Die Staaten Deutschland und Vereinigtes Königreich sind beide Mitglieder des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der OECD und der NATO. Für mehrere Jahrzehnte war das Vereinigte Königreich zudem – wie auch Deutschland – Mitglied der Europäischen Union. Es hatte sich allerdings gegen einen Beitritt zur Eurozone und gegen die Abschaffung der Grenzkontrollen durch Beitritt zum Schengen-Raum entschieden.

Das Vereinigte Königreich unterhält die Britische Botschaft in Berlin und Generalkonsulate in Düsseldorf und München. Deutschland wird durch die Deutsche Botschaft London vertreten. Ein Generalkonsulat existiert im schottischen Edinburgh.

Geschichte Wurzeln Schon im 5. Jahrhundert nach Christus wanderten Angeln, Sachsen und Jüten aus dem Norddeutschen Tiefland in das zuvor von den römischen Truppen verlassene Großbritannien ein. So ist es zu erklären, dass die heutige englische Sprache in ihren Wurzeln auf das Altenglisch der damals immigrierten germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten zurückgeht. Somit hat die englische Sprache gemeinsame Wurzeln mit dem Niederdeutschen und Friesischen, wobei sich die englische Sprache wie das Deutsche und teilweise das Niederdeutsche zu einer eigenständigen Sprache entwickelte.

Mittelalter mini|Hochzeitsmahl von Heinrich V. und Mathilde von England

Im Mittelalter waren dynastische britisch-deutsche Beziehungen nicht sehr häufig. So bevorzugte das Haus Wessex zum Beispiel Heiratsverbindungen mit Frankreich. Zwei binational relevante Hochzeiten sind für das 12. Jahrhundert zu verzeichnen: 1114 ehelichte die Prinzessin Mathilde von England den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Heinrich V. und 1168 heiratete Herzog Heinrich der Löwe die Prinzessin Mathilde Plantagenet.

Der englische König Richard Löwenherz wurde von 1192 bis 1194 im Heiligen Römischen Reich festgehalten und kam erst nach der Zahlung von Lösegeld und der Leistung des Treueeids auf den Stauferkaiser Heinrich VI. wieder frei.

Richards Neffe Richard von Cornwall wurde im Juli 1235 durch die Hochzeit Friedrichs II. mit seiner Schwester Isabella zum Schwager des Staufers. In der Doppelwahl von 1256/57 eines römisch-deutschen Königs nach dem Tod Wilhelms von Holland (1256) wählte die englische Partei der deutschen Kurfürsten (Köln, Mainz, Pfalz) Richard zum römisch-deutschen König. Er wurde in Aachen gekrönt, konnte sich aber kaum mehr durchsetzen als sein Gegenkönig Alfons von Kastilien. In Deutschland hielt er sich nur viermal für kurze Zeit auf (zuletzt 1269).

Handel und Hanse an der Themse

Seit dem frühen 11. Jahrhundert sind rheinische Kaufleute in London nachzuweisen, die hauptsächlich mit Wein handelten. 1175 erlangten einige Kölner Kaufleute durch Heinrich II Handelsprivilegien bzw. Schutzbriefe und begründeten eine gemeinsame Niederlassung an der Themse. Dieses Gebäude, die Guildhall, übersetzt Gilde- bzw. Zunfthaus, diente den zusammengeschlossenen Kaufleuten als Versammlungsort, Lager und gelegentlich auch für Wohnzwecke. Um 1238 und 1260 wurden von Heinrich III. die Privilegien der Kaufleute bestätigt, sie galten nunmehr für alle deutschen Hansekaufleute in London. Die Haupthandelsgüter der deutschen Kaufleute wandelten sich, anstelle des Wein traten vor allem Getreide und Tuche, die nach England importiert wurden.

