Die AKN Eisenbahn GmbH (Altona-Kaltenkirchen-Neumünster Eisenbahn GmbH; bis zum 12. Juni 2018 AKN Eisenbahn AG) ist ein seit 1883 bestehendes regionales Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen mit Sitz in Kaltenkirchen. Sie betreibt Strecken in Schleswig-Holstein und Hamburg. Diese Länder sind auch Anteilseigner und besitzen je die Hälfte der Gesellschaft.

Profil mini|Netz der AKN in Holstein und Hamburg Die AKN betreibt vertakteten Personenverkehr als Eisenbahn-Verkehrsunternehmen auf einem normalspurigen Streckennetz zwischen Hamburg, Neumünster, Elmshorn, Henstedt-Ulzburg und Norderstedt. Insbesondere in Hamburg und dem angrenzenden Umland fährt die AKN in einem schnellbahnähnlichen Verkehr (während der Hauptverkehrszeiten teilweise im 10-Minuten-Takt) mit direktem Anschluss an U- und S-Bahnen. Auf weiter von der Großstadt entfernten Strecken ähnelt der Betrieb hingegen mehr dem einer Regionalbahn. Im Jahr befördert die AKN etwa 7,8 Millionen Fahrgäste (2020) und leistet 2,6 Millionen Zugkilometer (2013).

Das Unternehmen ist mit 50 Prozent Anteil auch Eigentümer der Nordbahn Eisenbahngesellschaft, die ausgehend von Hamburger Bahnhöfen im Auftrag der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein Personennahverkehr auf Teilen der Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel (bis Wrist) und der Marschbahn (bis Itzehoe) sowie auf den Bahnstrecken Bad Oldesloe – Neumünster, Neumünster – Heide, Heide – Büsum und Kiel – Flensburg betreibt.

Der Betrieb ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE) und Verbundunternehmen im Hamburger Verkehrsverbund (HVV).

Die AKN baut und unterhält weiterhin Eisenbahn-Infrastruktur in Schleswig-Holstein und Hamburg. Die von den Personentriebzügen der AKN genutzten Strecken Hamburg–Neumünster und Elmshorn–Henstedt-Ulzburg sind im Besitz des Unternehmens und werden zusammen mit der im Besitz der Stadt Norderstedt stehenden Alsternordbahn von ihm betrieben und unterhalten. Daneben gibt es Eisenbahn-Infrastruktur der AKN, die vorwiegend von anderen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen genutzt wird. Dazu gehören unter anderem: der Bahnhof Fehmarn-Burg Abschnitt Kiel Süd (Ss) – Schönberger Strand der Bahnstrecke Kiel Süd–Schönberger Strand, bis 2023 nur bis Schönberg (Holst) ab 2017 neu errichtete Zugbildungsanlagen für die Hamburger S-Bahn in Hamburg-Eidelstedt und Hamburg-Stellingen

Geschichte mini|Erster Kaltenkirchener Bahnhof am Gählerplatz (südlich der heutigen Gählerstraße) in Altona von 1884 bis 1893, Kartenausschnitt um 1890 mini|Aktie über 100 RM der Eisenbahn-Gesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster vom November 1928 Entstehung Im Jahr 1879 regte die Altonaer H. K. Nothnagel & Co. als Pächter des bei Quickborn befindlichen Himmelmoores, wo Torf als Heizmittel abgebaut wurde, den Bau einer Schmalspurbahn zur Beförderung des Torfs an. Die Gemeinden Quickborn und Kaltenkirchen sowie die damals noch selbstständige Stadt Altona unterstützten dieses Vorhaben, allerdings sollte die Bahn mit der Normalspurweite ausgeführt werden, damit Güterwagen auf andere Strecken übergehen können. Nach Gründung der Altona-Kaltenkirchener Eisenbahn-Gesellschaft (AKE) im Jahr 1883 und Zusage des Kaisers am 27. April 1883 begannen bereits im Herbst 1883 die Bauarbeiten für diese neue Eisenbahn. Die Aktien wurden von der Stadt Altona, den Gemeinden Quickborn, Ulzburg und Kaltenkirchen und von der Baufirma Kintzel & Lauser gehalten.

Am 8. September 1884 wurde der Personenverkehr auf der Strecke von Altona nach Kaltenkirchen eröffnet, am 24. November desselben Jahres folgte der Güterverkehr vom Gählerplatz (südlich der heutigen Gählerstraße).Wolfgang Burmester: Unser Schnelsen. Verlagshaus Meincke, Norderstedt 1996, S. 9. Der Streckenabschnitt vom Nebenzollamt (nördlich der Verbindungsbahn) zum Gählerplatz wurde allerdings bereits im Oktober 1893 wieder eingestelltBenno Kiesler: Die historische Entwicklung der nichtbundeseigenen Eisenbahnen um Hamburg von der Gründung bis zum Zusammenschluß. In: Geschichtliche und technische Entwicklung der Vorortunternehmen im Wirtschaftsraum Hamburg/Schleswig-Holstein, Internationale Industrie-Bibliothek, Länderdienstverlag, Berlin-West/Basel 1965; S. 9, der Güterverkehr von und zum Fischereihafen Altona über die vorhandenen normalspurigen Straßenbahngleise entwickelte sich nicht so, wie erhofft, und der Wechsel auf die Südseite der Verbindungsbahn war sehr aufwändig.

