mini|hochkant=1.5|Pfarrkirche Großgmain mini|hochkant=1.5|Pfarrkirche Großgmain, Langhaus Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain ist eine römisch-katholische Marienkirche in Großgmain im Flachgau im Land Salzburg (Österreich). Das Patroziniumsfest wird am 15. August, Mariä Himmelfahrt, begangen. Seit Gründung der Pfarre Großmain im Jahre 1807 dient die einst bedeutende Wallfahrtskirche als Pfarrkirche.Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 172.

Geschichte Vor 1136 bestand in Gmain eine (herzogliche) Eigenkirche.Walter Brugger: St. Zeno Bad Reichenhall (Schnell-Kunstführer Nr. 157), 3., neu bearbeitete Aufl., Regensburg 2008, S. 2. Im Jahre 1136 wurde die Kirche St. Maria in Muona in das Augustinerchorherrenstift von Reichenhall, St. Zeno, inkorporiertGustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165. und vom Konvent, der durchschnittlich 20 bis 30 Mitglieder umfasste, betreut.Walter Brugger: St. Zeno Bad Reichenhall (Schnell-Kunstführer Nr. 157), 3., neu bearbeitete Aufl., Regensburg 2008, S. 5. Die älteste gesicherte urkundliche Erwähnung von Gmain bezieht sich auf das Jahr 1144 und steht in einer päpstlichen Bestätigungsurkunde.MB III, Nr. 3, S. 530: Capella S. Maria Muna. Zit. nach: Johannes Lang: Der Gmainer Grenzraum im ausgehenden Mittelalter. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 7 und Anmerkung S. 10. Durch Incammerirung des Stiftes St. Zeno 1803 kam auch Gmain unter landesfürstliches Patronat.Joseph Dürlinger: Historisch-statistisches Handbuch der Erzdiöcese Salzburg in ihren heutigen Grenzen. Erster Band: Ruraldecanate des Flachlandes, Salzburg 1862, S. 106. 1807 wurde die Gmainer Kirche zur selbständigen Pfarrkirche erhoben und mit einem weltlichen Priester ausgestattet.Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 174; 2. überarbeitete und erweiterte Auflage), S. 2. Gemäß dem Vertrag vom 14. April 1816 zwischen Bayern und Österreich (Vertrag von München) verblieb das Gebiet von Reichenhall beim Königreich Bayern, das Gebiet von Salzburg, mitsamt Gmain, wurde großteils an das österreichische Kaiserreich angegliedert.Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. In: Geschichte der österreichischen Bundesländer, hg. von Johann Rainer (München und Wien 1998), S. 249. Eine Staatsgrenze, determiniert durch den Weißbach, teilt seither „die Gmain“ in Bayrisch-Gmain und in (österr.) Großgmain.

Kirche mini|Szenen aus dem Leben Marias mini|Ausschnitt: Jesus im Tempel mini|Kanzel aus dem Jahr 1737 In der Dorfmitte, umgeben von einem Friedhof, steht die geostete Kirche Zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain mit einem großen, weithin sichtbaren Westturm. Die prägende innere Gestaltung des jetzigen Baues stammt aus dem Jahre 1731 und danach.Österreichische Kunsttopographie 11: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 2. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 11), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1916, S. 124. Der Turm wurde 1751 nach einem Brand, der durch Blitzschlag ausgelöst worden war, neu gestaltet. Im Kern ist die Kirche jedoch gotisch. Begonnen wurde der Bau im späten 15. Jahrhundert,Dehio Salzburg 1986, Wien 1986, S. 134. vollendet 1529.Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165. Die gotische Kirche hatte große Ähnlichkeit mit der Franziskanerkirche in Salzburg. Wie diese hatte sie frei stehende Rundsäulen.Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 6. Vor der einzig mittigen, östlichen Rundsäule stand ein 1499 geschaffener Flügelaltar mit zehn Tafelbildern.Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 16. Die bildlichen Darstellungen auf dem Altar wurden durch Tageslicht beleuchtet, das durch große Fenster eindrang. Das Gnadenbild, eine Madonna, war in einem separaten Choraltar hinter dem Hauptaltar aufgestellt. Durch die freie Aufstellung des Flügelaltares vor der Säule konnte derselbe umschritten, und so das dahinter präsentierte Gnadenbild verehrt werden.Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 4. Seit der Umgestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert stellt das Gnadenbild den Mittelpunkt des 1739 von Johann Georg Langmayr geschaffenen Hochaltares dar.Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 10. Der Umbau der Kirche fand ab 1731 unter Propst Floridus II. Penker (1720–1757) statt und wurde von Tobias Kendler geleitet. Bei diesem wurde unter anderem das Gewölbe, das von sieben weißen Marmorsäulen gestützt worden war, abgebrochen.Johannes Lang: Die Altsalzburger Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 80. Ein Anlass dafür war das befürchtete Auseinanderbrechen des Rippengewölbes.Österreichische Kunsttopographie 11: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 2. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 11), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1916, S. 124. Das danach eingezogene Schalengewölbe wurde von Innozenz Anton Warathy mit Fresken versehen.

