum Montafon.
Nachbarregionen Die umliegenden Gebirgsgruppen sind kursiv gesetzt.
Naturräumliche Gegebenheiten mini|hochkant|Muttjöchle Aus geologischer Sicht ist das Klostertal von vielen Störungen und unterschiedlichen Gesteinsfolgen geprägt. Das Klostertal ist das westlichste der Längstäler, die an der Grenze von Nördlichen Kalkalpen und dem Kristallin der Zentralalpen entstanden sind. Südlich des Tales befindet sich die Verwallgruppe, die aus Altkristallin besteht und der Silvrettadecke angehört. Die Nordgrenze des Kristallins ist im Klostertal annäherungsweise durch den Verlauf des Flusses Alfenz markiert. Den Nordsaum bildet eine Zone von Gneisphylliten und Glimmerschiefer (Phyllitgneisdecke), ist Teil der unteren Silvrettadecke und wird Lechquellengebirge genannt. Diese geologisch sehr abwechslungsreiche Schichtung erklärt die heutige Ausformung des Tales. Beispielsweise bei der Betrachtung der ziemlich flachen Einmündung des Klostertales in das Haupttal, fehlt hier eine ausgeprägte Mündungsstufe wie sonst bei allen Seitentälern in Vorarlberg. Bei der Formgebung des Tales wurde die Hauptarbeit zwar vom fließenden Wasser geleistet, doch durch die Gletschererosion wurde das Kerbtal mehr oder weniger in ein Trogtal umgeformt.
Das Tal liegt im Einflussbereich der in größeren Abständen seismisch aktiven Spullerseestörung. Diese zeigte zuletzt Anfang 2018 mit insgesamt 33 registrierten Erdbeben eine deutlich erhöhte Aktivitätsphase. Die beiden stärksten, mit einer Magnitude von jeweils 3,9 für Vorarlberger Verhältnisse kräftigen und auch in Tirol und in der Schweiz wahrgenommenen Beben ereigneten sich am 17. Jänner und 1. Februar 2018 mit Epizentren jeweils wenige Kilometer nördlich von Wald am Arlberg.https://www.zamg.ac.at/geophysik/Reports/Monatsberichte/K18-01.pdfhttps://www.zamg.ac.at/geophysik/Reports/Monatsberichte/K18-02.pdf
Auch das Klima im Klostertal ist stark von der Geländeausformung geprägt. Die Niederschlag bringenden Westwinde können ungehindert in das Tal eindringen, erfahren hier aber die Stauwirkung des Gebirges. Das Klostertal ist eine der feuchtesten Talschaften Österreichs. Viel Regen und Schnee sind die Folge, was der Schneesicherheit im Wintertourismus zugutekommt.
Besonnung, Bewölkung, Nebel und Temperatur entsprechen reliefbedingt großen lokalen Unterschieden. Da die klimatischen Verhältnisse auf kleinstem Raum oft sehr unterschiedlich sind, wird seit langem, schon wegen der landwirtschaftlichen Bodennutzung, der jahreszeitliche Gang der Besonnung von den Bauern des Tales verfolgt, um Flächen optimal nutzen zu können.
Das Klima nimmt auch großen Einfluss auf die Vegetation. Während im Stanzertal, östlich des Arlbergs, hauptsächlich die Lärche anzutreffen ist, so kommt im Klostertal, westlich des Arlbergs vor allem die Buche vor. Im Klostertal selbst ergibt sich durch klimatische und petrographische Verhältnisse ein auffallender Wechsel im Bewuchs. Es ist oft deutlich erkennbar, wo das Kristallin im Süden auf den Kalk im Norden trifft. Denn im Süden geht ein dunkler Fichtenwald in eine Mischwaldzone und dann im Norden in eine Mischwaldzone mit hohem Buchenanteil und ab einer Höhe von über 1400 m wieder in eine Nadelwaldzone über. Diese teils scharfe Abgrenzung ist gut erkennbar und sehr auffällig bei Betrachtung des Klostertals.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die rauen Oberflächenformen und die rauen klimatischen Verhältnisse dem Klostertal ein eher wildromantischer Landschaftscharakter zugesprochen wird.