Die Trasse zwischen Altona und Quickborn verlief damals noch direkt an bzw. auf (Sommerweg) der Kieler Straße und Holsteiner Chaussee.Topographische Karte 1:25.000, Blatt Niendorf, Königlich Preußische Länderaufnahme von 1878 mit einzelnen Nachträgen von 1896; Ausschnitt auf Rücktitel v. Wolfgang Burmester: Unser Schnelsen. Verlagshaus Meincke, Norderstedt 1996 Im Hamburger Reform-Kalender für 1884 wurde ein „Fahrplan gültig vom 1. Mai 1883 ab“ abgedruckt, dort waren 16 Stationen vermerkt: Altona Nebenzollamt – Eimsbüttel – Thiedemannstr. (kein Halt durchgehender Züge nach Kaltenkirchen) – Langenfelde – Stellingen – Eidelstedt Haltest. – Eidelstedt Bahnh. – Schnelsen – Burgwedel – Bönningstedt – Hasloh – Quickborn Haltest. – Quickborn Bahnh. – Ellerau – Ulzburg – Kaltenkirchen Zwischen Altona und Kaltenkirchen betrug danach die Fahrzeit gut zwei Stunden. Es sollte nur drei durchgehende Verbindungen, jeweils morgens, nachmittags und abends, an Sonn- und Feiertagen abends noch eine weitere geben. Dazwischen gab es von Altona bis zur Haltestelle Eidelstedt vier weitere Fahrten mit Halt an allen Stationen. Es gab gestaffelte Fahrpreise für die 2. und 3. Klasse von 0,20 bzw. 0,10 bis 2,60 bzw. 1,70 Mark.90 Jahre AKN · 1884 fuhr der erste Zug von Altona nach Kaltenkirchen. In: Fahr mit uns, Kundenzeitschrift der Hamburger Hochbahn AG, Ausgabe 3/1974

Im am 16. September 1884 veröffentlichen Fahrplan „gültig vom 8. September 1884 bis auf Weiteres“ waren folgende zwölf Stationen angegeben: Altona Nebenzollamt – Eimsbüttel – Langenfelde – Stellingen – Eidelstedt – Schnelsen – Rugenbergen-Bönningstedt – Hasloh – Quickborn – Ellerau – Ulzburg – Kaltenkirchen Die Zeiten im Fahrplan waren in Localzeit angegeben, noch nicht nach der gerade eingeführten „Mitteleuropäischen Eisenbahnzeit“ (MEZ). Für werktags waren jeweils zwei Fahrtenpaare zwischen Altona und Kaltenkirchen und zwischen Altona und Eidelstedt angegeben, für sonn- und feiertags wurden weitere drei Fahrtenpaare zwischen Altona und Eidelstedt aufgeführt.

Im ersten vollen Kalenderjahr 1885 wurden 152.225 Personen und 10.404 Tonnen Güter befördert, darunter besonders Düngemittel, Eis, Grand, Holz, Kies, Milch, Butter, Steine, Müll, sowie Torf aus dem Moor bei Quickborn.

Weiterer Ausbau 1898 wurde die Streckenverlängerung von Kaltenkirchen nach Bramstedt in Betrieb genommen. Die Beförderungszahlen lagen 1899 bei 315.952 Personen und 40.437 Tonnen Güter.100 Jahre AKN, In: Fahr mit uns, Kundenzeitschrift der Hamburger Hochbahn AG, Ausgabe 3/1984