mini|links|Haupthandelsrouten der Hanse im nordeuropäischen Raum Im 15. Jahrhundert bemühte sich das aufstrebende englische Handelsbürgertum immer mehr, die Vorrechte der Hanse im Ostseehandel zu brechen. Als 1468 mit Hilfe von der dänischen Krone gecharterten Danziger Kapern im Sund englische Schiffe aufgebracht und beschlagnahmt wurden, ließ Eduard IV. im Frühjahr 1469 die Guildhall stürmen und plündern. Die Kaufleute wurden zeitweilig inhaftiert und mussten für den im Sund entstandenen Schaden mit ihrem Vermögen haften. Das war der Anlass für den Hansisch-Englischen Krieg, der mit dem Frieden von Utrecht 1474 beendet wurde und die Rechte der Hanse bestätigte. Nach diesem Friedensschluss wurde den Kaufleuten das an die Guildhall angrenzende Gelände vom englischen König übertragen. Dieses Gelände wurde mit einer starken Mauer umgeben und Steelyard bzw. Stalhof genannt. Auf dem Gelände befand sich ein eigener Kran, eigene Wirtschafts- und Wohngebäude sowie ein Garten.

Seit dem Widerruf der Handelsprivilegien 1552 durch König Edward VI. hatte sich der Kölner Heinrich Sudermann, ab 1556 bis 1591 Syndikus der Hanse, auch bei den Nachfolgerinnen Edwards um Stabilisierung und Rettung des Stalhofs für die Hanse diplomatisch bemüht. Als Ende des 16. Jahrhunderts die Auseinandersetzungen um die Tuchexporte zunahmen und England mit dem deutschen Kaiser im Krieg lag, verfügte Königin Elisabeth am 13. Januar 1598 mit Wirkung zum 24. Januar die Ausweisung der hansischen Kaufleute aus England, deren Handelsprivilegien sie aufhob, sowie die Schließung und Beschlagnahmung des Stalhofs.Verfügung vom 13. Januar 1598 im Wortlaut (englisch)

Langes 19. Jahrhundert Briten, Deutsche und Napoleon Im Kampf gegen das revolutionäre Frankreich bzw. in den Napoleonischen Kriegen waren Briten und verschiedene deutsche Staaten oftmals Verbündete. Allerdings variierten die Koalitionen häufig, da Deutschland in viele verschiedene Staaten aufgeteilt war (territorialer „Flecktenteppich“). Zeitweise waren deutsche Staaten als Verbündete Frankreichs also auch Feinde des Vereinigten Königreichs (gerade die kleineren deutschen Staaten) oder mussten sich nach schweren Niederlagen der Feindseligkeiten enthalten (vor allem Preußen und Österreich).

Im Ersten Koalitionskrieg (1792–1797) kämpften die Staaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – unter anderem Preußen und Österreich – an der Seite der Briten gegen Frankreich. Letztendlich konnte sich das revolutionäre Frankreich gegen die verbündeten Mächte weitgehend durchsetzen.

Der Zweite Koalitionskrieg, auch Erster Napoleonischer Krieg (1798/99–1801/02), wurde von einer Allianz um Russland, Österreich und Großbritannien gegen das im ersten Koalitionskrieg erfolgreiche revolutionäre Frankreich geführt. Indirekt war die Niederlage der Alliierten für die völlige Neugestaltung des Heiligen Römischen Reiches durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) mitverantwortlich. Preußen unter seinem neuen König Friedrich Wilhelm III. blieb in diesem Konflikt neutral.

Der Dritte Koalitionskrieg, auch Zweiter Napoleonischer Krieg, fiel in das Jahr 1805. Er sah einige deutsche Staaten (insbesondere Württemberg, Bayern und Baden) bereits auf der Seite der aufsteigenden Macht Europas, des französischen Kaiserreichs. Gegner war eine Allianz um Großbritannien, Russland, Österreich, Schweden und Neapel. Das Ergebnis der Dritten Koalition war, dass Großbritannien zur See nunmehr die beherrschende Macht darstellte. In Kontinentaleuropa dominierte Napoleon Bonaparte. Dieser gestaltete die Verhältnisse insbesondere auch in Deutschland grundlegend um. Er schuf den Rheinbund (als eine Art französischer „Satellitenstaaten“), deren Mitglieder aus dem Heiligen Römischen Reich austraten. Daraufhin legte Kaiser Franz II. die Krone des Reiches nieder (1806). Napoleon hatte damit eine Epochenwende in der deutschen Geschichte erzwungen.