Naturschutz Auf der Sonnenseite ist das große, langgezogene Europaschutzgebiet Klostertaler Bergwälder. Es reicht von Bludenz bis Langen am Arlberg und umfasst in etwa das Gebiet oberhalb der Bahnlinie, Wälder, Alpen, Magerwiesen, Schutthalden, Felsen und Tobel. Oberhalb von Braz liegt das Naturschutzgebiet Bödener Magerwiesen. Südlich von Langen liegt das Europaschutzgebiet Verwall.
Geschichte Im Klostertal selbst wurde keine große Geschichte geschrieben. Die Bewohner spürten die Auswirkungen der Macht- und Gebietsveränderungen lediglich in einem Wechsel der Einstellung der jeweiligen Landesfürsten zur Förderungswürdigkeit des Arlbergverkehrs. Es gab keine großen Schlachten im Klostertal, Heere verschiedener Länder benutzten den Arlberg lediglich als Übergang ins Tirolerische oder in die Vorlande.
Der Name des Klostertals lässt sich geschichtlich mit der Übergabe der Kapelle im St. Marienthal durch Graf Hugo I. von Montfort 1219 an das Johanniterhaus in Feldkirch erklären. Als Gegenzug für die erhaltene Stiftung musste der Johanniterorden den vorüberziehenden armen Leuten wenigstens Obdach, Feuer und Wasser geben. Zu diesem Zweck wurde ein Hospiz errichtet, das wie auch der sich um dieses Hospiz entwickelnde Ort, Klösterle genannt wurde. Später nannte man das ganze Tal Klostertal, was den ehemaligen Namen St. Marienthal ablöste.Frank Lerchenmüller: Das Klostertal – Bevölkerung und Wirtschaft. Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts- und Sozialforschung. Wagner’sche Universitätsbuchhandlung Innsbruck Kommissionsverlag, 1970.
Die Geschichte des Klostertals zeigt die innige Verbundenheit des Schicksals der Bewohner mit der Bedeutung des Tales als Verkehrsweg. Deshalb wird die Geschichte des Verkehrs als eigenes Unterkapitel wie folgt behandelt.
Verkehr mini|Das über längere Abschnitte enge Klostertal ist mit Verkehr hoch belastet. Hier ein Blick auf Langen am Arlberg: Links die S 16, rechts der Bahnhof der Arlbergbahn, rechts neben und unterhalb derselben der Fuchslochtunnel der L 197. Zudem verlaufen mehrere Hochspannungsleitungen durch das Tal. Die kürzeste Verbindung zwischen Tirol und Vorarlberg führte bis zur Eröffnung des Arlberg-Straßentunnels über den 1793 m hohen Arlbergpass. Diese Alpenquerverbindung ließ sich „mit einmaligem geringstem Auf- und Abstieg innerhalb des Gebirges und ohne Überschreitung des Alpenhauptkammes von einer Hauptstraße des Querverkehrs ersten Ranges zur nächsten“ überwinden.H. Tiefenthaler: Natur und Verkehr auf der Arlberg-Westseite. Innsbrucker Geographische Studien, 1973, S. 12–33
Jedoch wurde das Klostertal auf Grund von verkehrsfeindlichen Erscheinungen der Hochgebirgsnatur oft weiträumig umgangen. Besonders die Umgehung über den Fernpass und das Allgäu wurden genutzt. Der die meiste Zeit des Jahres schneebedeckte Arlberg war bis ins Hochmittelalter nur ein bescheidener Saumpfad und lange kein wichtiger Verkehrsträger. Erst im 12. und 13. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Arlbergverkehrs zu. Dies lässt sich durch die Kreuzzüge, die Zunahme der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen den Grafen Tirols und Vorarlbergs, das Aufkommen neuer Städte und damit steigende Handelsbedürfnisse erklären. Im 13. und 14. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Arlbergs weiter auf Grund der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Tirol und Vorarlberg. 1425 errang die Gemeinde Klösterle im Klostertal das Recht auf Fuhrleute zur Warenbeförderung. Mit dem Recht auf Warenbeförderung und Zolleinhebung war die Gemeinde verpflichtet, Wege und Brücken in benutzbarem Zustand zu halten. Doch Mitte des 15. Jahrhunderts begann durch die beschwerlichen Saumwege und die hohen Zölle ein erneuter Rückgang des Arlbergweges. Die weitere Vernachlässigung des Weges war die Folge, während die Umgehungsverbindungen immer weiter verbessert wurden. Bis in die 1760er Jahre wurde der Arlbergweg nur sehr mangelhaft ausgebessert und dafür eine neue Straßenverbindung von Bregenz über Scheffau in das Allgäu angelegt. Jedoch konnten Bregenz und Lindau ihre Interessen an den Zöllen der Umgehungsverbindungen nicht mehr länger gegenüber der zentralistischen Reichspolitik Josefs II. durchsetzen. Denn Josef II. war in erster Linie daran interessiert, die Arlbergstraße wieder brauchbar zu machen, um seine politischen und militärischen Absichten zu realisieren. Denn der Warenverkehr von den Adriahäfen nach Südwestdeutschland, der bisher großteils über Graubündner Pässe ging, sollte nun möglichst durch sein eigenes Hoheitsgebiet gelenkt werden. Auch sollte durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse die Industrialisierung in Westösterreich gefördert werden.