Nach der Genehmigung vom 1. Dezember 1914 erfolgte am 1. März 1915 die Umfirmierung in Eisenbahn-Gesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 13. März 1915, Nr. 15. Bekanntmachung Nr. 173, S. 97. Mitten im Ersten Weltkrieg wurde am 1. August 1916 der Betrieb auf der von Bad Bramstedt bis nach Neumünster Süd verlängerten Strecke aufgenommen. Inzwischen wurde auch der Südteil der Eisenbahn auf eine separate Trasse etwas weiter abseits der Chaussee verlegt: das Gleis lag jetzt auf einem eigenen Bahnkörper zwischen dem neuen Kaltenkirchener Bahnhof nördlich der Verbindungsbahn in Altona und dem Bahnübergang Burgwedel teilweise ziemlich weit westlich der alten Lage, zwischen Burgwedel und Quickborn östlich der Kieler Straße.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Der Bahnverkehr der 1954 aus der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) mit der kurz vorher übernommenen Verkehrsbetriebe des Kreises Stormarn (VKSt) entstandenen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH) wurde durch Vertrag vom 6. Juni 1956 mit Wirkung zum 1. Januar 1956 von der AKN übernommen, um die Betriebsteile Eisenbahn und Busverkehr zu trennen und den so zusammengefassten Eisenbahnbetrieb rationeller durchführen zu können. Die beweglichen Anlagenteile kaufte die AKN von der VHH, die unbeweglichen wie Streckennetz und die Bahnhöfe wurden gepachtet. Besonders die Billwerder Industriebahn wurde nun als Betriebsteil Güter- und Industriebahnen Billbrook (GIB) zum Haupteinsatzgebiet der AKN im Güterverkehr. AKN und VHH wurden durch eine Verwaltungsgemeinschaft geführt, die bis in die 1990er Jahre in der Grusonstraße in Billbrook bestand.Aus der BGE werden die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und Güter- und Industriebahnen Billbrook, ein Betriebsteil der AKN. In: Stefan Meyer: 100 Jahre Eisenbahn zwischen Bergedorf und Geesthacht – Von der BGE zur AKN-Güterbahn –, Lokrundschau-Verlag, Gülzow 2006, S. 57/58 Hier befand sich auch der Sitz und die Lagerräume des für den ergänzenden Güterverkehr auf der Straße zuständigen Tochterunternehmens Güterkraftverkehr Hamburg-Holstein GmbH (GÜHH), das 1962 gegründet wurde. 1990 wurden bei dieser Spedition und Lagerei 40 Beschäftigte eingesetzt, 30 Lastwagen waren für den Verkehr im Nah- und Fernverkehr unterwegs.Auch das ist die AKN · Dieselloks, Güterzüge und Fernlastverkehr. In: Fahr mit uns, Kundenzeitschrift der Hamburger Hochbahn (HHA), Ausgabe 1/1991 Anfang der 2000er Jahre waren es noch 30 Beschäftigte und 13 eigene Fahrzeuge, daneben gab es verschiedene Subunternehmen.Die AKN auf der Straße: die GüHH. In: 125 Jahre AKN Eisenbahn AG 1883–2008. Ellert & Richter, Hamburg 2008, S. 112/113

1981 übernahm die AKN die ebenfalls im HVV betriebene Alsternordbahn GmbH (ANB) und die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn AG (EBOE). Für die ANB hatte die AKN die Betriebsführung schon seit Beginn 1953 inne, mit der EBOE bestand ab dem 1. Januar 1957 eine Verwaltungsgemeinschaft. 1992 wurde die Alsternordbahn an die städtische Verkehrsgesellschaft Norderstedt (VGN) verkauft, die den Südteil der Alsternordbahn zu einer U-Bahn-Strecke ausbaute. Der nördliche Teil der Alsternordbahn wird weiterhin von der AKN, nun im Auftrag der VGN, betrieben und unterhalten.

Bis zur Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Wirkung vom 13. Juni 2018 firmierte die Gesellschaft als Aktiengesellschaft.

Noch heute wird die AKN auf der Linie A3 in Barmstedt liebevoll Kuddel genannt. Elmshorner bezeichnen den Zug als „Kuddel Barmstedt“.

Streckennetz Die AKN betreibt als Eisenbahninfrastrukturunternehmen folgende Eisenbahnstrecken bzw. Streckenabschnitte: Hamburg-Eidelstedt – Neumünster Norderstedt Mitte – Ulzburg Süd Elmshorn – Henstedt-Ulzburg Hamburg-Bergedorf – Geesthacht Güter- und Industriebahnen Billbrook (GIB) Kiel-Gaarden – Schönberg (Holst) Rendsburg – Rendsburg-Seemühlen

Außerdem betreibt sie den Güterbahnhof Industriegebiet Hamburg Ost mitsamt mehrerer Industriestammgleise sowie innerhalb des Bahnhofs das Streckengleis der Bahnstrecke Hamburg-Tiefstack – Glinde.

Liniennetz 50px|rahmenlos|rechts Die Stammstrecke der AKN ist die Bahnstrecke Hamburg-Altona – Kaltenkirchen – Bad Bramstedt – Neumünster.

Die AKN ist seit Anbeginn teilnehmendes Verkehrsunternehmen im 1965 gegründeten Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Im Hamburger Schnellbahnnetz werden die AKN-Linien neben den U-Bahn-Linien (U), S-Bahn-Linien (S) und Regionalbahnen (R) mit einem orangefarbenen „A“ gekennzeichnet. Auf Linienplänen, die nur die AKN-Linien zeigen, und bei Veröffentlichungen unabhängig vom HVV, werden jedoch separate Farben verwendet: Rot für die A 1, Grün für die A 2 und Dunkelblau für die A 3.

Im nahezu gesamten Streckennetz (ab Boostedt seit 2002) gilt der Tarif des HVV, ansonsten der Schleswig-Holstein-Tarif. Außerdem gibt es einen Anstoßtarif für den Wechselverkehr mit der Deutschen Bahn AG.