Ausstattung Zehn Tafelbilder Der sogenannte Meister von Großgmain, dessen Hauptwerke alle für den Salzburger Raum entstanden sind, schuf um 1499 die Tafelbilder für den Flügelaltar der Kirche, der vor der mittigen Rundsäule aufgestellt war. Seit der Umgestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert und der Zerlegung des Altares hängen dieselben im Chorraum. 1739 errichtete Georg Langmayr den neuen Hochaltar, wobei er die alte Madonna in den Mittelpunkt des Altares platzierte.

Altäre Den Hochaltar schuf Johann Georg Langmayr 1739, der die Salzburger Steingussmadonna mittig in den Hochaltar integrierte. Die Dreifaltigkeitsgruppe, Skulptur mit Krönung Marias, fügte er in den Aufsatz des Altares ein.

Die Altarbilder der Seitenaltäre (links: hl. Sebastian, rechts: hl. Anna) sowie die Aufsatzbilder wurden 1734 vom Salzburger Hofmaler Jacob Zanusi geschaffen.Edmund Blechinger: Der Salzburger Hofmaler Jacob Zanusi 1679–1742. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 97 (1957), S. 113–136.

Kanzel Der Predigtstuhl wurde 1737 von Johann Georg Langmayr geschaffen und ist mit einem Kanzelkreuz an einem Kanzelarm ausgestattet.

Orgel mini|Ludwig Mooser Orgel 1845 mini|Entwurf, gezeichnet: Louis Mooser Die erste Orgel in der Gmainer Kirche dürfte Anfang des 17. Jahrhunderts gebaut worden sein und umfasste sechs Register (Manual mit 45 Tasten – Kurze Oktave): Copel 8′, Flöte 4′, Oktav 4′, Superoktav 2′, Zymbel 1′ (zweifach), Quint ′. Anscheinend wurde diese Orgel einmal durch einen Wetterstraich […] ruiniert und verdörbt. Daher entstand 1670, in Absprache mit dem Hochfürstl. Pflegeverwalter zu Staufenägg, Michael Kopeindl, der Plan, eine neue zu bauen. Die Verantwortlichen trafen dann allerdings eine andere Entscheidung und Christoph Egedacher 1671 beauftragt, lediglich ein neues Gehäuse anzufertigen und das Instrument um ein 18-Töne-Pedal zu erweitern, das dann für zwei Register 36 neue Pfeifen erhielt: Subbass 16′ (gedeckt) und Oktavbass 8′ (offen). Dieses Instrument wurde mehrere Male verändert und repariert, und schließlich 1844 abgerissen. 1845 errichtete Ludwig Mooser eine neue zweimanualige Orgel mit 17 Registern, die er aber kurioserweise nicht ganz vollendete und nur 16 Stimmen einsetzte.Geschichte der Orgeln in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Großgmain. In: Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 94–125. Ab 1999 restaurierte Orgelbaumeister Johann Pieringer dieses Instrument umfassend und ergänzte das seit Anbeginn fehlende Register Posaun-Bass 8′.Heribert Metzger: Die Ludwig-Moser-Orgel zu Großgmain im Land Salzburg – ihre Geschichte, Wiederherstellung und späte Vollendung. In: Ars Organi, hg. von der Gesellschaft der Orgelfreunde, 56. Jg. (2008), Heft 1, S. 35–37.