1785 wurde der Weg behelfsmäßig soweit hergerichtet, dass er durchgehend mit Wagen befahren werden konnte. Mit einem gründlichen Ausbau der Strecke Bludenz–Landeck wurde erst 1822 begonnen, und im Oktober 1824 konnte die 3,5 bis 6,5 m breite Kunststraße über den Arlberg fertiggestellt werden. Durch diese Entwicklung erfuhr der Arlbergverkehr einen kräftigen Aufschwung. Die Aufhebung der Wegzölle und des Rodwesens sowie die Einführung eines regelmäßigen Postdienstes vermehrte die Bedeutung der Verkehrsverbindung des Passes.
Jedoch nicht einmal drei Jahrzehnte später ließ der Arlbergverkehr erneut stark nach. Gründe dafür sind die Eröffnung der Bahnstrecke Buchloe–Lindau (1853) und der Bahnstrecke Kufstein–Innsbruck (1858), wodurch die bisher über den Arlberg geführten Transporte wegen der kürzeren Beförderungszeit größtenteils auf die süddeutschen Bahnverbindungen verlagert wurden.
Erst der Eisenbahnbau machte die Arlbergverbindung zu einem europäischen Hauptverkehrsweg. Der Bau des Arlbergtunnels und der Talstrecke Innsbruck–Landeck erfolgte von 1880 bis 1883. Die Bahn eröffnete zugleich dem neu aufkommenden Schisport den Zugang ins Hochgebirge. Auch durch den gründlichen Umbau der Flexenstraße (1895–1897) erfolgte eine Zunahme des Fremdenverkehrs ins obere Lechtal und somit gewann auch die als Zubringer dienende Arlbergstraße an Bedeutung.
Das 20. Jahrhundert war geprägt von einer ständigen Zunahme des Reise- und Güterverkehrs, was laufende Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur verlangte. Der Kohlemangel nach dem Ersten Weltkrieg führte zur Elektrifizierung der Arlbergstrecke. Der in der Zwischenkriegszeit zunehmende Autoverkehr drängte zum fortschreitenden Ausbau der Straßen. Die für den Fuhrwerksverkehr konzipierte Reichsstraße über den Arlberg wurde nun durch die asphaltierte Bundesstraße B 197 (jetzt: L 197) mit ersten Ortsumfahrungen und seit 1970 mit jährlichen Baufortschritten durch die Arlbergschnellstraße S16 abgelöst. Auch die Wintersicherheit durch Lawinenverbauungen gelangte in den Fokus der Arlbergentwicklung.H. Tiefenthalter: Arlbergweg – Alpine Verkehrskultur am Arlbergweg von Landeck bis Bludenz. Vorstudie für einen verkehrsgeschichtlichen Erlebniswanderweg über den Arlberg. Auftrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung; Abt. VIIa-Raumplanung, Bregenz 2002
Heute ist das Klostertal sehr bedeutend als Verkehrsverbindung zwischen Vorarlberg und dem restlichen österreichischen Bundesgebiet. Verkehrstechnisch wird das Klostertal durch die Schnellstraße S 16, die Landesstraßen L 97 und L 197 sowie die Arlbergbahnstrecke erschlossen.
Tourismus mini|Klösterle am Arlberg im Winter Auch der Tourismus wurde lange Zeit von der Bedeutung des Klostertals als Verkehrsweg beeinflusst. Durch die Länge und Beschwerlichkeit des Weges durch das Klostertal wurden die Reisenden, Säumer und Fuhrwerke gezwungen, im Tal zu übernachten. Dies hatte zur Folge, dass schon seit dem Mittelalter Herbergen und Wärmestuben eingerichtet wurden.