1806 errichtete Napoleon die Kontinentalsperre (eine Wirtschaftsblockade) gegen Großbritannien, die alle deutschen Staaten unterstützten bzw. unterstützen mussten und die bis 1814 Bestand hatte. Neben einigen für deutsche Industrien positive Auswirkungen hatte die Blockade oft fatale Folgen für den deutschen Handel mit Großbritannien, was in deutschen Landen verstärkt zu Schmuggel, sozialen Unruhen und sinkender Akzeptanz der napoleonischen Herrschaft führte. mini|links|Europa 1811. Mittelblau = Rheinbund, Tochterrepubliken und andere Satellitenstaaten; hellblau = Unterstützer der Kontinentalsperre

Der Vierte Koalitionskrieg, auch Dritter Napoleonischer Krieg, in den Jahren 1806 und 1807 fand zwischen Frankreich und den mit ihm verbündeten Staaten wie etwa den deutschen Mitgliedern des Rheinbundes auf der einen Seite und im Wesentlichen Preußen und Russland (später um Großbritannien und Schweden erweitert) auf der anderen Seite statt. Der alte preußische Staat brach schon nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 zusammen. Der Hof floh nach Ostpreußen. Die Hauptlast des Krieges lag nunmehr bei Russland. Nach der entscheidenden Niederlage gegen Napoleon in der Schlacht bei Friedland beendete der Frieden von Tilsit den Krieg. Preußen verlor dabei fast die Hälfte seines Gebietes, musste hohe Kriegsentschädigungen leisten und sank auf den Status eines minder mächtigen Staates herab. Dagegen befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Der Fünfte Koalitionskrieg oder auch Österreichisch-Französischer Krieg von 1809 bezeichnet die Auseinandersetzung zwischen dem von Großbritannien unterstützten Österreich und dem Kaiserreich Frankreich mit seinen deutschen Verbündeten im Rheinbund. Der Konflikt endete mit der Niederlage Österreichs.

mini|Treffen von Blücher und Wellington auf dem Schlachtfeld von Waterloo Die Befreiungskriege (1813–1815) gegen die Herrschaft Napoleons über Europa vereinte sukzessive mehr und mehr Staaten in einer anti-französischen Koalition. Sie folgten auf die Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812. Anfänglich bildeten Russland und Preußen eine Koalition. Später schlossen sich u. a. Großbritannien und Österreich an. Auch mehr und mehr deutsche Rheinbundstaaten wechselten ins anti-französische Lager (z. B. Bayern mit dem Vertrag von Ried am 8. Oktober 1813 kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813). Ein berühmtes – wenn auch nicht verbürgtes – Zitat zu den deutsch-britischen Beziehungen dieser Zeit stammt von Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington aus der Schlacht bei Waterloo: „Ich wollte, es wäre Nacht, oder die Preußen kämen!“

Die napoleonische Zeit endete schließlich mit dem Sieg der europäischen Staaten – darunter die meisten deutschen Staaten und Großbritannien – über Frankreich und mit der Neuordnung Europas bzw. dem Versuch einer Restauration der vorrevolutionären Verhältnisse auf dem Wiener Kongress (1814–1815).

Personalunion Großbritannien und Hannover und weitere Verbindungen mini|links|Hochzeit von Königin Victoria und Prinz Albert 1840

Von 1714 bis 1837 bestand die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover. In dieser Zeit erfolgte die Regierung des Hannoverschen Staates von der Deutschen Kanzlei in London aus. Die Personalunion endete mit der Thronbesteigung der englischen Königin Victoria, da das Königreich Hannover die weibliche Thronfolge nicht vorsah. Aber auch nach dem Ende dieser Union rissen die dynastischen Verbindungen nach Deutschland nicht ab. Victoria war die Tochter von Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld und ehelichte Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.

Victorias Tod beendete die Herrschaft des Hauses Hannover auf dem britischen Thron. Mit ihrem Sohn König Eduard VII. begann die Herrschaft des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Dessen Sohn Georg V. war der Vetter des deutschen Kaisers Wilhelm II. – die beiden Monarchen standen ihren Ländern schließlich als Feinde im Ersten Weltkrieg vor.

Reichsgründung und Bismarck