Disposition 1845 I Manual C–f3 Principal 8′ Gedackt 8′ Hohlflöte 8′ Viola di Gamba 8′ Octav 4′ Flöte 4′ Quinte ′ Picolo 2′ Mixtur V 2′ II Brustwerk C–f3 Copel 8′ Flöte 4′ Dolce 4′ Flagiolet 2′ Pedal C–c0 Violonbass 16′ Subbass 16′ Octavbass 4′ Posaun-Bass 8′ Koppeln: II/I, I/P.

Wallfahrtsstätte mini|hochkant|left|Milchspendende Maria, 1693 Quellenkult Im 14. Jahrhundert wird ein Brunnen neben der Gmainer Kirche erwähnt, der so genannte Kolomansbrunnen.BayHStA, KL St. Zeno, Nr. 43: „Apud fontem Sancti Cholomanni“. Zit. nach Johannes Lang: Die Altsalzburger Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 76 und Anmerkung S. 82. Möglicherweise ist der Schöpfbrunnen, der auf einem erhaltenen Mirakelbild aus dem Jahre 1530 dargestellt ist, derselbe. Wo aber dieser Brunnen tatsächlich war, ist nicht mehr bekannt.

Heute steht ein Marienbrunnen aus dem Jahre 1693 vom Typ der milchspendenden Madonna (Maria lactans) auf dem Platz vor der Kirche. Ob die Wallfahrt auf der Gmain auf ein vorchristliches Quellheiligtum zurückzuführen ist, konnte bisher, mangels schriftlicher Dokumente, nicht geklärt werden.

Gnadenbilder bzw. Kultgegenstände mini|Steingussmadonna, um 1400 Primärer Kultgegenstand ist eine Salzburger Steingussmadonna aus der Zeit um 1400 in den damals gebräuchlichen Farben Weiß, Blau, Rot nebst Gold.Dieter Großmann: Salzburgs Anteil an den „Schönen Madonnen“ . In: Schöne Madonnen. 1350–1450, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1965, S. 29. Die Marienstatue in YpsilonstellungGustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165. ist ohne Krone 143–144 cm hoch und steht auf einer später hinzugefügten Sockelplatte. Mit der linken Hand trägt sie ein nacktes Kind, das mit beiden Händen einen Apfel hält. Die Figur wurde seit ihrer Entstehung mehrmals verändert. 1871 entkleidete man die Marienstatue, da dieselbe durch das öftere Anziehen und Wegnehmen der Kleider nicht selten beschädigt wurde […] indem Jesukind beide Hände u. ein Vorfuß abgebrochen sind.AES: Kasten 6, Fach 26, Faszikel 16 (Teil 2), betreffend Großgmain (Großgmain, 3. Februar 1871). Zwischen 1962 und 1964 erfolgte eine akribische Restaurierung und versucht, den originalen Zustand wiederherzustellen. Seit 1739 steht die Statue im Zentrum des Hochaltares, zuvor, ab 1539, war sie auf einem Choraltar hinter dem Hochaltar aufgestellt gewesen. Vor 1539 war sie überhaupt außerhalb der Kirche angebracht. Die Legende, nach der bei der Übertragung der Marienfigur dieselbe 1539 herabgestürzt und zerbrochen sei, konnte am Röntgenschirm (1965) bestätigt werden. Mehrere Eisenstäbe halten in der Kniepartie die Statue zusammen.Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982, S. 73. Die im Sockel eingravierte Zahl 1453 dürften in Zusammenhang mit einem besonderen Ereignis stehen (Fall Konstantinopels ?), oder mit dem öffentlichen Aufstellen der davor privat verehrten Madonna. mini|Dreifaltigkeitsgruppe, um 1499